morgana81 - gothic transgender

Sternzeit irgendwas, Logbucheintragung des Captains:

[01.01.70 / 00:00] Sternzeit irgendwas, Logbucheintragung des Captains:

[24.05.21 / 21:12] Pfingstsonntag, der dritte Tag bzw. die dritte Nacht des Festivals, ich bin kurz vor 22 Uhr wieder zurück, der Stream läuft bestimmt schon seit 18 Uhr. Schnell die rote LED-Leiste auf dem Holzregal im Flur gegenüber der Badezimmertür bereitlegen und den Stecker finden. Den Barhocker vor meinem Kleiderschrank im Dachbodenzimmer gegenüber dem Computertisch mit den Studiomonitoren und dem Mischpult positionieren. Die bunte LED-Lichterkette über meiner Sofasitzecke, hängend an der Kabelbeleuchtung mit den Strahlern, einschalten. Die Stereoanlage anschalten, das Strobo-Effektgerät ausrichten, den Computer hochfahren, den Livestream des kleinen Musikfestivals starten und die Regler am Mischpult schnell einpegeln. Ich schaffe alles noch rechtzeitig vor dem "Einlaß um 22 Uhr" - also die Tür zur Dachbodenetage. Meine Klamotten ziehe ich schnell um, von "familienschwarz" auf "zu-Hause-schwarz" (ist eigentlich dasselbe). Die Musik läuft ... ich bin wieder mit dabei (und schon wieder nur fünf Stunden Schlaf).
Diese Nacht übernimmt das Festivalprogramm ein befreundetes DJ-Kollektiv, deren Auftritte ich in "echt" schon aus Leipzig kenne ... eigentlich sind die auftretenden Künstler aber viel mehr verteilt, so irgendwie zwischen Berlin und angeblich Bielefeld. Die auftretenden drei oder vier Bands sind live ... richtig live. Die aufwendige Kameraführung, Schnitt- und Audiotechnik ist mir schon bei dem anderen kleinen Online-Festival vor drei oder vier Wochen aufgefallen. Die Deko der Bühne oder des "Bühnenkäfigs" ist außergewöhnlich. Ich stehe neben meinem Barhocker mit einer Flasche Wasser in der Hand zwei Meter vor meinem 22-Zoll-Computerbildschirm und verfolge gebannt den Auftritt der zweiten Band des Abends ... für mich die erste Band, die davor habe ich leider verpaßt, echtes Festival-Feeling.
Die Auftritte der einzelnen Bands gehen länger als die kurzen Clips vom ersten Tag, mehr Titel, mit Pausen und Kommentaren am Mikro ... speziell diese Pausen sind so merkwürdig still - wo ist der Beifall des Publikums? Die klatschenden Hände? Ich vermisse die Menschen um mich herum, die Nacht davor war ich schon richtig berührt, als bei einem Live-DJ-Set in ein Wohnzimmer geblendet wurde und ich die ganzen tanzenden Menschen um das DJ-Pult sehen konnte - alle vier oder fünf mit einem Glas in der Hand ... so wie ich, zum selben Moment exakt zu Hause vor meinem Computerbildschirm, fröhlich schwankend. Ihr könnt mich nicht sehen, aber ich bin mental bei euch. [Anm. der Verfasserin: Das war doch diese Nacht, aber eigentlich beide...]
Genau das passiert jetzt auch mit den Sets des DJ-Kollektivs in dem laufenden Videostream, das ich den letzten Tag, die letzte Nacht aus meinem Wohnzimmer mit verfolge. Ich überlege mir schon die Gedanken, wenn das Festival wieder in echt stattfindet und ich freudestrahlend mein Ticket am Eingang einlöse und allen anwesenden Menschen verkünden kann: Ihr wart bei mir zu Hause und ich war bei euch zu Hause und wir haben das zusammen durchgestanden! Die an sich schon kleine Szene ist jetzt noch viel, viel mehr familiärer. Die DJs senden aus einem Keller oder Proberaum oder Tonstudio / Wohnzimmer irgendwo in Deutschland, ich kann am Bildschirm alles sehen, die Einrichtung, die Technik, die Gesichter, die Emotionen.
Dadurch, daß es die dritte Nacht ist und mir der Schlaf fehlt, tanze ich nicht ganz so durchgehend auf meiner kleinen Wohnzimmertanzfläche. Den Lautstärkepegel senke ich den späten Abend und die Nacht schon stündlich, ab 1 Uhr den sehr frühen Morgen folge ich dem kleinen Rat aus meinem persönlichem Umfeld und stelle alles auf Silent Disco um - ein Kopfhörer mit langem Kabel an meiner Stereoanlage zum Tanzen in meiner Lichterecke, der andere Kopfhörer (der schwere DJ-Kopfhörer) am Ausgang für den Control Room und den abgedrehten Studiomonitoren an meinem Mischpult vor dem Computer. Es geht für mich weiter ... aber davon bekommt die Nachbarschaft nichts mit.
Wie lange gehen die DJ-Sets und die Musik noch? Ich habe auf dem zweiten Computerbildschirm den auf die schnelle erstellten und irgendwie improvisiert, aber genial wirkenden Zeitplan aka "Schedule" des Festivals eingeblendet ... ich glaube, die Mannschaft will die legendäre 13-Uhr-Marke knacken, eine aus dem von mir verfolgten Chat-Verlauf angeblich von einem Benutzer erwähnte, frühere Legende - aber ich war nie länger als bis 7:30 Uhr dabei, vielleicht auch einmal bis um 8 oder 8:30 Uhr, aber das ist schon ewig her. Noch sehen die auflegenden DJs ganz gut aus, fröhlich tanzend, mit Glas umherschwankenden Party-Bewegungen ... spätestens ab 2 oder 3 Uhr nachts sitze ich nur noch mit meinem Kopfhörer mit den dicken Ohrmuscheln auf meinem Drehstuhl vor dem Computer, stoße mit meinem Glas an und beobachte das ganze virtuelle Treiben höchst amüsiert, ich will auch durchmachen ... mindestens bis zum Sonnenaufgang mit dem Dachbodenfenster neben mir nach Süd-Osten.
4 Uhr ... Vögel fangen an, das Dunkle der Nacht verschwimmt in das Grau-Blaue. Ich bin irgendwie schon kaputt. Die DJs da in dem Livestream sind auch schon mindestens 15 oder 20 Jahre in der Szene und so alt wie ich, ich muß das wissen, ich bin seit 2002 - besser 2003 mit dabei und habe in Briefumschlägen im Schrank wahrscheinlich hunderte gesammelte Papier-Flyer mit den bekannten DJ- und Künstlernamen von den verschiedensten kleinen Veranstaltungen quer durch Deutschland (und Europa). Ich sollte mich vielleicht doch etwas hinlegen, den Stream pausieren, noch bevor es ganz hell wird, etwas schlafen. Vielleicht schlafe ich bis Mittag, vielleicht auch gar nicht. Alles ausschalten, kurz ins Bad, noch einmal die kühle Morgenluft durch die geöffneten Dachbodenfenster über die Tanzfläche brausen lassen und dann auf der Matratze versinken.

9:30 Uhr ... waren das jetzt wieder nur fünf Stunden Schlaf? Die dritte Nacht? Der 4-9-Rhythmus hat sich irgendwie eingewöhnt. Erste Schritte aus dem Bett fallend, zum Computer, den Livestream starten, mich einklinken ... läuft immer noch. Blick auf die Timetable - was habe ich verpaßt, welche DJs kommen noch, was könnte interessant werden. Dadurch, daß die mehrmals in Schichten, oder Slots auflegen, habe ich von allen ein Set gesehen oder gehört (oder werde es noch). Morgenroutine, wie von Freitag auf Sonnabend 48 Stunden zuvor, die Soundanlage langsam hochdrehen, ins Bad verschwinden, duschen, zurück mit dem Handtuch auf dem Bett die Musik hören ... tanzen, wieder ins Bad wechseln, Kosmetika auftragen. Die DJs in dem Livestream wechseln sich ab ... Boah, sehen die alt aus. Besonders der eine DJ, das könnte auch mein Alter sein, er hat den Slot irgendwann zwischen 2 und 4 Uhr aufgelegt, ein paar Stunden pausiert und geruht (nur meine Vermutung) und steht jetzt wieder vor den Decks und der Videokamera, richtig gute Musik auflegend ... genau den Moment, als ich auch wieder aus meinem Badezimmer falle, hunderte Kilometer entfernt aber live dabei. Seine bunte Sonnenbrille verdeckt nur die tiefen Augenringe. Ich sehe alles an meinem Bildschirm und fühle mich jetzt richtig verbunden.
11 Uhr ... Kaffee. Ich muß nicht vor dem Bildschirm sitzen, ich kann auch mal in den Garten gehen, das kleine Espresso-Täßchen (eigentlich Macchiato) mit raus nehmen. Zurück auf dem Dachboden alles weiter verfolgen, für Essen wieder verschwinden, die Musik läuft weiterhin ... in der Lautstärke gedämpft. Ein kleines Chill-out-Set wäre jetzt nicht schlecht, aber die Synth-/Wave-/Disco- und Punk-Musik trifft es auch. Ihr Studio, von dem aus sie ihren Livestream senden, ist tatsächlich irgendwie so eine Art Keller? Während bei mir den Pfingstmontag Mittag die Sonne scheint, taucht bei dem DJ-Kollektiv ein kleiner Lichtschein in einem kleinen Fenster oben in einer Ecke auf. Und ich habe erträumt, jetzt könnte mal eine Live-Schaltung in einen benachbarten Garten kommen ... so etwas Ibiza-Hacienda mäßiges.
13 Uhr - die Marke ist geknackt, noch über hundert Zuschauer in dem Stream, es wird sehr herzlich in dem Chat-Fenster - ich wünschte, ich könnte daran teilhaben, aber ich bin immer noch nicht in dem Videoportal registriert. 14 Uhr ... die Crew hat meinen und den gesamten Respekt der Fans und der Stream läuft immer noch und könnte ewig so weitergehen.
14:30 Uhr - Stille - die DJs verkünden das Ende der Übertragung und spielen das letzte Musikstück an ... wo ist das Emoji mit großen Kulleraugen und dem Hundeblick? Aber ich habe doch gerade angefangen, den Montag auf dem anderen Computerbildschirm nebenbei etwas zu arbeiten? Ihr könnt doch jetzt nicht einfach aufhören? Tränen ... der Abschied ist so emotional. Ihr kennt mich nicht, aber ihr seid alles meine Freunde! Wenn wir uns in echt wiedersehen, werden ganz viele euch umarmen wollen. So vielen Dank für diesen wundersamen Livestream, das Online-Festival, die Mühe und die Energie, die ihr mit da rein gesteckt habt - und die schöne Zeit, die ich ... wir mit euch verbringen durften. Wirklich vielen Dank!

Gothic Pogo Festival
Mutant Transmissions
UNTER NULL Kollektiv

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Kommentar:

[05.12.22 / 17:34] Daniele1992: Hallo Morgana

Mail ist heute rausgegangen

LG Daniele

[13.11.22 / 09:33] Daniele1992: Hallo Morgana

aktuell keine schöne Situation. Ich schreibe Dir noch eine Mail dazu.

LG Daniele

Morgana LaGoth: Einige Kommentare müssen auch nicht allzu öffentlich sein …

[13.05.22 / 09:15] Daniele1992: Hallo Morgana,

Tolle Reisebericht von Deiner neusten Reise nach Paris. Macht grosse Lust auch wieder dort hinzufahren um sich von der Stadt inspirieren zu lassen.

Tolle Neuigkeiten.NeuerJob. Klasse! Freue mich für Dich.

Liebe Grüße
Daniele

Morgana LaGoth: Danke. Endlich wieder verreisen … lange darauf gewartet. Lebendig bleiben, solange es noch geht.

[24.12.21 / 20:55] Daniele1992: Hallo Morgana,

Ich denke an Dich und wünsche Dir frohe Weihnachten und ein schönes neues Jahr 2022.

Liebe Grüße
Daniele

Morgana LaGoth: Vielen Dank, ich wünsche dir ebenfalls ein schönes, neues Jahr.

[25.09.21 / 14:59] Daniele1992: Hallo,

eine Chance etwas Neues zu machen. Neue Perspektiven. Urlaubsträume, die bald real werden können. Nicht so schlecht. Freue mich für Dich. LG Daniele.

Morgana LaGoth: Danke dir.

[11.11.20 / 09:12] Daniele1992: Hallo Morgana

Ich habe Dir eine Mail geschickt.

Lg
Daniele

Morgana LaGoth: Hey ... vom Lenkrad aus mit der Hand winken, von einem MX-5 zum anderen. *freu*

[30.07.20 / 22:03] Daniele1992: Guten Abend

das habe ich sehr gerne gemacht. Zum Einen interessiert mich das Thema und zum Anderen hast Du wirklich sehr lebendig und spannend geschrieben. Da wollte ich Alles lesen und wollte Dir schreiben, das mir Dein Blog besonders gut gefallen hat (Die eigentliche Arbeit hattest Du ja mit dem Verfassen des Blogs). Wenn Du magst können wir den Kontakt gerne per Mail halten. Viele Grüße Daniele

Morgana LaGoth: Mail-Adresse steht oben bei "kontakt" - bei weiteren Fragen, gerne.

[30.07.20 / 12:44] Daniele1992: Guten Morgen,
vielen Dank für Deinen tollen Blog. Ich habe ihn in den letzten Wochen komplett gelesen. Meistens konnte ich gar nicht aufhören zu lesen. Fast wie bei einem sehr spannenden Roman. Ich habe dabei Deine genauen Beobachtungen und Beschreibungen sehr genossen. Deine vielen Ausflüge in die Clubs und zu den Festivals oder Deine Streifzüge d durch die Geschäfte beschreibst Du immer aus Deiner Sicht sehr anschaulich und spannend. Ich kann das sehr gut nachvollziehen, das alleine zu erleben, häufig auch mit einer gewissen Distanz. Ich kenne ich von mir sehr gut. Highlights sind Deine Reiseberichte. Deine Erlebnisse an den unterschiedlichsten Orten auf der Welt. Vielen Dank dafür. Vielen Dank auch das Du Deinen Weg zu Deinem waren Geschlecht mit uns Lesern teilst. Deinen Weg Deine Gefühle Deine zeitweisen Zweifel. Das ist sehr wertvoll auch für uns Andere, denn es ist authentisch und sehr selten. Du bist einem dadurch sehr vertraut geworden. Für mich ist eine gefühlte grosse Nähe dadurch entstanden. Umso mehr schmerzt es mich von Deinen Rückschlägen zu lesen. Von Deinem Kampf zu Deinem wahren Ich. Von Deinem Kampf umd Liebe, Zährlichkeit und Akzepzanz und Anerkenung. Von Deiem mitunter verzweifeltem Kampf nach Liebe und Anerkennung durch Deinen Exfreund. Leider vergeblich. Dein Kampf um wirtschaftliche Unabhängigkeit und Deine aktuell missliche Lage. Ich glaube dass Du nicht gescheitert bist. Du hast viel Mumm und Hardnäckigkeit bewiesen Deinen Gang zu Dir selbst zu gehen. Du hast auch einen guten Beruf der immer noch sehr gefragt ist. Vielleicht kann ja nach dieser Auszeit und etwas Abstand ein Neuanfang in einer anderen Firma, wo Du keine Vergangenheit als Mann hattest gelingen. Ich wünsche das Dir ein Neuanfang gelingt und drücke Dir ganz fest die Daumen. Daniele

Morgana LaGoth: Da liest sich tatsächlich jemand alles durch? Das ist mittlerweile schon ein kompletter Roman mit mehreren hundert Seiten! Danke dir, für deinen Kommentar (und die aufgebrachte Zeit).

[05.10.19 / 17:11] Drea Doria: Meine liebe Morgana,
bin 5 T post all-in-one-FzF-OP. Deine guten Wünsche haben geholfen. Der Koch ist immernoch noch super. Alle hier sind herzlich und nehmen sich Zeit.
Herzlich
Drea

Morgana LaGoth: Dann wünsch ich dir jetzt noch viel mehr Glück bei deiner Genesung!

[14.06.19 / 12:57] Drea Doria: Meine liebe Morgana,

vielen Dank für Deine offenen und kritischen Erlebnisberichte. Ich bin in 3 Monaten in Sanssouci zur FzF-OP. Ich denke auch, was kann schon schief gehen, status quo geht nicht und irgendwas besseres wird wohl resultieren. Wenn es Dich interessiert, halte ich Dich informiert. Drücke mir die Daumen.
Herzlich
Drea

Morgana LaGoth: Ich wünsche dir für deine Operation viel Glück. (Sollte der Koch nicht gewechselt haben, das Essen da in der Klinik ist richtig gut!)

[14.11.17 / 20:13] Morgana LaGoth: Nutzungsbedingungen für die Kommentarfunktion: Die Seitenbetreiberin behält sich das Recht vor, jeden Kommentar, dessen Inhalt rassistisch, sexistisch, homophob, transphob, ausländerfeindlich oder sonstwie gegen eine Minderheit beleidigend und diskriminierend ist, zu zensieren, zu kürzen, zu löschen oder gar nicht erst freizuschalten. Werbung und Spam (sofern die Seitenbetreiberin dafür nicht empfänglich ist) wird nicht toleriert. Personenbezogene Daten (Anschrift, Telefonnummer) werden vor der Veröffentlichung unkenntlich gemacht.

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