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Sternzeit irgendwas, Logbucheintragung des Captains:

[01.01.70 / 00:00] Sternzeit irgendwas, Logbucheintragung des Captains:

[13.01.21 / 20:03] Der erste Eintrag im neuen Jahr, der erste Eintrag aus dem Untergrund, das geheime Tagebuch, der Spiegelserver, das Deep Web ... und so weiter. Aus dem Plan, in der Nacht zu Neujahr ein DJ-Set online zu streamen, ist leider nichts geworden. Abgesehen davon, daß ich auf meinem Laptop zuerst ein komplettes Upgrade des Linux-Betriebssystems durchführen mußte, um überhaupt erst eine neue Version der DJ-Software mit den nötigen Packages für den Controller zu nutzen, saß ich den ganzen Abend an dem kleinen Couchtisch und habe stundenlang die Playlist bearbeitet. Momentan umfaßt diese immer noch 50 Stunden Musik mit etwas über 500 Musiktiteln aus allen meinen Radiosendungen zwischen 1999 und 2015. Zuviel ... außer ich lege nonstop ein ganzes Wochenende auf (und dabei ist mir vollkommen entgangen, daß andere DJs aus meinem Szeneumfeld genau das den Silvesterabend gemacht haben - sogar mit Online-Schaltung zu interessanten Bands, die ich mag und kenne).
Die Tage danach ... die mystischen Tage und Nächte zwischen Sonnenwende, Neujahr und der ersten Kalenderwoche, auch bekannt als die "Rauhnächte" (hier keine Kleidung waschen). Ich sitze vor meinen drei Computerbildschirmen, ein Terminal eingeloggt auf meinem angemieteten Server weit entfernt in einer Großstadt, mein Laptop (genau der aus dem Textabsatz eben) und der Rechner an meinem PC-Tisch. Zeilen mit grünen Buchstaben auf schwarzen Hintergrund rattern in den Konsolenfenstern herunter, der Bildschirm des Laptops am Couchtisch zeigt zusätzlich noch die Oberfläche des Netzwerkanalyseprogramms Wireshark und zeichnet alle Pakete zwischen mir, meinem WLAN und dem Server irgendwo in Deutschland auf. "OpenVPN" steht in der Spalte für das verwendete Protokoll - ein Wahnsinnsgefühl, zu wissen, es funktioniert! Alle Pakete zwischen dem im WLAN eingeloggten Laptop (oder wahlweise meinem Smartphone) werden verschlüsselt im Tunnel zu meinem externen Server übertragen - und von dort aus weiter ins Internet (und zurück).
Hintergrund der ganzen Sache und der ganzen Bastelei an einem eigenen VPN-Server, ist der Gedanke, wenn ich demnächst ein paar Wochen stationär in einer Klinik bin und mich dort in das WLAN für die Patienten einlogge, dann brauche ich unbedingt ein funktionierendes VPN. Als Rückfallösung habe ich sicherheitshalber auf meinem Smartphone (und auf meinem Laptop sowieso seit längerem) den Tor Browser installiert, dieser sollte im Bedarfsfall die von mir aufgerufenen Internetseiten vollständig über HTTP absichern bzw. verschlüsseln. Mails gehen über TLS und Remote-Zugang auf meinen Server über SSH ... wie stehe ich denn sonst da, wenn ich ich mich als "IT-Testerin für sicherheitsrelevante Software" vorstelle? [Anm. der Verfasserin: Mein Blog im Internet sollte jetzt auch fehlerfrei über "https://" funktionieren.]

Dann wäre da noch die andere Sache ... beim Ausräumen der Wohnung unter mir, sind alte Bücher aus der NS-Zeit aufgetaucht, wem genau die mal gehört haben, wer die damals beschafft hat und warum die die ganzen Jahrzehnte von Kriegsende bis jetzt immer noch in dem Bücherschrank lagen, weiß ich nicht. Auf alten Familienfotos sehe ich vieles aus der Zeit, Kriegsbilder, Männer in Wehrmachtsuniformen, gefallene Großonkels auf Familienbesuch, die ich nie kennengelernt habe. An sich nichts Ungewöhnliches, ich bin nun mal in Deutschland geboren. Militaria kann ich verkaufen oder sammeln (ich hätte da noch was im Schrank...) aber diese drei, vier Bücher? Purer Haß, voller Gedankengift über "Rasse und Seele" und "Wie erkenne ich einen Juden, wenn ich ihm auf offener Straße begegne?" (Wahrscheinlich, um ihn dann schnellstmöglich totzuschlagen.)
In mir vibriert es, für die antifaschistische Sache! ich muß diese Bücher verbrennen, vernichten, auf daß nie wieder irgendjemand diesen Scheiß liest und sich davon beeinflußen läßt! Allein, wenn schon das erste Kapitel mit "Die Juden" anfängt ... aber werde ich dann nicht genauso?
Früher zu der finsteren Zeit wurden auch eine Menge Bücher verbrannt - und die Menschen damals waren auch sehr von ihrer Sache überzeugt. Und könnte es nicht auch sein, daß ich gerade Beweise vernichte? Um möglichst jede Verbindung zu dieser Zeit zwischen 1933 und 1945 und zu meinen Familienahnen zu kappen? Ich weiß nicht, was damals passiert ist, ich weiß nur von jetzt, mir wurde meine Nase gebrochen, ich wurde in der Straßenbahn angemacht: "Endstation Auschwitz" und ich wäre ganz bestimmt "damals vergast worden." Und ich war in Israel - und ich habe mich da unter den Menschen sehr wohlgefühlt. Die Bücher müssen weg.
Verbrennen kann ich die so einfach nicht im Garten, vielleicht ist durch die Lettern noch Blei in der Druckerschwärze, unter Umständen könnte noch dunkler Rauch aufsteigen und besorgte Nachbarn hinter ihren Gardinen und Fenstern die Nummer des Ordnungsamtes rufen. Ich stehe den Sonnabend in der Küche und lasse die Bücher eins nach dem anderen in den Papierschredder gleiten (so ein "Aktenvernichterding"). Ausgerechnet das Buch mit dem speziellen und beschichteten Fotopapier - ausgerechnet die Seite mit dem Schwarz-Weiß-Foto des "aschkenasischen, jüdischen Mannes" bleibt stecken und verheddert sich in dem Reißwolf. Ich muß es herausziehen, die untere Buchseite hängt in Fetzen, die obere Hälfte mit dem Portraitfoto von ihm ist intakt - als würde er mir sagen: Vergiß mich nicht. Ich schaue mir auch noch die andere Seite mit der bildhübschen und jungen, jüdischen Frau an ... beide sind schon lange tot. Nach Säuberung der Reißzähne von den Papierfetzen, gehe ich mit meiner Arbeit konsequent weiter. Die Unmengen von alten und vergilbten Papierstreifen mit einzelnen Buchstaben, gesetzt in Frakturschrift, landen in der Papiertonne vor dem Haus. Vier Bücher - von dieser Art - weniger in der Welt ... ich selbst habe mich nur getraut, die Bücher verkehrt herum auf dem Küchentisch liegend, die einzelnen Seiten herauszureißen, um auf keinen Fall irgend etwas von diesem niedergeschriebenen Nazi-Gift in meinen Kopf und meine Gedanken einfließen zu lassen.

Nach dieser dunklen Geschichte etwas Erheiterndes: Neue Schuhe für den Sommer! Ein Paar fabrikneue Sandaletten aus dem Onlineversand, mit Keilabsatz und rundherum einstellbar (Klett- und Schnallenverschluß) für meine Problemfüße (40, breit, hoher Knochen), superbequem und äußerst praktisch. Ich gehe fest davon aus, daß ich (und wir alle) diesen Sommer bald wieder verreisen können...

[Text freigegeben am 10.02.21 - Anm. der Verfasserin.]

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Kommentar:

[05.12.22 / 17:34] Daniele1992: Hallo Morgana

Mail ist heute rausgegangen

LG Daniele

[13.11.22 / 09:33] Daniele1992: Hallo Morgana

aktuell keine schöne Situation. Ich schreibe Dir noch eine Mail dazu.

LG Daniele

Morgana LaGoth: Einige Kommentare müssen auch nicht allzu öffentlich sein …

[13.05.22 / 09:15] Daniele1992: Hallo Morgana,

Tolle Reisebericht von Deiner neusten Reise nach Paris. Macht grosse Lust auch wieder dort hinzufahren um sich von der Stadt inspirieren zu lassen.

Tolle Neuigkeiten.NeuerJob. Klasse! Freue mich für Dich.

Liebe Grüße
Daniele

Morgana LaGoth: Danke. Endlich wieder verreisen … lange darauf gewartet. Lebendig bleiben, solange es noch geht.

[24.12.21 / 20:55] Daniele1992: Hallo Morgana,

Ich denke an Dich und wünsche Dir frohe Weihnachten und ein schönes neues Jahr 2022.

Liebe Grüße
Daniele

Morgana LaGoth: Vielen Dank, ich wünsche dir ebenfalls ein schönes, neues Jahr.

[25.09.21 / 14:59] Daniele1992: Hallo,

eine Chance etwas Neues zu machen. Neue Perspektiven. Urlaubsträume, die bald real werden können. Nicht so schlecht. Freue mich für Dich. LG Daniele.

Morgana LaGoth: Danke dir.

[11.11.20 / 09:12] Daniele1992: Hallo Morgana

Ich habe Dir eine Mail geschickt.

Lg
Daniele

Morgana LaGoth: Hey ... vom Lenkrad aus mit der Hand winken, von einem MX-5 zum anderen. *freu*

[30.07.20 / 22:03] Daniele1992: Guten Abend

das habe ich sehr gerne gemacht. Zum Einen interessiert mich das Thema und zum Anderen hast Du wirklich sehr lebendig und spannend geschrieben. Da wollte ich Alles lesen und wollte Dir schreiben, das mir Dein Blog besonders gut gefallen hat (Die eigentliche Arbeit hattest Du ja mit dem Verfassen des Blogs). Wenn Du magst können wir den Kontakt gerne per Mail halten. Viele Grüße Daniele

Morgana LaGoth: Mail-Adresse steht oben bei "kontakt" - bei weiteren Fragen, gerne.

[30.07.20 / 12:44] Daniele1992: Guten Morgen,
vielen Dank für Deinen tollen Blog. Ich habe ihn in den letzten Wochen komplett gelesen. Meistens konnte ich gar nicht aufhören zu lesen. Fast wie bei einem sehr spannenden Roman. Ich habe dabei Deine genauen Beobachtungen und Beschreibungen sehr genossen. Deine vielen Ausflüge in die Clubs und zu den Festivals oder Deine Streifzüge d durch die Geschäfte beschreibst Du immer aus Deiner Sicht sehr anschaulich und spannend. Ich kann das sehr gut nachvollziehen, das alleine zu erleben, häufig auch mit einer gewissen Distanz. Ich kenne ich von mir sehr gut. Highlights sind Deine Reiseberichte. Deine Erlebnisse an den unterschiedlichsten Orten auf der Welt. Vielen Dank dafür. Vielen Dank auch das Du Deinen Weg zu Deinem waren Geschlecht mit uns Lesern teilst. Deinen Weg Deine Gefühle Deine zeitweisen Zweifel. Das ist sehr wertvoll auch für uns Andere, denn es ist authentisch und sehr selten. Du bist einem dadurch sehr vertraut geworden. Für mich ist eine gefühlte grosse Nähe dadurch entstanden. Umso mehr schmerzt es mich von Deinen Rückschlägen zu lesen. Von Deinem Kampf zu Deinem wahren Ich. Von Deinem Kampf umd Liebe, Zährlichkeit und Akzepzanz und Anerkenung. Von Deiem mitunter verzweifeltem Kampf nach Liebe und Anerkennung durch Deinen Exfreund. Leider vergeblich. Dein Kampf um wirtschaftliche Unabhängigkeit und Deine aktuell missliche Lage. Ich glaube dass Du nicht gescheitert bist. Du hast viel Mumm und Hardnäckigkeit bewiesen Deinen Gang zu Dir selbst zu gehen. Du hast auch einen guten Beruf der immer noch sehr gefragt ist. Vielleicht kann ja nach dieser Auszeit und etwas Abstand ein Neuanfang in einer anderen Firma, wo Du keine Vergangenheit als Mann hattest gelingen. Ich wünsche das Dir ein Neuanfang gelingt und drücke Dir ganz fest die Daumen. Daniele

Morgana LaGoth: Da liest sich tatsächlich jemand alles durch? Das ist mittlerweile schon ein kompletter Roman mit mehreren hundert Seiten! Danke dir, für deinen Kommentar (und die aufgebrachte Zeit).

[05.10.19 / 17:11] Drea Doria: Meine liebe Morgana,
bin 5 T post all-in-one-FzF-OP. Deine guten Wünsche haben geholfen. Der Koch ist immernoch noch super. Alle hier sind herzlich und nehmen sich Zeit.
Herzlich
Drea

Morgana LaGoth: Dann wünsch ich dir jetzt noch viel mehr Glück bei deiner Genesung!

[14.06.19 / 12:57] Drea Doria: Meine liebe Morgana,

vielen Dank für Deine offenen und kritischen Erlebnisberichte. Ich bin in 3 Monaten in Sanssouci zur FzF-OP. Ich denke auch, was kann schon schief gehen, status quo geht nicht und irgendwas besseres wird wohl resultieren. Wenn es Dich interessiert, halte ich Dich informiert. Drücke mir die Daumen.
Herzlich
Drea

Morgana LaGoth: Ich wünsche dir für deine Operation viel Glück. (Sollte der Koch nicht gewechselt haben, das Essen da in der Klinik ist richtig gut!)

[14.11.17 / 20:13] Morgana LaGoth: Nutzungsbedingungen für die Kommentarfunktion: Die Seitenbetreiberin behält sich das Recht vor, jeden Kommentar, dessen Inhalt rassistisch, sexistisch, homophob, transphob, ausländerfeindlich oder sonstwie gegen eine Minderheit beleidigend und diskriminierend ist, zu zensieren, zu kürzen, zu löschen oder gar nicht erst freizuschalten. Werbung und Spam (sofern die Seitenbetreiberin dafür nicht empfänglich ist) wird nicht toleriert. Personenbezogene Daten (Anschrift, Telefonnummer) werden vor der Veröffentlichung unkenntlich gemacht.

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