morgana81 - gothic transgender AWAY WITH YOU - Covid‑19 pandemic 2020‑2023 🎈

Sternzeit irgendwas, Logbucheintragung des Captains:

[01.01.70 / 00:00] Sternzeit irgendwas, Logbucheintragung des Captains:

[31.12.19 / 19:38] Und wieder eines von meinen "Anti-Silvester" (ich hasse diesen Tag abgrundtief) - den Abend allein vor dem Computer sitzen, irgend etwas programmieren (meine Mail-Software) und mich über dieses asoziale Geballer da draußen aufregen.

[27.12.19 / 01:42] "Du warst mal ein Kerl ... ich fühle mich verarscht ... alle meine Kumpels haben mich gewarnt ... ich könnte kotzen ... früher hätten sie sowas wie dich vergast ... ich habe gleich gespürt, daß da, da unten, etwas bei dir nicht stimmt - du fühlst dich an wie eine Frau, du sprichst wie eine Frau, du siehst aus wie eine Frau, du riechst wie eine Frau, deine langen Haare, deine Titten, deine Haut, deine Stimme ... nur da unten ist etwas falsch ... zu kurz, zu eng, keine Gefühle - ich hätte es wissen müssen, ich wollte es nicht wahr haben ... tut mir leid, ich mag dich, glaub mir ... aber ich will und werde dich nie wieder anfassen ... es war etwas Einmaliges ... ich bereue es und es wird nie wieder vorkommen ... hättest du es mir vorher gesagt - niemals!"
Das Telefonat mit ihm geht etwa eine Stunde oder länger, er haßt Schwule, Lesben, Trans, Pädos und alles andere. Meine gemeinsame - und schöne - Zeit mit ihm, als er noch nicht wußte, was ich bin, beruht auf ein Mißverständnis. Seine witzige Bemerkung, er hatte mal (vor mir) "eine Frau mit Eiern", war ironisch gemeint ... ich habe es (naiv wie ich bin) für wahr empfunden und mich bei ihm sicher und geborgen gefühlt - endlich mal einer, dem es wohl scheißegal ist, was ich bin oder was ich war. Ich dachte, jeder sieht es mir an (letztlich wurde mir auf offener Straße sogar "Tunte" hinterher gerufen) und ich finde in ihm einen Freigeist, einen Outsider, einen Rocker, einen Rebellen ... jemanden, der eine von der Gesellschaft Ausgestoßene wie mich aufnimmt. Dem war nicht so.
Eine ganze Stunde hätte ich am Telefon heulen können ... nur ein paar Tränen, ich halte das meiste zurück, versuche es, mir nicht anmerken zu lassen (er bemerkt es doch). Es wird ein einseitiger Monolog. Er kann nicht verstehen, wie sich jemand - ein Mann - als Frau fühlen kann und sich operieren läßt, es geht nicht in seinen Kopf. Oh, doch! Und wie! Genau wie du dich dagegen sträubst, wie sehr es dich ekelt, schwul, trans oder sonstwas zu sein - so sehr widerspricht sich in mir der Gedanke, ein Mann zu sein, das angeborene "Teil" da unten anzunehmen und mich meinem genetischen Schicksal zu fügen! Ich bin, war und werde immer eine Frau sein - frei!

Weitere Gedankengänge ... ziehe ich mich von der Männerwelt zurück? Verabrede ich mich nicht mehr mit Männern? Wie jetzt, du mußt nicht kotzen, wenn du mich nackt siehst? (Ich bin häßlich? Eine verstümmelte Mißgeburt?) Es nagt an meinem Selbstbewußtsein ... Selbstzweifel, von meinem Selbstvertrauen und -sicherheit ist schon lange nichts mehr übrig. Keine längeren Beziehungen, keine Freundschaften, keine Erwerbsbiographie ... nur Männer, die mich für kurze Zeit benutzt haben, nichts weiter.

"Bildlich gesehen streckt er mir seine Hand aus, um mich aus der düsteren Finsternis und dem Loch zu ziehen" ... und dann schubst du mich da wieder runter.

[17.12.19 / 15:59] "Schon wieder das Auto kaputt gefahren, Scheiß Parkhaus, Seitenschweller abgerissen, doofe Bordsteinkante bei der Schranke", Auszug der Kontaktnachricht an meine Liebhaber. Liegt es wirklich an den Hormonen? Es ist genau dieses eine beschissene Parkhaus, in dem ich auch meinen alten Fiat überall kaputt gefahren habe [blog/2015/08/nein/] ... in Leipzig passiert mir so etwas nie (bis jetzt).

[16.12.19 / 17:37] Das Wochenende wäre wieder eine 80er-Jahre-Party in dem Kellerclub in Connewitz ... mal am Telefon die virtuelle Liste mit meinen Männerbekanntschaften durchgehen, mein Kontakt nach Malta bekommt eine Nachricht, vielleicht treffe ich ihn ja mal wieder. Sonnabend Abend in meiner Wohnung, die Skinny-Jeans liegt noch genauso herum, wie ich sie das letzte Mal abgestreift habe, die neuen Stiefel mit Schuhspanner stehen auf dem Abtreter neben der Eingangstür - mein Outfit für die Nacht variiert mit dem schwarzen Fummel, den ich auf dem Hippie-Markt auf Ibiza gekauft habe (so eine Art quadratischer Poncho mit Quasten, Made in India). Für das Augen-Make-up vor dem Badezimmerspiegel nehme ich mir etwas mehr Zeit als sonst - ich verfolge interessiert die eine "Drag Show" auf einem nicht näher genannten Privatsender. Mehr schwarzer Mascara, mehr schwarzer Kajal - nur der untere Lidstrich und der schwarze Lidschatten fehlt noch und ich hätte wieder soviel Augen-Make-up wie in meinen frühen Jahren: "Panda- und Waschbär-Style!" Schweres, orientalisches Parfüm, die Halskette mit dem Ganesha-Anhänger und den Dezembertemperaturen entsprechenden Wollmantel und ich stehe ausgehfertig kurz vor 23 Uhr wieder auf der Straße neben meinem Auto. Auf in den Süden von Leipzig.
Die Parkplatzsuche ist schnell erledigt, meinen für alle Notfälle mitgenommenen Kapuzenpullover lasse ich auf dem Beifahrersitz, meinen Wollmantel gebe ich nach Einlaß in dem Club an der Garderobe ab, nur meinen grün-braun gemusterten Schal lasse ich für die ersten Runden auf der Tanzfläche und an der Bar an. Für die erste Stunde vor Mitternacht, in der nicht soviel los ist und nur eine handvoll Gäste gutgelaunt auf der Tanzfläche herumspringen, ist ein "Schallplattenunterhalter" engagiert worden - so richtig echt mit Zigarette, Vokuhila, Mikrofonansage ... so einen will ich auch mal für meine Hochzeit buchen!
Ein paar 80er-Jahre-Hits, ich stehe am Rand, ich tanze höchstens, wenn kurz Depeche Mode aufgelegt wird ... so wie das schwarz gekleidete Grufties in der Disko tun. Eine Frau kommt auf mich zu und lädt mich zum Tanzen ein - warum nicht? Ich tanze mit ... über die Anlage läuft Synthie-Pop, das ist jetzt nicht so artfremd. Sie scheint sehr nett zu sein, sehr offen, neu in Leipzig, war noch nie in diesem Club, wollte einfach mal ausgehen und tanzen. Wir wechseln hin und her zwischen Tanzfläche, Bar und einem Tisch zum Sitzen, meine Gedanken kreisen ... hat sie vielleicht ein spezielles Interesse an mir? Bin ich dafür überhaupt bereit? Wie wäre es einfach nur mit einem normalen, freundschaftlichen Kennenlernen? Ganz ohne diese ganzen Hintergedanken. Leider verliere ich sie in der zweiten Hälfte der Nacht aus den Augen, sie geht kurz raus zum Rauchen, ich stehe in der Warteschlange vor der Damentoilette, danach wechsele ich auf die zweite Tanzfläche.
Zwischen 1 und 2 Uhr sind die Kellergänge und die zwei Tanzflächen voll, eine lange Schlange Partygänger steht immer vor der Garderobe, ich weiß, warum ich hier bin: Der DJ auf der zweiten, kleinen Tanzfläche fängt gegen 2:30 Uhr nachts an, sein Italo-Set aufzulegen ... gefühlt 60 Minuten lang! Ich bin in der ersten Hälfte von der Tanzfläche kaum herunterzubekommen, den schwarzen Poncho rolle ich kurz zusammen und verstaue ihn in meiner Handtasche, nur die Jeans, die Stiefel, das schwarze Spaghettiträgertop und der glitzernde Nietengürtel sind mein Tanzflächenoutfit, die langen, blonden Haare über die linke Schulter nach vorne geworfen. Ich tanze, bis ich nicht mehr kann und mich in das Ledersofa am Eingang des Kellerraums versenke - der DJ legt weiter auf, ein Italo-Kracher nach dem anderen, Hi-NRG, wechselt sogar kurz in Detroit und House.
Gegen 3:30 Uhr den Sonntag Morgen in dem Club, ich muß so langsam mal ans Gehen denken, meine Bekanntschaft aus Malta ist nicht aufgetaucht, ich habe immer wieder die Gesichter abgesucht. Vor der Damentoilette ist nach wie vor eine Schlange, ich versuche es auf der Männertoilette. "So flexibel bin ich jetzt doch nicht", drei Kabinen, erste Tür: eine Besenkammer, zweite Tür: vollgekotzt, dritte Tür: verriegelt. Zurück auf die Damentoilette und Anstehen. Ich hätte ja auch das Pissoir für Männer benutzen können, mit viel Druck, vielleicht...?
Kurz vor 4 Uhr, ich habe meinen Mantel an der Garderobe abgeholt, den Club verlassen und laufe die paar Schritte zu meinem Auto. In weniger als einer Stunde werde ich wieder in meiner Wohnung sein, das ganze Augen-Make-up entfernt haben und in meinem Bett einschlafen. Den Sonntag Nachmittag werde ich meinen Biker-Freund besuchen. Mein Auto ... das jetzt vorne am Kühler eine neue, kleine Delle hat - weil schon zum dritten Mal hintereinander beim Anfahren in der heimischen Garage der Rückwärtsgang nicht richtig drinnen war und ich mit dem ersten Gang den halben Meter vorspringe und mein geparktes Motorrad anremple! Mein schönes Motorrad! Aber das ist massiv und zeigt keinen Kratzer (im Gegensatz zu dem "Plaste-Spoiler" an meinem Auto).

Sonntag ... kein Kuchen, ich esse in meiner Stammpizzeria eine extra große Pizza, mit Lachs und Spinat - damit ich dieses Mal etwas im Magen habe, wenn ich wieder zum Trinken genötigt werde. Eine Stunde Fahrtzeit und ich bin kurz vor 16:59 Uhr bei ihm ... so wie ich das angekündigt habe: "16 Uhr." Wieder eine freundschaftliche Begrüßung, ich habe ihn das letzte Wochenende versetzt, war zu beschäftigt. [Anm. der Verfasserin: Ich arbeite gerade an einem neuen Song, in dem ich die Beziehung zu meinem Ex-Freund aufarbeite.] Es wird ein Fernsehnachmittag und -abend auf seiner Couch, zuerst der übliche Sonntag-Nachmittag-Fantasy-Film, dann der Youtube-Clip-Abend. Die Flasche Rotwein wird geöffnet, die er extra für mich schon ewig auf Lager hat ... ein trockener, spanischer Rotwein, ich nippe über den Abend verteilt immer wieder an dem Glas und kann spüren, wie sich die Aromen verändern: frisch geöffnet, nach einer Stunde ausgezeichnet, danach Jetzt muß er aber weg. Stilecht mit einer Käseplatte.
Kurz vor Mitternacht ziehen wir uns in sein Bett zurück, ich mache mich nur kurz frisch im Bad und lege mich dann zu ihm - die "Anstandsdecke" zwischen uns. Was ist das mit ihm und mir? Eine kurzzeitige Episode? Eine Liaison? Er hat so eine zutraulich machende Art, versteht sich gut mit Hunden und Katzen, und anderen Tieren ... und Menschen. Wenn ich jetzt da unten so gebaut wäre (wenn die Operation nicht schiefgegangen wäre) ... ich bin kurz davor, ihn anzuspringen.
Montag Morgen, eher Mittag, er ist schon weg, noch bevor es hell wurde, ich stehe auf, mache mich schnell im Bad zurecht, schiebe zwei Brötchen in den Backofen - kein Kaffee (war alle) - ziehe mich an ... und nehme den 100-Euro-Schein, den er für mich auf dem Wohnzimmertisch hinterlegt hat (war eigentlich als Anzahlung von mir auf eine Reise gedacht). 12 Uhr nochwas sitze ich in meinem Auto und fahre zu mir nach Hause zurück ... und verpasse ihn um ein paar Minuten, er wäre kurz danach zum Mittagessen wieder da gewesen.

[02.12.19 / 20:16] Der Sonntag ... hatte ich den Sonnabend Morgen noch den Rest Müsli, aufgequellt in klarem Wasser, findet sich den Sonntag Mittag nichts Eßbares mehr in meiner kleinen Miniküche. Den leeren Kühlschrank ziehe ich einfach den Stecker, ich esse zwei Croissants (+ doppelten Espresso) in dem kleinen Café um die Ecke - ich bin da sowieso, um zwei Stück Kuchen für mich und meinem neuen Biker-Freund einzukaufen - ich fahre den frühen Sonntag Nachmittag ihn besuchen!
Das letzte Wochenende war schon ein Treffen geplant, aber ich habe mich da "nicht gefühlt", mußte ihn leider enttäuschen. Groß ist seine Freude (und meine auch), als ich dann den Sonntag Nachmittag, nach einer Stunde Fahrtzeit, Punkt 15 Uhr an der Haustür klingele und ihm an der Wohnungstür den eingepackten Kuchen überreiche: "Ich habe Kuchen mitgebracht!" Kuchen ... besser als Sex.
Ein Gläschen Sekt für ihn und mich auf seiner Couch (meinen Geburtstag nachfeiern) ... meine letzte, fettreiche Mahlzeit liegt 24 Stunden zurück, ich trinke mehr als nur auf nüchternen Magen, ein zweites Glas muß ich dankend ablehnen (noch so eins und ich liege komplett flach). Wir fahren den Abend noch etwas essen, eine Pizzeria in der Gegend.
Wieder zurück ... es wird ein Filmabend auf seiner Couch, ein gewaltvoller Actionfilm mit rivalisierenden Motorradgangs auf seinem Laptop und anschließend das Sonntag-Abend-Spielfilmprogramm im Fernsehen ... noch so ein Actionfilm, aber gut gemacht.
Danach ... für was bin ich eigentlich hier? Genau ... Sex! "Erotische Ausschweifungen", wir ziehen uns in sein Schlafzimmer zurück. Neu wird für mich der Einsatz eines Vibrators, das kenne ich noch nicht. Es summt, vibriert - ich übernehme ihn aus seiner Hand, weiß genau, wo ich damit hin muß ... schon irgendwie angenehm.
Ich weiß nicht, wie oft ich den Tag an meinen Ex-Freund denke, so langsam begreife ich, wie sehr ich mich verloren hatte. Ich hatte zum Schluß den Sex nur noch für ihn gespielt, war nicht mehr, als eine Hure. Ich will wieder zu mir zurückfinden, durch Masturbation mich befreien, mein Körpergefühl wiederhaben, wieder eine Frau sein! (Das, was du mir genommen hast.) Mein neuer Freund ist da sehr einfühlsam, bildlich gesehen streckt er mir seine Hand aus, um mich aus der düsteren Finsternis und dem Loch zu ziehen ... ich muß sie nur ergreifen. Wir schlafen weit nach Mitternacht zusammen ein.

Montag irgendwann zwischen sechs und sieben Uhr nochwas, es ist draußen immer noch dunkel, sein Wecker klingelt, er muß zu seiner Arbeit. Den Abend zuvor hat er mir in seiner Küche schon alles gezeigt, den Ofen, die Brötchen, die Kaffeemaschine - ich kann dann den Morgen alles alleine machen, wenn ich dann gehen will, ich muß die Wohnungstür nur hinter mir zuziehen. Ich drehe mich um und schlafe weiter, bis irgendwann kurz vor Montag Mittag.
Eine Dusche nehmen, mich anziehen, alle meine Sachen zusammensuchen, meine Haare kämmen, mein Hormongel auftragen - die blaue Dose mit dem Gel stelle ich kurz ab auf seinem Waffenschrank, neben dem Waffenöl ... ich finde, das ist ein sehr guter Platz für weibliche Hormone. Das Frühstück später bereite ich für mich genauso gut zu, wie er es mir gezeigt hat, der Kaffee in der Thermoskanne der Maschine ist tatsächlich noch warm. "Danke für das Frühstück", noch eine Nachricht an ihn über mein Telefon, als ich dann gegen Mittag wieder zu meinem vor dem Mietshaus stehenden Auto gehe, der rote Roadster da unten vor dem Küchenfenster - den ich selber bezahlt habe. 20 Jahre Altersunterschied liegen zwischen ihm und mir - natürlich ist er damit mein Sugar Daddy. (Ende Teil 2/2)

[02.12.19 / 20:15] Ein kleines Post-Punk-Festival das letzte Novemberwochenende in Leipzig - ich bin den Freitag Abend viel zu spät dran, angekommen in meiner Wohnung, nur schnell die Tasche beiseite legen, kurz ins Bad - dick Kajal / schweres Parfüm - mich umziehen. Die neuen Stiefel, eine eng anliegende, anthrazitfarbene Stretch-Jeans (extra zu den Stiefeln gekauft), der schwarze Kapuzenpullover und meine Lederjacke (+ Schal) und ... endlich habe ich wieder passende Stiefel zu meinem alten Nietenhalsband, das Accessoire schnell um den Schaft gewickelt. Alles kombiniert mit Silberschmuck (mal meine alten Ringe).
Die verlorene Zeit in meinem straffen Ablaufplan hole ich nicht wieder ein, die von mir extra genommene Straßenbahn hängt im stockenden Berufsverkehr in der Leipziger Innenstadt hinter einer der freitags üblichen Umweltdemos. Kurz nach 17:30 Uhr erreiche ich das Festivalgelände im Werk 2 in Connewitz, tausche an der Kasse mein ausgedrucktes Online-Ticket gegen ein Festivalbändchen und betrete die kleine Halle mit der Bühne, die erste Band spielt schon ... vor kleinem Publikum - Freitag später Nachmittag / früher Abend! Das schafft doch niemand! Erst mal ankommen, eine Cola an der Bar, nach und nach meine warmen Sachen ausziehen.
Die ersten beiden Bands kenne ich nur vom Namen, etwas Regionales, etwas Punk, etwas Free-Jazz-Improvisiertes? Die Platte am Merchandise-Stand liegt auch in meinem näheren, familiären Umfeld in der Vinylsammlung herum. Die dritte Band ... Briten? Holländer? [Anm. der Verfasserin: Es ist tatsächlich eine Band aus den Niederlanden.] Den Moog-Synthesizer erkenne ich sofort am Klang während der Umbauphase und dem Soundcheck, der Auftritt selbst wird ganz amüsant, ich mag den Sänger mit seinem Entertainer-Schnurrbart.
Von der vierten Post-Punk- oder Shoegaze-Band [Shoegaze: Bei Feedback-Orgien mit der E-Gitarre, den Kopf gesenkt, auf die eigenen Schuhe starren] sehe ich nur die letzten Titel, ich war kurz in dem gegenüberliegenden Restaurant auf dem Festivalgelände einen Salat essen ... sehr unvorteilhaft gewählt mit Knoblauchbrot als Beilage. Bei der fünften und vorletzten Band drehen sich die Menschen vor mir schon um und ich habe angenehm viel Platz nach vorne heraus. Ja ich weiß ... Entschuldigung! Aber eigentlich bin ich nur für den Headliner da. Die letzte Band des Abends ... Post Punk, Shoegaze, Gothic Rock, Alternative, alles komplex verwebt in ausgiebigen, langen Songs, eine wunderbare Sängerin - ich decke mich nach dem Konzert am Merchandise-Stand mit den letzten Alben ein. Das Album mit dem Titel der Zugabe fehlt, ich muß es irgendwann später mal nachkaufen.
Während der zweiten Hälfte des ersten Festivalabends hat sich die kleine Veranstaltungshalle gefüllt, es sind kaum Sitzmöglichkeiten vorhanden (das Festival zu Pfingsten hatte in derselben Halle wenigstens noch ein paar Barhocker und Tische) und das Konzert geht gegen ein Uhr nahtlos in die Aftershow-Party über. Viel tanzen werde ich nicht - es ist der erste Abend in meinen neuen Stiefeln mit dem hohen Blockabsatz ... nur ein alter Achtziger-Jahre-Underground-Song zieht mich auf die Tanzfläche: ...but I know I have to be there.
Kurz vor drei Uhr die Nacht bin ich schon wieder draußen in der Kälte und suche nach einem Taxi zurück zu meiner Wohnung. Noch vor vier Uhr falle ich, dort angekommen, kaputt ins Bett ... endlich meine Füße entlasten, den ganzen Abend in den Absätzen - aber die sehen todschick aus, mit dem Nietenhalsband.

Sonnabend Nachmittag, ich liege gut in der Zeit, Beine rasieren, Make-up, Klamotten (dieselben der letzten Nacht), nahtlos ohne langes Warten mit der Straßenbahn in die Südvorstadt fahren, eine Pizza essen ... das Straßenbahnticket ein paar Minuten überziehen und ein paar Stationen weiter in Richtung Connewitzer Kreuz. Einlaß und Konzertbeginn sind für den zweiten Festivaltag eine halbe Stunde früher, gegen 17 Uhr, der Verkehr auf den Straßen ist entspannter und die kleine Halle ist für die ersten Bands schon gut gefüllt mit schwarz gekleideten Publikum.
Die Berliner Gothic-Band als Opener kenne ich schon (mit "Entourage" im Publikum, jedenfalls ich), die danach aufspielende, zweite Band mit der hübschen Sängerin, gefällt mir auch ganz gut. Nur die dritte Band ... ich sitze schuhbedingt etwas weiter hinten im Publikum (einer der raren Sitzplätze auf ein paar Tischen), lasse das ganze Konzert auf mich wirken - Shoegaze, dunkle Riffs, schleppende Rhythmen: Noch so'ne Düster-Band und ich nehme mir den Strick! (Hoffentlich sind nicht alle Bands so den Abend.) Set und Setting - ich bin für solch düstere Dramatik und Schwermut gerade nicht in Stimmung, es zieht mich herunter. Später werde ich im Gespräch mit einem anderen Festivalbesucher erfahren, daß der Auftritt so schon ganz gut war und die Band ihre Fans im Publikum hat.
Die vierte Band ist meine Rettung, ich bewege mich in die vorderen Reihen des Publikums, die Musiker auf der Bühne während des Soundchecks zaubern ein Lächeln in mein Gesicht, ihre Punkerkutten übersät mit Nieten und Buttons. Die vom Drummer schnell angezählten Takte für die ersten Songs enttäuschen mich nicht - endlich mal wieder ein bißchen Punk! Post Punk aus UK ... ein oder zwei Titel kenne ich schon, den Namen der Band sowieso (eine der drei Bands, weswegen ich überhaupt hier bin), aber woher? Aus DJ-Playlists? Die Radiosendungen eines ominösen, britischen Moderators im öffentlichen Rundfunk weit nach Mitternacht? Bis auf den Festival-Headliner findet sich keine der Bands in meiner Plattensammlung ... bis jetzt. Auch bei dieser Band kaufe ich ein paar Alben nach dem Auftritt an dem Stand für das Merchandising.
Die fünfte Band des zweiten Abends ... während ich das ganze Festival schon die Beleuchtung und die ganze, aufwendige Bühnentechnik bewundere, hat der Typ an der Lichtorgel es jetzt wirklich übertrieben - zuckende Lichtblitze, die Musiker an ihren Instrumenten eingehüllt in den dichtesten Nebel, den die Nebelmaschine liefern kann. Der eine Gitarrist hängt schon - übertrieben gesagt - mit der Nase an den Saiten, der Sänger dieser noch jungen Band, stolpert wahrscheinlich über ein Kabel, es ist kaum noch etwas zu erkennen auf der Bühne - aber eine Wahnsinns-Show! Angemessen zu dieser ekstatischen Post-Punk und Wave-Musik.
Die letzte Band diesen Abends und dieses kleinen Festivals rettet (nach der Band davor) nur noch ihr legendärer Ruf die Headliner-Würde. Ihr erstes Album liegt in meiner Plattensammlung, ihre über die letzten 10 Jahre sporadisch veröffentlichten, weiteren zwei Alben haben auch ihre Anhänger im Publikum. Die Halle ist voll, ich stehe mittendrin, der erste angespielte Song aus ihrem ersten Album überrascht mich ... den hätte ich als Zugabe erwartet. Die alten Songs werden besonders bejubelt, jeder erste Akkord erkannt, auch von mir. Ich versinke in meinen Lieblingssongs. Die neuen Titel in Erwartung eines neuen Albums lassen die verschiedenen Stilrichtungen und Weiterentwicklung der Band erkennen - und werden vom Publikum angenommen. Eine oder zwei Zugaben und die Band verschwindet wieder ... und hinterläßt ein zufriedenes Publikum (jedenfalls mich).
Die Disko danach ... allzu lange möchte ich wie die (gefühlt) Hälfte der Gäste auch nicht bleiben, die meiste Zeit der anderthalb Stunden zwischen 1:30 und 3:00 Uhr sitze ich auf den verwaisten Tischen, auf dem zuvor die verschiedensten Alben der Bands, schwarzen T-Shirts, Patches usw. verkauft wurden. Einzig der Titel der L.A.-Band bringt mich auf die Tanzfläche.
Pünktlich drei Uhr nach Mitternacht, ich verlasse die kleine Halle und das Festivalgelände und laufe zu der Straßenbahnhaltestelle am Connewitzer Kreuz, anders wie die Freitag Nacht zuvor, fahren den Sonnabend ein paar Nachtlinien mehr. Mit der (mit Party-Publikum vollen) Straßenbahn Richtung Hauptbahnhof und dort, nach ein paar Warteminuten, mit der Nachtbuslinie (genauso voll) weiter zu der Haltestelle in der Nähe meiner Wohnung. Kurz vor vier Uhr bin ich da. Stiefel ausziehen, usw. und ins Bett fallen, noch ein paar Stunden schlafen bis Sonntag Mittag. (Ende Teil 1/2)

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Kommentar:

[05.12.22 / 17:34] Daniele1992: Hallo Morgana

Mail ist heute rausgegangen

LG Daniele

[13.11.22 / 09:33] Daniele1992: Hallo Morgana

aktuell keine schöne Situation. Ich schreibe Dir noch eine Mail dazu.

LG Daniele

Morgana LaGoth: Einige Kommentare müssen auch nicht allzu öffentlich sein …

[13.05.22 / 09:15] Daniele1992: Hallo Morgana,

Tolle Reisebericht von Deiner neusten Reise nach Paris. Macht grosse Lust auch wieder dort hinzufahren um sich von der Stadt inspirieren zu lassen.

Tolle Neuigkeiten.NeuerJob. Klasse! Freue mich für Dich.

Liebe Grüße
Daniele

Morgana LaGoth: Danke. Endlich wieder verreisen … lange darauf gewartet. Lebendig bleiben, solange es noch geht.

[24.12.21 / 20:55] Daniele1992: Hallo Morgana,

Ich denke an Dich und wünsche Dir frohe Weihnachten und ein schönes neues Jahr 2022.

Liebe Grüße
Daniele

Morgana LaGoth: Vielen Dank, ich wünsche dir ebenfalls ein schönes, neues Jahr.

[25.09.21 / 14:59] Daniele1992: Hallo,

eine Chance etwas Neues zu machen. Neue Perspektiven. Urlaubsträume, die bald real werden können. Nicht so schlecht. Freue mich für Dich. LG Daniele.

Morgana LaGoth: Danke dir.

[11.11.20 / 09:12] Daniele1992: Hallo Morgana

Ich habe Dir eine Mail geschickt.

Lg
Daniele

Morgana LaGoth: Hey ... vom Lenkrad aus mit der Hand winken, von einem MX-5 zum anderen. *freu*

[30.07.20 / 22:03] Daniele1992: Guten Abend

das habe ich sehr gerne gemacht. Zum Einen interessiert mich das Thema und zum Anderen hast Du wirklich sehr lebendig und spannend geschrieben. Da wollte ich Alles lesen und wollte Dir schreiben, das mir Dein Blog besonders gut gefallen hat (Die eigentliche Arbeit hattest Du ja mit dem Verfassen des Blogs). Wenn Du magst können wir den Kontakt gerne per Mail halten. Viele Grüße Daniele

Morgana LaGoth: Mail-Adresse steht oben bei "kontakt" - bei weiteren Fragen, gerne.

[30.07.20 / 12:44] Daniele1992: Guten Morgen,
vielen Dank für Deinen tollen Blog. Ich habe ihn in den letzten Wochen komplett gelesen. Meistens konnte ich gar nicht aufhören zu lesen. Fast wie bei einem sehr spannenden Roman. Ich habe dabei Deine genauen Beobachtungen und Beschreibungen sehr genossen. Deine vielen Ausflüge in die Clubs und zu den Festivals oder Deine Streifzüge d durch die Geschäfte beschreibst Du immer aus Deiner Sicht sehr anschaulich und spannend. Ich kann das sehr gut nachvollziehen, das alleine zu erleben, häufig auch mit einer gewissen Distanz. Ich kenne ich von mir sehr gut. Highlights sind Deine Reiseberichte. Deine Erlebnisse an den unterschiedlichsten Orten auf der Welt. Vielen Dank dafür. Vielen Dank auch das Du Deinen Weg zu Deinem waren Geschlecht mit uns Lesern teilst. Deinen Weg Deine Gefühle Deine zeitweisen Zweifel. Das ist sehr wertvoll auch für uns Andere, denn es ist authentisch und sehr selten. Du bist einem dadurch sehr vertraut geworden. Für mich ist eine gefühlte grosse Nähe dadurch entstanden. Umso mehr schmerzt es mich von Deinen Rückschlägen zu lesen. Von Deinem Kampf zu Deinem wahren Ich. Von Deinem Kampf umd Liebe, Zährlichkeit und Akzepzanz und Anerkenung. Von Deiem mitunter verzweifeltem Kampf nach Liebe und Anerkennung durch Deinen Exfreund. Leider vergeblich. Dein Kampf um wirtschaftliche Unabhängigkeit und Deine aktuell missliche Lage. Ich glaube dass Du nicht gescheitert bist. Du hast viel Mumm und Hardnäckigkeit bewiesen Deinen Gang zu Dir selbst zu gehen. Du hast auch einen guten Beruf der immer noch sehr gefragt ist. Vielleicht kann ja nach dieser Auszeit und etwas Abstand ein Neuanfang in einer anderen Firma, wo Du keine Vergangenheit als Mann hattest gelingen. Ich wünsche das Dir ein Neuanfang gelingt und drücke Dir ganz fest die Daumen. Daniele

Morgana LaGoth: Da liest sich tatsächlich jemand alles durch? Das ist mittlerweile schon ein kompletter Roman mit mehreren hundert Seiten! Danke dir, für deinen Kommentar (und die aufgebrachte Zeit).

[05.10.19 / 17:11] Drea Doria: Meine liebe Morgana,
bin 5 T post all-in-one-FzF-OP. Deine guten Wünsche haben geholfen. Der Koch ist immernoch noch super. Alle hier sind herzlich und nehmen sich Zeit.
Herzlich
Drea

Morgana LaGoth: Dann wünsch ich dir jetzt noch viel mehr Glück bei deiner Genesung!

[14.06.19 / 12:57] Drea Doria: Meine liebe Morgana,

vielen Dank für Deine offenen und kritischen Erlebnisberichte. Ich bin in 3 Monaten in Sanssouci zur FzF-OP. Ich denke auch, was kann schon schief gehen, status quo geht nicht und irgendwas besseres wird wohl resultieren. Wenn es Dich interessiert, halte ich Dich informiert. Drücke mir die Daumen.
Herzlich
Drea

Morgana LaGoth: Ich wünsche dir für deine Operation viel Glück. (Sollte der Koch nicht gewechselt haben, das Essen da in der Klinik ist richtig gut!)

[14.11.17 / 20:13] Morgana LaGoth: Nutzungsbedingungen für die Kommentarfunktion: Die Seitenbetreiberin behält sich das Recht vor, jeden Kommentar, dessen Inhalt rassistisch, sexistisch, homophob, transphob, ausländerfeindlich oder sonstwie gegen eine Minderheit beleidigend und diskriminierend ist, zu zensieren, zu kürzen, zu löschen oder gar nicht erst freizuschalten. Werbung und Spam (sofern die Seitenbetreiberin dafür nicht empfänglich ist) wird nicht toleriert. Personenbezogene Daten (Anschrift, Telefonnummer) werden vor der Veröffentlichung unkenntlich gemacht.

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