morgana81 - gothic transgender AWAY WITH YOU - Covid‑19 pandemic 2020‑2023 🎈

Die andere Seite.

[04.05.21 / 01:08] Die andere Seite. Eigentlich schreibe ich meinen Tagebucheintrag von eben nahtlos weiter, aber das paßt hier nicht thematisch (wie bei Domian in seiner Sendung - neue Anruferin, neues Thema, neue seelische Abgründe). Die letzten Nächte in Folge schlaflos bis in den Morgen, ich hatte ein Traumbild, eine Beschreibung, wie sich das anfühlt, die vielen unruhigen Stunden auf dem Kopfkissen: die Evasion von schlafraubenden und kräftezehrenden Gedankenfragmenten, die unaufhörlich über Stunden (!) wie in einem tiefschwarzen Gewittersturm mit Blitzen und kalten Sturmböen über eine tote, unwirkliche Landschaft fegen, die nicht von dieser Welt ist.
Ich kann die Gedanken in dem Moment nicht mehr kontrollieren, sie sind wie Hagelschläge oder eine rollende Lawine. Ich denke sie nicht zu Ende, sie drehen sich im Kreis, beginnen von vorn, schließen nahtlos ohne Pause an, verschlucken den Gedanken davor. Ich habe Angst ... gehe ich zum Arzt wegen meiner Schlaflosigkeit und depressiven Zustände, bekomme ich nur neue Medikamente, Tabletten, Psychopharmaka und rutsche immer weiter in meine "Psychiatriekarriere", einmal eine Nacht in der Geschlossenen verbracht, ist prägend.
Ich bin raus, ich will mein Leben zurück, ich will nicht mehr von dem Zeug abhängig sein. Es ist diese doppelte Seite der Antidepressiva und Schlaftabletten, für einige Ärzte helfen diese und sind das beste, was sie mir nur dringlich empfehlen könnten - für andere Menschen in meinem persönlichen Umfeld und andere Mediziner: "Laß die Finger davon, das macht dich nur noch mehr psychisch krank." Ich will nicht so enden, als Langzeitpatientin in der Psychiatrie, auf ewig ruhig gestellt. Ich habe die Wahl, ich kann mit sechzig oder siebzig Jahren sterben, an "Gehirnmatsch" durch die verschiedensten, medizinisch-psychiatrischen Behandlungen - oder mit hundert Jahren, dann aber schon die letzten dreißig Jahre vollkommen dement wegen chronischen Schlafmangels und haufenweise neurologische Schäden im Gehirn. Für beides habe ich die genetische Disposition.

Die MS ... schön, daß ich mal wieder darüber ein paar Zeilen schreibe (Sarkasmus). Die Sehstörungen kommen und gehen seit zwanzig Jahren, die "Augen-Migräne" mit den flackernden Linien ist harmlos und hat damit eigentlich gar nichts zu tun, das passiert hinten im Gehirn, in dem Teil, in dem die Bilder zusammengelegt werden und das, was wir sehen, entsteht - deswegen ist diese zackige Linie auch eher ein blinder Teil der fehlt, für den keine Information darliegt und es ist unabhängig von den beiden Augen und dem Sehnerv. Aber wenn es nur ein Auge und einen Sehnerv betrifft, wird es gefährlich.
Wie immer (gehört zu meinem Leben), ein grauer, matschiger Fleck bildet sich innerhalb von Minuten in dem Sichtfeld eines Auges, mal trifft es das linke, mal das rechte. Ich kann den Fleck als klar umrandete Fläche genau erkennen, er ist nicht blind. Bleibt er nur für ein paar Minuten, muß ich damit leben, geht er nach 24 Stunden nicht mehr weg, ist es ein Schub ... ist aber seit Jahren nicht mehr passiert. Was bemerkenswert ist: ich schließe das sehende Auge und verenge mit der vorgehaltenen Hand und einem Spalt zwischen den Fingern das Sehfeld mit dem Fleck auf dem offenen und betroffenen Auge ... drehe meinen Kopf. Der Fleck ist wirklich nicht blind, ich kann hell und dunkel unterscheiden, zwar keine Konturen erkennen (es ist nur ein Fleck), aber ich könnte mich so noch im Raum orientieren. Ich sehe, wo das Fenster mit dem Tageslichteinfall ist. Sollte diese Entzündung im Sehnerv irgendwann einmal nicht mehr verschwinden und im unaufhaltsamen, mit der Zeit fortschreitenden Krankheitsverlauf für immer bleiben ... es wäre vielleicht doch nicht so tragisch (jedenfalls so lange ich noch zwei von den Sehnerven habe, und die nur unterschiedlich langsam kaputt gehen). Vielleicht passiert auch gar nichts.

Die aktuelle "politische" Situation: Ich will mich ja nicht als Querdenker outen, ich mag die nicht, die haben uns den "Regenbogen" gestohlen, aber ... das mit der Impfkampagne. Die Nachrichten lese ich nicht mehr, die Meldungen und Interviews im Fernsehen schalte ich weg - das ist alles Propaganda! Jetzt mal im Ernst, habt ihr mal das Buch "1984" gelesen? Ich schon, das ist wirklich gut und steht in meinem Bücherregal. Das darin beschriebene Ministerium weist so erschreckende Parallelen mit der jetzigen Wirklichkeit auf. Ich kann in diesem Fall nur noch schwer zwischen Dystopie und Realität unterscheiden.
Ich weiß, ich bin in Priorisierungsgruppe 3 (aufgrund der MS und den immunmodulierenden Medikamenten), ich habe den Nachweis dafür. Aber wenn jetzt vom politischen System großspurig Durchhalteparolen ausgesendet werden und mutmachende Erfolgsnachrichten (hat auch seinen Zweck) - und verkündet wird, wir sind bald mit dem Impfen der dritten Gruppe durch und dann gibt es: "Impfstoff für alle!" Und ich hier in der tiefsten Provinz sitze, in der die Kommunalbehörde irgendwann zwischen Februar und März Anfang des Jahres mit dem Impfen der ersten und zweiten Gruppe in den Altersheimen und Pflegeeinrichtungen stecken geblieben ist und es keine Nachrichten und Kommunikation mehr gibt, außer: "Wir sind noch nicht soweit, wir haben nicht genug Impfstoff, wir müssen noch die ersten beiden Priorisierungsgruppen versorgen. Wir machen erst weiter, wenn wir wieder mehr zugeliefert und von oberer Stelle verteilt bekommen", dann ... fühle ich mich doch schon irgendwie verarscht.
Ich will, daß all die Mitmenschen mit den dringenden gesundheitlichen Problemen auch wirklich fair eine Chance auf den Impfstoff in dieser grassierenden Viruspandemie bekommen, dafür sperre ich mich auch weiterhin in meiner Isolation ein, bis ich an der Reihe bin (ich komme so gut zurecht), aber dieser Propagandakrieg, wer ist die beste Nation auf dieser Welt und bekommt alles viel schneller und effizienter hin, als die anderen Versagerländer (Dritte Welt?), kotzt mich einfach nur an. Dafür haben wir damals bei den Demos, aus dem antifaschistischen schwarzen Block heraus, nicht die Bierflaschen auf die Polizeiautos geworfen! [Anm. der Verfasserin: Das mußte jetzt einfach sein ... war mal wieder 1. Mai.]

Nachtrag: Die Hotline angerufen ... das lokale Impfzentrum hat immer noch keine freien Termine - aber in zehn Tagen wird in diesem Bundesland die dritte Gruppe vollständig geöffnet! (Dann werden, von mir geschätzt, aus landesweit 0,55 Millionen Berechtigten gleich 1,1 Millionen ... ich glaube, die haben mich vergessen.)

[04.05.21 / 01:07] Ich werde einfach ein Bitcoin-Punk und schnorre virtuell ein paar Münzen. Mir wird nie jemand eine reale Arbeit anbieten, ich bleibe für immer arbeitslos und es widerstrebt mir, meine "Programmierkünste" für Geld anzubieten. Alle Menschen mit Bitcoin sind unermeßlich reich und alle Menschen, die echtes Geld in diese virtuelle Währung tauschen, sind entweder verrückt, unwissend oder voller Hoffnung und Glücksgefühl und danach arm und bankrott. Also warum noch den Gedanken verfolgen, Teile meiner (seit Jahren) in Entwicklung befindlichen Mail-Software (mit Verschlüsselung und allem Drum und Dran) für eventuelles Kryptogeld anzubieten. Meine Software war immer frei und kostenlos und wird immer frei und kostenlos bleiben ... siehe die entsprechenden, im Internet kursierenden Softwarelizenzen / Philosophien mit anarchistischen Zügen.
Vorbereitung ... was ist eine Wallet? Wie funktioniert das mit der Blockchain? Wo kommt das Geld her? (Und wo geht es wieder hin?) Die Szene hat den Ruf einer "Wild-Western-Stadt". So ganz naiv kann ich da nicht herangehen, ich muß mir erst einmal die ganzen Dokumentationen durchlesen ... "Read the fucking manual." Wieviel bin ich bereit in Technik (und Zeit) zu investieren? Reicht die Hardware, die ich schon habe - der Zug mit dem Mining ist schon seit Jahren abgefahren, die Kurse sind geradezu inflationär - lohnt sich das überhaupt noch? Kurz vor dem Krachen. Sofern die ganzen Irren da noch auf den Zug springen, wird schon was gehen. Ich entscheide für mich, die beiden Welten, die mit echter und harter Währung und die mit der virtuellen und spekulativen Währung, niemals zu mischen ... wenn ich jetzt die Euros vom Girokonto in ein paar Goldklumpen tausche, was mache ich dann mit dem Säckchen voller Nuggets an der Drogeriekasse? In dem Moment ist es wertlos.
Das mit der Verschlüsselung ist manchmal schwierig zu durchschauen, ich bin damit vertraut und mache schon seit Wochen in meinem anderen Projekt am Computer nächtelang nichts anderes. Das mit dem Seed finde ich aufregend und chiffriere das Stück Papier auf eine ganz klassische, "oldschool" Variante (so etwas wollte ich schon immer mal tun) ... "Security by obscurity." Die Anleitungen der verschiedenen Wallets sind da ganz hilfreich - sofern die neue Benutzerin sich die Zeit nimmt, das ganze auch vorher (!) wirklich durchzulesen und halbwegs zu verstehen, was da jetzt passiert und wo die ganzen Risiken liegen. Selbst ich habe Nächte und viele Internetseiten später immer noch nicht die richtige Ahnung davon.
Es dauert, Ungeduld und Gier auf das schnelle Geld wäre hier fatal. Es ist eine globale und im Schatten liegende IT-Industrie. Viele enttäuschte Nutzerkommentare schrecken ab. Es gehört schon viel Mut und Dreistigkeit dazu, mitzuspielen ... allein die wahnsinnigen Transaktionsgebühren - wer profitiert da wirklich von? Schattenmenschen.
Nachdem ich mit meiner Hardware soweit bin und alles an Software eingerichtet habe, sitze ich die Nacht vor dem Computermonitor und bastele an meinem Werbebild, es soll etwas Sympathisches werden mit: "Hey, gib mir Geld!" So wie alle Punks am Bahnhof, die mich anquatschen und die ich so gerne mit ein paar Cent unterstütze, obwohl ich selbst manchmal kaum etwas mehr in meiner Tasche habe ... einfach, weil ich diesen unkonventionellen Lebensstil so idealisierend finde. Frei von bürgerlichen Zwängen.
Es muß etwas werden mit einem Bild von einem Bahnhof und einem Bild von mir, in Punkerkutte! Ich verkaufe Emotionen, das ist nicht einfach betteln. Ich wähle das Foto von meiner Sizilienreise 2012, mit dem Bahnsteig: "On the railroad", und das Selfie von mir von meiner Ibizareise 2019 auf dem Felsen am Meer: "Rough globetrotter". Letzteres Bild ist authentisch, naturnah, ohne Make-up, nicht gekünstelt - es ist echt ... und in HD (wie beschrieben, ich muß den potentiellen Spendern etwas bieten für ihr Kryptogeld).
Fehlt nur noch ein fescher Text und der QR-Code mit dem Link zum Bezahlen. Was vielleicht nur mir auffällt ... die QR-Code-Generator-Software, die ich verwende, liefert ein leicht anderes Ergebnis, als die Software zum Generieren des QR-Codes der Bitcoin-Wallet. Nur minimal ... ein paar schwarze "Rechteck-Bits" sind abweichend angesteuert, das Muster ist nicht zu hundert Prozent identisch bzw. deckungsgleich, der Algorithmus der beiden Open-Source-Softwareprojekte wurde (höchstwahrscheinlich) unterschiedlich implementiert. Der QR-Code mit seiner eingebauten Fehlerkorrektur liefert in beiden Fällen aber dasselbe, unverdächtige Ergebnis ... "Ein bißchen Paranoia schadet nie." (Altbekannte IT-Weisheit.)
Ich hänge fest, die Computeruhr in der Taskbar tickt, 1 Uhr, 2 Uhr ... 4:30 Uhr, die ersten Vögel fangen da draußen vor dem Dachgeschoßfenster schon wieder an, der Straßenlärm mit den Berufspendlern geht los. (Wer steht so früh auf?) Ich kriege seit Stunden nichts mehr hin und schiebe nur noch in der Grafik-Software die Ebenen übereinander, ohne wirklich zu einem Ergebnis zu kommen und verwerfe alles wieder nach gefühlt jeder Viertelstunde. Der Hintergrund mit den beiden Fotos ist ganz klar nach dem Goldenen Schnitt aufgeteilt, das habe ich den Nachmittag schon gemacht, das Arrangieren der anderen Bildelemente in der Collage gelingt mir nicht. Mir reißt der Geduldsfaden, kurz vor 5 Uhr den Montag Morgen gebe ich frustriert auf. Das kann ich nicht mit meinem Hang zur Perfektion verantworten (ich hätte schon viel früher so übermüdet ins Bett gehen sollen). Dann eben morgen!
Fünf Stunden später ... ich spüre meine körperliche Verfassung nach dem Aufstehen, zitternd, verkatert, die Nacht am Computer durchgearbeitet (am Stück seit Sonntag Nachmittag so dreizehn Stunden). Frühstück und zwischen 11 und 12 Uhr wieder dransitzen, ich muß es fertig bekommen! Den Text für die Werbegrafik setze ich neu auf, schreibe ihn um, verändere ein Wort für die psychologische Wirkung (das ist nicht einfach nur ein Bild, das ist harte, gestalterische Arbeit) und arrangiere die Bildkomposition neu nach architektonischen Prinzipien (jede Pixelposition ist genaustens berechnet). Auf ein paar gestalterische Spielereien muß ich verzichten, das Gesamtbild wirkt sonst überladen, die Auflösung des ineinanderfließenden Werbefotos bleibt in HD, das macht es für den Betrachter besonders und wertvoll. Ich habe keine Ahnung, ob es wirklich jemand anspricht - aber die Arbeitsstunden, die ich da hinein investiert habe? Allein dieser Wert übersteigt den zu erwartenden Gewinn um ein vielfaches (der auch bei Null liegen könnte). Ich bin eine langzeitarbeitslose Webdesignerin...?
Den frühen Montag Nachmittag ist das "Kunstwerk" fertig und wird von mir auf meinen Internetseiten hochgeladen. Die Angel auswerfen und abwarten... Was erwarte ich mir von meiner Aktionskunst? Das es viral geht? Das wirklich irgend jemand so verrückt ist, mir virtuelle Bitcoins zu spenden? (Und ist dieser Begriff auch nicht markenrechtlich geschützt?) Irgendein technikaffiner und kunstliebender, bourgeoiser, alter Knacker wird schon drauf klicken. (Ich bin so punk...)
Das Ganze ist in etwa so etwas wie, als würde ich mich hübsch zurecht machen, ohne das geringste Kleingeld in ein Spielcasino gehen, dort ältere Herren bezirzen, um mir ein paar Jetons ausgeben zu lassen und anschließend am Roulette-Tisch, vollkommen ohne eigenes finanzielles Risiko, alles wieder verjubeln ... Yeah.
Hat in meiner Vergangenheit schon funktioniert. Ich erinnere mich an die Nächte in den Clubs, Bars und Diskotheken, in denen ich nur das erste Getränk selbst bezahlen mußte - alle anderen danach wurden mir von jemand anders ausgegeben ... meist verfolgen diese Männer aber auch ganz eigene Absichten. Nichts ist umsonst.
Ich probiere es aus...

[26.04.21 / 18:20] Der dritte Abend des Online-Musikfestivals ... ich hatte ja keine Ahnung, was mich da erwartet. Punkt 19 Uhr geht der Videostream los, ich bin auf die Sekunde genau pünktlich und schalte mich dazu. Die ersten DJ-Sets, die ersten Bandauftritte, alles schön. Ich will es den Sonntag Abend entspannt angehen und verzichte auf die Extras von dem Abend davor, keine Lederjacke, kein Make-up, kein Nietengürtel, kein Barhocker - nur bequem in der schwarzen Freizeitkleidung vor dem Computerbildschirm sitzen. Mit der rechten Hand das kleine Mischpult einpegeln, den Regler für die Verstärkung nach Bedarf anpassen ... nicht zu laut werden, andere Menschen in der Nachbarschaft müssen den nächsten Morgen früh zur Arbeit gehen.
Ich habe das Gefühl, die DJ- und Bandaufstellung für diese Nacht wird etwas diverser, ein paar Namen im Programm lassen darauf deuten. Den einen in der Szene bekannten Künstler kenne ich auch schon, das war 2012 bei einem Festival in Berlin. Ich stehe auch diesen Abend vor meiner imaginären Computer-Bühne mit meinem Getränk in der Hand und lasse den Auftritt auf mich wirken. Ist das live? Während das Video mit dem Konzert in irgendeinem Raum oder Wohnung oder Studio läuft, sehe ich am Bildschirm ein paar Mitglieder des professionell agierenden Teams mit Videokameras, es wird aufwendig hin und hergeschnitten (Kamera Eins, Kamera Zwei, Kamera Drei). Die Musik ist purer EBM. Alles wirkt authentisch und nah, mit Pausen am Mikro zwischen den Liedern ... und irgendwie soll noch eine Katze über die Studiotechnik gelaufen sein, aber ich habe nicht aufgepaßt (ich bin zu beeindruckt von dem ganzen).
22 Uhr, meine LED-Beleuchtung geht an - im tiefdunklen Rot ... und sie wird noch die ganze Nacht in diesem schummrigen, roten Licht scheinen: "Ich habe meinen eigenen Dark Room!" Die weiteren DJ-Sets und eingespielten Live-Musikaufnahmen (ob vorher aufgezeichnet oder nicht) behalten den musikalischen Stil bei. Subversiv, schwul, knallharte elektronische Beats zu schmutzigen Synthesizer-Riffs. Mal tanze ich mich schwitzend in Ekstase vor meinem aufgebauten Stroboskop-Gewitter, mal sitze ich staunend vor dem Bildschirm und betrachte die Videokunst ... die rauhe Punk-Attitüde, mit der manchmal das Gesangsmikrofon gnadenlos übersteuert wird, widerspricht eigentlich meiner Hingabe für Perfektion in der Studiotechnik. Egal...
Die rote LED-Leiste in meinem Zimmer ist aber auch dunkel, mir wird schon ganz schlecht vom Tanzen, ich lasse mich mehrmals in mein altes, schwarzes Sofa mit der Leopardendecke fallen und wiederhole mein Mantra: "Ich habe meinen eigenen Dark Room..."
Irgendwie kurz vor Mitternacht, das ein oder zwei Stunden laufende DJ-Set mit dem Künstler, den ich einige Zeilen vorher beschrieben habe (eigentlich sind es zwei, sie teilen sich auch hier wieder die stimmungsvolle Location, das Konzert und die DJ-Technik), nimmt kein Ende ... und da kommen noch zwei oder drei Programmpunkte für den letzten Festivaltag. Du kannst doch nicht noch einen weiteren Hammer-Titel auflegen? (So lange wollte ich gar nicht wach bleiben.) Spätestens um null Uhr dreißig oder so wird mir klar, warum sich das wahrscheinlich so hinauszögert ... jetzt kommt der nächste Programmpunkt: ein DJ-Set mit BDSM-Performance.
"Ich habe tatsächlich meinen eigenen Dark Room?" Fasziniert sitze ich im Rotlicht vor meinem Computerbildschirm - ist ja nicht so, daß ich so etwas nicht schon in Leipzig (oder Berlin?) gesehen hätte (und ich habe diese Parties und diese Clubs geliebt und dort einige interessante Männer kennengelernt) ... aber hier auf dieser Streamingplattform? Es könnten Kinder zusehen! (Die hier sonst mit virtuellen Bauklötzern spielen, anderswo ist auch gerade Tag.) Im Chat-Fenster wird humoristisch über die Jugendfreigabe diskutiert.
Es folgt noch eine entspannte Ambient-Kunstperformance, die ich dankend und erschöpft von den drei Tagen entgegennehme, und das kleine Festival nähert sich so um 2 Uhr den frühen Montag Morgen dem Ende. Ein abschließender Auftritt eines Solo-Künstlers, der mich nachdenklich stimmt ... ein oder eine BIPoC im queeren Outfit mit ultrakurzem Minikleidchen, aber visuell von der Kunstinstallation her höchst anspruchsvoll. Seine oder ihre oder egal, Texte sind voller Zorn - ich wünschte, ich könnte den Inhalt verstehen. Wenn du in dem Kleidchen so auf die Straße gehst, kannst du dir nicht sicher sein, ob du die Nacht überlebst. Mir wird wieder bewußt, daß ich eine privilegierte, weiße Transfrau bin - ein Meter siebzig, zierlich und mit langen, blonden Haaren. Nicht einmal meine tiefe Stimme verrät mich, ich kann Männer mit meiner Erscheinung blenden ... würde ich mich nicht immer so ausgesprochen androgyn kleiden und an meiner weiblichen Ausstrahlung zweifeln (sie geradezu verstecken). Wäre ich riesengroß, muskulös, schwarz oder anderer dunkler Hautfarbe, sehe die Welt noch beschissener für mich aus. (Und trotzdem habe auch ich das Gefühl von Diskriminierung und Chancenlosigkeit.)

Dieser Abend und diese Nacht lief sehr überraschend und unerwartet für mich ... vielleicht kann ich die Impressionen in einem neuen Song verarbeiten, etwas mit einer Bassline unterhalb des technoiden Drumsets und einer scharfkantigen, analogen Synthesizer-Hookline.

[25.04.21 / 18:03] Der zweite Abend des kleinen Online-Festivals - meine Lichterkette habe ich immer noch nicht wiedergefunden, wenn hier etwas in dem Haus verschwindet, dann ist es verloren, für immer ... oder taucht Jahrzehnte später erst wieder auf. Ich stehe eine Stunde vor Festivalbeginn im Bad und steche kleine Löcher in leere Klopapierrollen, die ich dann, zurück auf dem Wohnzimmerteppich, über die LED-Leiste von letzter Nacht schiebe ... DIY Disco! (Ganz im Stil des DIY-Festivals.)
Noch mehr Party, noch mehr Flair, noch mehr Erinnerungen an Vergangenes - vor dem großen Spiegel im Bad stehen, Feuchtigkeitscreme im Gesicht und an den Augenlidern schwarzen Kajal auftragen. Mein schwarzes Tank-Top, der metallisch glänzende Nietengürtel, die schwere Punkerkutte mit den Buttons und Patches überziehen ... "Yeah, Death Rock Babe!" Die langen, blonden Haare durchkämmen, mich in meinen Club schieben.
19 Uhr nochwas, der Videostream läuft schon, ich pegele schnell die Anlage ein, stelle den Barhocker auf und schiebe ein bißchen Kram beiseite auf meinem Metallregal - das ist jetzt die "Bar" mit Platz für zwei Flaschen Wasser und ein Glas. Jedesmal, wenn ich etwas trinken möchte, gehe ich ein paar Schritte rüber zu meiner Bar, schaue in mein Portemonnaie, wieviel Geld ich noch habe (nicht viel) und gieße mir ein Glas ein ... irgendwie den eingespielten Rhythmus nicht verlieren.
Die Konzerte betrachte ich abwechselnd von meinem Barhocker aus oder stehe in ein paar Meter Entfernung vor dem Computermonitor - mit dem Glas oder der Flasche Wasser in der Hand ... wie als würde ich wirklich irgendwo vor einer Bühne stehen, inmitten vieler Menschen. Es fehlt mir, daß ich das alleine mache, zwar ist auf dem Bildschirm neben dem laufenden Video ein kleines Chat-Fenster ... aber immer wieder ein paar Schritte davor gehen und die kleine Schrift lesen? Wenigstens sind ein paar Kommentare sehr lustig.
Die DJ-Sets ... OK, jetzt geht die Sonne unter, ich kann meine Diskobeleuchtung an machen. Vielleicht sind ein oder zwei Sets nicht mein Stil und ich stehe eher leicht zweifelnd und lächelnd neben meinem Barhocker - aber die anderen Sets danach: "Wahnsinn..." (Ich führe Selbstgespräche, aus Mangel an menschlichen Kontakten.) Die Punkerkutte ablegen, den Strobo einschalten und tanzen.
Den einen Künstler (jetzt wieder ein eingespielter Synth-Auftritt) kenne ich schon (ich habe ein paar Alben), der ultralange Track mit dem hypnotischen Beats und dem Vocoder-Gesang erinnert stark an die Moroder-Platte in meiner Vinyl-Sammlung (die ganze A-Seite ist so ein Stück in dem Stil), die Musik, zu der ich gerade vor dem Bildschirm tanze, ist dem ebenbürtig. (Ich weiß, wovon ich schreibe, ich versuche den frühen, elektronischen Stil aus den 1977/80ern auch ständig auf meinen Synthesizern zu kopieren - und schaffe es nie.)
Dann, die Sonne ist weg, ein DJ-Set aus Israel, mit israelischer Underground-Music ... so richtig den mediterran-orientalischen Stil, gemischt mit dem Wave, der mich an die so geliebten, alten italienischen Underground-Bands erinnert - ich liebe es! Der Strobo blitzt wie verrückt, die LED-Leiste über mir leuchtet im dunklen Rot, ich tanze auf meinem Teppich in psychedelische Sphären und werfe meinen Schatten an die weiße Wand. Auch wenn die im letzten Blogeintrag versprochene Drag Performance nicht kommt, dann mache ich das jetzt! Mein weiblicher Schatten performt eine Folge eingeübter und zu der Musik fließenden Tai-Chi-Bewegungen.
Es kommen noch ein paar gute DJ-Sets, aber ich bin außerhalb meiner Kondition und liege nur noch auf meinem "Lounge-Sofa", das Smartphone in der Hand ... "Wo sind meine Kontakte?" Ich bewege mich nur noch mal ab und zu auf die "Disko-Toilette" - aber dabei nicht die Flasche Wasser vergessen! Das Getränk aus der Bar in dem Club niemals aus den Augen verlieren (schon gar nicht, nachdem ich so "sexy" auf der Tanzfläche war). Den eingespielten Rhythmus nicht verlieren.
Kurz vor Mitternacht wird in dem Stream des Online-Festivals noch eine aufgezeichnete Performance einer Künstlergruppe aus den USA gezeigt ... wahrscheinlich den USA, ich sitze jetzt wie gebannt vor dem Computerbildschirm und entnehme aus dem Chat-Fenster daneben, daß diese Gruppe wohl schon auf dem Burning Man aufgetreten ist. Noch psychedelischer geht die Musik und die Bühnenshow (mit Feuer!) nicht ... "Waaahnsinn!"
Null Uhr Mitternacht ... das war jetzt richtig gut. Ich drehe langsam die Regler an meinem Mischpult runter und entferne mich sanft aus dem Videostream des Festivals. Auch diese Nacht möchte ich nicht so lange machen. Aus dem Chat-Verlauf entnehme ich, daß die letzte Nacht die Aftershow-Party bis in den nächsten Tag ging ... zumindest bis in den Morgen. Die DJs diesen Teil des Videostreams sitzen in Paris - und dort wird die Ausgangssperre noch viel schärfer kontrolliert, die müssen das bis in den nächsten Morgen durchziehen! Party total ... (ich bin zu alt und habe das vor zig Jahren auch so gemacht - das ist erst richtig, wenn du den nächsten Sonntag Vormittag aus der Disko fällst und der Bäcker für das Frühstück mit Croissants und Kaffee gerade "noch" offen hat).

[24.04.21 / 16:19] Da ist sie, die nächtliche Ausgangssperre - von 22 Uhr bis 5 Uhr morgens. Es fällt mir schwer, noch darüber zu schreiben ... warum sollte ich auch nachts aus dem Haus gehen wollen, am Wochenende? Da ist nichts ... und alles was war, liegt schon Äonen zurück.

Dieses Wochenende ist wieder ein kleines Online-Festival im Internet, Synth-Punk-Underground mit Einspielungen von befreundeten Bands, ein paar DJ-Sets, viel Musik zum Tanzen, mal live, mal kurz vorher aufgezeichnet. Die Idee mit den Interviews finde ich gut, so bekommen die Zuschauer des Videostream auch mal ein paar interessante Einblicke in die aktuelle Subkulturszene anderswo in Europa (oder der Welt).
Für mich ist das die Gelegenheit, mal aus der Lethargie auszubrechen, so "verrückte" Dinge zu tun wie ... mich den Freitag Abend vor dem Spiegel zurecht machen, meine kurzen und schwarzen Tops aus dem Schrank zu kramen ... vielleicht sogar mal Kajal zu tragen. (Mich nicht komplett verwahrlosen zu lassen.)
Das ganze Setting wieder in meinem Dachbodenzimmer aufbauen: die meterlangen Audiokabel (mit Cinch und Klinke), angeschlossen an dem kleinen Mischpult neben dem Computerbildschirm, ein Stereopaar geht an die Studiomonitore (CTRL ROOM OUT), das andere Stereopaar an die PA (=Stereoanlage und TAPE OUT). Eingang ist das Signal aus dem Internet und der Streamingplattform über den Line-out des Mainboard an das Mischpult (TAPE IN). Alles eingepegelt über die beiden Regler für die Ausgänge (CTRL ROOM und MAIN MIX) und der winzigen Anzeige mit den farbigen LEDs ... alles Grün, knapp über 0 dB, will ja nicht die Nachbarn wachhalten.
Kurz nach 19 Uhr den Freitag Abend geht das dreitägige Festival los, ich habe meine LED-Lichterkette nicht gefunden, da hängt jetzt stattdessen die bunte LED-Leiste aus meiner alten Küche, über der (wie immer) improvisierten Tanzfläche / Wohnzimmerteppich. Bis auf die in Rot, sind die anderen Farben aber viel zu hell, und es blinkt nicht, und überstrahlt den Strobo-Blitz ... aber der kommt sowieso erst nach Sonnenuntergang zur Aktion.
Mein Barhocker in zweieinhalb Meter Entfernung zu den Computerbildschirmen, die eingespielten Konzertmitschnitte beobachtend ... Ich steh' mal wieder ganz hinten und seh' nüscht. Ich muß mir für die nächste Nacht eine "Bar" aufbauen ... die Kleiderbügel mit den frischgewaschenen, schwarzen Kapuzenhoodies am Schrank, sind meine "Garderobe", das auseinanderfallende, alte Kunstledersofa ist meine "Lounge", der zweite Bildschirm (neben dem ersten) sind die "Visuals" mit einem uralten Schwarz-Weiß-Video von mir aus meiner kreativen Phase ... Post-Industrial-Kunstinstallation. Wenn jetzt eine Polizeirazzia kommen würde, weil es ist ja "Ausgangssperre" und "Alles verboten" und "Null Kontakte" - und ich bin ja auch sehr verdächtig mit den blinkenden und bunten Lichtern hinter der Gardine, dann würde ich denen - in meinem schwarzen Top und Nietengürtel auf meinem Barhocker an der Tür sitzend - wohl spontan so etwas entgegnen wie:
"Das macht dann fünf Euro Eintritt."
Verrückte Zeiten, wie im tiefsten Iran und das was ich sonst nur aus TV-Reportagen über die Jugend- und Subkulturszene in Teheran oder anderen Ländern mit ähnlich "umsorgenden" Regimes kenne.
Was ich schön finde ist, daß das Hauptprogramm des Online-Musikfestivals schon um Mitternacht endet und ich nicht unbedingt die Aftershow-Party mit den weiteren DJ-Sets sehen muß. Ich kann frei entscheiden, wann ich müde genug bin und ins Bett gehen möchte ... welches sich am selben Ort befindet - ich muß nur die Musik ausschalten und bin sofort zu Hause, und kann ins Bad gehen (Make-up entfernen, was ich in dem Moment gar nicht trage, nur imaginär).
Wenn ich das richtig erfahren habe, könnte irgendwann die nächsten zwei Nächte in dem Videostream auch mal eine Drag Performance kommen (auf jeden Fall irgend etwas queeres) ... ich weiß, daß es die damals in der alten Zeit, in der "Real-Zeit" auch mal in echt gab (so ganz dunkel daran erinnernd).

(Bin ich die Einzige, die sich verunsichert fragt, wann denn nun die Ausgangssperre eintritt - und dabei an das berühmte Schabowski-Zitat denken muß?)
"Das tritt nach meiner Kenntnis ... ist das sofort, unverzüglich."

[15.04.21 / 19:37] Der Anfang vom Ende. Seit einiger Zeit spiele ich mit dem Gedanken, für Bewerbungen auf Stellenangebote im IT-Bereich wieder meinen alten, männlichen Namen einzusetzen ... der "Herr Diplom-Ingenieur" von vor zehn Jahren. Alle meine Zeugnisse sind noch auf den Namen, meine Diplomurkunde, die verschiedenen Lehrgänge und das sehr viel bessere Arbeitszeugnis von meinem abschließenden Diplom- und Praxissemester. Der junge "Herr" macht seine Arbeit viel besser als die zickige "Frau" mit den Diva-Allüren und der totalen Arbeitsverweigerung Jahre später. Mal abgesehen davon, daß ich ein und dieselbe Person bin, mit ein und derselben Arbeitseinstellung, -motivation und -qualität, liegen zwischen diesen beiden Menschen für den von außen betrachtenden (und voreingenommenen) Arbeitgeber Welten.
Als Mann habe ich vor etwa zehn Jahren auch mehrere hundert Bewerbungen geschrieben, als Frau - speziell als Transfrau - kommen jetzt die ganzen Blicke der HR dazu. Die Hand mit dem Finger gegen die Stirn, den Kopf gesenkt, die Augen geschlossen: "Großer Gott, wen haben wir hier zum Bewerbungsgespräch nur eingeladen?"
Ich verändere meinen Lebenslauf, meine Bewerbungsunterlagen werden sowieso ständig neu angepaßt, das Foto verschwindet, der Vorname erhält wieder seinen männlichen Endbuchstaben zurück. Ich richte sogar eine Alias-Mailadresse ein - nach mehr als fünf Jahren bin ich im Internet wieder unter meiner alten Identität erreichbar. Sind die ersten zwei Bewerbungen noch experimentell, sieht die dritte Bewerbung schon richtig professionell aus, diesen "Herrn Dipl.-Ing. (FH)" würde ich wirklich einstellen wollen! Alles paßt, der Lebensweg, das Studium, der Wehrdienst. Das beschissene, letzte Arbeitszeugnis lasse ich weg, es gehört nicht zu ihm, es gehört zu ihr. Klick, Bewerbung gesendet.

Und jetzt? Ein Irrglaube, irgend jemand würde ihn nur wegen dieses klangvollen Titels einstellen wollen, oder mir eine Chance geben, an mein altes Leben und meinem Ingenieursabschluß anzuknüpfen (um überhaupt erst weitergehende Fachkenntnisse zu bekommen). Ich mache das ... weil es sich jetzt gut anfühlt, weil ich jetzt dieses Selbstvertrauen habe. Würde ich eine Absage als Frau bekommen, wäre ich zutiefst niedergeschlagen und würde an mir zweifeln ... bekomme ich eine Absage für den Mann, den ich gerade konstruiert und wiedererweckt habe, bin ich - mir fehlt das Wort dafür - ergriffen von dem Gefühl: "Ihr seid selbst schuld, wenn ihr so einen Top-Bewerber und IT-Professional ablehnt. Verreckt an eurem eigenen Stolz!"

Du spielst ein gefährliches Spiel ... jetzt als operierte Transfrau mir eine neue, alte männliche Persönlichkeit zu geben, könnte mir mehr schaden als nutzen. Langfristig gesehen, würde dieses Zerwürfnis zu einer unkontrollierbaren, emotionalen Instabilität führen. Es ist OK, wenn ich alle meine Persönlichkeitsaspekte im Gleichgewicht halte ... aber zurück zu dem Mann, der ich nie war? Ich werde niemals meine weiblichen Hormone absetzen, meine Operation bereuen oder alle meine feminin geschnittenen Kleider aus dem Schrank werfen! Ich bin und bleibe eine Frau. (Das sieht erst merkwürdig aus, wenn der "Herr" dann wirklich zum Gespräch eingeladen wird, aber so weit kommt es nicht...)

Noch ein Knacks mehr im Spiegel.

[08.04.21 / 15:25] Tut mir leid, aber ich schaffe das momentan psychisch nicht. Es passiert in den letzten Monaten immer wieder, ein Arzttermin oder ein anderer Termin auf den Vormittag gelegt, den Wecker früh genug zum Aufstehen gestellt, gegen Mitternacht (mehr oder weniger) früh genug ins Bett gegangen und ... nichts. Panik. Angst. Ich bin weit davon entfernt, einschlafen zu können. Warum? Letzte Nacht hat es doch noch funktioniert? Ich muß für den fixen Termin das Haus verlassen, das Grundstück verlassen, nach draußen gehen, Menschen begegnen. Was, wenn ich mit dem Auto auf der Straße, auf dem Weg zu dem Termin einen Unfall habe? Was, wenn ich mich mit einem unberechenbaren und überaus gefährlichen Virus infiziere (der gerade kursiert), oder jemanden mit diesem Virus (den ich wahrscheinlich schon längst in mir trage) infiziere? Mit tödlichem Ausgang? Kann ich soviel Risiko ertragen?
4:30 Uhr ... (nicht schon wieder) ich stelle die Weckerfunktion am Smartphone neben mir an meinem Bett aus. Vielleicht wache ich den Vormittag noch früh genug von alleine auf und kann den Arzttermin irgendwie noch telefonisch, ein oder zwei Stunden vorher, absagen ... ist das noch rechtzeitig? Das letzte Mal, ein anderer Arzt, waren die Reaktionen nicht so positiv, die haben sich auf meinen Termin eingestellt, andere Patienten "geblockt", tauche ich da nicht auf, ist das asozial, gemein, egozentrisch und verantwortungslos. Auf mich kann man sich nicht mehr verlassen. Und ich mache genau dasselbe schon wieder...
Am Telefon spüre ich die Verwunderung, die Frage nach dem "Wieso?" Der nächste freie Termin wäre erst wieder in zwei Monaten. Meine Medikamente reichen noch für die nächsten vier oder sechs Wochen, spätestens dann muß ich meine Angst überwinden und die Arztpraxis für ein Rezept aufsuchen. Ich wünschte, ich könnte das erklären ... warum ich es nicht schaffe, dahin zu fahren, die Wohnung zu verlassen, die Nacht vorher einschlafen zu können - und nicht in diese fast panikartige und nur von Sorgen und Ängsten getriebene Stimmung zu verfallen. Das ist alles so irrational ... ich kann nicht mal wirklich einen klaren Grund für diese Angst finden. Wenn es denn so etwas einfaches wäre, wie ... Spinnen. (Ich mag diese kleinen Krabbelviecher und würde sie am liebsten auf die Hand nehmen, aber die sind noch vorsichtiger als ich.)

Der nächste Tag, vor dem Computer sitzen, Nachrichten lesen, das Pandemiegeschehen verfolgen. "Neurologische und psychiatrische Langzeitschäden durch Covid-19: Entzündungen im Gehirn, Angststörungen und Depressionen." - Willkommen in meiner Welt. (MS-Patienten leben mit diesem Scheiß schon Jahre und sind durch ihre daraus resultierende, emotionale Instabilität bekannt und gefürchtet.)

Und? Was willst du jetzt tun? Da die ganze Welt gerade zusammenbricht und für die knapp acht Milliarden Menschen unmöglich so viele Psychotherapeuten, Psychiater und Psychopharmaka zur Verfügung stehen können, muß sich jetzt jeder einfach selbst helfen - und damit meine ich nicht den "billigen" Ausweg der Selbsttötung. Der Virus (der das hätte übernehmen sollen) ist in diesem Fall grausam makaber und trifft genau die, die es nicht verdienen, aber niemals einen selbst.
Umstellen, Anpassen ... wir sind Menschen. Die Lösung habe auch ich nicht gefunden, ich gebe nur nach und nach alles auf. Ich betrachte das Ganze jetzt mehr als so eine Art "biologischer Weltkrieg" - etwas, daß mehrere Jahre geht und tiefe Spuren und Einschnitte in einer Generation hinterläßt. Von meiner isolierten Lage und dem Blick aus dem Dachfenster auf die grau-blauen Wolken am Himmel, sehe ich die Welt da draußen nicht.

Ich bin auf eine Internetseite gestoßen mit Tips und Anregungen für Aktivitäten und Dinge, um mit dieser Gesamtsituation und den düsteren Gedanken fertig zu werden. Was mir hilft:
Kuchen backen (auch wenn der nichts geworden ist), beim Zubettgehen den Tag Revue passieren lassen, was habe ich alles getan und geschafft, Körperwahrnehmung und bewußte Muskelentspannung, in Kombination mit Atemtechniken, kein Tag ist für umsonst, Tagebuch schreiben, Gedanken notieren, düstere "wegschreiben", nicht nach Mitternacht in fremden Tagebüchern und Texten genau solche düsteren Gedanken wieder aufnehmen.

Tips und Anregungen von einer alten Freundin (die ich hier gerne noch aufschreiben möchte):
Du bist nicht allein auf dieser Welt, um dich herum sind noch andere Menschen. Hör auf, in deiner Blase da durch zu schwimmen, brich dein egozentrisches Weltbild auf. Fang endlich an, zu leben!

[06.04.21 / 01:07] Das Brummen der Halogenleuchten über dem großen Badezimmerspiegel die letzte Nacht, ich stehe mit dem Sprühreiniger in der einen Hand und dem nassen Microfasertuch in der anderen, vor dem Spiegel am Waschbecken und wische immer wieder wie verrückt die Flecken weg, die sich im Lichtkegel des Strahlers auf der spiegelnden Glasoberfläche neben meinem darin erscheinenden Gesicht bilden. 1 oder 2 Uhr nachts, ich kann weder schlafen, noch damit aufhören ... es ist, als würde ich, wie gefangen, so lange an meinem Spiegelbild herumwischen wollen, bis ich mein altes Ich wiedersehe. Wer bin ich?
Die Wohnung unter mir, in der meine Möbel aus meiner aufgelösten Wohnung aus Leipzig untergestellt sind (meine Küche, mein Schrank, mein Bett), ist nur eine Geisterwohnung - niemand wohnt darin. Die leeren Schränke sind nur Fassade, das Bett ist unbezogen. Flur und Wohnzimmer existieren nicht wirklich. Ich habe das Gefühl, mein weibliches Ich hat die geschlossene Station der Psychiatrie vor zwei Jahren nie verlassen - alles, was 2019 noch passiert ist, hat ihr zu sehr zugesetzt. Ich begleite sie nur in ihrem Rückzug, ich bin die Rumpfpersönlichkeit.
Mein männliches Ich, das vor vielen Jahren etwas technisches studiert hat - von dem ich überhaupt keine Ahnung habe - hat ein nie fertiggestelltes Softwareprojekt hinterlassen, ein hochkompliziertes Webmail-Programm mit umfassenden Verschlüsselungsalgorithmen. 8 Jahre später versuche ich das, mehr oder weniger, nachzuvollziehen und sein Werk zu vollenden ... mein dazugefügter Teil sieht nicht mehr so elegant aus. Wenigstens weiß ich noch, was "rekursiv" in den Kommentarzeilen bedeutet (jedenfalls glaube ich das, aber ich steige nicht wirklich dahinter).
Die Bewerbungen, die ich als Langzeitarbeitslose ab und zu schreiben muß, enthalten im Lebenslauf noch die Kenntnisse und Formulierungen von ihm aus der Zeit nach dem Studium vor mehr als 10 Jahren ... weder, was er geschrieben hat, noch die Anforderungen in den ganzen aktuellen Stellenangeboten, die mir per Newsletter zugeschickt werden, sagen mir etwas. Hier bin ich wirklich an einem Punkt, an dem mir bewußt wird, daß ich schon X Jahre aus der IT-Branche raus bin.
Aber wer bin ich nun? Ich bin die Persönlichkeit, die irgendwo in Asien aus einem Flugzeug purzelt, ohne Kenntnisse der landestypischen Sprache und Schriftzeichen, staunend und offen für Neues, sich einfach so durchschlägt. Vor ein paar Tagen hatte ich wieder meine alten Springerstiefel in der Hand, die, von denen ich mich aus sentimentalen Gründen nicht trennen kann, die, die ich auf meiner ersten 24-Stunden Zugreise 2004 nach Italien anhatte ... und auf allen meinen Zugfahrten quer durch Deutschland, auf unterschiedlichste Punk-Konzerte und Gothic-Festivals. Die Stahlkappenstiefel mit den (zuletzt) purpurfarbenen Schnürsenkeln, deren Laufsohle mit dem groben Profil sich dann 2013 nach einem Trip über den Atlantik abgelöst hat und die seitdem in der dunklen Ecke in der Bodenkammer, neben den abgestellten Reisekoffern, ein trauriges Dasein fristen.

Alle meine Teilpersönlichkeiten sind momentan wie Teile eines zerbrochenen Spiegels auf der ganzen Welt verstreut.

[01.04.21 / 03:24] Nachtrag zu meinem letzten Blogeintrag vor ein paar Nächten ... so einfach mit dem Einschlafen ist das nicht. 3 Uhr nochwas, alle paar Minuten stehe ich auf und laufe unruhig umher. Jedes Mal, wenn diese grauen Briefe den Tag vom Jobcenter kommen, kann ich die Nacht nicht mehr einschlafen (und die kommen alle paar Tage). Haut ab! Verschwindet! Geht weg! Ich mach eure Scheiß Briefe nicht mehr auf! Laßt mich endlich in Ruhe! Es sind die Briefe von der Leistungsabteilung, das sehe ich in der Zeile mit dem Absender. Es geht um "Korrekturen", "Stornierungen" und schlimmstenfalls sogar "Rückwirkend entfallener Leistungsanspruch." Mir geht es nicht gut.

Füße stillhalten und Kohle abgreifen.

[27.03.21 / 01:57] Wie geht es jetzt weiter? Seit gestern habe ich auch so einen Papierzettel für die Impfreihenfolge in der aktuellen Viruspandemie - ich bin in Priorisierungsgruppe 3. Blick in die Alterspyramide der Bevölkerungsstruktur in Deutschland - mindestens ein Viertel der Mitmenschen (Ü60) ist auch in dieser Gruppe, plus der Haufen mit so obskuren Erkrankungen wie "Rheuma, MS und HIV." (Ja, jetzt stehen wir endlich offiziell zusammen in einer Zeile!) So schnell, wie diese ganzen "Corona-Verordnungen" von einen auf den anderen Tag in Berlin beschlossen, durchgesetzt und wieder verworfen werden - und schon wieder der nächste Verrückte die Idee einwirft, die dritte Priorisierungsgruppe gleich ganz zu kippen, so schnell kann sich alles wieder verändern.
Die anderen da, die auf den Protestdemos gegen irgend etwas, mit Gegendemonstranten gegen wiederum diese Demonstranten - bin ich in der falschen WhatsApp-Gruppe, wenn mir solche Videos zugespielt werden? Düstere Vorahnungen, es könnte zu "politischen Instabilitäten" führen. Mir wäre es egal, mit was die mich da impfen, ich habe sowieso keine genetischen Nachkommen mehr und ich bin mit dem psychologischen Konzept der "Angstmedikation" durch meine Vorerkrankung vertraut (das bedeutet, ich werfe die Tabletten ein, damit ich keine Schübe bekomme - ob die ohne die blauen Kapseln nicht auch wegbleiben, traue ich mich nicht, herauszufinden). Heil den Echsenmenschen.
Ich habe immer mehr das Gefühl, ich lebe in einer Dystopie. So ziemlich jeder weiß, daß Viren mutieren. HIV und Aids gibt es seit 40 Jahren, Grippe gefühlt schon immer und kommt jedes Jahr neu. Und dann die hundert verschiedenen und nicht ungefährlichen Varianten an Herpes, Warzen, HPV und anderes Zeug (ich glaube, das hatte ich alles schon). Ich verfolge die Nachrichten, wie lange wollt ihr noch die Wellen zählen und vor jeder weiteren den Weltuntergang prophezeien? Das geht noch Jahre...
Die Wirklichkeit und ich, entfremden uns immer mehr. Bricht ein Bürgerkrieg aus? Versinkt alles in Anarchie? Leben wir so weiter, als ob es das nie gegeben hätte und stapfen über Leichen und Grabkerzen? Die einen sind so ignorant, die anderen verzweifelt. Wie geht es mir dabei, was mache ich?
Ich habe seit sechs oder sieben Wochen die Antidepressiva abgesetzt, beginne langsam wieder, normal zu schlafen. Das Schlafen neu zu lernen. Mein Immunsystem hat sich wieder stabilisiert. Zwar lebe ich immer noch in meiner selbstgewählten, sozialen Isolation zwischen Computerbildschirm und Fernsehcouch, aber ich vermisse nichts. Seit einem Jahr keine intimen Kontakte mehr, keine Körperberührungen - kein Sex. (War da mal was?) OK ... manchmal geht meine Phantasie doch auf Reisen, so der Morgen danach, ein Mann neben mir in meinem Bett: "Ich gehe mal kurz in meine Küche und setze auf dem Herd einen Kaffee auf. Möchtest du auch eine Tasse?" (Tatsächlich giert meine wieder aufgebaute Minibar in meiner neuen Küche gerade dazu, endlich wieder benutzt zu werden.) Spätestens in elf Wochen, so ungefähr Mitte Juni, wird auch die neue Couch aus dem Versandhandel für das neue Wohnzimmer geliefert ... hat eine Menge Geld gekostet (oder wird es noch).
Inwieweit die Strategie, die Briefe vom Jobcenter zu ignorieren und darauf zu hoffen, daß die Stütze nach dem erfolgten Weiterbewilligungsantrag noch bis zum Sommer weitergezahlt wird - ohne Sanktionierung auf Null wegen fehlender Mitwirkung oder Schlimmeres - wirklich aufgeht, weiß ich noch nicht. Irgend jemand auf dem Amt hat mich im Visier und vermutet wohl höchste, kriminelle Clan-Strukturen. Warum? Wieso? Was habe ich getan? Bedürftiger Bittsteller = Asozialer Abschaum.
Die kommenden Monate verbrauchen viel Disziplin, ich muß mich selbst motivieren, immer wieder dran zu bleiben und vereinzelte Bewerbungen rauszuschicken - auch wenn es sinnlos erscheint und wirklich niemals zu einem Arbeitsangebot führen wird (keine Qualifikation, keine Erfahrung, Trans-Vergangenheit und einen IT-Ingenieursabschluß für umsonst ... hatte ich hier alles auch schon). Ich setze mir eine neue Deadline zum Ende des Jahres: Bis 40 und nicht weiter.

Was mir die letzten Nächte noch so durch den Kopf ging (viel Zeit zum Grübeln): Ich wollte immer irgend jemand sein, der ich nicht bin. Irgend jemand von Interesse, vielleicht berühmt, vielleicht mit einem Talent, vielleicht mit einem aufregenden Beruf oder mit einer verruchten Vergangenheit. Nichts davon ist wahr. Meine Existenz gleicht der eines Sandkorns, welches von einer Ozeanwelle an den Strand gespült wird und in der nächsten Sekunde wieder in den Wasserfluten zurück verschwindet ... als wäre ich nie dagewesen, in diesem Milliarde Jahre alten Universum.

[07.03.21 / 14:46] Meine erste DJ-Session - zwar ohne Publikum und damit nur so etwas wie eine Probe, aber immerhin, ich habe das Equipment endlich mal aufgebaut. Sonnabend Abend, die Playlist habe ich auf 120 Musiktitel reduziert - aber das sind immer noch viel zuviel. Den Gerätekoffer auf dem kleinen Wohnzimmertisch aufstellen, alles verkabeln, den Laptop mit der Musikdatenbank und der DJ-Software per USB mit dem Controller verbinden, alles einschalten. Die Lichter am Controller blinken auf, den ersten Titel testweise anspielen, die Anlage auspegeln ... es dauert eine Weile, bis ich das mit dem Drehregler für die Vorverstärkung entdecke und überhaupt ein Ton ausgegeben wird. Wie mache ich das über die Kopfhörer? Warum wird das Anhören des als nächstes zu hörenden Titel schon über den Master-Ausgang an die Anlage gesendet? Ach, dazu ist der eine Fader da und der Knopf zum "Routen" zum Kopfhörer...
Bereit zum Start, die virtuelle Plattenkiste voll mit Titeln aus dem Synth-Wave-Genre der letzten 35 Jahre (also eigentlich nur die 80er und die 2010er). Der erste Titel zur Einstimmung - ein Zwanzig-Minuten-Ambient-Track (der Teil, bei dem sonst die ganze Anlage und die Lichter auf der Tanzfläche getestet werden und die ersten Gäste - in einer richtigen Disko - mit ihrem ersten Getränk vorbeischauen). Dann geht es los, Wave aus Mitte der 80er aus Italien, ich habe keine vorgeschriebene Playlist, ich spiele "on the fly" und wähle spontan die Titel, die vom Gefühl her und vom Stil am besten passen könnten. Schnell beschränkt sich meine Playlist nur noch auf ein kleines Sichtfenster von 30 bis 40 Titeln, sortiert nach der BPM-Zahl (oder was die die Software denkt, das ist die richtige Geschwindigkeit - hier muß ich für die nächsten Sets wieder so wie früher eigenständig "tappen").
Von der gespielten Musik bekomme ich nur die Hälfte mit, ich bin viel zu sehr damit beschäftigt, über die Kopfhörer den nächsten Titel auszusuchen, vorzuhören, die Stellen zu markieren, wo setze ich ein, wo starte ich den nächsten Titel. Es hilft enorm, daß ich nur Musiktitel ausgewählt habe, die mir aus meinen alten Radiosendungen vertraut sind, die ich schon im Kopf hören kann (ich brauche nur den Namen zu lesen). Das "Einfangen des Beats" und das automatische Anpassen der Geschwindigkeit und laufendes, punktgenaues Starten des nächsten Titels (daher die Markierungen) ist eine richtige Erleichterung. Vorbei die Zeiten von meinen alten Mixtapes, als ich noch bis auf 70 ms die Beats manuell überlagert habe. So bleibt mehr Zeit zum Vorhören.
Einmal verpasse ich meinen Einsatz, ein anderes Mal setze ich eine Rhythmusfolge zu früh ein ("Erschießt den DJ!") und das mit den zwei Fader und die Mix-Lautstärke für die beiden Decks habe ich noch nicht ganz raus (es braucht Übung). Aber das ich nur aus dem Gefühl heraus die nächsten Titel spiele und noch gar nicht weiß, wohin die Reise geht, ist schon etwas beeindruckend Neues für mich. Am Ende werden es zwanzig Musiktitel in zwei Stunden (wovon der erste schon zwanzig Minuten gedauert hat). Entgegengesetzt zu meinen alten Playlists, schraube ich mich nach dem Intro langsam hoch, bleibe in der Differenzspanne von etwa 10 BPM (gefühlt so bei 135 bis 145 BPM) und schließe dann mit einem heruntergefahrenen, langsamen Titel als Finale wieder ab (so einen mit einer endlosen Feedback-Schleife am Ende, wird gerne von den auftretenden Künstlern als Zugabe verwendet).
Gerne hätte ich die Nacht noch weiter aufgelegt, aber der Abbau selbst dauert auch wieder seine Zeit. Kurz vor Mitternacht, die Regler herunterfahren, die Geräte ausschalten, das große Deckenlicht wieder anschalten, Kabel abziehen, den Controller in dem stabilen Koffer verstauen und alles wieder aufräumen. Wieder ankommen in meinem kleinen Zimmer auf dem Dachboden, der Musikclub existierte nur in meiner Gedankenwelt. Notiz für die nächsten Sessions: die Playlists noch weiter detailliert ausarbeiten - ich kann nicht alle meine Lieblingstitel auf den Decks auflegen - die einzelnen BPM-Werte wieder selbst eintippen und die Übergänge üben (schon fünf Jahre außerhalb der Routine). Was ich beibehalte, ist die neugewonnene Flexibilität, auch mal die Anordnung in der Playlist zu "variieren" und einfach nach Gefühl zu spielen ... vielleicht auch irgendwann mal live.

Morgana LaGoth, ex-Oscilloworld DJane.

[05.03.21 / 15:10] Nach düsteren Nächten folgen sonnige Tage. Neuzugang in meiner Schuhkollektion: die Keilsandaletten von vor ein paar Wochen und die neuen Wanderstiefel aka "Wald- und Wiesenschuhe" ... für Wald und Wiese. Der Sommer kann kommen (und ich habe noch haufenweise bunte und ungetragene Sachen vom letzten Sommer im Schrank, die ich damit kombinieren könnte).

[05.03.21 / 02:35] Morgana verschwindet ... es waren nie die Tabletten, ich liege nach wie vor die Nächte wach und schlafe bis in den späten Vormittag. Die Wirkung der Rehaklinik verpufft geradezu innerhalb einer Woche, mein Tages- und Schlaf-Wachrhythmus gleicht sich rasend schnell wieder der Zeit davor an. Tief in der Nacht der Lärm der vorbeirauschenden, tonnenschweren LKWs auf der einen Seite, das kleine Fenster, dicht abgehängt mit einem dunklen Baumwollhandtuch und der immerwährenden und niemals aufhören zu dröhnenden Fabrikanlage in Sichtweite, auf der anderen Seite. Tausche Schlaftabletten gegen Ohrstöpsel aus wattiertem Knetwachs ... von der einen psychischen Abhängigkeit in die andere.
Den Mittag, zum Frühstück, liegen Briefe vom Jobcenter auf dem Tisch. Ich weiß genau: "Mach sie nicht auf! Laß sie liegen, verbrenne sie, wirf sie ungelesen weg!" Da steht nie etwas Gutes drin. Zu viele traumatische Erfahrungen. Mit einem unwohligen Gefühl öffne ich sie doch ... sie wollen Kontoauszüge und Einblick in mein Vermögen von vor zwei Jahren. Warum? Was geht euch das an? Die paar wenigen hundert Euro "Kapitalertrag" habe ich schon längst in Wien und auf Ibiza verjubelt. Damals noch, in der alten Zeit, bevor die ganze Welt unterging.
"Die Patientin konnte sich glaubhaft von Suizidgedanken distanzieren." Zitat aus dem Entlassungsbericht der neurologischen Reha. Was die nicht wissen, es nagt weiter an mir und wird auch nicht besser. Das ich die Antidepressiva abgesetzt habe, hinterläßt Spuren in meiner Seele. Mir wird dringend angeraten, eine ambulante Psychotherapie zu machen - oder zumindest noch einmal eine "richtige" psychische Reha zu beginnen. Mir wird das alles zuviel. Die Listen mit den Telefonnummern und Adressen der Therapeuten habe ich nach meiner Rückkehr nicht einmal mehr angerührt. Die Briefe, die da jetzt neu dazu gekommen sind (die beiden da oben in den beschriebenen Zeilen, in den häßlichen Briefumschlägen) tun ihren Rest.
In der Klinik, in den Gesprächen, ist meine erschreckende Perspektiv- und Hoffnungslosigkeit aufgefallen - die ganze Welt hat gerade dieses Problem! Draußen die Menschen, von denen ich glaube, daß sie da sind (ich höre den Straßenlärm), wirken auf mich nur wie seelenlose Maschinen, die nur noch automatisch funktionieren. Es ist, als hätte man ihnen gesagt, daß sie tödlich erkrankt sind und es keine Heilung mehr gibt - und sie wollen es nicht wahrhaben. Klammern sich an die fixe Vorstellung, daß alles wieder wie vorher wird ... doch das tut es nicht. Für mich gibt es keine Zukunft mehr. Morgana stirbt ... ganz langsam.

Traumszenen in kursiv, weit nach Mitternacht.

[22.02.21 / 23:33] Korrespondenz aus der Rehaklinik:

21.01.2021
So als erste Nachricht, heute und morgen bin ich in Quarantäne und darf das Einzelzimmer nicht verlassen (es hat aber eine große Balkontür, die ich öffnen kann, ich bin nicht eingesperrt). Das Essen wird mir noch die nächsten Tage gebracht - leider ohne irgendeine Auswahlmöglichkeit. In fünf oder sechs Tagen passiert der zweite Corona-Test und dann darf ich an den Therapien und den Mahlzeiten im Speisesaal teilnehmen (mit zugewiesenen Sitzplatz und Essen in zwei Durchgängen, ich habe glücklicherweise den mit dem späten Frühstück um 8 Uhr).
Damit mir nicht langweilig wird: Fernsehempfang gibt es nur mit 14 Sendern (die üblichen Verdächtigen), leider ohne 3sat und Arte. WLAN gibt es nur unten am Empfang, in der Lobby, gegen Aufpreis, und da komme ich jetzt nicht hin. Möglicherweise können in zwei Tagen schon die ersten (Einzel-)Behandlungen für mich starten. Ich habe aber genug Alternativen für mich eingepackt. [Anm. der Verfasserin: Mein Laptop mit meiner gesamten Musiksammlung.]

22.01.2021
Frühstück mit Blick nach draußen auf den Balkon vom Patientenzimmer. Schade, daß der Kaffee morgens schon eine Stunde früher kommt. [Anm. der Verfasserin: Westseite, hier werde ich noch schöne Sonnenuntergänge sehen.] Der erste Corona-Test vom Aufnahmetag ist negativ, die ersten Therapien (Physio und Ergo) beginnen für mich morgen Vormittag.

23.01.2021

Schnee in Sachsen
Frühstück kurz nach 7 Uhr, zwei Brötchen, Butter, Wurst, Käse, Marmelade in den kleinen Päckchen, eine halbe Thermoskanne Kaffee. Der Wurstaufschnitt ist wie abends, wahrscheinlich alles Schwein - Veganer würden hier verhungern (zum Glück sind Kaufhalle und Drogerie in der Nähe, da war ich gestern schon). Ich hoffe auf mehr Auswahl am Bestellautomaten vor dem Speisesaal, wenn der zweite Virusabstrich bei mir am Montag negativ ausfällt. Heute nur das Aufnahmegespräch für die verschiedenen Therapiegruppen (Rücken, Schwimmen, Fitnessgeräte und Korbflechten).

26.01.2021
Der zweite Test war wahrscheinlich auch negativ, ich kann ab morgen normal frühstücken, unten im Speisesaal (mit zugewiesenen Tisch).

27.01.2021
Nächste Woche dann ein Zwei-Stunden-Test mit mir für die "neuropsychologische" Diagnose. Was jetzt schon auf dem Plan steht: Zwei oder drei mal am Tag kleine Sportübungen für nur 20 oder 30 Minuten (Rücken, Gleichgewicht, Schwimmen). Der Tagesplan soll sich die nächsten Tage aber noch füllen.
Ich darf jetzt am Essen im Speisesaal teilnehmen und mir mein Menü selbst wählen - auf Zimmer in Quarantäne gab es (fast) jeden Tag nur Schwein (morgens, mittags, abends ... mit Beilagen).

28.01.2021
Jetzt endlich auch "vegetarisch" zur Auswahl. Was ich gut finde: Für die Schweinegerichte ist auf der Menükarte extra ein großes Schwein abgebildet. Wegen der aktuellen Situation gibt es kein Buffet, nur Ticket am Automaten am Eingang und das Essen wird am Tisch serviert. Übliches Krankenhaus- und Kantinenessen (aber genießbar).
Meine Quarantäne wurde mit dem Schwimmtraining* gestern beendet. Was auffällt: Alle Patienten laufen hier mit Turnschuhen und Trainingsanzügen herum, so etwas fehlt mir noch (ich habe nur leichte Gymnastikschuhe, eine Trainingshose und meine normale Straßenkleidung dabei). Das mit dem Sport ist nur in Kleinstgruppen und dauert allerhöchstens 15 Minuten, aber Turnschuhe mit Klettverschluß sind hier wirklich praktisch (Merken für nächstes Mal). Altersdurchschnitt der Patienten hier: 40 bis 80.
(*) Schwimmen mit so einer Schaumstoffrolle (oder anderen Behelfsmitteln) in unterschiedlichen Lagen und Richtungen. Interessanterweise wurde ich der Herrengruppe zugeteilt, damit habe ich die Damenumkleide für mich alleine.

30.01.2021
Hier liegt schon länger Schnee, die Wege in dem Kurpark neben der Klinik sind schon leicht angetaut.

Minibar
In der Drogerie war ich letztes Wochenende schon, die Kaufhalle heute Vormittag war doch etwas voll und unangenehm. Die Straße runter zu den Einkaufsmärkten und Discountern wird von mehreren Patienten der drei Kliniken in dem Ort genutzt (das sehe ich an den Spuren im Schnee und die höchst "verdächtigen" Menschen, die mir entgegenkommen), für alles, was es in der Klinik nicht gibt (z.B. Schokoladenkekse oder Handseife und Cremes). [Anm. der Verfasserin: Den kleinen Kiosk in der Klinik, unweit der Rezeption, habe ich erst später bemerkt.]
Gestern habe ich das erste Mal im "Fitness-Studio" der Rehaklinik an den Geräten trainiert, ungünstigerweise mit festen Winterschuhen (keine Turnschuhe dabei). Die Gymnastikschuhe (die ich noch aus der Tagesklinik habe) sind dafür ungeeignet, wegen der schweren Gewichte an den Geräten (sind eben nur für leichte Gymnastik gedacht).

31.01.2021
Das Wetter: Die Schneedeckecke ist nicht mehr ganz so dicht, der Boden und die Wege im angrenzenden Kurpark sind aber noch gefroren über Nacht. Aktuell blauer Himmel und Sonnenschein, Temperatur leicht im Minus (ich war schon den frühen Vormittag spazieren).

03.02.2021
Die Phase der schlaflosen Nächte, nach 8 Monaten ohne Kontakt sende ich meinem Ex-Freund eine Nachricht. Ich wünschte, er würde auch in so einer Klinik stationär einen Drogenentzug machen, um sein Leben wieder in den Griff zu bekommen: "Can I remove this number from my contacts?"

04.02.2021
Neuropsychologische Tests sind: Zahlen verbinden, Wörter merken, Wegstrecke planen, so abstrakte Formen und Muster aus dem Gedächtnis nachzeichnen (das war bei mir doch stark auffällig) und das mit dem Brett, drei Holzstäbe und drei Kugeln (so wie für Schimpansen im Labor, siehe "Planet der Affen" oder eine andere Filmszene). Neuropsychologisches Training ist das mit dem Computer, den Verkehrszeichen und schnell ganz große, bunte Tasten drücken. Kognitives Training ist aktuell so wie "Sokoban" (Kisten schieben) als Brettspiel.
Im Gegensatz zu meinem Psychiatrieaufenthalt vor genau zwei Jahren, ist hier nichts aufwühlend, ich habe eher Muskelkater, wegen haufenweise Sport (es geht überraschenderweise). Mein Cholesterin ist zu hoch, mir wurde schon eine "Ernährungsberatung" angeboten. (*die_augen_wegdreh*)

07.02.2021
Schon Schneechaos? Hier hat es nur die Nacht geschneit, der Ort unterhalb von Leipzig liegt auch südlich des prognostizierten Schneebands im Wetterbericht.
Jetzt habe ich auch mal das Café unten in der Klinik ausprobiert, ein Stück Mandarinenschmandkuchen und Cappuccino zum Mitnehmen den Sonntag Nachmittag. Es sind jetzt auch mehr jüngere Patienten da, als noch vor ein oder zwei Wochen. Die Gruppen für die einzelnen Therapien und Behandlungen (Ergo und Sport) sind aber nie fest, immer abwechselnd andere Teilnehmer. Das ist eine Rehaklinik, in der Menschen auf Krücken wieder Laufen lernen (von Schlaganfall bis Tumor ist alles dabei).

08.02.2021

Schneebilder austauschen
Das Foto ist der Blick auf die Terrasse (hinter der Glastür) auf die verschneite Glaspyramide über dem kleinen Hallenschwimmbad im 1. Untergeschoß. [Anm. der Verfasserin: Ich bin den nächsten Tag darunter durchgeschwommen.] Von den Therapeuten sind heute morgen einige nicht da. Das ich den Sport um 7:30 Uhr (vor dem Frühstück) absichtlich verschlafen habe, ist vielleicht noch nicht mal aufgefallen. Ich war kurz draußen, das sind locker 30 bis 40 cm Neuschnee und nur auf dem Klinikgelände etwas geräumt.

09.02.2021
In der Ergotherapie einen Korb flechten, meine Entlassung ist nächste Woche und ich habe in den zwei Stunden bis jetzt gerade mal den Boden fertig. Wenn die Ergotherapeuten nicht krank werden oder es fällt noch mehr Schnee oder andere Gründe, die zum Ausfall führen, bleiben mir vielleicht noch so drei Arbeitsstunden.
Aus der Sozialberatung: Den Antrag auf Teilerwerbsminderungsrente sollte ich möglichst schon jetzt stellen. Wenn ich die nächsten zwei Jahre nichts mehr in die Rentenkasse einzahle, verliere ich den Anspruch darauf. Ob die dann von der Rentenversicherung genehmigt wird, ist ein anderes Thema, weil körperlich habe ich ja nichts, nur psychisch.
Anderes Thema: Schwimmen um 11 Uhr, Mittagessen um 12 Uhr. Wer stellt den Therapieplan zusammen, ein Computer? Das ist so fast unmöglich für Frauen zu schaffen, ich brauche mehr extra Zeit für die Nachbereitung zurück auf dem Zimmer: Duschen, die langen Haare waschen, kämmen und trocknen und den Chlor sorgfältig mit klaren Wasser aus dem Bikini spülen (weil das Material dann irgendwann sonst durchsichtig wird ... regelmäßiges Schwimmtraining vor vielen Jahren).

11.02.2021
Ergotherapie: Vielleicht könnte ich auch einen Teller oder eine Schale daraus flechten. Hier gibt es auch ein Regal für Flechtkörbe ohne oder verlorenen Besitzer. (Aber ich will unbedingt endlich einen beenden und mit nach Hause nehmen ... den aus der Tagesklinik konnte ich schon nicht abschließen.)

13.02.2021
Notiz: FFP2-Masken - Die Dinger sollten nicht durchgehend länger als zehn Tage getragen werden, besser nur fünf (eigene Klinik-Erfahrung).
Heute mal Action in der Klinik, Feueralarm gegen 14 Uhr den Sonnabend. Am Sammelplatz fanden sich dann auch nur die üblichen 10 oder 20 bis 30 Raucher ... ganz gemächlich. Aber die Feuerwehr mit drei bis vier Fahrzeugen und Blaulicht war ziemlich schnell vor Ort. Angeblich ist ein Mitarbeiter "aus Versehen" an den Brandmelder gestoßen.

16.02.2021
Mir wurde eine "Fahrprobe" nahegelegt. Die Ergebnisse der ersten neuropsychologischen Tests waren doch etwas grenzwertig. Hätte ich da einen Wert unterschritten, wäre das vielleicht in dem Abschlußbericht gelandet. Neuropsychologische Therapie ist aktuell nur noch am Computer Auto fahren und Knöpfe drücken (bin schon dreimal zu schnell gefahren, zu viel Input) ... vielleicht etwas ungünstig, wenn ich das Wochenende vorher auf dem Handy "Road Rash" spiele und wild auf dem Gamepad herumklicke und die ganzen anderen Gegner vom Motorrad kicke.
Gedanken: Ich werde doch Donnerstag hier abgeholt? Frühstück geht bis 8:45 Uhr, Zimmer räumen wahrscheinlich vorher, dann warten in der Lobby (diese Prozedur sehe ich jeden Tag, wenn ich zum Frühstück gehe).

17.02.2021

Jetzt ist es eine Schale
Jetzt ist es eine Schale geworden.

18.02.2021
Zimmer bis 7:45 Uhr Frühstück bis 8:45 Uhr, und warten... Mein monatliches Datenvolumen im Mobilfunkvertrag ist mit dem letzten Abend in der Klinik aufgebraucht, das ist die Gelegenheit, endlich meinen VPN-Server über das unverschlüsselte WLAN für Patienten in der Lobby zu testen.

Vier Wochen in der Rehaklinik ... mit all den älteren Menschen, Rollatoren und Rollstühlen - das ergibt einen ganz anderen Blickwinkel auf die aktuelle Virus-Pandemie. Wir sind eins, wir sind zusammen und Mitgefühl ist enorm wichtig!

[10.02.21 / 20:56] Ich muß meine aktuelle Funkstille aus der "Rehab Clinic"* doch unterbrechen ... die Praxis in München hat sich per Telefon bei mir gemeldet, sie gehen die Kontaktdaten bzw. Telefonnummern für die Warteliste auf die geschlechtsangleichende Operation durch und fragen nach dem aktuellen Status. Mein Termin im September 2021 - den ich bis jetzt emotional nicht geschafft habe, abzusagen - wäre dann, nach über vier Jahren Wartezeit, dran gewesen. Ich bin schon operiert. Auch wenn ich nach wie vor immer noch den Gedanken mit mir herumtrage, eine dritte und aufwendige Korrekturoperation zu wagen - und den letzten Funken Hoffnung, vielleicht doch noch irgendwann ganz normal als Frau Sex zu haben, nicht aufgeben kann - so wird dennoch meine Position auf der Warteliste gestrichen. Es bleibt die Option, mit dieser oder einer anderen Praxis einen neuen Termin auszumachen, um überhaupt herauszufinden, ob das bei mir da unten noch chirurgisch möglich ist.

(*) Interessanterweise bedeutet rehab clinic im Englischen etwas leicht anderes, als im Deutschen erwartet ... aber ich mag die Version, wie meine Rockstars in einer "Entzugsklinik" zu sitzen, um "clean" zu werden. Meinen mitgebrachten Tablettenvorrat habe ich mittlerweile aufgebraucht: die erste Woche hätte ich fast sieben Nächte ohne durchgehalten, die zweite Woche mußte ich die allerletzte Dosis rationieren, die dritte Woche ist die (schlaflose) Hölle und die vierte Woche steht mir noch bevor...

[13.01.21 / 20:03] Der erste Eintrag im neuen Jahr, der erste Eintrag aus dem Untergrund, das geheime Tagebuch, der Spiegelserver, das Deep Web ... und so weiter. Aus dem Plan, in der Nacht zu Neujahr ein DJ-Set online zu streamen, ist leider nichts geworden. Abgesehen davon, daß ich auf meinem Laptop zuerst ein komplettes Upgrade des Linux-Betriebssystems durchführen mußte, um überhaupt erst eine neue Version der DJ-Software mit den nötigen Packages für den Controller zu nutzen, saß ich den ganzen Abend an dem kleinen Couchtisch und habe stundenlang die Playlist bearbeitet. Momentan umfaßt diese immer noch 50 Stunden Musik mit etwas über 500 Musiktiteln aus allen meinen Radiosendungen zwischen 1999 und 2015. Zuviel ... außer ich lege nonstop ein ganzes Wochenende auf (und dabei ist mir vollkommen entgangen, daß andere DJs aus meinem Szeneumfeld genau das den Silvesterabend gemacht haben - sogar mit Online-Schaltung zu interessanten Bands, die ich mag und kenne).
Die Tage danach ... die mystischen Tage und Nächte zwischen Sonnenwende, Neujahr und der ersten Kalenderwoche, auch bekannt als die "Rauhnächte" (hier keine Kleidung waschen). Ich sitze vor meinen drei Computerbildschirmen, ein Terminal eingeloggt auf meinem angemieteten Server weit entfernt in einer Großstadt, mein Laptop (genau der aus dem Textabsatz eben) und der Rechner an meinem PC-Tisch. Zeilen mit grünen Buchstaben auf schwarzen Hintergrund rattern in den Konsolenfenstern herunter, der Bildschirm des Laptops am Couchtisch zeigt zusätzlich noch die Oberfläche des Netzwerkanalyseprogramms Wireshark und zeichnet alle Pakete zwischen mir, meinem WLAN und dem Server irgendwo in Deutschland auf. "OpenVPN" steht in der Spalte für das verwendete Protokoll - ein Wahnsinnsgefühl, zu wissen, es funktioniert! Alle Pakete zwischen dem im WLAN eingeloggten Laptop (oder wahlweise meinem Smartphone) werden verschlüsselt im Tunnel zu meinem externen Server übertragen - und von dort aus weiter ins Internet (und zurück).
Hintergrund der ganzen Sache und der ganzen Bastelei an einem eigenen VPN-Server, ist der Gedanke, wenn ich demnächst ein paar Wochen stationär in einer Klinik bin und mich dort in das WLAN für die Patienten einlogge, dann brauche ich unbedingt ein funktionierendes VPN. Als Rückfallösung habe ich sicherheitshalber auf meinem Smartphone (und auf meinem Laptop sowieso seit längerem) den Tor Browser installiert, dieser sollte im Bedarfsfall die von mir aufgerufenen Internetseiten vollständig über HTTP absichern bzw. verschlüsseln. Mails gehen über TLS und Remote-Zugang auf meinen Server über SSH ... wie stehe ich denn sonst da, wenn ich ich mich als "IT-Testerin für sicherheitsrelevante Software" vorstelle? [Anm. der Verfasserin: Mein Blog im Internet sollte jetzt auch fehlerfrei über "https://" funktionieren.]

Dann wäre da noch die andere Sache ... beim Ausräumen der Wohnung unter mir, sind alte Bücher aus der NS-Zeit aufgetaucht, wem genau die mal gehört haben, wer die damals beschafft hat und warum die die ganzen Jahrzehnte von Kriegsende bis jetzt immer noch in dem Bücherschrank lagen, weiß ich nicht. Auf alten Familienfotos sehe ich vieles aus der Zeit, Kriegsbilder, Männer in Wehrmachtsuniformen, gefallene Großonkels auf Familienbesuch, die ich nie kennengelernt habe. An sich nichts Ungewöhnliches, ich bin nun mal in Deutschland geboren. Militaria kann ich verkaufen oder sammeln (ich hätte da noch was im Schrank...) aber diese drei, vier Bücher? Purer Haß, voller Gedankengift über "Rasse und Seele" und "Wie erkenne ich einen Juden, wenn ich ihm auf offener Straße begegne?" (Wahrscheinlich, um ihn dann schnellstmöglich totzuschlagen.)
In mir vibriert es, für die antifaschistische Sache! ich muß diese Bücher verbrennen, vernichten, auf daß nie wieder irgendjemand diesen Scheiß liest und sich davon beeinflußen läßt! Allein, wenn schon das erste Kapitel mit "Die Juden" anfängt ... aber werde ich dann nicht genauso?
Früher zu der finsteren Zeit wurden auch eine Menge Bücher verbrannt - und die Menschen damals waren auch sehr von ihrer Sache überzeugt. Und könnte es nicht auch sein, daß ich gerade Beweise vernichte? Um möglichst jede Verbindung zu dieser Zeit zwischen 1933 und 1945 und zu meinen Familienahnen zu kappen? Ich weiß nicht, was damals passiert ist, ich weiß nur von jetzt, mir wurde meine Nase gebrochen, ich wurde in der Straßenbahn angemacht: "Endstation Auschwitz" und ich wäre ganz bestimmt "damals vergast worden." Und ich war in Israel - und ich habe mich da unter den Menschen sehr wohlgefühlt. Die Bücher müssen weg.
Verbrennen kann ich die so einfach nicht im Garten, vielleicht ist durch die Lettern noch Blei in der Druckerschwärze, unter Umständen könnte noch dunkler Rauch aufsteigen und besorgte Nachbarn hinter ihren Gardinen und Fenstern die Nummer des Ordnungsamtes rufen. Ich stehe den Sonnabend in der Küche und lasse die Bücher eins nach dem anderen in den Papierschredder gleiten (so ein "Aktenvernichterding"). Ausgerechnet das Buch mit dem speziellen und beschichteten Fotopapier - ausgerechnet die Seite mit dem Schwarz-Weiß-Foto des "aschkenasischen, jüdischen Mannes" bleibt stecken und verheddert sich in dem Reißwolf. Ich muß es herausziehen, die untere Buchseite hängt in Fetzen, die obere Hälfte mit dem Portraitfoto von ihm ist intakt - als würde er mir sagen: Vergiß mich nicht. Ich schaue mir auch noch die andere Seite mit der bildhübschen und jungen, jüdischen Frau an ... beide sind schon lange tot. Nach Säuberung der Reißzähne von den Papierfetzen, gehe ich mit meiner Arbeit konsequent weiter. Die Unmengen von alten und vergilbten Papierstreifen mit einzelnen Buchstaben, gesetzt in Frakturschrift, landen in der Papiertonne vor dem Haus. Vier Bücher - von dieser Art - weniger in der Welt ... ich selbst habe mich nur getraut, die Bücher verkehrt herum auf dem Küchentisch liegend, die einzelnen Seiten herauszureißen, um auf keinen Fall irgend etwas von diesem niedergeschriebenen Nazi-Gift in meinen Kopf und meine Gedanken einfließen zu lassen.

Nach dieser dunklen Geschichte etwas Erheiterndes: Neue Schuhe für den Sommer! Ein Paar fabrikneue Sandaletten aus dem Onlineversand, mit Keilabsatz und rundherum einstellbar (Klett- und Schnallenverschluß) für meine Problemfüße (40, breit, hoher Knochen), superbequem und äußerst praktisch. Ich gehe fest davon aus, daß ich (und wir alle) diesen Sommer bald wieder verreisen können...

[Text freigegeben am 10.02.21 - Anm. der Verfasserin.]

[29.12.20 / 03:33] Bilder, die ich nie veröffentlicht habe (bis jetzt). Das eine Foto vom November 2004 - die Session irgendwo im Schneematsch kurz vor Wernigerode - krame ich immer wieder hervor. Jedes Mal überlege ich, ob ich es nicht doch noch bearbeite und auf meine Seite packe. Die billige Kamera von damals, aus der Frühzeit der Digitalfotografie, lieferte so einen ganz besonderen "schmutzigen" Effekt - so wie in den Musikvideos diverser Underground-Bands der frühen und späten Neunziger, die auf den Musiksendern (die es alle nicht mehr gibt) über Satellit im Fernsehprogramm die Nächte gesendet wurden.
Das Foto (weil es so schön im Schnee ist) habe ich jetzt nur ganz leicht bearbeitet, Zuschnitt mit Letterbox auf ein 4:3 Videoformat (also von ursprünglichen 4:3 auf 3:2 und wieder zurück mit schwarzen Balken), die VHS-typische Farbverschiebung zwischen Rot und Blau, eine ganz leichte Bewegungsunschärfe und zum Schluß der obligatorische "Fernseheffekt" (die Maske mit den RGB-Punkten, hier habe ich mich nur für die Variante mit einfachen Linien bzw. Zeilen entschieden).
Der eingeblendete Text und das Logo oben in der Ecke ist eine Hommage an meinen alten Musiksender (es gab nur neun Folgen zwischen 2007 und 2008). Ein paar raubkopierte Videos von YouTube und jeweils fünf davon in einer Sendung zusammengeschnitten und mit den Texten für Interpret und Titel und Erscheinungsjahr (zwischen 1978 und 1995) unterlegt. Feinstes Material - Gothic, Wave und etwas Punk - von mir höchstpersönlich ausgesucht und auf meinem Musikvideo-Spartensender neben meinem offiziellen Webradio als nettes Extra für die Zuhörer auf meiner alten Internetseite präsentiert. Alles das gibt es nicht mehr.

Fette Party im neuen Jahr? Endlich mal den DJ-Controller auspacken, an den Laptop anschließen und auf meinem Server einen höchst illegalen Stream starten? "First time live on decks: Morgana LaGoth (ex-Oscilloworld Radio DJ) !!!"

[27.12.20 / 01:49] Das letzte Mal die Nächte am Wochenende vor dem UKW-Radio verbringen, das letzte Mal der Nachtclub auf NDR Info ... (ist ja nicht ganz vorbei, der zieht im nächsten Jahr nur um auf einen anderen Digital-Sender und einen anderen Sendeplatz).
So viele schöne und für mich unbekannte und unentdeckte Bands, speziell aus den Genres Wave und Post Punk (und ähnliches) so viel Neues gehört. Den Flair, um kurz vor 2 Uhr nachts (wirklich) gute Musik zu hören, werde ich vermissen.

[18.12.20 / 17:29] So viele Optionen ... ich könnte mit meiner Seite ganz offline gehen oder ein Paßwort setzen. Ich könnte das Blog-Modul deaktivieren - die Einstellungsmöglichkeit mit der Checkbox im Backend habe ich extra einprogrammiert. Ich könnte aber auch nur alle kommenden (und vielleicht sogar die alten) Blogartikel auf "privat" setzen, das wäre in meinem CMS der Status: "Warten auf Freigabe" - mit dem Nebeneffekt, die Kommentarfunktion bleibt erhalten (für eventuelle "Fan-Fiction" oder ähnliches).
Warum eigentlich? Was zieht mich herunter in die Nachdenkphasen? Ist es, weil mein Tagebuch mich an einigen Stellen schon überholt und ich von Dingen schreibe, die ich noch gar nicht erlebt habe? Ist es, weil ich meinen Blog-Kodex nicht mehr strikt einhalte? "Keine medizinischen Sachen, keine finanziellen Dinge, niemals über etwas schlecht schreiben, was andere vielleicht gut finden - und niemals, wirklich niemals darüber schreiben, wo ich mich in der Zukunft aufhalten werde, sondern immer nur darüber, wo ich in der Vergangenheit war." (Letzteres bezieht sich speziell auf Ortsangaben.)
Das Schreiben kann ich nicht so einfach aufgeben oder vorübergehend pausieren, das Internet ist mein Psychotherapeut. Ich hätte immer noch meinen Backup- und Spiegelserver, auf dem nur ich Zugriff habe...

In den 18 Jahren, die meine Seite seit 2002 online ist, war die erste Triade die Zugriffsstärkste ... einfach weil es nicht viele andere TS gab. Danach habe ich für sehr lange Zeit hier nur Selbstgespräche geführt. Seit meiner geschlechtsangleichenden Operation im Sommer 2018 und meinem Bericht darüber, steigen die Zugriffszahlen wieder und mein Blog überschreitet die Wahrnehmungsschwelle in den Ergebnislisten der Suchmaschinen im Internet. Nicht viel, aber spürbar (also in den Logfiles erkennbar).
Zeit zum Abtauchen, irgendwie das machen, was meine Musik-Ikonen in den späten Siebzigern und frühen Achtzigern mit ihren Kunstfiguren gemacht haben. Baue ich damit nicht gerade einen Kult auf? Zu unbedeutend, zu introvertiert, zu weltfremd und nur in einer Phantasiewelt lebend. Vielleicht ist es aber auch ... weil ich das Gefühl habe, ich wiederhole mich hier nur noch.

Epigone: "The Rise and Fall of Morgana LaGoth."

[17.12.20 / 18:32] So wie zur Sonnenwende die (neue) Wohnung ausgeräuchert wird, so wird zum Jahresende im Dezember das eigene Leben ausgemistet und alter Ballast abgeworfen. Ich entschlacke mein Bewerbungsprofil für die Stellensuche im Internet und entferne über die Hälfte an "Fähigkeiten und Fachkenntnissen" - den ganzen Kram, den ich mir nur hobbymäßig angeeignet habe, in denen ich sowieso nur Laienkenntnisse besitze (und die für Personaler nicht relevant sind). Weniger ist mehr ... mein Profil sieht jetzt auch viel professioneller aus.

Tag Zwei des zweiten Lockdowns und der zweiten Welle der Viruspandemie in Deutschland. Nach dem neusten Dialog mit meiner Ärztin, gehöre ich so gar nicht mehr zu der relevanten Risikogruppe, höchstens nur noch: "...formell." Nach den Werten auf ihrem Bildschirm auf dem Schreibtisch in dem Behandlungszimmer und meinem letzten Blutbild vom September - und meiner obskuren "80-Prozent-Hochrechnung" - noch ungefähr 600 T-Zellen / µl und ein stabiler Verlauf. So schlecht geht es meinem Immunsystem gar nicht. Momentan trage ich eine neue Gesichtsmaske im modischen Tarnfarben-Camouflage.

Fast ein Jahr (präzise seit März 2020 neun Monate) ohne den Zauber ... mir ist erst jetzt bewußt geworden, wie viele schöne Abendkleider ich da im Schrank hängen habe, kein einziges davon getragen diesen Sommer. Keine Festivals, keine Konzerte, keine glitzernden Clubnächte. Schwarze Schnürstiefel und Punkerkutte geht jeden Tag.
Wie empfinden das die Menschen da draußen? Vom unveränderten Straßen- und Zivilisationslärm, der von draußen durch die (geschlossenen) Fenster in meine Wohnung dringt, spüre ich keine Veränderung zum normalen Alltag. Die Katastrophennachrichten im Fernseher schalte ich gelangweilt weg, die Propagandaschlachten um den neuen, allrettenden Impfstoff tangieren mich nicht. Ich stehe zwar auf der Seite der Medizin und Wissenschaft - und war sofort dabei, als die Warn-App online veröffentlicht wurde (das Konzept an sich ist genial) - aber der Impfstoff? Ich befürchte, wenn der ausgereift auf dem Markt verfügbar ist und alle bedenkenlos damit versorgt werden können, ist die globale Viruspandemie schon längst wieder am Auslaufen. Die Medizinforscher erleiden dasselbe Schicksal wie die Programmierer der Warn-Software: "Könnte ja ’was Böses ’hinter stecken, dem traue ich nicht!" (Nicht mein Zitat.)

Zurück zum Anfang des Textes ... wie so oft und in der dunklen Zeit immer wiederkehrend, denke ich darüber nach, Morgana mal wieder sterben zu lassen - damit sie sich im neuen Jahr als Feuervogel aus der Asche neu emporheben kann - so als rituelle Reinigung. (Und bitte dieses Mal nicht höchst besorgt die Polizei rufen, das ist nur literarisch und spirituell gemeint.)

Prosatext in Kursiv!

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Kommentar:

[05.12.22 / 17:34] Daniele1992: Hallo Morgana

Mail ist heute rausgegangen

LG Daniele

[13.11.22 / 09:33] Daniele1992: Hallo Morgana

aktuell keine schöne Situation. Ich schreibe Dir noch eine Mail dazu.

LG Daniele

Morgana LaGoth: Einige Kommentare müssen auch nicht allzu öffentlich sein …

[13.05.22 / 09:15] Daniele1992: Hallo Morgana,

Tolle Reisebericht von Deiner neusten Reise nach Paris. Macht grosse Lust auch wieder dort hinzufahren um sich von der Stadt inspirieren zu lassen.

Tolle Neuigkeiten.NeuerJob. Klasse! Freue mich für Dich.

Liebe Grüße
Daniele

Morgana LaGoth: Danke. Endlich wieder verreisen … lange darauf gewartet. Lebendig bleiben, solange es noch geht.

[24.12.21 / 20:55] Daniele1992: Hallo Morgana,

Ich denke an Dich und wünsche Dir frohe Weihnachten und ein schönes neues Jahr 2022.

Liebe Grüße
Daniele

Morgana LaGoth: Vielen Dank, ich wünsche dir ebenfalls ein schönes, neues Jahr.

[25.09.21 / 14:59] Daniele1992: Hallo,

eine Chance etwas Neues zu machen. Neue Perspektiven. Urlaubsträume, die bald real werden können. Nicht so schlecht. Freue mich für Dich. LG Daniele.

Morgana LaGoth: Danke dir.

[11.11.20 / 09:12] Daniele1992: Hallo Morgana

Ich habe Dir eine Mail geschickt.

Lg
Daniele

Morgana LaGoth: Hey ... vom Lenkrad aus mit der Hand winken, von einem MX-5 zum anderen. *freu*

[30.07.20 / 22:03] Daniele1992: Guten Abend

das habe ich sehr gerne gemacht. Zum Einen interessiert mich das Thema und zum Anderen hast Du wirklich sehr lebendig und spannend geschrieben. Da wollte ich Alles lesen und wollte Dir schreiben, das mir Dein Blog besonders gut gefallen hat (Die eigentliche Arbeit hattest Du ja mit dem Verfassen des Blogs). Wenn Du magst können wir den Kontakt gerne per Mail halten. Viele Grüße Daniele

Morgana LaGoth: Mail-Adresse steht oben bei "kontakt" - bei weiteren Fragen, gerne.

[30.07.20 / 12:44] Daniele1992: Guten Morgen,
vielen Dank für Deinen tollen Blog. Ich habe ihn in den letzten Wochen komplett gelesen. Meistens konnte ich gar nicht aufhören zu lesen. Fast wie bei einem sehr spannenden Roman. Ich habe dabei Deine genauen Beobachtungen und Beschreibungen sehr genossen. Deine vielen Ausflüge in die Clubs und zu den Festivals oder Deine Streifzüge d durch die Geschäfte beschreibst Du immer aus Deiner Sicht sehr anschaulich und spannend. Ich kann das sehr gut nachvollziehen, das alleine zu erleben, häufig auch mit einer gewissen Distanz. Ich kenne ich von mir sehr gut. Highlights sind Deine Reiseberichte. Deine Erlebnisse an den unterschiedlichsten Orten auf der Welt. Vielen Dank dafür. Vielen Dank auch das Du Deinen Weg zu Deinem waren Geschlecht mit uns Lesern teilst. Deinen Weg Deine Gefühle Deine zeitweisen Zweifel. Das ist sehr wertvoll auch für uns Andere, denn es ist authentisch und sehr selten. Du bist einem dadurch sehr vertraut geworden. Für mich ist eine gefühlte grosse Nähe dadurch entstanden. Umso mehr schmerzt es mich von Deinen Rückschlägen zu lesen. Von Deinem Kampf zu Deinem wahren Ich. Von Deinem Kampf umd Liebe, Zährlichkeit und Akzepzanz und Anerkenung. Von Deiem mitunter verzweifeltem Kampf nach Liebe und Anerkennung durch Deinen Exfreund. Leider vergeblich. Dein Kampf um wirtschaftliche Unabhängigkeit und Deine aktuell missliche Lage. Ich glaube dass Du nicht gescheitert bist. Du hast viel Mumm und Hardnäckigkeit bewiesen Deinen Gang zu Dir selbst zu gehen. Du hast auch einen guten Beruf der immer noch sehr gefragt ist. Vielleicht kann ja nach dieser Auszeit und etwas Abstand ein Neuanfang in einer anderen Firma, wo Du keine Vergangenheit als Mann hattest gelingen. Ich wünsche das Dir ein Neuanfang gelingt und drücke Dir ganz fest die Daumen. Daniele

Morgana LaGoth: Da liest sich tatsächlich jemand alles durch? Das ist mittlerweile schon ein kompletter Roman mit mehreren hundert Seiten! Danke dir, für deinen Kommentar (und die aufgebrachte Zeit).

[05.10.19 / 17:11] Drea Doria: Meine liebe Morgana,
bin 5 T post all-in-one-FzF-OP. Deine guten Wünsche haben geholfen. Der Koch ist immernoch noch super. Alle hier sind herzlich und nehmen sich Zeit.
Herzlich
Drea

Morgana LaGoth: Dann wünsch ich dir jetzt noch viel mehr Glück bei deiner Genesung!

[14.06.19 / 12:57] Drea Doria: Meine liebe Morgana,

vielen Dank für Deine offenen und kritischen Erlebnisberichte. Ich bin in 3 Monaten in Sanssouci zur FzF-OP. Ich denke auch, was kann schon schief gehen, status quo geht nicht und irgendwas besseres wird wohl resultieren. Wenn es Dich interessiert, halte ich Dich informiert. Drücke mir die Daumen.
Herzlich
Drea

Morgana LaGoth: Ich wünsche dir für deine Operation viel Glück. (Sollte der Koch nicht gewechselt haben, das Essen da in der Klinik ist richtig gut!)

[14.11.17 / 20:13] Morgana LaGoth: Nutzungsbedingungen für die Kommentarfunktion: Die Seitenbetreiberin behält sich das Recht vor, jeden Kommentar, dessen Inhalt rassistisch, sexistisch, homophob, transphob, ausländerfeindlich oder sonstwie gegen eine Minderheit beleidigend und diskriminierend ist, zu zensieren, zu kürzen, zu löschen oder gar nicht erst freizuschalten. Werbung und Spam (sofern die Seitenbetreiberin dafür nicht empfänglich ist) wird nicht toleriert. Personenbezogene Daten (Anschrift, Telefonnummer) werden vor der Veröffentlichung unkenntlich gemacht.

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