morgana81 - gothic transgender

Sternzeit irgendwas, Logbucheintragung des Captains:

[01.01.70 / 00:00] Sternzeit irgendwas, Logbucheintragung des Captains:

[10.06.24 / 23:04] Viele Menschen, viele Autos, die beiden Parkplätze sind weiterhin bis auf die letzte Lücke voll. Ich gehe an mein Auto, packe meine Tasche um, lasse etwas schweres Gepäck da. Die leeren Wasserflaschen, die Sonnenbrille. Deo auffrischen, mein schwarzes Strickjäckchen schnappen, Hut dalassen, Haare kurz durchkämmen und wieder zurück zu der großen Wiese hinter der Mensa. Make-up und Kajal hätte ich auch dabei, aber das ist mir den Abend nicht so wichtig.
Auf der großen Wiese ist eine Bühne aufgebaut. Früher stand die mal da woanders. Wie lange war ich schon nicht mehr hier? Fünfzehn, zwanzig Jahre? So irgendwo zwischen 2003 und 2007. 2002 habe ich erst den Herbst angefangen zu studieren und 2008 war ich schon (den Herbst dann) im Diplom-Semester. Dazwischen dieses eine Jahr mit dem Fest und der australischen Independent-Künstlerin auf der Bühne, die mir so gefallen hat. Dieses Jahr spielt hier nur eine Coverband und ich pendele von dem Bereich vor der Bühne und den anderen, weiteren auf der Wiese von den Studentenorganisationen aufgebauten Ständen hin und her. Getränkebuden und Grillstände, vegan, vegetarisch und nicht vegan (mit Fleisch). Zweimal nacheinander Abendessen für mich (vegan).
Einen Becher Wasser in der Hand, mit Anbruch der Dämmerung, füllt sich die Wiese mehr und mehr. Die Dixi-Klos habe ich nur einmal benutzt, schnell erkenne ich, dass die Toiletten unten im Keller der Mensa dieses Jahr nicht verschlossen sind, das waren sie, als ich das letzte Mal vor zig Jahren hier auf dem Campus-Fest war. Ich laufe durch die Menge, erkenne ich ein paar Gesichter? Das Alumini-Zelt mit dem Treffpunkt ist verwaist – das war leider zeitgleich mit dem CSD. Kleine Grüppchen von männlichen Ex-Studenten, einige mit grauen Haaransatz, so in etwa stelle ich mir die ehemaligen Ingenieur- und Informatikstudenten vor. Sie fallen mir vom Alter her auf, ich spreche sie nicht an, ich lächele nur kurz. So vom Gefühl gehöre ich mit dazu.
Die vielen anderen, weiblichen Studenten – also die von jetzt – es hat sich absolut nichts verändert, ich werde nicht angesprochen, ich spreche auch sie nicht an, wir existieren nur rein zufällig an demselben Ort, ich das asexuelle Etwas, Computer-Kram, sie die hübschen Studentinnen aus den nicht-technischen Studienfächern, so BWL-Kram. So wie damals, als ich Italienisch als mein fachbereichsübergreifendes, nicht-technisches Wahlpflichtfach gewählt habe und ein Semester lang die beiden Sitzplätze, rechts und links neben mir, immer frei blieben, in dem ansonst voll besetzten Seminarraum, mit nur weiblichen Studenten. Mein ewiges Trauma.
Es wird dunkel und kühl, ich ziehe mein Strickjäckchen über. Die andere Tanzfläche auf der anderen Seite der Mensa, quer durch den Verbinder, habe ich entdeckt. Hier vor eines der anderen Wohnheime haben die Studenten eine kleine Bühne organisiert, auf der ein paar DJs seit dem späten Nachmittag auflegen, richtig guter Techno. Die andere, große Bühne, da läuft nur Mainstream, diese hier, hat das Underground-Feeling. War hier nicht mal so ein Wohnheim, in dem eine Abriss-Party stattfinden sollte? Das Wohnheim jetzt wirkt sehr modern und renoviert. Die Party der schönen Menschen. So jung, ich bin wieder mittendrin und tanze ausgiebig. Es wird dunkel, eine Kaltfront zieht durch unter dem Nachthimmel. Die Bäume sind mit Deko- und Discolichter bestückt, so viele Menschen, es wird richtig eng zum Tanzen auf der kleinen Wiese. Wollte ich erst nur bis Sonnenuntergang bleiben, ziehe ich es jetzt komplett durch, bis die DJs um kurz nach Mitternacht ihr letztes Stück spielen. Die letzte Chance, unten in der Mensa noch einmal auf der Toilette zu verschwinden, bevor sie zugeschlossen wird. Ich muss noch über eine Stunde durch die Nacht zurückfahren.
Die Musik ist aus, die Menschen verstreuen sich. Ich laufe meinen alten Pfad entlang. Würdest du hier noch wohnen, wärst du schon im Bett. Ich will mein altes Zimmer aus dem Studentenwohnheim zurück. Sentimental blicke ich ein paar Minuten hoch zu den beleuchteten Fenstern der Korridore in den mittleren Etagen. Weiter zurück zum Parkplatz auf der anderen Straßenseite bei den anderen Gebäuden für den Fachbereich IT und Engineering.
Mein Auto, langsam schiebe ich mich aus der Parklücke, vorsichtig an den anderen Autos und Partygästen vorbei. Noch viel mehr besonders vorsichtig und langsam auf die Straße und diese entlang, runter zur Innenstadt. Viele, betrunkene (?) Partygäste in kleinen Gruppen die Fußwege entlang. Wenig später, durch die Stadt durch, erreiche ich die Autobahn um Wernigerode herum. Ab jetzt bin ich für mich allein. Im Autoradio läuft Chill-out-Musik, um etwas herunterzukommen. Durch die Nacht mit Lounge-Beats. Ein Fuchs mit hellen Lichtern am Straßenrand, noch ein Fuchs, und noch ein Fuchs – aber den hat es schon erwischt. Ich kenne die Strecke, bin die mit meinem alten Fiat schon so oft gefahren, die Jahre zurück. Die Müdigkeit bekämpfe ich mit der Aufgabe, möglichst exakt die Tempolimits einzuhalten. Kein Verkehr, ich schaffe die Strecke in einer Stunde und fünfzehn Minuten. Um kurz vor zwei Uhr bin ich wieder zu Hause. Fahre ich mal wieder zum Sommerfest nach Wernigerode? In ein paar Jahren vielleicht, dann wäre mein Abschluss zwanzig Jahre her, dann mit Anmeldung bei dem Alumini-Zelt. (Ende Teil 2/2)

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Kommentar:

[05.12.22 / 17:34] Daniele1992: Hallo Morgana

Mail ist heute rausgegangen

LG Daniele

[13.11.22 / 09:33] Daniele1992: Hallo Morgana

aktuell keine schöne Situation. Ich schreibe Dir noch eine Mail dazu.

LG Daniele

Morgana LaGoth: Einige Kommentare müssen auch nicht allzu öffentlich sein …

[13.05.22 / 09:15] Daniele1992: Hallo Morgana,

Tolle Reisebericht von Deiner neusten Reise nach Paris. Macht grosse Lust auch wieder dort hinzufahren um sich von der Stadt inspirieren zu lassen.

Tolle Neuigkeiten.NeuerJob. Klasse! Freue mich für Dich.

Liebe Grüße
Daniele

Morgana LaGoth: Danke. Endlich wieder verreisen … lange darauf gewartet. Lebendig bleiben, solange es noch geht.

[24.12.21 / 20:55] Daniele1992: Hallo Morgana,

Ich denke an Dich und wünsche Dir frohe Weihnachten und ein schönes neues Jahr 2022.

Liebe Grüße
Daniele

Morgana LaGoth: Vielen Dank, ich wünsche dir ebenfalls ein schönes, neues Jahr.

[25.09.21 / 14:59] Daniele1992: Hallo,

eine Chance etwas Neues zu machen. Neue Perspektiven. Urlaubsträume, die bald real werden können. Nicht so schlecht. Freue mich für Dich. LG Daniele.

Morgana LaGoth: Danke dir.

[11.11.20 / 09:12] Daniele1992: Hallo Morgana

Ich habe Dir eine Mail geschickt.

Lg
Daniele

Morgana LaGoth: Hey ... vom Lenkrad aus mit der Hand winken, von einem MX-5 zum anderen. *freu*

[30.07.20 / 22:03] Daniele1992: Guten Abend

das habe ich sehr gerne gemacht. Zum Einen interessiert mich das Thema und zum Anderen hast Du wirklich sehr lebendig und spannend geschrieben. Da wollte ich Alles lesen und wollte Dir schreiben, das mir Dein Blog besonders gut gefallen hat (Die eigentliche Arbeit hattest Du ja mit dem Verfassen des Blogs). Wenn Du magst können wir den Kontakt gerne per Mail halten. Viele Grüße Daniele

Morgana LaGoth: Mail-Adresse steht oben bei "kontakt" - bei weiteren Fragen, gerne.

[30.07.20 / 12:44] Daniele1992: Guten Morgen,
vielen Dank für Deinen tollen Blog. Ich habe ihn in den letzten Wochen komplett gelesen. Meistens konnte ich gar nicht aufhören zu lesen. Fast wie bei einem sehr spannenden Roman. Ich habe dabei Deine genauen Beobachtungen und Beschreibungen sehr genossen. Deine vielen Ausflüge in die Clubs und zu den Festivals oder Deine Streifzüge d durch die Geschäfte beschreibst Du immer aus Deiner Sicht sehr anschaulich und spannend. Ich kann das sehr gut nachvollziehen, das alleine zu erleben, häufig auch mit einer gewissen Distanz. Ich kenne ich von mir sehr gut. Highlights sind Deine Reiseberichte. Deine Erlebnisse an den unterschiedlichsten Orten auf der Welt. Vielen Dank dafür. Vielen Dank auch das Du Deinen Weg zu Deinem waren Geschlecht mit uns Lesern teilst. Deinen Weg Deine Gefühle Deine zeitweisen Zweifel. Das ist sehr wertvoll auch für uns Andere, denn es ist authentisch und sehr selten. Du bist einem dadurch sehr vertraut geworden. Für mich ist eine gefühlte grosse Nähe dadurch entstanden. Umso mehr schmerzt es mich von Deinen Rückschlägen zu lesen. Von Deinem Kampf zu Deinem wahren Ich. Von Deinem Kampf umd Liebe, Zährlichkeit und Akzepzanz und Anerkenung. Von Deiem mitunter verzweifeltem Kampf nach Liebe und Anerkennung durch Deinen Exfreund. Leider vergeblich. Dein Kampf um wirtschaftliche Unabhängigkeit und Deine aktuell missliche Lage. Ich glaube dass Du nicht gescheitert bist. Du hast viel Mumm und Hardnäckigkeit bewiesen Deinen Gang zu Dir selbst zu gehen. Du hast auch einen guten Beruf der immer noch sehr gefragt ist. Vielleicht kann ja nach dieser Auszeit und etwas Abstand ein Neuanfang in einer anderen Firma, wo Du keine Vergangenheit als Mann hattest gelingen. Ich wünsche das Dir ein Neuanfang gelingt und drücke Dir ganz fest die Daumen. Daniele

Morgana LaGoth: Da liest sich tatsächlich jemand alles durch? Das ist mittlerweile schon ein kompletter Roman mit mehreren hundert Seiten! Danke dir, für deinen Kommentar (und die aufgebrachte Zeit).

[05.10.19 / 17:11] Drea Doria: Meine liebe Morgana,
bin 5 T post all-in-one-FzF-OP. Deine guten Wünsche haben geholfen. Der Koch ist immernoch noch super. Alle hier sind herzlich und nehmen sich Zeit.
Herzlich
Drea

Morgana LaGoth: Dann wünsch ich dir jetzt noch viel mehr Glück bei deiner Genesung!

[14.06.19 / 12:57] Drea Doria: Meine liebe Morgana,

vielen Dank für Deine offenen und kritischen Erlebnisberichte. Ich bin in 3 Monaten in Sanssouci zur FzF-OP. Ich denke auch, was kann schon schief gehen, status quo geht nicht und irgendwas besseres wird wohl resultieren. Wenn es Dich interessiert, halte ich Dich informiert. Drücke mir die Daumen.
Herzlich
Drea

Morgana LaGoth: Ich wünsche dir für deine Operation viel Glück. (Sollte der Koch nicht gewechselt haben, das Essen da in der Klinik ist richtig gut!)

[14.11.17 / 20:13] Morgana LaGoth: Nutzungsbedingungen für die Kommentarfunktion: Die Seitenbetreiberin behält sich das Recht vor, jeden Kommentar, dessen Inhalt rassistisch, sexistisch, homophob, transphob, ausländerfeindlich oder sonstwie gegen eine Minderheit beleidigend und diskriminierend ist, zu zensieren, zu kürzen, zu löschen oder gar nicht erst freizuschalten. Werbung und Spam (sofern die Seitenbetreiberin dafür nicht empfänglich ist) wird nicht toleriert. Personenbezogene Daten (Anschrift, Telefonnummer) werden vor der Veröffentlichung unkenntlich gemacht.

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