morgana81 - gothic transgender

Sternzeit irgendwas, Logbucheintragung des Captains:

[01.01.70 / 00:00] Sternzeit irgendwas, Logbucheintragung des Captains:

[04.06.24 / 22:47] „Du fährst hier nicht im Dunkeln die Straße entlang!“ Ich reagiere schon etwas hysterisch, als er mit mir in seinem Auto nach drei Uhr nachts den Sonntag Morgen die Straße durch den tiefsten und dunkelsten Wald fährt, auf der Suche nach einem noch tieferen und dunkleren Waldweg, fernab von aller Zivilisation, um ungestört mit mir für ein, zwei Stunden allein zu sein. Er, ist meine neuste Bekanntschaft, ein Motorradfahrer, den ich den Nachmittag zuvor auf einem Biker-Festival kennengelernt habe, noch immer betrunken und fest davon überzeugt, fahren zu können. Ich dagegen sitze bereits nackt auf dem Beifahrersitz, von den Minuten zuvor, und bin vollkommen nüchtern. „Glaub mir, ich kann fahren!“ Wenigstens war sie angeschnallt. Gehe ich in meinen Gedanken alle möglichen Szenarien durch, wenn sie mich dann später aus dem Auto schneiden, umwickelt an dem nächsten Baum auf dieser verlassenen Straße durch den Wald. Springe ich raus? Zu schnell, er fährt bereits Achtzig. In Motorradklamotten vielleicht, aber ich bin nackt. Ach du Scheiße, so fangen immer die ganzen Sonntag-Abend-Krimis an!
Den frühen Sonnabend Nachmittag zuvor in meiner Garage, ich wickele eins von diesen saugstarken Küchentüchern um die Vorderradgabel von meinem Motorrad mit der Feder drin und fixiere es mit einem Kabelbinder, in Purpur, passt super, um das austretende Öl zu binden. Freudig, trotz des bevorstehenden Werkstatttermins doch noch fahren zu können, ziehe ich mir meine Motorradkombi über und starte das Motorrad. Ich will zu der Brücke, von der ich weiß, dass die, wie jedes Jahr, ihre Ausfahrt darunter durch machen. Wenn ich schon nicht mitfahren kann, wegen dem defekten Simmering an dem Gabelholm und dem Öl – und weil mir das dann doch zu bedenklich ist in der Gruppe – will ich wenigstens zu dem Aussichtspunkt mit dem guten Blick auf die Bundesstraße darunter fahren und mir die vorbeibrausenden Motorräder ansehen … und dann später selbst zu dem Biker-Festival fahren, solo.
Auf der Brücke, ein schattiges Plätzchen, ein hohes Gebüsch. Die Stunde Wartezeit vertreibe ich mir mit den Gedanken, ob ich mein Motorrad außerhalb geschlossener Ortschaften wirklich so auf dem Seitenstreifen parken kann, viel Verkehr ist hier nicht. Eine „gefährliche“ Kurve zur Brücke über die Bundesstraße hin. „Auf die habe ich gewartet, das sind die mit den Warnwesten, die fahren immer voraus!“ Ein älteres Pärchen ist mit dazu gekommen und will auch Fotos oder Videos von der Ausfahrt machen. Ich erkläre ihnen, dass es jetzt gleich losgeht.
Hundert, zweihundert Motorräder, vielleicht dreihundert? Nicht die Menge, wie letztes Jahr, da waren es definitiv mehr. Ein nahendes Gewitter die letzten und die nächsten Tage hat einige davon abgehalten, die größere Anfahrt zu unternehmen. Ich winke ein paar Mal von oben zu. Nachdem alle durch sind, Aufsitzen. Ich fahre los, der Gruppe hinterher und hole sie erst zwanzig Kilometer weiter bei dem allerletzten Dorf kurz vor Ende der Ausfahrt zum Biker-Festival ein. Auffahren auf das Gelände und Parken meines Motorrades auf der großen Wiese.
Mein kleiner „Reparatur-Fix“ fällt auf, das weiße Papiertuch an der Gabel. Ich komme ins Gespräch mit dem Motorradfahrer neben mir mit seiner weißen Rennmaschine, auch eine Honda. Er scheint attraktiv und auch sympathisch zu sein – könnte es mehr werden diesen Abend? Er erzählt viel, vielleicht auch etwas zu viel, ich kann gar nicht immer alles sagen, was ich will. Wir verbringen die nächsten Stunden zusammen. Weiter zu „Kaffee und Kuchen“, dafür bin ich hier. Wenn ich sage, ich will mit ihm einen Kaffee trinken, dann meine ich wirklich: „Einen Kaffee trinken.“
Weiter den Abend, ein Gewitter zieht auf, es regnet überall, ringsherum, aber nicht auf dem Festivalgelände. Wir bringen trotzdem unsere Helme und Motorradklamotten in Sicherheit und warten den Gewitterschauer ab. „Willst du noch mit, schnell zur Tanke fahren?“ Die dunklen Wolken sind weg, er braucht noch Zigaretten, ich stimme zu und starte mein Motorrad. So viele stehen hier nicht mehr, einige haben ihre teuren Maschinen schon längst in Sicherheit gebracht.
An der Tankstelle in dem Nachbardorf tankt er auf und kauft sich die Packung. Ich nehme das Angebot an und will einmal probesitzen auf seiner Maschine. „Wie kannst du nur so fahren?“ Die Füße nach hinten, der riesige Tank vor mir, die Arme schwer abgestützt auf dem winzigen und niedrigen Rennlenker, halb liegend – und mit meinen Zehenspitzen in meinen Motorradstiefeln, die mit dem Absatz, erreiche ich gerade mal so den Boden. „Eigentlich will ich gar nicht mehr zurück zu dem Biker-Festival, ich wollte schon längst wieder nach Hause fahren.“ Ich fahre nicht gerne im Dunkeln, noch ist es hell. „Ja, die anderen haben ihre Maschinen auch schon längst nach Hause gefahren und kommen mit dem Auto wieder“, antwortet er mir, „Lass uns das doch auch machen.“ Klar, warum nicht, schnell das Motorrad in die Garage bringen, die Lederkombi in die bequemen Sachen wechseln, der Kapuzenpullover vom letzten Pfingsten zwei Wochen zuvor und das schwarze T-Shirt vom Merchandise-Stand mit dem weißen Skelett. „Du kommst doch wieder, oder?“ So ganz traut er meiner Zusage noch nicht. Wir tauschen die Nummern aus.
Den Weg hin und zurück, mit dem Motorrad in die eine Richtung und mit meinem roten Roadster wieder in die andere Richtung, sehe ich die ganzen Pfützen auf den Straßen und wo es geregnet hat. Ein Nebeldunst zieht auf, ich will noch vor Sonnenuntergang und Dämmerlicht mein Auto wieder auf dem Parkplatz vor dem Festivalgelände in diesem kleinen Dorf irgendwo im Nirgendwo parken. Es stehen kaum noch Motorräder hier rum, dafür um so mehr Autos.
Eine Band spielt, leider ihr letzter Song, die habe ich verpasst. Während die nächste Band ihre Coversongs auf der kleinen Bühne spielt, warte ich auf ihn. Ich habe kein Geld mehr dabei, die nächsten Getränke muss ich mir von ihm ausgeben lassen. Meine Münzen reichen entweder für ein Wasser oder den Becherpfand, wirklich wunderschön gestaltete Becher mit dem Logo des Biker-Festivals.
Gegen 23 Uhr, ein paar Mal tanzen auf der Wiese und Umherlaufen, treffe ich ihn. Er hat mich versucht, anzurufen, aber dafür ist es hier zu laut. Wir stehen rum, wir stehen an der Bar, wir stehen auf der durch Disco-Licht beleuchteten Wiese vor der Bühne. Er scheint allein hier zu sein, kommt aber immer wieder mit Leuten ins Gespräch. Den Nachmittag habe ich von ihm schon erfahren, er hat eine Ex-Frau und ist seit mindestens zwei Jahren Single.
Die Band spielt ihre letzten Zugaben, der DJ seine letzten Songs. Meine neue Bekanntschaft bestellt an der Bar immer wieder ein Wasser für mich – und für sich ein Bier. Unterbrochen von meinen Toilettengängen, stehen wir weit nach Mitternacht an einem großen Tisch, der letzte Haufen der Betrunkenen, die nicht gehen wollen. Ich höre mir ihre wundersamen Geschichten an und bin hier wahrscheinlich die Einzige, die noch nüchtern ist.
Drei Uhr, ich ziehe das Smartphone aus meiner Handtasche: „ich werde dann mal so langsam gehen.“ Er steht wieder an der Bar unter der großen Zeltplane und unterhält sich mit den anderen Biker. Ich drehe mich weg und laufe im Dunkeln zu meinem Auto. „Hey, warte mal!“ Er folgt mir.
Sein Auto steht nicht weit, kurz vor dem Eingang auf das Gelände. Ein weißer Kombi. „Willst du mit, mit reinkommen?“ Ich hatte es überlegt, mit ihm was anzufangen, es hätte eine aufregende Nacht werden können, aber er ist betrunken? Nicht die beste Situation. Ich stimme trotzdem zu und setze mich zu ihm mit ins Auto. (Ende Teil 1/2)

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Kommentar:

[05.12.22 / 17:34] Daniele1992: Hallo Morgana

Mail ist heute rausgegangen

LG Daniele

[13.11.22 / 09:33] Daniele1992: Hallo Morgana

aktuell keine schöne Situation. Ich schreibe Dir noch eine Mail dazu.

LG Daniele

Morgana LaGoth: Einige Kommentare müssen auch nicht allzu öffentlich sein …

[13.05.22 / 09:15] Daniele1992: Hallo Morgana,

Tolle Reisebericht von Deiner neusten Reise nach Paris. Macht grosse Lust auch wieder dort hinzufahren um sich von der Stadt inspirieren zu lassen.

Tolle Neuigkeiten.NeuerJob. Klasse! Freue mich für Dich.

Liebe Grüße
Daniele

Morgana LaGoth: Danke. Endlich wieder verreisen … lange darauf gewartet. Lebendig bleiben, solange es noch geht.

[24.12.21 / 20:55] Daniele1992: Hallo Morgana,

Ich denke an Dich und wünsche Dir frohe Weihnachten und ein schönes neues Jahr 2022.

Liebe Grüße
Daniele

Morgana LaGoth: Vielen Dank, ich wünsche dir ebenfalls ein schönes, neues Jahr.

[25.09.21 / 14:59] Daniele1992: Hallo,

eine Chance etwas Neues zu machen. Neue Perspektiven. Urlaubsträume, die bald real werden können. Nicht so schlecht. Freue mich für Dich. LG Daniele.

Morgana LaGoth: Danke dir.

[11.11.20 / 09:12] Daniele1992: Hallo Morgana

Ich habe Dir eine Mail geschickt.

Lg
Daniele

Morgana LaGoth: Hey ... vom Lenkrad aus mit der Hand winken, von einem MX-5 zum anderen. *freu*

[30.07.20 / 22:03] Daniele1992: Guten Abend

das habe ich sehr gerne gemacht. Zum Einen interessiert mich das Thema und zum Anderen hast Du wirklich sehr lebendig und spannend geschrieben. Da wollte ich Alles lesen und wollte Dir schreiben, das mir Dein Blog besonders gut gefallen hat (Die eigentliche Arbeit hattest Du ja mit dem Verfassen des Blogs). Wenn Du magst können wir den Kontakt gerne per Mail halten. Viele Grüße Daniele

Morgana LaGoth: Mail-Adresse steht oben bei "kontakt" - bei weiteren Fragen, gerne.

[30.07.20 / 12:44] Daniele1992: Guten Morgen,
vielen Dank für Deinen tollen Blog. Ich habe ihn in den letzten Wochen komplett gelesen. Meistens konnte ich gar nicht aufhören zu lesen. Fast wie bei einem sehr spannenden Roman. Ich habe dabei Deine genauen Beobachtungen und Beschreibungen sehr genossen. Deine vielen Ausflüge in die Clubs und zu den Festivals oder Deine Streifzüge d durch die Geschäfte beschreibst Du immer aus Deiner Sicht sehr anschaulich und spannend. Ich kann das sehr gut nachvollziehen, das alleine zu erleben, häufig auch mit einer gewissen Distanz. Ich kenne ich von mir sehr gut. Highlights sind Deine Reiseberichte. Deine Erlebnisse an den unterschiedlichsten Orten auf der Welt. Vielen Dank dafür. Vielen Dank auch das Du Deinen Weg zu Deinem waren Geschlecht mit uns Lesern teilst. Deinen Weg Deine Gefühle Deine zeitweisen Zweifel. Das ist sehr wertvoll auch für uns Andere, denn es ist authentisch und sehr selten. Du bist einem dadurch sehr vertraut geworden. Für mich ist eine gefühlte grosse Nähe dadurch entstanden. Umso mehr schmerzt es mich von Deinen Rückschlägen zu lesen. Von Deinem Kampf zu Deinem wahren Ich. Von Deinem Kampf umd Liebe, Zährlichkeit und Akzepzanz und Anerkenung. Von Deiem mitunter verzweifeltem Kampf nach Liebe und Anerkennung durch Deinen Exfreund. Leider vergeblich. Dein Kampf um wirtschaftliche Unabhängigkeit und Deine aktuell missliche Lage. Ich glaube dass Du nicht gescheitert bist. Du hast viel Mumm und Hardnäckigkeit bewiesen Deinen Gang zu Dir selbst zu gehen. Du hast auch einen guten Beruf der immer noch sehr gefragt ist. Vielleicht kann ja nach dieser Auszeit und etwas Abstand ein Neuanfang in einer anderen Firma, wo Du keine Vergangenheit als Mann hattest gelingen. Ich wünsche das Dir ein Neuanfang gelingt und drücke Dir ganz fest die Daumen. Daniele

Morgana LaGoth: Da liest sich tatsächlich jemand alles durch? Das ist mittlerweile schon ein kompletter Roman mit mehreren hundert Seiten! Danke dir, für deinen Kommentar (und die aufgebrachte Zeit).

[05.10.19 / 17:11] Drea Doria: Meine liebe Morgana,
bin 5 T post all-in-one-FzF-OP. Deine guten Wünsche haben geholfen. Der Koch ist immernoch noch super. Alle hier sind herzlich und nehmen sich Zeit.
Herzlich
Drea

Morgana LaGoth: Dann wünsch ich dir jetzt noch viel mehr Glück bei deiner Genesung!

[14.06.19 / 12:57] Drea Doria: Meine liebe Morgana,

vielen Dank für Deine offenen und kritischen Erlebnisberichte. Ich bin in 3 Monaten in Sanssouci zur FzF-OP. Ich denke auch, was kann schon schief gehen, status quo geht nicht und irgendwas besseres wird wohl resultieren. Wenn es Dich interessiert, halte ich Dich informiert. Drücke mir die Daumen.
Herzlich
Drea

Morgana LaGoth: Ich wünsche dir für deine Operation viel Glück. (Sollte der Koch nicht gewechselt haben, das Essen da in der Klinik ist richtig gut!)

[14.11.17 / 20:13] Morgana LaGoth: Nutzungsbedingungen für die Kommentarfunktion: Die Seitenbetreiberin behält sich das Recht vor, jeden Kommentar, dessen Inhalt rassistisch, sexistisch, homophob, transphob, ausländerfeindlich oder sonstwie gegen eine Minderheit beleidigend und diskriminierend ist, zu zensieren, zu kürzen, zu löschen oder gar nicht erst freizuschalten. Werbung und Spam (sofern die Seitenbetreiberin dafür nicht empfänglich ist) wird nicht toleriert. Personenbezogene Daten (Anschrift, Telefonnummer) werden vor der Veröffentlichung unkenntlich gemacht.

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