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Sternzeit irgendwas, Logbucheintragung des Captains:

[01.01.70 / 00:00] Sternzeit irgendwas, Logbucheintragung des Captains:

[26.04.21 / 18:20] Der dritte Abend des Online-Musikfestivals ... ich hatte ja keine Ahnung, was mich da erwartet. Punkt 19 Uhr geht der Videostream los, ich bin auf die Sekunde genau pünktlich und schalte mich dazu. Die ersten DJ-Sets, die ersten Bandauftritte, alles schön. Ich will es den Sonntag Abend entspannt angehen und verzichte auf die Extras von dem Abend davor, keine Lederjacke, kein Make-up, kein Nietengürtel, kein Barhocker - nur bequem in der schwarzen Freizeitkleidung vor dem Computerbildschirm sitzen. Mit der rechten Hand das kleine Mischpult einpegeln, den Regler für die Verstärkung nach Bedarf anpassen ... nicht zu laut werden, andere Menschen in der Nachbarschaft müssen den nächsten Morgen früh zur Arbeit gehen.
Ich habe das Gefühl, die DJ- und Bandaufstellung für diese Nacht wird etwas diverser, ein paar Namen im Programm lassen darauf deuten. Den einen in der Szene bekannten Künstler kenne ich auch schon, das war 2012 bei einem Festival in Berlin. Ich stehe auch diesen Abend vor meiner imaginären Computer-Bühne mit meinem Getränk in der Hand und lasse den Auftritt auf mich wirken. Ist das live? Während das Video mit dem Konzert in irgendeinem Raum oder Wohnung oder Studio läuft, sehe ich am Bildschirm ein paar Mitglieder des professionell agierenden Teams mit Videokameras, es wird aufwendig hin und hergeschnitten (Kamera Eins, Kamera Zwei, Kamera Drei). Die Musik ist purer EBM. Alles wirkt authentisch und nah, mit Pausen am Mikro zwischen den Liedern ... und irgendwie soll noch eine Katze über die Studiotechnik gelaufen sein, aber ich habe nicht aufgepaßt (ich bin zu beeindruckt von dem ganzen).
22 Uhr, meine LED-Beleuchtung geht an - im tiefdunklen Rot ... und sie wird noch die ganze Nacht in diesem schummrigen, roten Licht scheinen: "Ich habe meinen eigenen Dark Room!" Die weiteren DJ-Sets und eingespielten Live-Musikaufnahmen (ob vorher aufgezeichnet oder nicht) behalten den musikalischen Stil bei. Subversiv, schwul, knallharte elektronische Beats zu schmutzigen Synthesizer-Riffs. Mal tanze ich mich schwitzend in Ekstase vor meinem aufgebauten Stroboskop-Gewitter, mal sitze ich staunend vor dem Bildschirm und betrachte die Videokunst ... die rauhe Punk-Attitüde, mit der manchmal das Gesangsmikrofon gnadenlos übersteuert wird, widerspricht eigentlich meiner Hingabe für Perfektion in der Studiotechnik. Egal...
Die rote LED-Leiste in meinem Zimmer ist aber auch dunkel, mir wird schon ganz schlecht vom Tanzen, ich lasse mich mehrmals in mein altes, schwarzes Sofa mit der Leopardendecke fallen und wiederhole mein Mantra: "Ich habe meinen eigenen Dark Room..."
Irgendwie kurz vor Mitternacht, das ein oder zwei Stunden laufende DJ-Set mit dem Künstler, den ich einige Zeilen vorher beschrieben habe (eigentlich sind es zwei, sie teilen sich auch hier wieder die stimmungsvolle Location, das Konzert und die DJ-Technik), nimmt kein Ende ... und da kommen noch zwei oder drei Programmpunkte für den letzten Festivaltag. Du kannst doch nicht noch einen weiteren Hammer-Titel auflegen? (So lange wollte ich gar nicht wach bleiben.) Spätestens um null Uhr dreißig oder so wird mir klar, warum sich das wahrscheinlich so hinauszögert ... jetzt kommt der nächste Programmpunkt: ein DJ-Set mit BDSM-Performance.
"Ich habe tatsächlich meinen eigenen Dark Room?" Fasziniert sitze ich im Rotlicht vor meinem Computerbildschirm - ist ja nicht so, daß ich so etwas nicht schon in Leipzig (oder Berlin?) gesehen hätte (und ich habe diese Parties und diese Clubs geliebt und dort einige interessante Männer kennengelernt) ... aber hier auf dieser Streamingplattform? Es könnten Kinder zusehen! (Die hier sonst mit virtuellen Bauklötzern spielen, anderswo ist auch gerade Tag.) Im Chat-Fenster wird humoristisch über die Jugendfreigabe diskutiert.
Es folgt noch eine entspannte Ambient-Kunstperformance, die ich dankend und erschöpft von den drei Tagen entgegennehme, und das kleine Festival nähert sich so um 2 Uhr den frühen Montag Morgen dem Ende. Ein abschließender Auftritt eines Solo-Künstlers, der mich nachdenklich stimmt ... ein oder eine BIPoC im queeren Outfit mit ultrakurzem Minikleidchen, aber visuell von der Kunstinstallation her höchst anspruchsvoll. Seine oder ihre oder egal, Texte sind voller Zorn - ich wünschte, ich könnte den Inhalt verstehen. Wenn du in dem Kleidchen so auf die Straße gehst, kannst du dir nicht sicher sein, ob du die Nacht überlebst. Mir wird wieder bewußt, daß ich eine privilegierte, weiße Transfrau bin - ein Meter siebzig, zierlich und mit langen, blonden Haaren. Nicht einmal meine tiefe Stimme verrät mich, ich kann Männer mit meiner Erscheinung blenden ... würde ich mich nicht immer so ausgesprochen androgyn kleiden und an meiner weiblichen Ausstrahlung zweifeln (sie geradezu verstecken). Wäre ich riesengroß, muskulös, schwarz oder anderer dunkler Hautfarbe, sehe die Welt noch beschissener für mich aus. (Und trotzdem habe auch ich das Gefühl von Diskriminierung und Chancenlosigkeit.)

Dieser Abend und diese Nacht lief sehr überraschend und unerwartet für mich ... vielleicht kann ich die Impressionen in einem neuen Song verarbeiten, etwas mit einer Bassline unterhalb des technoiden Drumsets und einer scharfkantigen, analogen Synthesizer-Hookline.

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Kommentar:

[13.11.22 / 09:33] Daniele1992: Hallo Morgana

aktuell keine schöne Situation. Ich schreibe Dir noch eine Mail dazu.

LG Daniele

Morgana LaGoth: Einige Kommentare müssen auch nicht allzu öffentlich sein …

[13.05.22 / 09:15] Daniele1992: Hallo Morgana,

Tolle Reisebericht von Deiner neusten Reise nach Paris. Macht grosse Lust auch wieder dort hinzufahren um sich von der Stadt inspirieren zu lassen.

Tolle Neuigkeiten.NeuerJob. Klasse! Freue mich für Dich.

Liebe Grüße
Daniele

Morgana LaGoth: Danke. Endlich wieder verreisen … lange darauf gewartet. Lebendig bleiben, solange es noch geht.

[24.12.21 / 20:55] Daniele1992: Hallo Morgana,

Ich denke an Dich und wünsche Dir frohe Weihnachten und ein schönes neues Jahr 2022.

Liebe Grüße
Daniele

Morgana LaGoth: Vielen Dank, ich wünsche dir ebenfalls ein schönes, neues Jahr.

[25.09.21 / 14:59] Daniele1992: Hallo,

eine Chance etwas Neues zu machen. Neue Perspektiven. Urlaubsträume, die bald real werden können. Nicht so schlecht. Freue mich für Dich. LG Daniele.

Morgana LaGoth: Danke dir.

[11.11.20 / 09:12] Daniele1992: Hallo Morgana

Ich habe Dir eine Mail geschickt.

Lg
Daniele

Morgana LaGoth: Hey ... vom Lenkrad aus mit der Hand winken, von einem MX-5 zum anderen. *freu*

[30.07.20 / 22:03] Daniele1992: Guten Abend

das habe ich sehr gerne gemacht. Zum Einen interessiert mich das Thema und zum Anderen hast Du wirklich sehr lebendig und spannend geschrieben. Da wollte ich Alles lesen und wollte Dir schreiben, das mir Dein Blog besonders gut gefallen hat (Die eigentliche Arbeit hattest Du ja mit dem Verfassen des Blogs). Wenn Du magst können wir den Kontakt gerne per Mail halten. Viele Grüße Daniele

Morgana LaGoth: Mail-Adresse steht oben bei "kontakt" - bei weiteren Fragen, gerne.

[30.07.20 / 12:44] Daniele1992: Guten Morgen,
vielen Dank für Deinen tollen Blog. Ich habe ihn in den letzten Wochen komplett gelesen. Meistens konnte ich gar nicht aufhören zu lesen. Fast wie bei einem sehr spannenden Roman. Ich habe dabei Deine genauen Beobachtungen und Beschreibungen sehr genossen. Deine vielen Ausflüge in die Clubs und zu den Festivals oder Deine Streifzüge d durch die Geschäfte beschreibst Du immer aus Deiner Sicht sehr anschaulich und spannend. Ich kann das sehr gut nachvollziehen, das alleine zu erleben, häufig auch mit einer gewissen Distanz. Ich kenne ich von mir sehr gut. Highlights sind Deine Reiseberichte. Deine Erlebnisse an den unterschiedlichsten Orten auf der Welt. Vielen Dank dafür. Vielen Dank auch das Du Deinen Weg zu Deinem waren Geschlecht mit uns Lesern teilst. Deinen Weg Deine Gefühle Deine zeitweisen Zweifel. Das ist sehr wertvoll auch für uns Andere, denn es ist authentisch und sehr selten. Du bist einem dadurch sehr vertraut geworden. Für mich ist eine gefühlte grosse Nähe dadurch entstanden. Umso mehr schmerzt es mich von Deinen Rückschlägen zu lesen. Von Deinem Kampf zu Deinem wahren Ich. Von Deinem Kampf umd Liebe, Zährlichkeit und Akzepzanz und Anerkenung. Von Deiem mitunter verzweifeltem Kampf nach Liebe und Anerkennung durch Deinen Exfreund. Leider vergeblich. Dein Kampf um wirtschaftliche Unabhängigkeit und Deine aktuell missliche Lage. Ich glaube dass Du nicht gescheitert bist. Du hast viel Mumm und Hardnäckigkeit bewiesen Deinen Gang zu Dir selbst zu gehen. Du hast auch einen guten Beruf der immer noch sehr gefragt ist. Vielleicht kann ja nach dieser Auszeit und etwas Abstand ein Neuanfang in einer anderen Firma, wo Du keine Vergangenheit als Mann hattest gelingen. Ich wünsche das Dir ein Neuanfang gelingt und drücke Dir ganz fest die Daumen. Daniele

Morgana LaGoth: Da liest sich tatsächlich jemand alles durch? Das ist mittlerweile schon ein kompletter Roman mit mehreren hundert Seiten! Danke dir, für deinen Kommentar (und die aufgebrachte Zeit).

[05.10.19 / 17:11] Drea Doria: Meine liebe Morgana,
bin 5 T post all-in-one-FzF-OP. Deine guten Wünsche haben geholfen. Der Koch ist immernoch noch super. Alle hier sind herzlich und nehmen sich Zeit.
Herzlich
Drea

Morgana LaGoth: Dann wünsch ich dir jetzt noch viel mehr Glück bei deiner Genesung!

[14.06.19 / 12:57] Drea Doria: Meine liebe Morgana,

vielen Dank für Deine offenen und kritischen Erlebnisberichte. Ich bin in 3 Monaten in Sanssouci zur FzF-OP. Ich denke auch, was kann schon schief gehen, status quo geht nicht und irgendwas besseres wird wohl resultieren. Wenn es Dich interessiert, halte ich Dich informiert. Drücke mir die Daumen.
Herzlich
Drea

Morgana LaGoth: Ich wünsche dir für deine Operation viel Glück. (Sollte der Koch nicht gewechselt haben, das Essen da in der Klinik ist richtig gut!)

[14.11.17 / 20:13] Morgana LaGoth: Nutzungsbedingungen für die Kommentarfunktion: Die Seitenbetreiberin behält sich das Recht vor, jeden Kommentar, dessen Inhalt rassistisch, sexistisch, homophob, transphob, ausländerfeindlich oder sonstwie gegen eine Minderheit beleidigend und diskriminierend ist, zu zensieren, zu kürzen, zu löschen oder gar nicht erst freizuschalten. Werbung und Spam (sofern die Seitenbetreiberin dafür nicht empfänglich ist) wird nicht toleriert. Personenbezogene Daten (Anschrift, Telefonnummer) werden vor der Veröffentlichung unkenntlich gemacht.

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