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Sternzeit irgendwas, Logbucheintragung des Captains:

[01.01.70 / 00:00] Sternzeit irgendwas, Logbucheintragung des Captains:

[09.06.20 / 19:26] Nur meine beiden Schuhregale habe ich auf dem Beifahrersitz meines Roadsters transportiert, für die sperrigen Möbel, mein Wintergartenensemble / die Sitzecke mit der Bambusbank und den Bistrostühlen und dem großen Perserteppich, habe ich vor ein paar Wochen einen Passat angemietet. Meinen Kleiderschrank, mein echtes, japanisches Futonbett und meine Minibar gingen wenig später in den SUV mit "Familienunterstützung" die Autobahn Richtung meines Erstwohnsitzes. Jetzt, das erste Wochenende im Juni, ist auch mein allerletztes Wochenende in meiner Wohnung in Leipzig. Viel steht da nicht mehr ... mein Klapptisch, mein Klappstuhl, meine "Teeküche". Noch einmal darin wohnen, noch einmal in Leipzig einkaufen gehen, noch einmal sonntags Kuchen kaufen und ein Kännchen schwarzen Ceylon Tee trinken. Und alles saubermachen für die Wohnungsübergabe am Montag um 11 Uhr.

Freitag Abend, ich komme erst kurz nach Sonnenuntergang an ... ein komisches Gefühl, meine fast leere Wohnung zu sehen. Sie wirkt irgendwie so winzig mit ihren 28m² - mit Möbeln wirkt sie sonst von innen viel größer als von außen. Mein Bett ist weg, ich breite meinen mitgebrachten Schlafsack, meine selbstaufblasbare Luftmatratze und meine neugekaufte Isomatte in meiner Schlafecke aus. Ich "campe" in meiner Wohnung. Alles zentimetergenau positionieren, damit es keine große Umstellung für mich wird - ich liege da, wo ich sonst auch liegen würde. Mein Kissen (eigentlich das "Partner-Kissen") ist auch noch da. (Tatsächlich habe ich genug Antidepressiva mit eingepackt, um die letzten Nächte schonend zu überstehen.)

Gedanken die Nacht...

Ich habe es nicht geschafft. Ich habe es nicht geschafft, selbstständig zu sein, ich habe es nicht geschafft, eine Arbeit zu finden, eine eigene Wohnung zu halten, eine Beziehung zu führen, nicht im entferntesten eine Familie zu gründen.
Habe ich überhaupt schon irgend etwas in meinem Leben, mit 38, jemals erreicht oder geschafft? Ja ... klar ... ich habe ein Studium abgeschlossen - das mir aber letztendlich nichts gebracht hat - außer vielleicht, daß ich sechs oder sieben Jahre als Ingenieur gearbeitet habe und mit der ganzen Kohle meine ganzen (Schönheits-)Operationen bezahlen konnte.

Der Sonnabend ... es liegt sich hart auf den drei Lagen (Iso-, Luft- und Schlaf-) aber irgendwie geht es schon. Frühstück mit zwei Brötchen und einen Kaffee aus dem kleinen Espressokocher vom Herd, bevor ich dann anfange, den Laminatboden komplett feucht durchzuwischen. Ich habe es unterschätzt ... das Bad schaffe ich heute nicht mehr. Den Nachmittag beende ich meine Reinigungsorgie (auf allen vieren mit dem Schrubber herumkriechen) und ziehe mich um, für eine meiner obligatorischen Wochenend-Einkaufstouren in der Leipziger Innenstadt ... und Kuchen essen gehen, und einen Kaffee trinken. Mit der Straßenbahn die Kurzstrecke zum Hauptbahnhof.
Die Innenstadt ist voll, so viele Menschen, wie sonst auch, vielleicht sogar noch etwas mehr ... vorbei die schönen Zeiten vor ein paar Wochen, als jeder noch für sich isoliert zu Hause herumvegetiert hat. Ich laufe zu dem Leipziger Bäcker am Eingang der Fußgängerzone und bestelle ein Stück Kuchen: "Das da, mit den Kakao-Flocken", und einen kleinen Cappuccino. Einkaufsplanung auf dem Smartphone am Bartisch (mit Hocker) vor der Bäckerfiliale: Ich habe bestimmt schon fünf neue und ungetragene Kleider im Schrank, ich muß mich unbedingt von Klamottenläden fernhalten. Außerdem habe ich mein Feuerzeug in meiner Erstwohnung liegengelassen, ich brauche noch eins für mein Räucherritual Montag kurz vor der Wohnungsübergabe ... am besten eins mit Totenköpfen oder so ähnlich. Ich suche die Adressen der Gothic-Läden in der Innenstadt.
Der erste Laden hat leider keine Feuerzeuge mehr, im zweiten Laden, etwas abseits der Fußgängerzone, frage ich die Verkäuferin schon am Eingang und umgehe so die Prozedur mit der Gesichtsmaske und dem Token für das Betreten eines Geschäftes. Sie hat leider auch keine Feuerzeuge im Sortiment. Wohin jetzt? Die Filiale einer großen Drogeriekette? Tatsächlich befinde ich mich wenige Minuten später in der Einkaufspassage "Am Brühl" in ebendieser Filiale und entdecke ein schwarzes Feuerzeug mit wunderschönen Rosenmotiv: Das ist so Gothic! Für die paar Cent, die das kostet, nehme ich noch eine schwarze Strumpfhose mit.
40 DEN? 20 DEN? Meine halterlosen und transparenten Strümpfe, passend zu meinen schwarzen Minikleidern, sind bestimmt schon alle zerrissen. Auch wenn ich in meiner Schublade immer nach dieser einen Strumpfhose suche - ich habe nie so eine besessen. Bis jetzt ... neben meinen blickdichten, schwarzen Leggings sortiert sich diese Strumpfhose von nun an daneben, für Pumps und Miniröcke.
Weiter den Nachmittag, quer durch die Innenstadt, zur nächsten Filiale dieser Drogeriekette. (Warum drehe ich nicht einfach um?) Ich bin immer noch auf der Suche nach flachen Schuheinlagen für meine neuen Stiefeletten - mit Blockabsatz. Die zwanzig Jahre alten, olivgrünen Einlegesohlen aus meinen Bundeswehrkampfstiefeln* - die ich über die Jahre in einer Vielzahl meiner Schuhe getragen habe - fangen an, sich allmählich aufzulösen und zerbröseln (von den Rändern her). Es muß etwas Ähnliches mit diesem "Geflecht" sein, flach und biegsam für hohe Absätze - schockabsorbierend / stoßdämpfend. Die Drogeriekette hat nur Filzsohlen im Regal ... und dann auch noch ausverkauft in meiner Schuhgröße.
Weiter in den Schuhladen daneben: Schuhe! Halt dich zurück! Ich habe schon zwei Paar zu Hause stehen, die ich noch nie getragen habe. Oh, diese hübschen Sandaletten für den Sommer, die ich schon im Frühjahr in einem anderen Laden gesehen habe! Zum Glück hat sich das Sortiment weiter ausgedünnt, dieses Modell ist jetzt weder in meiner Farbe (Schwarz) noch in meiner Schuhgröße (40/41) vorhanden. Bei der Verkäuferin lasse ich mich über Einlegesohlen beraten und nehme ein paar dünne, biegsame, stoßdämpfende mit. Mit Bambusgeflecht ... das könnte meiner Vorstellung am ehesten entsprechen. Kurz vor dem Ausgang hängt mein Blick wieder an dem nächsten, bezaubernden Schuhpaar: Ultraflache, schwarze Römersandaletten ... mit extra langen Lederriemchen über die ganze Wade! Ich kann noch ein Blick auf das Preisetikett werfen, bevor mich eine unbekannte Macht aus dem Laden zieht.
Mittlerweile ist es Abend geworden, zwischen Kaffee & Kuchen und meiner Shopping-Tour, war ich noch ein Eis essen - es ist nur konsequent, wenn ich bei dem italienischen Restaurant am anderen Ende der Fußgängerzone auch mein Abendessen bestelle. Ich setze mich an einen der freien Plätze im Außenbereich und suche auf der Menükarte das Pastagericht für diesen Tag. Es ist fast wie früher, vor der ganzen Virusepidemie - von der überhaupt nicht mehr viel zu spüren ist ... ob ich hiernach noch einfach mal in die Bar am Marktplatz gehe? Ich schließe den Tag ab und gehe tatsächlich noch in meine Lieblingsbar am Marktplatz.
Weiterhin viele Menschen ... es dauert eine ganze Weile, bis ich einen freien Tisch für mich finde, schön nah am wärmenden Heizstrahler im eng besetzten Außenbereich. Eine Cola für mich und dann: "Wo ist die Cocktail-Karte? Habt ihr auch einen alkoholfreien Ipanema?" Bis so gegen 21 Uhr schlürfe ich an dem zuckersüßen Drink und notiere mir ein paar Zeilen für mein Tagebuch, die ich doch etwas erwähnenswert finde ... ich bin den Nachmittag auf dem Marktplatz an einer dieser "Anti-Corona-Kundgebungen" stehengeblieben (die falsche Demo / Kundgebung, die gegen Rassismus lief parallel auf dem Platz vor der Oper, aber das habe ich erst später erfahren):

Ja ja ... den Corona-Virus gibt es gar nicht ... lauft ruhig in die Falle. HEIL DEN ECHSENMENSCHEN! Ich war schon immer ein Anhänger der Reptiloidenrasse.

Kurz nach Sonnenuntergang mache ich mich auf, zurück zur nächsten Straßenbahnhaltestelle am Bahnhof - ich will noch in der Abenddämmerung und vor Einbruch der Nacht wieder zurück in meiner Wohnung sein.

(* Ein paar Tage später bemerkt beim Wald- und Wiesenspaziergang nach einem Regen: die Laufsohle des Kampfstiefels an sich, löst sich auch - nach zwanzig Jahren - in ihre Bestandteile auf ... hält eben nicht ewig.) (Ende Teil 1/2)

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Kommentar:

[13.11.22 / 09:33] Daniele1992: Hallo Morgana

aktuell keine schöne Situation. Ich schreibe Dir noch eine Mail dazu.

LG Daniele

Morgana LaGoth: Einige Kommentare müssen auch nicht allzu öffentlich sein …

[13.05.22 / 09:15] Daniele1992: Hallo Morgana,

Tolle Reisebericht von Deiner neusten Reise nach Paris. Macht grosse Lust auch wieder dort hinzufahren um sich von der Stadt inspirieren zu lassen.

Tolle Neuigkeiten.NeuerJob. Klasse! Freue mich für Dich.

Liebe Grüße
Daniele

Morgana LaGoth: Danke. Endlich wieder verreisen … lange darauf gewartet. Lebendig bleiben, solange es noch geht.

[24.12.21 / 20:55] Daniele1992: Hallo Morgana,

Ich denke an Dich und wünsche Dir frohe Weihnachten und ein schönes neues Jahr 2022.

Liebe Grüße
Daniele

Morgana LaGoth: Vielen Dank, ich wünsche dir ebenfalls ein schönes, neues Jahr.

[25.09.21 / 14:59] Daniele1992: Hallo,

eine Chance etwas Neues zu machen. Neue Perspektiven. Urlaubsträume, die bald real werden können. Nicht so schlecht. Freue mich für Dich. LG Daniele.

Morgana LaGoth: Danke dir.

[11.11.20 / 09:12] Daniele1992: Hallo Morgana

Ich habe Dir eine Mail geschickt.

Lg
Daniele

Morgana LaGoth: Hey ... vom Lenkrad aus mit der Hand winken, von einem MX-5 zum anderen. *freu*

[30.07.20 / 22:03] Daniele1992: Guten Abend

das habe ich sehr gerne gemacht. Zum Einen interessiert mich das Thema und zum Anderen hast Du wirklich sehr lebendig und spannend geschrieben. Da wollte ich Alles lesen und wollte Dir schreiben, das mir Dein Blog besonders gut gefallen hat (Die eigentliche Arbeit hattest Du ja mit dem Verfassen des Blogs). Wenn Du magst können wir den Kontakt gerne per Mail halten. Viele Grüße Daniele

Morgana LaGoth: Mail-Adresse steht oben bei "kontakt" - bei weiteren Fragen, gerne.

[30.07.20 / 12:44] Daniele1992: Guten Morgen,
vielen Dank für Deinen tollen Blog. Ich habe ihn in den letzten Wochen komplett gelesen. Meistens konnte ich gar nicht aufhören zu lesen. Fast wie bei einem sehr spannenden Roman. Ich habe dabei Deine genauen Beobachtungen und Beschreibungen sehr genossen. Deine vielen Ausflüge in die Clubs und zu den Festivals oder Deine Streifzüge d durch die Geschäfte beschreibst Du immer aus Deiner Sicht sehr anschaulich und spannend. Ich kann das sehr gut nachvollziehen, das alleine zu erleben, häufig auch mit einer gewissen Distanz. Ich kenne ich von mir sehr gut. Highlights sind Deine Reiseberichte. Deine Erlebnisse an den unterschiedlichsten Orten auf der Welt. Vielen Dank dafür. Vielen Dank auch das Du Deinen Weg zu Deinem waren Geschlecht mit uns Lesern teilst. Deinen Weg Deine Gefühle Deine zeitweisen Zweifel. Das ist sehr wertvoll auch für uns Andere, denn es ist authentisch und sehr selten. Du bist einem dadurch sehr vertraut geworden. Für mich ist eine gefühlte grosse Nähe dadurch entstanden. Umso mehr schmerzt es mich von Deinen Rückschlägen zu lesen. Von Deinem Kampf zu Deinem wahren Ich. Von Deinem Kampf umd Liebe, Zährlichkeit und Akzepzanz und Anerkenung. Von Deiem mitunter verzweifeltem Kampf nach Liebe und Anerkennung durch Deinen Exfreund. Leider vergeblich. Dein Kampf um wirtschaftliche Unabhängigkeit und Deine aktuell missliche Lage. Ich glaube dass Du nicht gescheitert bist. Du hast viel Mumm und Hardnäckigkeit bewiesen Deinen Gang zu Dir selbst zu gehen. Du hast auch einen guten Beruf der immer noch sehr gefragt ist. Vielleicht kann ja nach dieser Auszeit und etwas Abstand ein Neuanfang in einer anderen Firma, wo Du keine Vergangenheit als Mann hattest gelingen. Ich wünsche das Dir ein Neuanfang gelingt und drücke Dir ganz fest die Daumen. Daniele

Morgana LaGoth: Da liest sich tatsächlich jemand alles durch? Das ist mittlerweile schon ein kompletter Roman mit mehreren hundert Seiten! Danke dir, für deinen Kommentar (und die aufgebrachte Zeit).

[05.10.19 / 17:11] Drea Doria: Meine liebe Morgana,
bin 5 T post all-in-one-FzF-OP. Deine guten Wünsche haben geholfen. Der Koch ist immernoch noch super. Alle hier sind herzlich und nehmen sich Zeit.
Herzlich
Drea

Morgana LaGoth: Dann wünsch ich dir jetzt noch viel mehr Glück bei deiner Genesung!

[14.06.19 / 12:57] Drea Doria: Meine liebe Morgana,

vielen Dank für Deine offenen und kritischen Erlebnisberichte. Ich bin in 3 Monaten in Sanssouci zur FzF-OP. Ich denke auch, was kann schon schief gehen, status quo geht nicht und irgendwas besseres wird wohl resultieren. Wenn es Dich interessiert, halte ich Dich informiert. Drücke mir die Daumen.
Herzlich
Drea

Morgana LaGoth: Ich wünsche dir für deine Operation viel Glück. (Sollte der Koch nicht gewechselt haben, das Essen da in der Klinik ist richtig gut!)

[14.11.17 / 20:13] Morgana LaGoth: Nutzungsbedingungen für die Kommentarfunktion: Die Seitenbetreiberin behält sich das Recht vor, jeden Kommentar, dessen Inhalt rassistisch, sexistisch, homophob, transphob, ausländerfeindlich oder sonstwie gegen eine Minderheit beleidigend und diskriminierend ist, zu zensieren, zu kürzen, zu löschen oder gar nicht erst freizuschalten. Werbung und Spam (sofern die Seitenbetreiberin dafür nicht empfänglich ist) wird nicht toleriert. Personenbezogene Daten (Anschrift, Telefonnummer) werden vor der Veröffentlichung unkenntlich gemacht.

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