morgana81 - gothic transgender AWAY WITH YOU - Covid‑19 pandemic 2020‑2022 🎈

Sternzeit irgendwas, Logbucheintragung des Captains:

[01.01.70 / 00:00] Sternzeit irgendwas, Logbucheintragung des Captains:

[13.05.19 / 15:30] Sonnabend später Vormittag in meiner Wohnung in Leipzig - ein entspanntes Frühstück, Räucherstäbchen mit der Duftnote "Oriental Bouquet" auf meinem Altar und auf der Herdplatte das Kännchen mit dem arabischen Kaffee aus Damaskus ... währenddessen murmele ich, eingehüllt in meinem schwarzen Morgenmantel, mein Mantra vor mich hin:
"govinda jaya jaya, gopala jaya jaya..."
"govindam adi purusham..."
Beim anschließenden Kaffeesatzlesen ergibt sich in meinem eckigen Mokkatäßchen ein komplexes, vierseitiges Bild: Eine Frau weist einem Reiter auf seinem Pferd (oder nur das Pferd) die Richtung bzw. den Weg - er führt aus dem Wald hinaus, über ein Gebirge auf die gegenüberliegende Seite, auf der eine Frau mit über den Kopf erhobenen Händen wartet ... der Sinn ergibt sich mir noch nicht. Bin ich die Frau am Rand? Bin ich das Pferd? Oder doch die wartende Frau? Wahrscheinlich alles zusammen.
Draußen vor dem Fenster regnet es, ein trüber, naßkalter, grauer Tag. Meine Yucca-Pflanze ist nur noch ein Schatten ihrer selbst, dahingerafft von meiner Abwesenheit in Wien und die unausweichliche Trockenperiode, sowie ein starker Befall von Gallmilben. Nachdem ich den Mittag selbst eine Dusche genommen habe, wechselt die Yucca den Standort in die Quarantänezone der Duschkabine und bekommt eine Kur aus der Sprühflasche mit Wasser-Spülmittel-Mischung. Sie wird leicht angegossen - zuviel würde der Wurzel den Rest geben (der Stamm ist noch in Ordnung und einige grüne Blätter hat sie noch). Falls sie es nicht überlebt, wird sie durch eine Aloe ausgetauscht und in meiner Dachgeschoßwohnung mit Südseite befinden sich dann nur noch Wüstenpflanzen.
Den Nachmittag widme ich mich, bei einem Kännchen schwarzen Tee (und dem Five'o'clock-Schnittchen), einem Debian-Update auf meinem Laptop ... bei einer Real-Geschwindigkeit von 42 kbps auf dem im Wohnviertel (Funkzelle) stark überlasteten LTE-Netz - ein quälend, endlos langes Unterfangen. Doch rechtzeitig gegen Abend bin ich fertig und kann mich für die Nacht ausgehfertig machen.
Ich kombiniere ... kann ich die viktorianischen Stiefeletten zu der Lederleggings tragen? Sie passen nur zu dem Lederrock (und alle anderen meiner Abendkleider). Ich will aber für die Nacht die schwarze Leggings tragen - also wieder die Pikes-Stiefeletten. Vor meinem Kleiderschrank und dem großen Spiegel probiere ich weiter aus ... die vier neuen Kleider sind für Pfingsten vorgesehen, aber meine schwarze Tunika - mein Lieblingsteil mit den langen "Morticia"-Ärmeln paßt super zu der Leggings. (Und habe ich die knallenge Hose überhaupt schon mal nach meiner Operation getragen?) Das Outfit für die Nacht steht, als Unterwäsche wähle ich den schwarzen String-Tanga und ein Spaghettiträgertop - den Push-up-BH lasse ich einfach weg. (Das mit dem String-Tanga, ein verhängnisvoller Fehler...)
Weiter vor dem Spiegel im Badezimmer, Feuchtigkeitscreme, dezenter Kajal, dezenter Mascara, farbloser Pflegelippenstift - und ein Hauch / Sprühstoß Chanel (mit Patchouli) nach vorn übergebeugt auf meinem Haaransatz und dem Nacken (und etwas dem Rücken). Die großen Creolen, die Silberkette, der Anhänger, der Ring - ich bin bereit für die Nacht. Aus meinem Bad kommend ziehe ich mir noch schnell den schwarzen Kapuzenpullover über und meine schwarze Lederjacke, packe alles in meine Handtasche und verlasse meine Wohnung.
Zurück zum Auto, auf einem Idealparkplatz vor dem Weg zum Hauseingang. Weiter in der Abenddämmerung, bei strömenden Regen, in die Innenstadt, das Auto in dem (sauteuren) Parkhaus an der Oper parken (4 Euro die Stunde + 3 angebrochene Minuten). In dem nur wenige Schritte entfernten Schnellrestaurant eine Pizza essen (genau deswegen parke ich da, damit ich nicht durch den Regen laufen muß) und auf der Toilette - nach dem Abendessen - den richtigen Lippenstift auftragen (Naturkosmetik und -farbe). 21:30 Uhr ... und es regnet immer noch.
Den Club, den ich für diese Nacht ausgesucht habe, ich war da noch nie ... weiß aber die Adresse, wo er liegt und genau wo ich dort parken kann (dieselbe Stelle, an der ich schon einmal geparkt habe und mein "Marder-Erlebnis" hatte). Ich fahre vom Innenstadtzentrum aus nur wenige Minuten zu der Parkmöglichkeit in der angrenzenden Einbahnstraße. Der Club macht erst um 22 Uhr auf und ich stehe kurz vor der Öffnung noch an einem überdachten Hauseingang gegenüber, es regnet weiter, und beobachte den Clubeingang (den ich erst einmal finden mußte) und die ersten Gäste. Wenig später gehe auch ich hinein.
"Ich war hier schon einmal!" Der Name des Vorgängerclubs an den zugeklebten Fenstern, der Eingang, die Bar in Blickrichtung. "War das hier nicht mal so ein Club mit Darkrooms?" Die beiden (Gothic-)Frauen an der Kasse wissen um die Historie der Räumlichkeiten auch nicht so genau Bescheid. Etwa fünf Jahre zuvor, als ich meinem On-Off-Ex-Freund zum ersten Mal begegnet bin, haben wir den Nachmittag damals eine Bar gesucht, um etwas trinken zu gehen, und sind auf dieses Etablissement in der Schwulenszene Leipzigs gestoßen. "Keine Frauen!" Die Abweisung des Türstehers mir gegenüber hat ein weiteres Betreten verhindert - aber der Blick jetzt hinein kommt mir sofort bekannt vor. Ich bezahle meinen Eintritt und erkunde die Räume ... "It's bigger on the inside!" Die verwinkelten Kellergänge, es braucht etwas Zeit, bis ich mich orientieren kann (und überall, in jeder dunkelsten Ecke, stelle ich mir in meiner Phantasie die damaligen Darkrooms vor).
Weiter auf die Toilette ... natürlich eine Unisex-Toilette, Waschräume für ein weiteres Geschlecht waren in dem Nur-Männer-Club nie vorgesehen. Hier nun der verhängnisvolle Fehler meiner Unterwäschewahl: Der String-Tanga, hinten offen, ich sitze mit meinem blanken Hinterteil auf der Klobrille ... und habe total vergessen, daß ich den noch anhabe. Auf die peinliche Situation an dem Waschbecken danach, wie ich meine Unterwäsche - mal wieder - durchspüle und, umhüllt mit Papier, in meiner Handtasche verschwinden lasse, muß ich nicht näher eingehen. Die Gothics rechts und links neben mir sind viel zu sehr damit beschäftigt, vor dem Spiegel ihre Haare aufzutoupieren oder in Haarspray einzuhüllen (auch ich widme mich dann danach meinen langen Haaren, etwas beansprucht von dem Regen draußen und dem Kapuzenpullover).
Weiter durch den Club, zwei Tanzflächen im Keller, eine Bar oben. Mit einer Flasche Kräuterlimo schwebe ich, Mortica-Addams-ähnlich, in meinem schwarzen Gewand mit den überlangen Ärmeln umher ... die Organisatoren der Gothic-Veranstaltung haben sich viel Mühe mit der liebevollen Deko gegeben, ich bewundere die Grabsteine neben der Tanzfläche in einem der Kellerräume.
Ein paar Songs, etwas tanzen, auf dem schwarzen Ledersofa sitzen ... ich falle jemandem auf. Er lädt mich ein, oben an der Bar etwas trinken zu gehen. Zurück oben an einem Stehplatz an der Bar eröffnet sich ein Gespräch, wir lernen uns kennen. Er gibt von sich aus an, er ist sonst etwas schüchtern (kann das aber gekonnt überspielen) und ist nach ein oder zwei Bier etwas lockerer. Ich bin vorsichtig, solange er sich nicht total betrinkt. Ich dagegen erzähle ihm von meinem Plan, mal die Situation umzudrehen: "Hallo, wie geht's? Bist du alleine hier? Du bist sehr schön." Zu dem dritten Satz komme ich gar nicht mehr ... ich flirte nur selten, aber dieses Mal finde ich Gefallen daran. Er bewundert meine langen, blonden Haare ... und meine (trainierte) Stimme - hat er etwa hier schon einen Verdacht? Er ist zwar alleine in dem Club, kennt aber viele der anwesenden Frauen, die ihn freundlich grüßen ... ich betrachte das als positive Reputation.
Es kommt zu den ersten Annäherungsversuchen von ihm, er tastet sich heran ... läßt seine Hand nach einiger Zeit auch mal in meine knallenge Leggings gleiten. Ich bin in dem Moment so dermaßen erregt ... mittlerweile kenne ich meine Gefühlswelt da unten. Wie das meine natürliche Art ist, reagiere ich darüber immer peinlich berührt und muß ins Kichern ausarten - er gibt mir den Tip, das ganze zu überspielen. "OK, OK! Ich soll ja cool bleiben...", ich versuche es. Mit einem höchst gelangweilten Gesichtsausdruck klammere ich mich an meine Limoflasche an der Bar, lasse mir nichts anmerken und lasse ihn einfach machen ... irgendwann kommt der Punkt: "Zu mir oder zu dir?" (Ende Teil 1/2)

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Kommentar:

[13.11.22 / 09:33] Daniele1992: Hallo Morgana

aktuell keine schöne Situation. Ich schreibe Dir noch eine Mail dazu.

LG Daniele

Morgana LaGoth: Einige Kommentare müssen auch nicht allzu öffentlich sein …

[13.05.22 / 09:15] Daniele1992: Hallo Morgana,

Tolle Reisebericht von Deiner neusten Reise nach Paris. Macht grosse Lust auch wieder dort hinzufahren um sich von der Stadt inspirieren zu lassen.

Tolle Neuigkeiten.NeuerJob. Klasse! Freue mich für Dich.

Liebe Grüße
Daniele

Morgana LaGoth: Danke. Endlich wieder verreisen … lange darauf gewartet. Lebendig bleiben, solange es noch geht.

[24.12.21 / 20:55] Daniele1992: Hallo Morgana,

Ich denke an Dich und wünsche Dir frohe Weihnachten und ein schönes neues Jahr 2022.

Liebe Grüße
Daniele

Morgana LaGoth: Vielen Dank, ich wünsche dir ebenfalls ein schönes, neues Jahr.

[25.09.21 / 14:59] Daniele1992: Hallo,

eine Chance etwas Neues zu machen. Neue Perspektiven. Urlaubsträume, die bald real werden können. Nicht so schlecht. Freue mich für Dich. LG Daniele.

Morgana LaGoth: Danke dir.

[11.11.20 / 09:12] Daniele1992: Hallo Morgana

Ich habe Dir eine Mail geschickt.

Lg
Daniele

Morgana LaGoth: Hey ... vom Lenkrad aus mit der Hand winken, von einem MX-5 zum anderen. *freu*

[30.07.20 / 22:03] Daniele1992: Guten Abend

das habe ich sehr gerne gemacht. Zum Einen interessiert mich das Thema und zum Anderen hast Du wirklich sehr lebendig und spannend geschrieben. Da wollte ich Alles lesen und wollte Dir schreiben, das mir Dein Blog besonders gut gefallen hat (Die eigentliche Arbeit hattest Du ja mit dem Verfassen des Blogs). Wenn Du magst können wir den Kontakt gerne per Mail halten. Viele Grüße Daniele

Morgana LaGoth: Mail-Adresse steht oben bei "kontakt" - bei weiteren Fragen, gerne.

[30.07.20 / 12:44] Daniele1992: Guten Morgen,
vielen Dank für Deinen tollen Blog. Ich habe ihn in den letzten Wochen komplett gelesen. Meistens konnte ich gar nicht aufhören zu lesen. Fast wie bei einem sehr spannenden Roman. Ich habe dabei Deine genauen Beobachtungen und Beschreibungen sehr genossen. Deine vielen Ausflüge in die Clubs und zu den Festivals oder Deine Streifzüge d durch die Geschäfte beschreibst Du immer aus Deiner Sicht sehr anschaulich und spannend. Ich kann das sehr gut nachvollziehen, das alleine zu erleben, häufig auch mit einer gewissen Distanz. Ich kenne ich von mir sehr gut. Highlights sind Deine Reiseberichte. Deine Erlebnisse an den unterschiedlichsten Orten auf der Welt. Vielen Dank dafür. Vielen Dank auch das Du Deinen Weg zu Deinem waren Geschlecht mit uns Lesern teilst. Deinen Weg Deine Gefühle Deine zeitweisen Zweifel. Das ist sehr wertvoll auch für uns Andere, denn es ist authentisch und sehr selten. Du bist einem dadurch sehr vertraut geworden. Für mich ist eine gefühlte grosse Nähe dadurch entstanden. Umso mehr schmerzt es mich von Deinen Rückschlägen zu lesen. Von Deinem Kampf zu Deinem wahren Ich. Von Deinem Kampf umd Liebe, Zährlichkeit und Akzepzanz und Anerkenung. Von Deiem mitunter verzweifeltem Kampf nach Liebe und Anerkennung durch Deinen Exfreund. Leider vergeblich. Dein Kampf um wirtschaftliche Unabhängigkeit und Deine aktuell missliche Lage. Ich glaube dass Du nicht gescheitert bist. Du hast viel Mumm und Hardnäckigkeit bewiesen Deinen Gang zu Dir selbst zu gehen. Du hast auch einen guten Beruf der immer noch sehr gefragt ist. Vielleicht kann ja nach dieser Auszeit und etwas Abstand ein Neuanfang in einer anderen Firma, wo Du keine Vergangenheit als Mann hattest gelingen. Ich wünsche das Dir ein Neuanfang gelingt und drücke Dir ganz fest die Daumen. Daniele

Morgana LaGoth: Da liest sich tatsächlich jemand alles durch? Das ist mittlerweile schon ein kompletter Roman mit mehreren hundert Seiten! Danke dir, für deinen Kommentar (und die aufgebrachte Zeit).

[05.10.19 / 17:11] Drea Doria: Meine liebe Morgana,
bin 5 T post all-in-one-FzF-OP. Deine guten Wünsche haben geholfen. Der Koch ist immernoch noch super. Alle hier sind herzlich und nehmen sich Zeit.
Herzlich
Drea

Morgana LaGoth: Dann wünsch ich dir jetzt noch viel mehr Glück bei deiner Genesung!

[14.06.19 / 12:57] Drea Doria: Meine liebe Morgana,

vielen Dank für Deine offenen und kritischen Erlebnisberichte. Ich bin in 3 Monaten in Sanssouci zur FzF-OP. Ich denke auch, was kann schon schief gehen, status quo geht nicht und irgendwas besseres wird wohl resultieren. Wenn es Dich interessiert, halte ich Dich informiert. Drücke mir die Daumen.
Herzlich
Drea

Morgana LaGoth: Ich wünsche dir für deine Operation viel Glück. (Sollte der Koch nicht gewechselt haben, das Essen da in der Klinik ist richtig gut!)

[14.11.17 / 20:13] Morgana LaGoth: Nutzungsbedingungen für die Kommentarfunktion: Die Seitenbetreiberin behält sich das Recht vor, jeden Kommentar, dessen Inhalt rassistisch, sexistisch, homophob, transphob, ausländerfeindlich oder sonstwie gegen eine Minderheit beleidigend und diskriminierend ist, zu zensieren, zu kürzen, zu löschen oder gar nicht erst freizuschalten. Werbung und Spam (sofern die Seitenbetreiberin dafür nicht empfänglich ist) wird nicht toleriert. Personenbezogene Daten (Anschrift, Telefonnummer) werden vor der Veröffentlichung unkenntlich gemacht.

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