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Sternzeit irgendwas, Logbucheintragung des Captains:

[01.01.70 / 00:00] Sternzeit irgendwas, Logbucheintragung des Captains:

[11.02.19 / 21:29] Freitag Abend - endlich wieder in Leipzig (meine Yucca-Pflanze sieht schon ganz mitgenommen aus). Nachdem ich mich das Wochenende vor drei Wochen in eine Discoveranstaltung für Lesben verirrt hatte, gehe ich dieses Wochenende wieder in meiner Szene aus. Ein Konzertabend mit zwei Bands aus dem Wave- und Minimalumfeld. Mein Badezimmer-Spiegel-Ritual: schwarzer Kajal, leicht abdunkelnder Lippenstift in Naturfarbe, die langen, blonden Haare durchkämmen, Chanel - und weiter zum Kleiderschrank. Schwarzes Top, schwarze Jeans, Nietengürtel, schwarzer Kapuzenpullover ... Silberschmuck, der Ring, die Kette, der Anhänger. Jetzt fehlt nur noch der schwarze Wollmantel, der schwarze Kaschmirschal, meine schwarze Lederhandtasche und die Wave-szenetypischen Pikes (ich trage die mit den kubanischen Absätzen und ohne Schnallen). Ausgehfertig und bereit für die Nacht laufe ich danach, gegen 21 Uhr nochwas, zu meinem Auto.
Die Navigationsstimme auf meinem Smartphone lotst mich durch die Straßen von Leipzig: "In 100 m keep right, now turn right. Follow the course of the road for 1 km." Die Baustelle auf der Brücke nach Plagwitz kennt das System nicht, ich muß es ignorieren, auf voller Lautstärke läuft parallel die Discomusik aus Tel Aviv in meinem Auto, die Bässe dröhnen an jeder Ampel. Kurz vor 22 Uhr erreiche ich mein Ziel, ein altes Fabrikgebäude am Ufer eines Seitenkanals irgendwo im Westen von Leipzig, die letzten Meter in der Sackgasse muß ich zu Fuß laufen und lasse mein Auto stehen.
Der Club, tagsüber wohl ein kleines Restaurant, jetzt gut gefüllt mit schwarzem Publikum ... breites Grinsen in meinem Gesicht, meine Szene! Ich gebe meinen Mantel am Garderobenstand ab, sammle ein paar umherliegende Flyer ein und gehe erst mal an die Bar (auch so eine Art immer wiederkehrendes Ritual). Nicht allzuviel später fängt die erste Band an, zu spielen ... zwei Musiker, einer an den Synthesizern, der zweite mit E-Gitarre am Mikro. Ich stehe ziemlich weit vorne vor der kleinen Bühne, auf den Auftritt der beiden freue ich mich schon seit Wochen (seit ich den kleinen Flyer bei der letzten szeneinternen Veranstaltung mit eingepackt hatte). Die zweite Band - eigentlich ist es nur ein Musiker/Punk am Synth und Mikro - ich habe schon ein paar seiner Auftritte miterlebt (er tourt ziemlich oft), ich stehe wieder hinten (in der Nähe der Bar) und lasse seinen Fans, oder Groupies, oder Entourage den Platz vor der Bühne. Ein dichter Nebel hüllt alles ein, ich sehe ihn kaum.
Die Discoveranstaltung nach den beiden Konzertauftritten ... da ich den Freitag schon um 6 Uhr früh aufstehen mußte - um zur Tagesklinik zu fahren - bin ich nicht so energiegeladen, daß ich die ganze Nacht durchtanzen könnte. Ich bin eigentlich ziemlich müde und k.o. ... schade, ab und zu wird doch etwas nettes, Punk-lastiges aufgelegt. Ich schaue mir das schwarze Publikum um mich herum an ... so viele interessante Menschen. Aber nachdem ich nur wenige Tage zuvor aus der geschlossenen Station entlassen wurde - und die Umstände erfahren habe, wie ich dort hineingeraten bin (menschliche Mißverständnisse) - möchte ich lieber für die nächste Zeit keinen Kontakt zu anderen Menschen. Zwischen 2 und 3 Uhr nachts verlasse ich wieder das alte Fabrikgebäude und die schwarze Veranstaltung. Zurück zu meinem Auto, zurück in meine Wohnung.

Der Sonnabend in Leipzig, kurz nach 12 Uhr mittags stehe ich auf, ein paar Brötchen aus der Tankstelle den Abend zuvor als Frühstück. Diesen Nachmittag will ich in einem Möbelhaus nach einem kleinen Fernsehtisch für meine Wohnung suchen - und einen Fernseher kaufen! Nach zweieinhalb Jahren endlich mal nicht mehr für umsonst die Gebühren (pro Wohnung) für die öffentlich-rechtlichen Sender zahlen. Ich fahre zu dem großen Einkaufscenter an der Autobahn, das "schwedische" Möbelhaus lasse ich links liegen und parke mein Auto vor dem anderen großen Möbelhaus. Ich laufe gefühlt kilometerweit durch die ganzen Wohnzimmergarnituren, riesige Sofalandschaften, Designermöbelstücke der höheren Preisklasse ... wer stellt sich denn diese riesigen Dinger in die Wohnung? Ich suche doch nur etwas ganz kleines (kann auch exquisit teuer sein) für meine winzige 28m²-Dachgeschoßwohnung. Als ich das Möbelhaus nach stundenlangem, erfolglosen Suchen wieder verlasse, bricht bereits die Abenddämmerung an. Wenigstens in dem Elektronikmarkt gegenüber werde ich fündig und investiere etwas Geld in einen kleinen (und schwarzen) 24-Zoll-Flachbildfernseher ... der letzte, der noch auf Lager war. Mit dem verpackten Fernseher im Kofferraum meines Roadsters (hat gerade so noch hinein gepaßt) wieder zurück zu meiner Wohnung.
Lange bleibe ich nicht da, den Karton mit dem Fernseher stelle ich unausgepackt beiseite - keine Zeit, ich muß mich für den Sonnabend Abend wieder ausgehfertig machen. Den Lippenstift lasse ich weg, ich will in ein Restaurant, etwas essen - und danach in eine Bar irgendwo im Stadtzentrum von Leipzig ... soweit der Plan. Mit der Straßenbahn kurz nach 19 Uhr in die Innenstadt und die Station am Hauptbahnhof.
Ich laufe zu Fuß die Straße vom Hauptbahnhof in Richtung der Einkaufsstraße entlang (die mit den vielen Restaurants) ... genau hier hatte ich noch vor ein paar Wochen jemanden kennengelernt - hey, ich bin nur zwei Monate zu spät am vereinbarten Treffpunkt! Natürlich steht er nicht mehr hier und wartet auf mich. Weiter in eines der indischen Restaurants ... ein Fisch auf der Menükarte (aus dem Amritsar-See?) und ein Teller gegrillte Okraschoten als Hauptspeise. Ein üppiges Trinkgeld und weiter, kurz vor 22 Uhr, auf der Suche nach einer Bar in der Nähe der Oper und des ägyptischen Museums ... vielleicht eine kubanische Bar? Stand so im Internet, dort müßte ich ein Mojito trinken können.
Die Bar entpuppt sich als eine Art Kneipe - mit urtypischem, Leipziger Stammpublikum ... aber eine sehr entspannte Atmosphäre. Cocktails gibt es dort nicht, oder erst sehr viel später, ich bestelle meinen einfachen "Cola-Tonic-Mix" und bleibe nicht sehr lange - da es ziemlich voll in der kleinen Bar ist und ich nur gedrängt in einer Ecke stehen kann. Kurz nach 23 Uhr mit der nächsten Straßenbahn wieder zurück in meine Wohnung (und erst jetzt erfahre ich, daß die vier oder fünf Stationen dorthin nur "Kurzstrecke" sind und ich immer viel zuviel für ein "normales" Ticket bezahlt habe).
Mitternacht, meinen Fernseher aufbauen, anschalten und bis 2 Uhr nachts einrichten und fernsehen ... "Taxi Driver".

Sonntag später Vormittag, kurz nach 11 Uhr aufstehen und meinen neuen, in der Ergotherapie selbstgebastelten Räucherstäbchenhalter aus Ton einweihen, das morgendliche Ritual auf dem Altar. Während das Räucherstäbchen neben mir auf der Minibar runterglimmt, bereite ich das Frühstück vor - Brötchen vom Bahnhofsbäcker letzten Abend und ein Kännchen Damaskus-Kaffee. Das Pulver mit heißem Wasser aufgießen, ankochen lassen und dann das fertige, aromatische Gebräu mitsamt dem Kaffeesatz in mein neues Mokkatäßchen (mit "Gustav-Klimt-Motiv") gießen und austrinken. Danach mit der Untertasse abdecken, alles umdrehen und bis 10 zählen, nochmal mit Schwung umdrehen und ein weiteres Mal bis 10 zählen ... der Kaffeesatz läuft das Mokkatäßchen innen wieder runter und hinterlaßt phantasievolle Spuren - Untertasse wieder abnehmen. Ich hatte schon ein Kamel, ein Pferd, ein Wanderer in der Wüste ... und jetzt eine Tempeltänzerin. Was mag sie wohl bedeuten? Die Haare und die Arme in Bewegung, ein Rock um den Bauch geknotet. Sie steht für Lebensfreude, aber auch Sklaverei ... ich werde aus meinem alten Leben ausbrechen.

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Kommentar:

[13.11.22 / 09:33] Daniele1992: Hallo Morgana

aktuell keine schöne Situation. Ich schreibe Dir noch eine Mail dazu.

LG Daniele

Morgana LaGoth: Einige Kommentare müssen auch nicht allzu öffentlich sein …

[13.05.22 / 09:15] Daniele1992: Hallo Morgana,

Tolle Reisebericht von Deiner neusten Reise nach Paris. Macht grosse Lust auch wieder dort hinzufahren um sich von der Stadt inspirieren zu lassen.

Tolle Neuigkeiten.NeuerJob. Klasse! Freue mich für Dich.

Liebe Grüße
Daniele

Morgana LaGoth: Danke. Endlich wieder verreisen … lange darauf gewartet. Lebendig bleiben, solange es noch geht.

[24.12.21 / 20:55] Daniele1992: Hallo Morgana,

Ich denke an Dich und wünsche Dir frohe Weihnachten und ein schönes neues Jahr 2022.

Liebe Grüße
Daniele

Morgana LaGoth: Vielen Dank, ich wünsche dir ebenfalls ein schönes, neues Jahr.

[25.09.21 / 14:59] Daniele1992: Hallo,

eine Chance etwas Neues zu machen. Neue Perspektiven. Urlaubsträume, die bald real werden können. Nicht so schlecht. Freue mich für Dich. LG Daniele.

Morgana LaGoth: Danke dir.

[11.11.20 / 09:12] Daniele1992: Hallo Morgana

Ich habe Dir eine Mail geschickt.

Lg
Daniele

Morgana LaGoth: Hey ... vom Lenkrad aus mit der Hand winken, von einem MX-5 zum anderen. *freu*

[30.07.20 / 22:03] Daniele1992: Guten Abend

das habe ich sehr gerne gemacht. Zum Einen interessiert mich das Thema und zum Anderen hast Du wirklich sehr lebendig und spannend geschrieben. Da wollte ich Alles lesen und wollte Dir schreiben, das mir Dein Blog besonders gut gefallen hat (Die eigentliche Arbeit hattest Du ja mit dem Verfassen des Blogs). Wenn Du magst können wir den Kontakt gerne per Mail halten. Viele Grüße Daniele

Morgana LaGoth: Mail-Adresse steht oben bei "kontakt" - bei weiteren Fragen, gerne.

[30.07.20 / 12:44] Daniele1992: Guten Morgen,
vielen Dank für Deinen tollen Blog. Ich habe ihn in den letzten Wochen komplett gelesen. Meistens konnte ich gar nicht aufhören zu lesen. Fast wie bei einem sehr spannenden Roman. Ich habe dabei Deine genauen Beobachtungen und Beschreibungen sehr genossen. Deine vielen Ausflüge in die Clubs und zu den Festivals oder Deine Streifzüge d durch die Geschäfte beschreibst Du immer aus Deiner Sicht sehr anschaulich und spannend. Ich kann das sehr gut nachvollziehen, das alleine zu erleben, häufig auch mit einer gewissen Distanz. Ich kenne ich von mir sehr gut. Highlights sind Deine Reiseberichte. Deine Erlebnisse an den unterschiedlichsten Orten auf der Welt. Vielen Dank dafür. Vielen Dank auch das Du Deinen Weg zu Deinem waren Geschlecht mit uns Lesern teilst. Deinen Weg Deine Gefühle Deine zeitweisen Zweifel. Das ist sehr wertvoll auch für uns Andere, denn es ist authentisch und sehr selten. Du bist einem dadurch sehr vertraut geworden. Für mich ist eine gefühlte grosse Nähe dadurch entstanden. Umso mehr schmerzt es mich von Deinen Rückschlägen zu lesen. Von Deinem Kampf zu Deinem wahren Ich. Von Deinem Kampf umd Liebe, Zährlichkeit und Akzepzanz und Anerkenung. Von Deiem mitunter verzweifeltem Kampf nach Liebe und Anerkennung durch Deinen Exfreund. Leider vergeblich. Dein Kampf um wirtschaftliche Unabhängigkeit und Deine aktuell missliche Lage. Ich glaube dass Du nicht gescheitert bist. Du hast viel Mumm und Hardnäckigkeit bewiesen Deinen Gang zu Dir selbst zu gehen. Du hast auch einen guten Beruf der immer noch sehr gefragt ist. Vielleicht kann ja nach dieser Auszeit und etwas Abstand ein Neuanfang in einer anderen Firma, wo Du keine Vergangenheit als Mann hattest gelingen. Ich wünsche das Dir ein Neuanfang gelingt und drücke Dir ganz fest die Daumen. Daniele

Morgana LaGoth: Da liest sich tatsächlich jemand alles durch? Das ist mittlerweile schon ein kompletter Roman mit mehreren hundert Seiten! Danke dir, für deinen Kommentar (und die aufgebrachte Zeit).

[05.10.19 / 17:11] Drea Doria: Meine liebe Morgana,
bin 5 T post all-in-one-FzF-OP. Deine guten Wünsche haben geholfen. Der Koch ist immernoch noch super. Alle hier sind herzlich und nehmen sich Zeit.
Herzlich
Drea

Morgana LaGoth: Dann wünsch ich dir jetzt noch viel mehr Glück bei deiner Genesung!

[14.06.19 / 12:57] Drea Doria: Meine liebe Morgana,

vielen Dank für Deine offenen und kritischen Erlebnisberichte. Ich bin in 3 Monaten in Sanssouci zur FzF-OP. Ich denke auch, was kann schon schief gehen, status quo geht nicht und irgendwas besseres wird wohl resultieren. Wenn es Dich interessiert, halte ich Dich informiert. Drücke mir die Daumen.
Herzlich
Drea

Morgana LaGoth: Ich wünsche dir für deine Operation viel Glück. (Sollte der Koch nicht gewechselt haben, das Essen da in der Klinik ist richtig gut!)

[14.11.17 / 20:13] Morgana LaGoth: Nutzungsbedingungen für die Kommentarfunktion: Die Seitenbetreiberin behält sich das Recht vor, jeden Kommentar, dessen Inhalt rassistisch, sexistisch, homophob, transphob, ausländerfeindlich oder sonstwie gegen eine Minderheit beleidigend und diskriminierend ist, zu zensieren, zu kürzen, zu löschen oder gar nicht erst freizuschalten. Werbung und Spam (sofern die Seitenbetreiberin dafür nicht empfänglich ist) wird nicht toleriert. Personenbezogene Daten (Anschrift, Telefonnummer) werden vor der Veröffentlichung unkenntlich gemacht.

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