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Sternzeit irgendwas, Logbucheintragung des Captains:

[01.01.70 / 00:00] Sternzeit irgendwas, Logbucheintragung des Captains:

[30.11.18 / 16:03] Der Donnerstag Vormittag danach, es muß ein schönes Bild für die Fenster des Wohngebäudes gleich gegenüber des Fensters meines Hotelzimmers sein, wie ich immerzu nackt zwischen Dusche, Waschbecken, Spiegel und dem Bett umherspringe und mich langsam für den Tag vorbereite. Dieselben Klamotten aus der letzten Nacht (ich habe nur meine Handtasche dabei, ich reise mit leichtem Gepäck).
Kurz nach dem Check-out an der Hotelrezeption gehe ich wieder ein paar Schritte um die Ecke zu dem Dönerladen mit der großen Auswahl an frischen Croissants. Ein extragroßer Pott Cappuccino und fertig ist mein Frühstück den späten Hamburger Vormittag (so gegen 10 Uhr vielleicht). Vor den großen Fenstern des Bistros liegen graue Regenwolken an diesem trüben Spätnovembertag. Ich plane meine Besichtigungstour, ich will zumindest mal die Landungsbrücken sehen (und dort ein Fischbrötchen essen) - doch zuerst muß ich die Reeperbahn bei Tageslicht ablaufen und in den Läden für Erotikbekleidung, -fetisch und -zubehör groß einkaufen. Ein kurzer Lederrock schwebt mir in meiner Vorstellung herum.
Es ist naß, es ist kalt, es stürmt, mein aufgespannter Regenschirm stülpt sich ständig um - kurz: "Schietwetter", oder (leicht abgeändert): "Hamburger Wetter!" Erst bin ich immer nur kurz in den Sexshops, dann immer länger - Hauptsache nicht draußen. So viele Läden sind es nicht, ich laufe die Reeperbahn auf und ab - und wieder zurück. Der eine große Laden führt keine Echtlederbekleidung mehr, die Verkäuferin empfehlt mir einen anderen Laden - in dem ich schon war, aber der macht erst gegen Mittag wieder auf. Also wieder zurück ... so vergeht die Zeit.
Der andere Laden, nicht so groß wie die Boutique zuvor, aber mit einer kleinen, exquisiten Auswahl: Punkt genau gegen 12 Uhr Mittag stehe ich wieder vor dem - jetzt offenen - Treppenaufgang zur oberen Etage des Ladens. "Ich suche etwas in Naturleder, ich mag dieses ... knarzende Geräusch", meine Lederjacke reibt an meiner schwarzen Lederhandtasche. Der Verkäufer, ein netter, älterer Herr, scheint genau zu wissen, worauf ich hinaus will und zeigt mir ein paar Exponate auf einem Kleiderbügel. Leider ist die Nachfrage nach Echtlederprodukten nicht mehr so groß und wird wohl auch nicht mehr in so großem Maße für den Fetischbereich produziert ... total unverständlich für mich. Hoffentlich hatte das Tier ein schönes Leben und wenn es dann irgendwann tot umfällt - im Idealfall aus Altersgründen - warum dann nicht das Leder verarbeiten? (Ja ich weiß, das ist naiv.) Ein kurzer Lederrock fällt in meinen Blick und ist wohl genau das, was ich suche. Ich probiere ihn an, der nette, ältere Verkäufer schließt eine der Umkleidekabinen auf.
36/38 ... habe ich zugelegt? Das Röckchen ist doch arg knapp geschnitten, aber die nächstgrößere Größe hat vierfingerbreit noch Platz am Bund. Ich entscheide mich, zurück an der Kasse, doch für das kleinere Modell. Im Notfall, wenn ich darin nicht mehr laufen kann - zu kleine, beengte Tippelschrittchen - kann ich den Reißverschluß hinten "am Arsch" höher aufziehen. Hoffentlich halte ich noch die filigrane Balance zwischen "Preßwurst" und "sexy Knackpopo". Der Verkäufer packt den kleinen Lederrock in die schwarze Papiertüte und fragt mich, ob ich noch einen besonderen Wunsch habe. Ich deute auf das Regal mit den Lederhalsbändern.
Mein altes Nietenhalsband, ich weiß schon gar nicht mehr, wo ich es hingelegt habe, zulange hatte ich es nicht mehr um - und wenn, dann auch nur um die Stiefel - ein neues, schwarzes Halsband käme mir dabei gerade recht. Mit einer kleinen, schmalen Schnalle, den obligatorischen metallisch-konischen Nieten und einem kleinem "O-förmigen" Ring auf der Vorderseite - an dem ich das Klingelglöckchen befestigen kann! Es wandert in meinen Einkaufsbeutel.
Mein Blick fällt weiter auf ein Stachelhalsband, so eins mit Kette für Hunde. Der Verkäufer demonstriert mir, wie es zugezogen wird und wie man die abgestumpften Stacheln nach innen stülpen kann ... zu gern würde ich es kaufen, das steht schon länger auf meiner geheimen Wunschliste - aber wem wollte ich es überziehen? Mein Freund muß als Ausrede herhalten: "Ich glaube nicht, daß er so etwas trägt", oder tragen möchte.
Ich bezahle meinen Einkauf, der Minirock und mein Katzenhalsband, und verlasse den Laden an der Reeperbahn zu Fuß Richtung Elbufer ... irgendwann muß ich durch den stürmischen Regen halbblind - der Kopf und der Schirm gesenkt, gegen den Wind ankämpfend - auf die großen Landungsbrücken stoßen.

St. Pauli, Hamburg / November 2018 / Alter 37
Ich schaffe es bis zu dem Hang mit dem markanten Uhrenturm vor dem Elbufer ... ein Hang - und ich dachte, die Gegend hier wäre flach? Ein Selfie mit Regenschirm, im Hintergrund die Top-Sehenswürdigkeit von St. Pauli ... immer mit der beängstigenden Unruhe, mein Schirm, unter dem Arm geklemmt, könnte gleich weggeweht werden. So düster grau das Wetter auch ist ... das wird bestimmt ein super Foto - im November-Nieselregen.
Die Treppen runter zu den Landungsbrücken, ein Tip aus dem näheren, familiären Umfeld: "Was macht man so in Hamburg? Gibt's da was zu sehen?" - "Die Landungsbrücken, und ein Fischbrötchen da essen." Nordisch akkurat. Eine Imbißstube dort unten hat genau das im Angebot, was ich suche. Ich bestelle mir am Verkaufsstand ein Bismarckhering im Brötchen, die ältere Verkäuferin mit dem ortsüblichen Akzent lädt mich ein, mit hinein in den kleinen Laden zu kommen und mich dort etwas aufzuwärmen. Nachdem ich das Fischbrötchen aufgegessen habe, frage ich nach einer Tasse heißen Tee. Sie kocht etwas Wasser auf und serviert ihn mir am Tresen mit Teegeschirr und einem Beutel schwarzen Tee. Zwei Würfel Zucker und ich starre, meinen warmen Tee schlürfend, auf die Wellen der Elbe ein paar Meter vor mir. Ab und zu laufen vor dem Fenster ein paar Tagestouristen vorbei, die die hier ablegenden Hafenrundfahrten buchen. Vor vielen Jahren habe ich so eine auch mal mitgemacht.
Kurz vor 15 Uhr den Nachmittag, ich habe genug von dem naßkalten Schietwetter und laufe zurück zu der S- und U-Bahnstation oberhalb der Landungsbrücken - zurück zum Hamburger Hauptbahnhof. Dort noch etwas essen, die übliche Kette an Bahnhofs-Thairestaurants, und eine Stunde später, gegen 16 Uhr, mit dem nächsten Zug über Hannover in Richtung Leipzig fahren (nicht ohne mich noch in einer Bahnhofsparfümerie ordentlich mit Testern einzusprühen ... schweres "Black Opium", Pech für die, die neben mir sitzen müssen).

Stunden später und dieses Mal ohne Verspätung - also nur moderate 10 Minuten - und ich bin wieder zurück an dem Ausgangspunkt, wo ich den Tag zuvor kurz nach 14 Uhr losgefahren bin. Meine vollgestopfte Handtasche auspacken und das neu gekaufte Lederröckchen begutachten ... mal sehen, wo ich den das nächste Mal, bei welchem Event auch immer, neu anziehen könnte (in dem größeren Erotikladen lagen ein paar Flyer für BDSM-Veranstaltungen aus, aber leider nicht in meiner Gegend). (Ende Teil 2/2)

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Kommentar:

[05.12.22 / 17:34] Daniele1992: Hallo Morgana

Mail ist heute rausgegangen

LG Daniele

[13.11.22 / 09:33] Daniele1992: Hallo Morgana

aktuell keine schöne Situation. Ich schreibe Dir noch eine Mail dazu.

LG Daniele

Morgana LaGoth: Einige Kommentare müssen auch nicht allzu öffentlich sein …

[13.05.22 / 09:15] Daniele1992: Hallo Morgana,

Tolle Reisebericht von Deiner neusten Reise nach Paris. Macht grosse Lust auch wieder dort hinzufahren um sich von der Stadt inspirieren zu lassen.

Tolle Neuigkeiten.NeuerJob. Klasse! Freue mich für Dich.

Liebe Grüße
Daniele

Morgana LaGoth: Danke. Endlich wieder verreisen … lange darauf gewartet. Lebendig bleiben, solange es noch geht.

[24.12.21 / 20:55] Daniele1992: Hallo Morgana,

Ich denke an Dich und wünsche Dir frohe Weihnachten und ein schönes neues Jahr 2022.

Liebe Grüße
Daniele

Morgana LaGoth: Vielen Dank, ich wünsche dir ebenfalls ein schönes, neues Jahr.

[25.09.21 / 14:59] Daniele1992: Hallo,

eine Chance etwas Neues zu machen. Neue Perspektiven. Urlaubsträume, die bald real werden können. Nicht so schlecht. Freue mich für Dich. LG Daniele.

Morgana LaGoth: Danke dir.

[11.11.20 / 09:12] Daniele1992: Hallo Morgana

Ich habe Dir eine Mail geschickt.

Lg
Daniele

Morgana LaGoth: Hey ... vom Lenkrad aus mit der Hand winken, von einem MX-5 zum anderen. *freu*

[30.07.20 / 22:03] Daniele1992: Guten Abend

das habe ich sehr gerne gemacht. Zum Einen interessiert mich das Thema und zum Anderen hast Du wirklich sehr lebendig und spannend geschrieben. Da wollte ich Alles lesen und wollte Dir schreiben, das mir Dein Blog besonders gut gefallen hat (Die eigentliche Arbeit hattest Du ja mit dem Verfassen des Blogs). Wenn Du magst können wir den Kontakt gerne per Mail halten. Viele Grüße Daniele

Morgana LaGoth: Mail-Adresse steht oben bei "kontakt" - bei weiteren Fragen, gerne.

[30.07.20 / 12:44] Daniele1992: Guten Morgen,
vielen Dank für Deinen tollen Blog. Ich habe ihn in den letzten Wochen komplett gelesen. Meistens konnte ich gar nicht aufhören zu lesen. Fast wie bei einem sehr spannenden Roman. Ich habe dabei Deine genauen Beobachtungen und Beschreibungen sehr genossen. Deine vielen Ausflüge in die Clubs und zu den Festivals oder Deine Streifzüge d durch die Geschäfte beschreibst Du immer aus Deiner Sicht sehr anschaulich und spannend. Ich kann das sehr gut nachvollziehen, das alleine zu erleben, häufig auch mit einer gewissen Distanz. Ich kenne ich von mir sehr gut. Highlights sind Deine Reiseberichte. Deine Erlebnisse an den unterschiedlichsten Orten auf der Welt. Vielen Dank dafür. Vielen Dank auch das Du Deinen Weg zu Deinem waren Geschlecht mit uns Lesern teilst. Deinen Weg Deine Gefühle Deine zeitweisen Zweifel. Das ist sehr wertvoll auch für uns Andere, denn es ist authentisch und sehr selten. Du bist einem dadurch sehr vertraut geworden. Für mich ist eine gefühlte grosse Nähe dadurch entstanden. Umso mehr schmerzt es mich von Deinen Rückschlägen zu lesen. Von Deinem Kampf zu Deinem wahren Ich. Von Deinem Kampf umd Liebe, Zährlichkeit und Akzepzanz und Anerkenung. Von Deiem mitunter verzweifeltem Kampf nach Liebe und Anerkennung durch Deinen Exfreund. Leider vergeblich. Dein Kampf um wirtschaftliche Unabhängigkeit und Deine aktuell missliche Lage. Ich glaube dass Du nicht gescheitert bist. Du hast viel Mumm und Hardnäckigkeit bewiesen Deinen Gang zu Dir selbst zu gehen. Du hast auch einen guten Beruf der immer noch sehr gefragt ist. Vielleicht kann ja nach dieser Auszeit und etwas Abstand ein Neuanfang in einer anderen Firma, wo Du keine Vergangenheit als Mann hattest gelingen. Ich wünsche das Dir ein Neuanfang gelingt und drücke Dir ganz fest die Daumen. Daniele

Morgana LaGoth: Da liest sich tatsächlich jemand alles durch? Das ist mittlerweile schon ein kompletter Roman mit mehreren hundert Seiten! Danke dir, für deinen Kommentar (und die aufgebrachte Zeit).

[05.10.19 / 17:11] Drea Doria: Meine liebe Morgana,
bin 5 T post all-in-one-FzF-OP. Deine guten Wünsche haben geholfen. Der Koch ist immernoch noch super. Alle hier sind herzlich und nehmen sich Zeit.
Herzlich
Drea

Morgana LaGoth: Dann wünsch ich dir jetzt noch viel mehr Glück bei deiner Genesung!

[14.06.19 / 12:57] Drea Doria: Meine liebe Morgana,

vielen Dank für Deine offenen und kritischen Erlebnisberichte. Ich bin in 3 Monaten in Sanssouci zur FzF-OP. Ich denke auch, was kann schon schief gehen, status quo geht nicht und irgendwas besseres wird wohl resultieren. Wenn es Dich interessiert, halte ich Dich informiert. Drücke mir die Daumen.
Herzlich
Drea

Morgana LaGoth: Ich wünsche dir für deine Operation viel Glück. (Sollte der Koch nicht gewechselt haben, das Essen da in der Klinik ist richtig gut!)

[14.11.17 / 20:13] Morgana LaGoth: Nutzungsbedingungen für die Kommentarfunktion: Die Seitenbetreiberin behält sich das Recht vor, jeden Kommentar, dessen Inhalt rassistisch, sexistisch, homophob, transphob, ausländerfeindlich oder sonstwie gegen eine Minderheit beleidigend und diskriminierend ist, zu zensieren, zu kürzen, zu löschen oder gar nicht erst freizuschalten. Werbung und Spam (sofern die Seitenbetreiberin dafür nicht empfänglich ist) wird nicht toleriert. Personenbezogene Daten (Anschrift, Telefonnummer) werden vor der Veröffentlichung unkenntlich gemacht.

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