Den Morgen danach, ich sitze wieder beim Frühstück auf meinem Stammplatz, die letzte Reihe beim Frühstücksbuffet mit Blick den Hang runter und die Dünen und die Küstenlinie, dort hinten, das Hotel neben dem Leuchtturm, da bin ich den letzten Morgen aufgewacht.
[22.09.26 / 10:59] ✎ Den Morgen danach, ich sitze wieder beim Frühstück auf meinem Stammplatz, die letzte Reihe beim Frühstücksbuffet mit Blick den Hang runter und die Dünen und die Küstenlinie, dort hinten, das Hotel neben dem Leuchtturm, da bin ich den letzten Morgen aufgewacht. Ich wollte es so, ich wollte einmal die Nacht richtig ausgehen und es übertreiben … mit irgendwo anders aufwachen und mein Hotel erst den nächsten Vormittag oder Mittag erreichen.
Heute wieder nur Strandtag.
„Five or ten minutes“, ich stehe mit meiner Tube Sonnencreme halb versteckt und nackt hinter meiner Badetür, die Zimmerreinigung möchte endlich herein und das Zimmer machen. Ich creme dieses Mal meinen ganzen Körper ein und ziehe danach meinen schwarzen Badezweiteiler an – dann muss ich später, beim FKK-Strand, meinen Körper nicht noch einmal eincremen, wenn ich mein Badezweiteiler wieder ausziehe. Ob das hält, ob das funktioniert? Noch ein paar Minuten warten, bis alles einzieht.
Strandtasche, die weiße Strandtunika, meine beiden Badetücher, Strand- und Regenbogen- mit in die Tasche, meinen Sonnenhut und meine Flip-Flops. Den Weg vom Hotel aus wieder in Richtung Strandpromenade.
Es ist spürbar wärmer geworden, der Schweiß läuft. Der Himmel ist diesig, doch ich weiß, wirft die Sonne einen Schatten, gibt es Sonnenbrand.
Den Strand erreiche ich über die Treppe, den Hang nach unten und quer über den riesigen Parkplatz. Zu Fuß den breiten Strand entlang, bis ich wieder die Schilder mit der Aufschrift „Zona Nudista“ entdecke, oder die nackten Menschen, je nachdem, was zuerst eintritt.
Eine freie Liege mit Sonnenschirm finde ich, auf den Mann, dem ich den Fünf-Euro-Schein in die Hand drücken kann, muss ich noch warten, erst dann entkleide ich mich richtig. Der Badezweiteiler ist voller weißer Sonnencremestreifen.
Auf der Liege auf meinem Regenbogenduschtuch wenden, weiter zählen, wieder wenden, meine Körperposition im Schatten des Sonnenschirms justieren.
„Die müsste man rausschmeißen!“ Das betagte FKK-Rentnerehepärchen auf den Liegen neben mir echauffiert sich über das laut grölende Proletenpack, auf weißen Monobloc-Stühlen sitzend im Schatten der Strandbude, mit nichts weiter bekleidet als ihre Cowboyhüte und den Bierbecher vor ihren Bierbäuchen haltend, die Leute begaffend. Später werde ich aus dem Meer steigen und an ihnen vorbeistolzieren, sie werden mir ein tuntiges „Juhu“ zurufen und in meinen Gedanken gehe ich zu ihnen hin und sage ihnen meine Meinung, ich bin keine Tunte, ich bin eine Transe – das da unten hat Dreißigtausend Euro gekostet! Ich bin wenn schon, eine „Edel-Transe“!
Den Nachmittag zurück, die große Thermometer-Anzeigen am Strand zeigen eine Temperatur von knapp über dreißig Grad Celsius. Es ist noch Zeit für Kaffee und Kuchen und wider Erwarten entdecke ich tatsächlich ein kleines, gehobenes Wiener Kaffee unter den ganzen Strandbuden – mit Kuchen in der Vitrine. Ein Stück Cheese-Cake für mich und einen kleinen Americano.
Den späten Nachmittag wieder zurück im Hotel, mein Regenbogenduschtuch wieder auf dem Balkon aufhängen, „Pride“ zeigen, den Badezweiteiler mit der Sonnencreme im Waschbecken ausspülen und dann mit dazu auf den Balkon. Ich wechsele in meine ärmellose, bunte Tunika, die ich mir für das Frühstücksbuffet schon zurechtgelegt hatte, die mit den Kleidtaschen rechts und links, für Pillendose und Hotelzimmertürkarte.
Den Abend will ich noch einmal den Sonnenuntergang von der Hotelterrasse aus beobachten, wird die Sonne zu sehen sein? Wird es ein „Vanille-Himmel“ geben? Es ist so diesig, ich kann die Sonne als Fleck hinter den Wolken beobachten, wie sie langsam ihre Leuchtkraft verliert. Noch einmal zurück ins Hotelzimmer, mein schwarzes Strickjäckchen holen, aber brauchen werde ich es nicht. Das Wetter hat sich wieder verändert und es ist wieder schwül-heiß, ich hatte Glück, meine siebentägige Urlaubsreise hat kurz etwas von dem angenehmeren, kühlen Wetter abbekommen.
Mein allabendlicher Weg zum Yumbo Centrum, vorbei an dem italienischen Restaurant, es ist bereits dunkel geworden, ich habe zu lange den Wolkenhimmel beobachtet, gehe ich eben gleich hier wieder essen. Der Mann vom letzten Abend vor dem Restaurant freut sich schon, auf eine zweite Chance. Diesen Abend im Angebot auf der großen Schiefertafel: Gnocchi mit Champions. Als Dessert, Panna Cotta, aber das, was ich das letzte Mal hier gegessen habe, es kommt gar nicht aus Italien, es ist eine kanarische Spezialität, mit Ursprung aus Südamerika: „Polvito“ – das gibt es hier überall.
Den Mann lass ich wieder stehen, traue mir nicht, wenn ich sage, wir können nach dem Essen noch etwas unternehmen. Er steht nicht wieder vorne an der Straße, ich bin schon längst nach dem Bezahlen wieder gegangen. Alles an Kleingeld aus meinem Portmonee schütteln, was ich noch an Trinkgeld habe.
Durch das Yumbo Centrum streifen, die Bars unten, die Restaurants oben. Ich probiere den alkoholfreien Mojito aus in der Havanna-Bar … einfach nur ein Mojito ohne Rum, Wasser mit Zucker, Eis und Minze.
Weiter umherlaufen, einige Bars haben entweder montags geschlossen oder diese beginnende Septemberwoche ist die erste Woche, ihrer Schließung für die Sommersaison.
Eine Bar mit wechselnder Musik-Playlist gefällt mir, sie spielen 80s … wo die Achtziger niemals aufhören. Der Mann von der Bar geleitet mich zu einem Sitzplatz, für mich ist links unten eine kleine Ecke mit alkoholfreien Mocktails auf der Menükarte. Musik wird gespielt, sie wechselt auf Latin.
Mein Stuhl wird angerempelt, hinter mir wird getanzt, ich bekomme mehrmals die Hände auf meine Schulter und die Aufforderung, mitzutanzen. Bitte … ich will hier einfach nur in aller Ruhe meinen Daiquiri trinken. Keine Chance … Hinter mir hat sich eine kleine Gruppe internationaler Gäste gebildet.
Die kleine Kolumbianerin versucht mir Salsa beizubringen.
„Un(o), dos, tres“, mit dem Becken kreisen, in die Knie gehen, wieder nach oben, drei Schritte zur einen Seite, dann zur anderen Seite. Ich bemühe mich, dem zu folgen. Es ist alles nur ein lustiger Spaß, aber die kleine Kolumbianerin hat mir komplett den Kopf verdreht. Sie spricht Spanisch und ich habe keine Ahnung, was sie mir sagen will, irgendetwas mit „masculin(o)“ und „femenin(o)“. Es wird ein Uhr nachts und die Bargäste verabschieden sich nacheinander wieder, ich gehe als letztes aus der spontanen Tanzgruppe.
Draußen, sie laufen vorbei, Drag Queens, ein oder zwei klassische Transvestiten, ein paar … sie wirken so, als machen sie ihren ersten Schritt, ist dieser Ort endlich der richtige, um sich das erste Mal auszuprobieren? Zurück 2004, ich sah hier eine trans Frau und dann der Gedanke, das geht! Es folgte, nur wenige Wochen später, mein erster Diskobesuch als Frau, und dann die nächsten Jahre, alle meine Urlaubsreisen komplett als Frau, später nicht einmal mehr mit Männersachen für die An- und Abreise mit dem Flugzeug. Zurück ins Hotel, Make-up entfernen, alle Fenster öffnen und wieder schließen, die Klimaanlage für die Nacht um einige Grad wieder runterdrehen. Er hat mir keine weiteren Nachrichten geschrieben, sie auch nicht. Wie immer, eine weitere Flagge auf meiner Landkarte mit Männern, mit denen ich eine Nacht was hatte.
Kommentar:
[05.12.22 / 17:34] Daniele1992: Hallo Morgana
Mail ist heute rausgegangen
LG Daniele
[13.11.22 / 09:33] Daniele1992: Hallo Morgana
aktuell keine schöne Situation. Ich schreibe Dir noch eine Mail dazu.
LG Daniele
[13.05.22 / 09:15] Daniele1992: Hallo Morgana,
Tolle Reisebericht von Deiner neusten Reise nach Paris. Macht grosse Lust auch wieder dort hinzufahren um sich von der Stadt inspirieren zu lassen.
Tolle Neuigkeiten.NeuerJob. Klasse! Freue mich für Dich.
Liebe Grüße
Daniele
[24.12.21 / 20:55] Daniele1992: Hallo Morgana,
Ich denke an Dich und wünsche Dir frohe Weihnachten und ein schönes neues Jahr 2022.
Liebe Grüße
Daniele
[25.09.21 / 14:59] Daniele1992: Hallo,
eine Chance etwas Neues zu machen. Neue Perspektiven. Urlaubsträume, die bald real werden können. Nicht so schlecht. Freue mich für Dich. LG Daniele.
[11.11.20 / 09:12] Daniele1992: Hallo Morgana
Ich habe Dir eine Mail geschickt.
Lg
Daniele
[30.07.20 / 22:03] Daniele1992: Guten Abend
das habe ich sehr gerne gemacht. Zum Einen interessiert mich das Thema und zum Anderen hast Du wirklich sehr lebendig und spannend geschrieben. Da wollte ich Alles lesen und wollte Dir schreiben, das mir Dein Blog besonders gut gefallen hat (Die eigentliche Arbeit hattest Du ja mit dem Verfassen des Blogs). Wenn Du magst können wir den Kontakt gerne per Mail halten. Viele Grüße Daniele
[30.07.20 / 12:44] Daniele1992: Guten Morgen,
vielen Dank für Deinen tollen Blog. Ich habe ihn in den letzten Wochen komplett gelesen. Meistens konnte ich gar nicht aufhören zu lesen. Fast wie bei einem sehr spannenden Roman. Ich habe dabei Deine genauen Beobachtungen und Beschreibungen sehr genossen. Deine vielen Ausflüge in die Clubs und zu den Festivals oder Deine Streifzüge d durch die Geschäfte beschreibst Du immer aus Deiner Sicht sehr anschaulich und spannend. Ich kann das sehr gut nachvollziehen, das alleine zu erleben, häufig auch mit einer gewissen Distanz. Ich kenne ich von mir sehr gut. Highlights sind Deine Reiseberichte. Deine Erlebnisse an den unterschiedlichsten Orten auf der Welt. Vielen Dank dafür. Vielen Dank auch das Du Deinen Weg zu Deinem waren Geschlecht mit uns Lesern teilst. Deinen Weg Deine Gefühle Deine zeitweisen Zweifel. Das ist sehr wertvoll auch für uns Andere, denn es ist authentisch und sehr selten. Du bist einem dadurch sehr vertraut geworden. Für mich ist eine gefühlte grosse Nähe dadurch entstanden. Umso mehr schmerzt es mich von Deinen Rückschlägen zu lesen. Von Deinem Kampf zu Deinem wahren Ich. Von Deinem Kampf umd Liebe, Zährlichkeit und Akzepzanz und Anerkenung. Von Deiem mitunter verzweifeltem Kampf nach Liebe und Anerkennung durch Deinen Exfreund. Leider vergeblich. Dein Kampf um wirtschaftliche Unabhängigkeit und Deine aktuell missliche Lage. Ich glaube dass Du nicht gescheitert bist. Du hast viel Mumm und Hardnäckigkeit bewiesen Deinen Gang zu Dir selbst zu gehen. Du hast auch einen guten Beruf der immer noch sehr gefragt ist. Vielleicht kann ja nach dieser Auszeit und etwas Abstand ein Neuanfang in einer anderen Firma, wo Du keine Vergangenheit als Mann hattest gelingen. Ich wünsche das Dir ein Neuanfang gelingt und drücke Dir ganz fest die Daumen. Daniele
[05.10.19 / 17:11] Drea Doria: Meine liebe Morgana,
bin 5 T post all-in-one-FzF-OP. Deine guten Wünsche haben geholfen. Der Koch ist immernoch noch super. Alle hier sind herzlich und nehmen sich Zeit.
Herzlich
Drea
[14.06.19 / 12:57] Drea Doria: Meine liebe Morgana,
vielen Dank für Deine offenen und kritischen Erlebnisberichte. Ich bin in 3 Monaten in Sanssouci zur FzF-OP. Ich denke auch, was kann schon schief gehen, status quo geht nicht und irgendwas besseres wird wohl resultieren. Wenn es Dich interessiert, halte ich Dich informiert. Drücke mir die Daumen.
Herzlich
Drea
[14.11.17 / 20:13] Morgana LaGoth: Nutzungsbedingungen für die Kommentarfunktion: Die Seitenbetreiberin behält sich das Recht vor, jeden Kommentar, dessen Inhalt rassistisch, sexistisch, homophob, transphob, ausländerfeindlich oder sonstwie gegen eine Minderheit beleidigend und diskriminierend ist, zu zensieren, zu kürzen, zu löschen oder gar nicht erst freizuschalten. Werbung und Spam (sofern die Seitenbetreiberin dafür nicht empfänglich ist) wird nicht toleriert. Personenbezogene Daten (Anschrift, Telefonnummer) werden vor der Veröffentlichung unkenntlich gemacht.
1