Der letzte, komplette Tag meiner Reise nach Gran Canaria … was kann ich noch unternehmen?
[23.09.26 / 19:46]✎ Der letzte, komplette Tag meiner Reise nach Gran Canaria … was kann ich noch unternehmen? Einen geführten Ausflug habe ich nicht gebucht, wüsste auch nicht, was ich mir hier ansehen könnte. Es gebe ein Ausflugsangebot, mit einer geführten Motorroller-Tour, aber ich habe bewusst meinen Motorradführerschein zu Hause gelassen. Ich könnte noch den botanischen Garten in Maspalomas besuchen, der wäre von meinem Hotel aus nur gleich um die Ecke … beim Frühstück fällt mir immer wieder der Leuchtturm auf, gleich neben seinem Hotel – ich wage noch einmal den Trip zu Fuß von Playa del Inglés bis hin nach Maspalomas, quer durch den Sand der Dünen, und danach wieder über den Strand zurück! Der Trip war eigentlich schon die Tage vorher geplant, aber da habe ich ja ein Taxi genutzt.
Nach dem Frühstück im Bad, den Körper komplett mit Sonnencreme einschmieren, üppig aufgetragen überall, die neu gekaufte Tube ist schon fast wieder alle. Ich trage den schwarzen Bandeau-Bikini unter meiner Strandtunika. In die Strandtasche packe ich wieder das Strandtuch und mein Regenbogenbadetuch. Überall an der Strandpromenade sind Wegkarten positioniert: „You are here“, und später in den Dünen viele Wegweiser mit Richtungspfeilen und Kilometerangaben. Der Weg müsste zu schaffen sein.
In meinen Flip-Flops und meinem Sonnenhut verlasse ich wieder den frühen Nachmittag das Hotel.
Im schnellen Schritt den Weg runter zum Aussichtspunkt für die Dünen, gleich neben dem großen Luxushotel, das mit der eigenen Promenade als Zugang. Der Himmel ist diesig, das könnte ein perfektes Wetter für den langen Marsch durch die Dünen sein. Ich habe meine Fotokamera mit eingepackt, wenn ich sie die Tage schon nicht genutzt habe, dann diesen einen letzten Tag. Ich fange an, die ersten Fotos der Dünenlandschaft zu machen … „Verdammte Scheiße, Kacke, Menschen!“, alles ist zertrampelt, keiner hält sich an die Absperrungen, überall Fußabdrücke – früher Nachmittag ist definitiv schon zu spät für unberührte Naturfotos! Wenigstens war ich ein paar Tage schon den späten Vormittag vorher da, mit meiner Handy-Kamera.
Je weiter ich in Richtung des Leuchtturms komme, je mehr bizarre Wüstenlandschaften bauen sich vor mir auf. Menschen werden seltener. Ein kurzes „Hello“ eines nicht ganz unattraktiven Mannes. Ich grüße zurück, ich weiß, dass das hier ein Cruising-Gebiet ist. Antworte ich erst einmal mit meiner tiefen Stimme, habe ich ihr Interesse … aber ich nicht. Ich gehe schnell weiter.
Ich stapfe durch den Sand, Schritt für Schritt, die Stelle, an der ich vor ein paar Tagen umgedreht bin, habe ich schon passiert. Ich bin ausgerüstet, mit Wasserflaschen und Sonnencreme. Dieses Mal schaffe ich es. Noch bizarrere Landschaften, noch mehr Fotos.
Der Leuchtturm von Maspalomas rückt näher, ich habe mich informiert, irgendwo hier soll es noch eine Lagune mit Palmen geben. Ein weiteres Luxushotel, sein Hotel, wurde daneben gebaut. Ich erreiche den Ausgang der Dünen und sehe vor mir den Strand und den Ozean, und viele Sonnenliegen und viele Menschen.
Die kleine Lagune liegt tatsächlich gleich daneben. Neben dem Hotel ist eine Promenade aufgebaut, von dort aus bieten sich schöne Fotomotive auf die gegenüberliegende Seite mit dem Brackwasser und den Dünen dahinter. Aber die beschriebene Oase mit den Palmen finde ich hier nicht, vielleicht ist sie jetzt ein Teil der Hotelanlage.
Weiter in Richtung des Leuchtturms, hätte ich mein Telefon mitgenommen, ich hätte ihm ja schreiben können, dass ich wieder zurück bin … hat nur zwei Tage gedauert. Aber mein Telefon packe ich grundsätzlich nicht in meine Strandtasche. Nimm nichts mit, was nicht geklaut werden soll. Einen Zwanzig-Euro-Schein habe ich noch dabei, den tausche ich in der ersten Regenbogen-Strandbar gegen einen Kaffee und eine isotonische Apfelschorle – und Bruschetta. Den Leuchtturm kann ich wieder nur von der sonnenabgewandten Seite fotografieren. In der Mitte des Nachmittages, über den Strand meinen langen Tagesmarsch wieder zurück nach Playa del Inglés.
So ziemlich in der Mitte, noch bevor der Spitze mit den Meeresströmungen, liegt der LGBTQ-Strand. Große Regenbogenflaggen an zwei Strandbuden weisen schon darauf hin. Eigentlich ist das hier als der „Gay Beach“ ausgeschildert, nur ich nenne ihn „LGBTQ“, dieser Strand wird hauptsächlich von nackten und weniger nackten Männern besucht. Ich als Transe werde toleriert. Sie haben ein paar Liegen und ein paar Monobloc-Stühle im Sand. Ich nehme den letzten, einsamen Stuhl ganz hinten in der Reihe und den Sonnenschirm und breite mein Regenbogenbadetuch aus der Strandtasche darauf aus, ein reizvolles Fotomotiv.
Meine weiße Tunika ausziehen, etwas Schwimmen gehen, ich lege eine Pause ein und bleibe etwas. Zu tief ins Wasser traue ich mich nicht, die tückischen Strömungen beginnen hier schon.
Nur etwas Schwimmen. Danach den Strand trocken laufen.
Maspalomas, Gran Canaria / September 2026 / Alter 44
Ich packe wieder alles zusammen, weiter den beginnend späten Nachmittag zu dem Strand in dem Nachbarort mit meinem Hotel. Selfies in den Dünen machen. Ein weiterer Mann, der mich anspricht, ob ich nicht mit ihm mitkommen möchte. Ich lehne ab.
An der Spitze wird es verlassener, hier ist fast kein Mensch mehr. In Richtung des Hundestrandes und des FKK-Strandes von gestern, wird es wieder voller, aber alle Sonnenschirme sind den späten Nachmittag schon wieder abgebaut. Ich spüre langsam die Entfernung, die ich den Tag heute abgelaufen bin. Über die Treppe den Hang wieder hoch zur Promenade, die letzten Fotos der Dünen im Schein der untergehenden Sonne machen, bevor der Akku der Fotokamera aufgibt. Das müssen Hundert bis Zweihundert Fotos gewesen sein. Link zur Fotogalerie (24 Bilder): Dünen von Maspalomas / September 2026
Eine Dusche nehmen, die ganze verschwitzte Sonnencreme herunterwaschen, mein Regenbogenbadetuch den Balkon ausbreiten. 3 km durch die Wüste, 5 km über den Strand, 10 m Schwimmen am LGBTQ-Beach – ich trainiere für Irongirl.
Er hat mir tatsächlich eine Nachricht geschrieben, er möchte wissen, ob ich den Abend wieder ausgehe und Party mache. Ich gehe jeden Abend in dem Yumbo Centrum aus, Party machen, das ist ein „Party-Urlaub“! Aber dass ich ihn ein zweites Mal treffe? Ich habe schon akzeptiert, dass er wieder nur einer dieser Männer ist, die ich nur ein einziges Mal treffe und dann nie wieder sehe. Abendessen in dem italienischen Restaurant gleich neben dem Hotel. Drei Gänge, Focaccia, Pasta all'arrabbiata, Tiramisu. Meine Kreditkarte ist nicht mehr gedeckt und verweigert ihren Dienst. Gegen zweiundzwanzig Uhr den Abend weiter in das Yumbo Centrum, ausprobieren, wie viele Drinks ich mit der Karte noch zahlen kann, Cash habe ich noch ein paar Euro-Scheine dabei.
Ich streife durch das Zentrum: „You can find me between ‚Sparkles‘ and the Karaoke Bar“, schreibe ich ihm noch auf meinem Telefon. Er antwortet, sie kommen, er bringt wieder seinen älteren Bruder mit und seinen Neffen, sie wollen in seinen Geburtstag hineinfeiern. Er hat mir die Tage vorher schon verraten, wann sein Geburtstag ist und wie alt er wird … ich bin um einiges jünger.
Ich habe in der Drag-Bar noch einen Stehtisch abbekommen, einen Stuhl greife ich mir aus der aufgeschichteten Reihe gleich neben mir. Der Kellner kennt mich schon, es gibt nur einen alkoholfreien Cocktail auf der Karte. Ich verfolge die Show, ziehe immer wieder das Smartphone aus meiner kleinen Handtasche, eine Antwort erwartend. Sie sind da, sie kommen, sie müssten gleich hier sein. Dass sie in der Bar sind, die gleich hinter mir unten in der ersten Ebene ist, sehe ich von meinem „tiefergelegten“ Sitzplatz an der Mauer gar nicht. Er streift auch etwas umher und entdeckt mich. Eine Umarmung, ich vergrabe meine Nase an seinen Hals.
Wir schauen uns die Show weiter an, das Personal beginnt schon die Sitzreihen hinten abzubauen und alles mehr nach vorne zur Bühne hin zu verlegen. Sein Bruder und sein Neffe kommen jetzt auch mit dazu und wir verfolgen die Drag-Show bis zum Ende. Die Queens posieren für ein Abschlussfoto.
Wohin jetzt? Sein Bruder und sein Neffe, sie wollen noch zu der anderen Drag-Show, uns beide zieht es zu der Karaokebar gleich nebenan um die Ecke … ich hatte da noch etwas vor, er setzt mich auf die Liste für „Billy Idol – White Wedding“.
„You're next!“
Ich bin aufgeregt, schaffe ich das? Beim Mitsingen von Nena war ich noch ganz textsicher, jetzt bekomme ich das Mikro in die Hand gedrückt.
Der Prompter läuft, ist das Mikro überhaupt an?
Du musst nur direkt reinsingen! Es dauert eine Weile, bis ich mich hören kann, ich verpasse meine Einsätze, singe immer wieder die falschen Zeilen, in den unsicheren Teilen wechsele ich in den Sprechgesang, das einzige, das mir gelingt, sind die Refrains.
„That was my first time“, Sorry, schnell weg, die sehen mich hier nie wieder. Im Auto allein mitsingen ist doch etwas anderes, als vor diesem Teleprompter. Und überhaupt, mein professionelles Gesangsmikro zu Hause in meinem Recording-Studio funktioniert ganz anders. Weiter zu der anderen Drag-Bar, nicht ohne ein Foto zu machen, an der Men-Only-Cruising-Bar, von der Hinweistafel, dass hier Dragqueens nicht willkommen sind.
Men only Bar im Yumbo Centrum, Playa del Inglés
Die andere Drag-Show, sie fängt erst weit nach Mitternacht an, ich habe schon längst meinen Plan aufgegeben, frühestmöglich zurück im Hotel zu sein, um für den nächsten Abreisetag noch packen zu können. Er amüsiert sich: „You're so german!“
Ich justiere ständig meinen Plan: Noch vier Stunden Schlaf, dann mit dem Wecker um acht Uhr aufstehen, eine Stunde im Bad, eine Stunde Frühstück, eine Stunde packen, Check-out ist um elf! Es ist bereits weit nach um drei Uhr den Morgen und ich greife auf meine Erfahrung aus dem Thailand-Urlaub zurück, das war auch ein Party-Urlaub, zwei Stunden Schlaf müssen ausreichen.
„And me, am I part of your plan?“
Klar, du setzt dich gleich in ein Taxi und ich kann mich in aller Ruhe schlafen legen, er begleitet mich noch zurück in mein Hotel. Die Variante, dass wir ein Taxi zurück in sein Hotel nehmen, lehne ich ab, da bleibe ich standhaft, das passt nicht in meinen Plan mit alles packen, Frühstück und Hotel-Check-out in ein paar Stunden. Wir betreten die Hotel-Lobby und ich öffne ihm meine Tür in meine viel größere Junior-Suite. Mache es dir auf der Couch so weit bequem.
Ich wusele nervös durch meine Suite, versuche hier und da ein paar Ecken aufzuräumen, Kleidungsstücke liegen verstreut herum. Ich öffne ihm die Balkontür und er kann sich vergewissern, dass ich wirklich ständig sein Hotel dahinten am Leuchtturm sehe. Ich verschwinde ins Bad, mehrmals.
Wieder draußen, den schweren Vorhang vor die Balkontür. Letztes Mal habe ich die Nacht in deinem Hotelzimmer verbracht, dieses Mal bist du es, der den Morgen in einem anderen Hotel aufwacht. Wir ziehen uns aus. Er ist mit der Beleuchtungssituation in meinem Schlafzimmer nicht zufrieden. Häng doch einfach ein Teil meiner schwarzen Unterwäsche über das Nachttischlicht. Er beginnt über meinen Körper zu streicheln. Auf dem Nachttisch liegt ein Stapel Kondome bereit, die ich immer mit dabei habe … die übriggeblieben sind, von anderen Hotelbegegnungen. Wir werden sie nicht brauchen. Ich scherze noch: „TCM? Traditional chinese medicine? Rhinoceros, Tiger?“
Er braucht sein Puder, oder diese eine Creme, von der er noch gar nicht überhaupt weiß, ob sie ihm bei seinem „Problem“ hilft, aber die liegt zurück in seinem Hotel. Sein letztes Mal war Thanksgiving, meines Halloween, ich habe gewonnen. Er ist nach wie vor fasziniert davon, wie feucht ich da unten werden kann.
Wir machen das Licht aus, wir schlafen ein. Keine Ahnung, wie wenig Stunden da jetzt noch sind … drei, zwei? Das muss reichen. Mindestens eine bis zwei Tiefschlafphasen, bis mich mein Smartphone-Wecker aus meinem Ohropax unterstützten Schlaf weckt.
Ich lasse ihn noch etwas schlafen, nehme eine Dusche im Bad. Der Abreisetag, der Hotel-Check-out, der zweite Mittwoch nach sieben Nächten.
Er beobachtet mich dabei, wie ich meinen organisierten Plan verfolge: Im Bad bis neun Uhr, dann Frühstück unten am Buffet. Ich traue ihm, alleine in meinem Hotelzimmer zu bleiben. Nichts an meinem Silberschmuck fehlt, keine Drogen oder Bomben in meinem Gepäck deponiert – das war ein Punkt, Jahre zurück in Tel Aviv: „Did you leave your luggage unattended?“ Ich packe alle meine Sachen in meinen Koffer und bin schneller fertig, als gedacht. Uns bleibt noch eine ganze halbe Stunde auf der Couch.
Er möchte, dass ich ihn in Boston besuchen komme, das tut mir leid, in die USA kann ich momentan nicht einreisen, die akzeptieren meinen Reisepass mit meinem geänderten weiblichen Geschlecht nicht mehr. Er spielt über sein Smartphone noch Musik, die ich mag, The Cure. Ich habe ihm erzählt, ich laufe sonst eigentlich nur in Schwarz herum, das sind nur die bunten Urlaubssachen.
Der Check-out um elf. Das Gepäck kann ich in einem verschlossenem Zimmer neben der Lobby lassen. Bustransfer vom Hotel aus zum Flughafen ist erst um 14:50 Uhr, wir hätten noch einen halben Nachmittag. Mit dem Taxi zu seinem Hotel? Zu gewagt. Noch ein Frühstück in einer Brunch-Bar, für mich mein zweites, für ihn sein erstes. Sie haben „Traditionelles Schakschuka“ auf der Menükarte … so feurig scharf, wie in Tel Aviv.
Wir streifen durch die Einkaufsebenen des Yumbo Centrum, ich sehe es zum ersten Mal im Tageslicht. Nichts, was mir gefällt, nichts in meiner Größe – und Geld habe ich auch keines mehr.
Letztendlich landen wir in einer weiteren Bar oder Café, es ist so hübsch dekoriert, in Weiß und Rosa und diese hübschen und niedlichen Puppenstühle. Ein letzter Drink zusammen, wir müssen uns verabschieden.
Er bringt mich wieder zurück zu meinem Hotel. Eine Umarmung, ein Kuss, später auf dem Flughafen werde ich ihn vermissen.
Und du hast schon wieder deine Regel gebrochen – gleich zweimal! Niemals, aber auch wirklich niemals, lass einen Mann neben dir einschlafen.
„Cabin crew, prepare for landing!“
[22.09.26 / 10:59]✎ Den Morgen danach, ich sitze wieder beim Frühstück auf meinem Stammplatz, die letzte Reihe beim Frühstücksbuffet mit Blick den Hang runter und die Dünen und die Küstenlinie, dort hinten, das Hotel neben dem Leuchtturm, da bin ich den letzten Morgen aufgewacht. Ich wollte es so, ich wollte einmal die Nacht richtig ausgehen und es übertreiben … mit irgendwo anders aufwachen und mein Hotel erst den nächsten Vormittag oder Mittag erreichen.
Heute wieder nur Strandtag.
„Five or ten minutes“, ich stehe mit meiner Tube Sonnencreme halb versteckt und nackt hinter meiner Badetür, die Zimmerreinigung möchte endlich herein und das Zimmer machen. Ich creme dieses Mal meinen ganzen Körper ein und ziehe danach meinen schwarzen Badezweiteiler an – dann muss ich später, beim FKK-Strand meinen Körper nicht noch einmal eincremen, wenn ich mein Badezweiteiler wieder ausziehe. Ob das hält, ob das funktioniert? Noch ein paar Minuten warten, bis alles einzieht.
Strandtasche, die weiße Strandtunika, meine beiden Badetücher, Strand- und Regenbogen-, mit in die Tasche, meinen Sonnenhut und meine Flip-Flops. Den Weg vom Hotel aus wieder in Richtung Strandpromenade.
Es ist spürbar wärmer geworden, der Schweiß läuft. Der Himmel ist diesig, doch ich weiß, wirft die Sonne einen Schatten, gibt es Sonnenbrand.
Den Strand erreiche ich über die Treppe, den Hang nach unten und quer über den riesigen Parkplatz. Zu Fuß den breiten Strand entlang, bis ich wieder die Schilder mit der Aufschrift „Zona Nudista“ entdecke, oder die nackten Menschen, je nachdem, was zuerst eintritt.
Eine freie Liege mit Sonnenschirm finde ich, auf den Mann, dem ich den Fünf-Euro-Schein in die Hand drücken kann, muss ich noch warten, erst dann entkleide ich mich richtig. Der Badezweiteiler ist voller weißer Sonnencremestreifen.
Auf der Liege auf meinem Regenbogenbadetuch wenden, weiter zählen, wieder wenden, meine Körperposition im Schatten des Sonnenschirms justieren.
„Die müsste man rausschmeißen!“ Das betagte FKK-Rentnerehepärchen auf den Liegen neben mir echauffiert sich über das laut grölende Proletenpack, auf weißen Monobloc-Stühlen sitzend im Schatten der Strandbude, mit nichts weiter bekleidet als ihre Cowboyhüte und den Bierbecher vor ihren Bierbäuchen haltend, die Leute begaffend. Später werde ich aus dem Meer steigen und an ihnen vorbeistolzieren, sie werden mir ein tuntiges „Juhu“ zurufen und in meinen Gedanken gehe ich zu ihnen hin und sag ihnen meine Meinung, ich bin keine Tunte, ich bin eine Transe – das da unten hat Dreißigtausend Euro gekostet! Ich bin wenn schon, eine „Edel-Transe“!
Den Nachmittag zurück, die großen Thermometer-Anzeigen am Strand zeigen eine Temperatur von knapp über dreißig Grad Celsius. Es ist noch Zeit für Kaffee und Kuchen und wider Erwarten entdecke ich tatsächlich ein kleines, gehobenes Wiener Kaffee unter den ganzen Strandbuden – mit Kuchen in der Vitrine. Ein Stück Cheese-Cake für mich und einen kleinen Americano.
Den späten Nachmittag wieder zurück im Hotel, mein Regenbogenbadetuch wieder auf dem Balkon aufhängen, „Pride“ zeigen, den Badezweiteiler mit der Sonnencreme im Waschbecken ausspülen und dann mit dazu auf den Balkon. Ich wechsele in meine ärmellose, bunte Tunika, die ich mir für das Frühstücksbuffet schon zurechtgelegt hatte, die mit den Kleidtaschen rechts und links, für Pillendose und Hotelzimmertürkarte.
Den Abend will ich noch einmal den Sonnenuntergang von der Hotelterrasse aus beobachten, wird die Sonne zu sehen sein? Wird es ein „Vanille-Himmel“ geben? Es ist so diesig, ich kann die Sonne als Fleck hinter den Wolken beobachten, wie sie langsam ihre Leuchtkraft verliert. Noch einmal zurück ins Hotelzimmer, mein schwarzes Strickjäckchen holen, aber brauchen werde ich es nicht. Das Wetter hat sich wieder verändert und es ist wieder schwül-heiß, ich hatte Glück, meine siebentägige Urlaubsreise hat kurz etwas von dem angenehmeren, kühlen Wetter abbekommen.
Mein allabendlicher Weg zum Yumbo Centrum, vorbei an dem italienischen Restaurant, es ist bereits dunkel geworden, ich habe zu lange den Wolkenhimmel beobachtet, gehe ich eben gleich hier wieder essen. Der Mann vom letzten Abend vor dem Restaurant freut sich schon, auf eine zweite Chance. Diesen Abend im Angebot auf der großen Schiefertafel: Gnocchi mit Champions. Als Dessert, Panna Cotta, aber das, was ich das letzte Mal hier gegessen habe, es kommt gar nicht aus Italien, es ist eine kanarische Spezialität, mit Ursprung aus Südamerika: „Polvito“ – das gibt es hier überall.
Den Mann lasse ich wieder stehen, traue mir nicht, wenn ich sage, wir können nach dem Essen noch etwas unternehmen. Er steht nicht wieder vorne an der Straße, ich bin schon längst nach dem Bezahlen wieder gegangen. Alles an Kleingeld aus meinem Portmonee schütteln, was ich noch an Trinkgeld habe.
Durch das Yumbo Centrum streifen, die Bars unten, die Restaurants oben. Ich probiere den alkoholfreien Mojito aus in der Havanna-Bar … einfach nur ein Mojito ohne Rum, Wasser mit Zucker, Eis und Minze.
Weiter umherlaufen, einige Bars haben entweder montags geschlossen, oder diese beginnende Septemberwoche ist die erste Woche, ihrer Schließung für die Sommersaison.
Eine Bar mit wechselnder Musik-Playlist gefällt mir, sie spielen 80s … wo die Achtziger niemals aufhören. Der Mann von der Bar geleitet mich zu einem Sitzplatz, für mich ist links unten eine kleine Ecke mit alkoholfreien Mocktails auf der Menükarte. Musik wird gespielt, sie wechselt auf Latin.
Mein Stuhl wird angerempelt, hinter mir wird getanzt, ich bekomme mehrmals die Hände auf meine Schulter und die Aufforderung, mitzutanzen. Bitte … ich will hier einfach nur in aller Ruhe meinen Daiquiri trinken. Keine Chance … Hinter mir hat sich eine kleine Gruppe internationaler Gäste gebildet.
Die kleine Kolumbianerin versucht mir Salsa beizubringen.
„Un(o), dos, tres“, mit dem Becken kreisen, in die Knie gehen, wieder nach oben, drei Schritte zur einen Seite, dann zur anderen Seite. Ich bemühe mich, dem zu folgen. Es ist alles nur ein lustiger Spaß, aber die kleine Kolumbianerin hat mir komplett den Kopf verdreht. Sie spricht Spanisch und ich habe keine Ahnung, was sie mir sagen will, irgendetwas mit „masculin(o)“ und „femenin(o)“. Es wird ein Uhr nachts und die Bargäste verabschieden sich nacheinander wieder, ich gehe als letztes aus der spontanen Tanzgruppe.
Draußen, sie laufen vorbei, Dragqueens, ein oder zwei klassische Transvestiten, ein paar … sie wirken so, als machen sie ihre ersten Schritte, ist dieser Ort endlich der richtige, um sich das erste Mal auszuprobieren? Zurück 2004, ich sah hier eine trans Frau und dann der Gedanke, das geht! Es folgte, nur wenige Wochen später, mein erster Diskobesuch als Frau, und dann die nächsten Jahre, alle meine Urlaubsreisen komplett als Frau, später nicht einmal mehr mit Männersachen für die An- und Abreise mit dem Flugzeug. Zurück ins Hotel, Make-up entfernen, alle Fenster öffnen und wieder schließen, die Klimaanlage für die Nacht um einige Grad wieder runterdrehen. Er hat mir keine weiteren Nachrichten geschrieben, sie auch nicht. Wie immer, eine weitere Flagge auf meiner Landkarte mit Männern, mit denen ich eine Nacht was hatte.
[21.09.26 / 10:51]✎ Es ist ein kurzer Tag, mehr als unsere mondäne Shopping-Tour, Hand in Hand und mit Sonnenbrille auf der Nase, auf der Strandpromenade in Maspalomas, ist nicht passiert. Wieder zurück in dem Hotel, ich brauche noch mehrere Stunden für mich allein. Alles, was ich ihm versprochen habe, ich komme gleich wieder zurück, waren nur leere Worte.
Leuchtturm von Maspalomas
Den Abend, ich mache mich ausgehfertig, wie jeden Abend, zurück zum Yumbo Centrum. Ich will jeden Abend ein anderes Bistro oder Restaurant ausprobieren. Der Mann vor dem italienischen Restaurant spricht mich an. Würde sie hier noch stehen, die trans Frau vom ersten Abend, ich würde ein zweites Mal hinein gehen. Er dreht sehr schnell das Gespräch, findet mich äußerst attraktiv und möchte mich später den Abend noch einmal treffen … wenn so etwas noch mehrmals den Abend vorkommt, dann weiß ich, dass wieder der „Sex-Geruch“ an mir haftet.
Im Yumbo Centrum, zwischen dem Fischrestaurant vom ersten Abend und dem mexikanischen von gestern, liegt noch ein zweites Restaurant mit fangfrischen Fisch auf der Karte, auf der zweiten Ebene dazwischen. Ich kenne mich mittlerweile im Yumbo Centrum aus und laufe die Treppen und Aufgänge gezielt ab. Der ältere Kellner, bei dem ich gleich bestelle, bekommt fast immer einen Herzinfarkt, wenn wieder irgendwo ein Geschirrteil zu Bruch geht.
Mein Platz im Außenbereich an der Mauer mit Blick nach unten auf den begrünten Innenbereich des Einkaufs- und Eventzentrums. Der gegrillte Fisch ist nur teilweise entgrätet, ich drehe den Kopf so um, dass er mich ansieht. Du bist für mich gestorben, damit ich dich essen kann. Vor nicht lange, schwamm dieser Fisch noch nichts ahnend, durch das Wasser, dann in ein Netz.
Weiter durch das Yumbo Centrum, ich bleibe in dieser Ecke, ich möchte noch eine Bar ausprobieren, die hübsch dekoriert ist. Sonntags gibt es hier Live-Musik, ein Frauenduo in Glitzer-Outfits steht auf der kleinen Bühne, beide am Mikro, eine an der Gitarre. Sie spielen Coversongs aus den Sechzigern bis Achtzigern, viel Soul und Groove. Ich sitze an dem Tisch vor ihnen und schlürfe meine alkoholfreie Piña Colada aus dem Strohhalm.
Ich merke, ich werde ziemlich müde. Er hat mir geschrieben, er legt sich auch schon schlafen. Sie hat gar nicht erst geantwortet. Die ganze Gruppe von gestern, muss sich erst einmal ausruhen … nur ich sitze wieder alleine in einer Bar. In der Fünfzehn-Minuten-Pause des Live-Auftritts bezahle ich meinen Cocktail und laufe wieder zurück zum Treppenaufgang in Richtung der Straße.
„Was ist das für ein Material?“, mir gefallen die glänzenden Ohrhänger in der Auslage.
„Die Haken sind Edelstahl, die Vogelfeder ist aus Platin“, wir wechseln sehr schnell auf Deutsch, sie mit ihrem Schweizer Dialekt.
„Ich brauche nur einen“, ich zeige auf mein Ohr mit dem Diamantohrring.
„Das kostet dann drei Euro“, und das ist sicher Platin?
„Den nehme ich“, sie packt den Ohrhänger in eine kleine Tüte, ich brauche noch etwas Wechselgeld, den Fünf-Euro-Schein für die Liege morgen, zwei Euro für zwei Flaschen Wasser später oben. Kurz nach zweiundzwanzig Uhr, der „Späti“ auf dem Weg zurück zum Hotel hat noch offen.
Den Abend auf der Balkonterrasse ausklingen lassen. Da drüben da, das Hotel neben dem Leuchtturm, da bin ich heute morgen aufgewacht. Er hat mir noch fünfzig Euro für ein Taxi gegeben … ab wann in dieser Geschichte bin ich zu einem „leichten Mädchen“ geworden?
[20.09.26 / 16:48]✎ Reise in die Vergangenheit. Nach dem Frühstück, ich ziehe mein neues Tagesdress an: die kurze, olivgrüne Hose in Tarnfarben und die weiße Tunika, die von Ibiza. Wird sie reichen, die Sonne abzuhalten? Ich ziehe sie wieder aus und creme meinen Oberkörper vorsichtshalber doch noch einmal komplett mit Sonnencreme ein. Einen Sonnenbrand habe ich schon – oben, der Haarscheitel. Es ist so windig draußen, ich wollte die letzten zwei Tage mein Strohhut nicht tragen. Heute, noch einmal auf dem Weg zurück zum Strand, kommt er oben auf den Kopf.
Zu Fuß die Straße wieder vom Hotel geradeaus, Minuten später erreiche ich den Hang runter zum Parkplatz und den Strand Playa del Inglés. Nur gehe ich diesmal nicht die Treppe runter, ich bleibe oben, ich will die Promenade entlanglaufen, bis zu dem Hotel von 2004, ich habe auf Fotos gesehen, es hat sich stark verändert. [Anmerkung: Hätte ich auf die Urlaubsfotos von damals geachtet, ich hätte erkennen können, dass unser altes Hotel direkt hinter mir ist, immer noch unverändert in bester Dünenlage, ab jetzt laufe ich in meinem Irrglauben in die vollkommen falsche Richtung … Aber an den Fahrstuhl kann ich mich tatsächlich noch erinnern.]
Das Hotel hatte mal beste Strandlage. Sie müssen die ganzen unteren Etagen aufgegeben haben und den Pool mehrere Stockwerke angehoben haben. Unten sind jetzt viele neue Geschäfte, eine kleine Promenade, Café, Bars und Bistros. Den Fahrstuhl runter zum Strand, gibt es immer noch. Der Strand ist jetzt durch eine Straße mit Wendeschleife vom Gebäudekomplex abgetrennt. Vor zwei Jahrzehnten war das hier alles noch Sand. Ein Nachbarhotel, dass es vielleicht gegeben hat, scheint auch nicht mehr zu existieren. Eine Tasse Kaffee noch in dem neuen Café.
Schnell noch in dem Shop eine Flasche Wasser kaufen und dann wieder mit dem Fahrstuhl nach oben. Meine Idee, mit Kaffee und Kuchen den Nachmittag, verwerfe ich wieder und den Kaffee hatte ich gerade eben erst. Ich will noch vor achtzehn Uhr wieder zurück im Hotel sein und ein paar Schwimmzüge im Pool machen, bevor der um achtzehn Uhr schließt.
Zurück im Hotel, die Sonnencreme wasche ich erst im Zimmer in der Dusche ab, dann unten bei der Dusche am Pool. Eine Liege brauche ich nicht, trocken werde ich auf dem Badetuch auf dem Hocker gleich neben den von dem Rettungsschwimmer / Bademeister.
Nicht vom Beckenrand springen, nicht rennen. Ich habe meine Sonnenbrille aufgesetzt.
Wieder oben, mich ausgehfertig machen. Duschen, Kajal, die Tunika, Parfüm und Silberschmuck, das komplette, fünfteilige Ensemble.
Weiter um die Ecke zu dem Aussichtspunkt mit dem Sonnenuntergang. Was ich als Trommler gehalten habe, sind ein paar Jugendliche mit Chill-out-Musik über die Lautsprecherboxen und irgendwo nebenan, eine Hotelbar mit ebenso passender Musik. Ob es hier jemals Trommler für den Sonnenuntergang gegeben hat, ich bin mir nicht mehr so sicher.
Weiter zum Yumbo Centrum für ein Abendessen. Ich laufe die Runde, schaue mir alle Bars und Bistros an. Auf der zweiten Etage ist mir ein Bistro mit mexikanischer Spezialitätenkarte aufgefallen … vielleicht probiere ich das heute mal aus. Enchiladas mit Hähnchen in einer rauchigen Kakaosoße mit grünen Chilis – passt! Nachtisch, irgendetwas mit Karamell und Eis.
Danach, ich lasse mich treiben, weiß nicht so genau, wohin. Dort hinten ist auch eine kleine Drag-Show, unten die Bars laufe ich seit Tagen schon ab. Auf der zweiten Plattform entdecke ich eine kleine Bar mit deutschem Titel.
„Kann ich hier Deutsch sprechen?“
„Klar …“
Hier bleibe ich, die Bedienung bietet mir sogar einen alkoholfreien Mojito an, der war so nicht auf der Menükarte.
Weiter durch das Labyrinth des Shopping-Zentrums. Ich erklimme die Anhöhe der vierten Plattform, ein Sex-Shop, der nur aus Automaten besteht und vierundzwanzig Stunden geöffnet hat. Auch die Polizei weiß die Aussichtslage zu schätzen und macht hier oben eine Pause. Ich gehe das Karree nicht an ihnen vorbei, mit ihren Pistolen am Holster. Über den Umweg einmal rum, die schmale Treppe wieder nach unten.
Zurück zu der Drag-Bar vom ersten Abend? Da sind keine Sitzplätze mehr frei. Mich zieht es zu der Karaokebar gleich hinten um die Ecke, gleiche Plattform. Ich schleiche hier schon lange rum, mein Wunsch, Karaoke zu singen.
„Saturday evening Flamenco Show!“, die Tänzerinnen begeben sich schon in Position, ich stehe noch am Rand an einer Wand. Sie tanzen ihre ersten Stücke und ich bin fasziniert. Ein Tisch mit vier Stühlen ist noch frei.
„Can I sit next to you? How is your name, I'm Niki.“
„Andrea.“
„Nice to meet you Andrea.“
Sie ist auch erkennbar eine trans Frau, eine, die direkt auf Menschen zugeht. Die beiden anderen Sitzplätze füllt sie gleich noch mit zwei anderen Frauen.
„How are your names … ? Would you like to drink something?“
Ich hatte gerade erst eine Flasche Pepsi für mich bestellt, sie gibt eine Runde Prosecco aus.
„But only two fingers!“ Ich zeige mit meinen beiden Fingern, wie weit sie mein neues Glas allerhöchstens füllen darf.
Die Flamenco-Show geht weiter, drei oder vier Frauen, ein Mann. Die beiden älteren Frauen, sie sind so typisch, wie man sich eine echte Flamenco-Tänzerin vorstellt, das ist keine Laiengruppe, die müssen das schon jahrzehntelang professionell machen. Was wäre aus mir geworden, hätte man mein Tanztalent aus dem Kindergarten weiter ausgebaut?. Ich habe auch so ein schönes Strickjäckchen in schwarzer Spitze.
Viel Beifall, die Show geht zu Ende. Wohin jetzt, Karaoke, wohin geht ihr? Meine Begleitung mag die Gay-Bars nicht, da ist nichts zu holen. Sie ist überzeugt, wir beide brauchen die Nacht heute keine weiteren Getränke mehr zu zahlen. Die beiden anderen Frauen verabschieden sich von uns. Irgendwo muss es noch eine Diskothek geben.
Es ist Sonnabend und ich will wenigstens einmal die Nacht den Urlaub richtig ausgehen, bis früh morgens. Ich erfahre jetzt erst, dass es kurz vor halb zwei die Nacht ist.
„It's like in Germany, you stand in the line in front of a club, which opened at midnight and wait two hours.“
Sie stimmt mir zu, sie kennt die Clubs in Berlin, ich erfahre aus dem Gespräch, sie kommt aus der Slowakei.
An einem Club kommen wir vorbei, der kostet Eintritt, zwanzig Euro mache ich nicht mit, du gehst rein und gleich wieder raus, weil es innen drinnen scheiße ist. Weiter oben, die dritte oder vierte Plattform, da ist noch ein Club und der ist kostenlos. Viele schwule Männer, der Club ist voll.
Vereinzelt sind Frauen zu sehen, vereinzelt auch Trans und Drag. Wir fallen auf, wir tanzen, es ist wirklich eng in dem Club. Ihr geht es nicht so gut, sie merkt, sie ist betrunken. Ich bin die einzige (halbwegs) nüchterne Person hier drinnen und habe eine Vorsichtspflicht für sie. Getränk abdecken, auf Sachen aufpassen, weiter eng an eng tanzen, sie kommt mit jedem in Kontakt.
Lange bleiben wir nicht, sie sucht eine Toilette, ich auch. Die öffentlichen Klos sind zu, lass uns zurück zu der Karaokebar gehen, da haben wir vorhin schon einmal eine Toilette zusammen geteilt.
Zurück in der Bar, ich stelle mich in die Warteschlange vor der schmalen Tür. Wieder draußen sitzt sie schon wieder an einem Tisch und unterhält sich mit zwei älteren Männern. Ich erfahre, sie kommen aus Irland und sind Brüder.
„How is your name?“
„Andrea.“
„Nice to meet you Andrea. My name is Adrian and that is Billy.“
Noch mehr Prosecco und Bier für alle. Ich bleibe standhaft, ich hatte meine Alkoholration für dieses Jahr vielleicht schon.
„You like to sing Karaoke?“
„Yes …“
„Which music do you like?“
„80s, Wave, New Romantic.“
„Me too! Later I will sing Depeche Mode, you know this band?“
„Sure!“
Nicht allzu viel später, meine neue irische Bekanntschaft steht vor dem Karaokeprompter und versucht seine Interpretation von „Personal Jesus“, ich werde dazu gewunken und unterstütze ihn.
„Would you like to come to my hotel, we could listen to 80s music and have a good time.“ Wir haben vor der Karaokebar schon eng umschlungen getanzt, ich weiß, dass das möglich ist.
„I'm not sure, where is your hotel?“
„Faro, Maspalomas.“
Wenn ich da frühmorgens aus dem Hotel raus sein will, ich müsste den ganzen Strand bis hierher zurücklaufen. Mein Hotel ist hier gleich um die Ecke, aber da sind Besucher strengstens verboten.
„No problem, I pay a taxi for you.“
Niki, meine neue Freundin, verschwindet auch ständig mit dem anderen Iren, seinem Bruder, aus meinem Sichtfeld. Wenn wir das zusammen machen würden, würde ich mich sicher fühlen. Ein paar Rosen werden für uns gekauft, die Stimmung kippt schnell, es gibt Stress mit dem Rosenverkäufer, der sich betrogen fühlt. Die Bar schließt so langsam, es gibt noch eine zweite Meinung eines anderen Gastes, die mir davon abrät, das ist zu weit entfernt. Die Bar schließt, wir ziehen weiter in die nächste Bar, die noch offen hat. Zwei irische Frauen sind sich sicher, dass die beiden echt gute Kerle sind.
„Come on, let us go. I understand if you're too careful.“
Ich habe ihm schon erwähnt, wenn wir das machen, dir ist schon bewusst, ich bin „trans“?
„No problem, that's OK.“
Aber ich kann doch meine neue Freundin jetzt hier nicht einfach so zurücklassen? Wir tauschen unsere Nummern aus, sie und ich. Wenn einer von uns was passiert, wir können uns anrufen. Ich verschwinde mit ihm die Treppe nach oben zum Taxi-Stand.
Im Taxi, er drückt mir einen Fünfzig-Euro-Schein für die Fahrt zurück in die Hand.
Fünfzig Euro, das reicht mal gerade für eine Stunde. Aber so eine bin ich nicht. Ich stecke den Schein trotzdem schnell ein.
Mit dem Taxi durch die dunklen Straßen durch Playa del Inglés runter nach Maspalomas. Ich habe vorhin schon erfahren, es ist weit nach um fünf Uhr. Aber die Sonne geht hier erst sehr spät auf.
Sein Hotel liegt wirklich direkt am Leuchtturm, ein riesiger Hotelkomplex, ich kann den von meinem Hotel aus schon fern am Horizont sehen. Mein Hotel, das Bett für die Nacht für mich bleibt unberührt, das Frühstück bis 10:30 Uhr, ich habe es schon aufgegeben.
Sein Hotelzimmer ist nicht so groß wie meines, aber modern eingerichtet. Ein Bett, ein Waschtisch, Dusche und Toilette separat.
„You want a shower?“
Ich bestehe darauf, dass wir uns beide vorher duschen. Er macht etwas Musik an, 60s Rock, ich wünschte, ich hätte mein Übernachtungskit mit Zahnbürste und Zahnpasta mit eingepackt … ausgerechnet heute nicht.
Wir legen uns auf das Bett, wir kommen schon nackt aus der Dusche. Er streichelt über meine Oberschenkel.
„I'm too slow?“
Bitte …
Wir küssen uns, er war so nett, sich vorher noch schnell zu rasieren.
Irgendwann kommt der Punkt, an dem ich es einfach nicht mehr aushalte und über ihn steige. Mit meinen beiden Armen stütze ich mich ab und sehe in sein Gesicht, meine langen, blonden Haare streifen an seinen Wangen vorbei.
„Are you OK?“ Ich muss mich absichern, bevor ich mich gehen lasse.
Mir fällt auf, er hat keine Erektion, aber das macht nichts, ich habe ja auch keine Vagina. Sein Penis ist nicht so groß, meine Ein-Zoll-Vagina ist jeden Morgen nach der Dusche auf Breite gedehnt, meine Klitoris ist voll funktionsfähig und orgasmusempfänglich. Wenn etwas am nächsten dem Vaginalsex nahe kommt, dann das, das wir jetzt machen. Ich reite auf ihm.
Die Momente danach, er hat die Vorhänge dicht zugezogen. Eng umschlungen, mit seinem Arm um mich, liegen wir in dem großen Doppelbett mit der riesigen Bettdecke. Er schläft schnell ein, ich brauche meine Zeit, ich muss zählen. Wenn ich die Nacht nicht schlafe, dann kann ich wenigstens etwas meditieren. So viele schlaflose Nächte, ich habe die Erfahrung. Ich schlafe niemals neben einem Mann ein, den ich gerade eben erst kennengelernt habe.
Den Morgen, die Sonne muss scheinen, ich sehe nur den Spalt am Vorhang vor der Balkontür. Das Hotel ist laut, wie kannst du hier nur schlafen? Leute lärmen auf dem Flur, Personal, Wägelchen werden geschoben, ein Mann klopft alle Zimmertüren ab und fragt, ob die Minibar aufgefüllt werden soll, die Frau mit der Zimmerreinigung möchte auch schon rein, das Do-not-disturb-Schild an der Türklinke wird ignoriert. Die müssen doch sehen, dass er hier noch in dem Bett mit einer unbekannten Blondine liegt. Er geht weiter um meinen Körper, ich halte seine Hand um mich herum fest. Ich spüre, dass er eine Erektion hat. Ich in meinem Hotelzimmer habe Kondome dabei, er hier nicht. Ich greife seinen Penis mit meiner Hand, ich zeige ihm, wie ich mich mit zwei Fingern unten befriedige, eine kleine Anleitung von mir, was er tut, ist intensiv, er kann meine Atmung beobachten.
Irgendwann, wenn es doch schon nach um zwölf Uhr ist, ich muss stellenweise den frühen Vormittag eingeschlafen sein, wir entscheiden uns, aufzustehen und nehmen eine Dusche. Ich sammele all meinen Kram in dem Zimmer ein und ziehe mich an. Wo kann man hier in Maspalomas noch so spät frühstücken? Er kennt die Gegend und die Strandpromenade und das Hotel, er und sein Bruder, gleich in dem Zimmer nebenan, buchen das hier schon jahrelang. Aus dem Hotel raus, am Leuchtturm vorbei, das Einkaufszentrum, die Geschäfte, die Promenade, da gibt es einen Starbucks, Croissant und Pain au chocolat und einen Cappuccino für mich, er nimmt noch einen Americano … er lebt zur Zeit in Boston, USA.
Weiter den frühen Sonntagnachmittag durch die Läden streifen, bekannte Luxusmarken, ich habe von jedem ein Teil im Schrank. Ein Eis in der Waffel, Malaga oder Amaretto?
„Malaga“, ich muss das schnell essen, es schmilzt, „I think, we leave a mess here.“
Irgendwann kommt der Punkt, er muss mich in mein Taxi steigen lassen.
„Don't trust me, if I say, I will just need few minutes in my bathroom and then come back, that is not true.“
Endlich in meinem viel größeren Zimmer, die Frau von der Zimmerreinigung hat mein unberührtes Bett doch noch einmal neu gemacht, das Badezimmer ist auch wieder auf dem neusten Stand.
Eigentlich wollte ich die Tage eine Exkursion zum Leuchtturm nach Maspalomas machen, der Besichtigungspunkt ist jetzt abgehakt. Der neue Tag, der Sonntag, beginnt erst mit dem Abend.
[19.09.26 / 11:12]✎ Heute Strandtag. Frühstück gegen zehn Uhr, wieder einen der drei Plätze in der Reihe am Rand, mit Blick auf die Dünen und dem Meer dahinter. Das Frühstück gibt es in dem offenen Pavillon.
Danach zurück im Zimmer, viel Sonnencreme auftragen, die neue Tube, ich verbrauche so viel, die wird vielleicht auch nicht reichen. Ich habe meinen schwarzen Badezweiteiler mit dabei, den mit „Bond Girl“, darüber die weiße Tunika aus Thailand. Die Hälfte des Koffervolumens belegt meine alte Strandtasche und das Strandtuch und das Regenbogenbadetuch. Mehr nehme ich auch nicht mit an den Strand, außer vielleicht noch die Sonnencreme und etwas Bargeld für eine Liege mit Sonnenschirm.
Zu Fuß zum Strand. Ich laufe vom Hotel aus einfach nur mehrere Kreisverkehre geradeaus, dann müsste ich genau darauf zukommen. Die Sonne scheint gnadenlos, die Hitze drückt, hoffentlich hält meine Sonnencreme. Den Morgen dachte ich noch, oh wie schön, es ist „bewölkt“.
Es gibt keinen direkten Weg zum Strand, wie aus meiner Erinnerung, Playa del Inglés ist nur durch eine Treppe von der Strandpromenade zu erreichen, eine Treppe über mehrere Stockwerke. Das Hotel, das wir mal 2004 hatten, hatte sogar einen Aufzug nach ganz unten. „Unten“ finde ich einen großen Parkplatz und mehrere Touristenbuden für Imbiss und Sonstiges. Noch ein paar Meter durch den Sand, bis ich endlich den Strand erreiche. Schuhe anbehalten, der Sand ist heiß.
Mein Blick schweift in die östliche Richtung … irgendetwas ist anders, ich sehe das alte Hotel, das hatte damals beste Strandlage, es steht so weit oben am Hang … der Strand fehlt? Irgendwann die letzten zwanzig Jahre muss hier viel weggespült worden sein. Vielleicht habe ich alles nur falsch in Erinnerung, aber wo wir damals vom Pool aus nur eine kleine Treppe zum Strand herunter gelaufen sind, geht es jetzt mehrere Stockwerke tief. Die Leute vom Hotel haben alles weiter ausgebaut, mit Restaurants am Strand. [Anmerkung: Ich schaue in die falsche Richtung, das ist nicht das Hotel von damals, meine Erinnerung täuscht mich hier nach über zwanzig Jahren.]
Ich laufe in die westliche Richtung, in Richtung der Dünen. Ich weiß, dass hier irgendwo ein FKK-Strand sein soll, bewusst habe ich nicht die Absicht, da zu landen.
Ich laufe weiter, der Strand ist breit und riesig, immer wieder ein paar Bereiche mit Strandliegen und Sonnenschirmen, voll belegt. Dann tauchen die ersten nackten Menschen auf.
Vielleicht hier? Warum nicht? Sie haben auch einen kleinen Abschnitt mit Sonnenliegen und Schirmen im Sand. Wenn ich mich komplett entkleide, ich brauche den Schatten. Ich stapfe zu Fuß durch die Liegen mit den nackten Menschen hindurch, zu dem einzig bekleideten Menschen, von dem ich glaube, dass er die Liegen für einen Tag vermietet. Fünf Euro, er schiebt den Schirm und die Liege für mich zurecht.
Ich beginne mich zu entkleiden, meine weiße Strandtunika kommt in die Tasche, der Badezweiteiler auch. Das Strandtuch lege ich auf die Liege, mein Regenbogenbadetuch auch. Ein kräftiger Wind weht alles wieder sofort weg. Die Teile meines Körpers, die vorher vom Badezweiteiler bedeckt waren, noch einmal mit viel Sonnencreme eindecken. Den Rücken versuche ich mit zwei Fingern und einer Scheibenwischerbewegung … hoffentlich reicht das. Ich lege mich in den Schatten des Schirms.
Eins, zwei, drei … neunundneunzig, Hundert. Aus- und Einatmen, mit jedem Atemzug zähle ich mit. Den Körper wenden, von vorne, von der Seite, die andere Seite, der Rücken, die Beine kann ich nicht ausstrecken, sie sind immer angewinkelt, um im Schatten zu bleiben, penibel darauf achtend. Sonnenschirm, Wolken, Sonnencreme 50+ … was kann da schon passieren?
Die Wolken werden weniger. Wenn ich jetzt ins Wasser gehe, schwimme ich den ganzen Sonnenschutz weg, dann muss ich das hier abbrechen und mich wieder anziehen. Auf dem Weg zum Wasser, noch einmal diese kleine „Zona Nudista“ ablaufen, ich finde mich schön, wie ich bin, endlich stimmt alles mit meinem Körper … als postoperative trans Frau. OK … es gibt einige Makel, viele Narben, das stört mich nicht, hier bin ich frei und vollkommen. Ich kämpfe mich durch den hohen Wellengang in den Atlantischen Ozean.
Heute Strandtag, Playa del Inglés
Zurück zum Hotel, Kaffee und Kuchen finde ich nicht auf dem Weg, es ist früher Nachmittag. Im Hotel hänge ich mein Regenbogenbadetuch auf dem Balkon aus. Pride zeigen. Mein Badezweiteiler auch, den habe ich kurz vom Schweiß abgespült. Die nächste Stunde im Hotel bleiben, mein Körper braucht eine Pause von der Sonne.
Kurz nach achtzehn Uhr, aufwachen, kurz nach neunzehn Uhr, mich für den Abend ausgehfertig machen, dasselbe Kleidung-, Make-up- und Schmuckensemble, wie den Abend zuvor. Das Hotel hat einen kleinen Balkon zum Hang, von hier aus müsste ich gut den Sonnenuntergang fotografieren können. Ich höre die Trommler von der Aussichtsplattform nebenan.
Mit Einbruch der Abenddämmerung laufe ich wieder zum Yumbo Centrum. Ich habe mein schwarzes Strickjäckchen noch mit aus dem Zimmer geholt. Auf dem Weg steht sie wieder, die trans Frau vom letzten Abend, vielleicht esse ich hier noch einmal, heute nicht. Ein kurzes Hallo im Vorbeigehen.
Im Yumbo Centrum, die besseren Geschäfte gibt es in der dritten Etage, Outlets bekannter Marken, leider nichts in meiner Größe, nur XL (was mich davon abhält, mein Dispokredit weiter zu strapazieren).
Weiter unten, ich suche eine Pizzeria. So viele Menschen, von dem mir zugewiesenen Sitzplatz beobachte ich sie. Das da vorne, der einzelne Typ am Tisch mit seinem Laptop, das ist bestimmt der SysAdmin und er orchestriert gerade seine Serverfarm … ob er den anderen, einsamen Typen an dem anderen Einzeltisch mal einen Blick zuwenden könnte? Ich bin umgeben von zu vielen Regenbogenfahnendekorationen.
Meine Pizza, Thunfisch mit Garnelen. Danach endlos lange warten am Tisch … ich nehme noch ein Dessert: „Das da!“, ich zeige mit dem Finger auf das Foto in der Menükarte. Eine kanarische Spezialität, ein großes Glas Sahnecreme, mit Karamell und Keksen … sehr viele Kalorien.
Danach noch weiter warten, es zieht sich hin. Ich bezahle alles mit der Kreditkarte, für das Trinkgeld habe ich keine großen Münzen mehr. Schnell den Tisch verlassen.
Weiter herumschweifen, welche Bar nehme ich diesen Abend? In die Men-only-Bars komme ich nicht rein, das Zentrum ist auf ein schwules, männliches Publikum ausgerichtet, trans Frauen und vielleicht auch lesbische Frauen sind hier ganz selten. Bizarr wirken die älteren Rentner-Ehepärchen dazwischen. Das ganze Flugzeug war schon voll damit. Ich bleibe wieder bei einer der zwei bis vier Drag-Bars hängen.
Leider kein Tisch mehr frei, ich stehe draußen und kann mich von der Drag-Show nicht abreißen, sie wirken so unperfekt sympathisch. Leider verstehe ich die englische Sprache nicht. Nicht den britischen Akzent. Ich glaube, von dem Typen neben mir stehend, zu hören: „Nice dress“, aber von mir kommt keine Regung und kein Blick.
Irgendwann reiße ich mich los, ich will noch eine andere Bar finden und endlich etwas trinken.
Jeden Abend, Playa del Inglés
Oben, noch zwei Drag-Bars, ich laufe daran vorbei. Unten prüfe ich die Cocktailkarte zweier Bars mit lauter, spanischer Musik. Die eine Bar hat wenigstens einen alkoholfreien Cocktail auf der Karte. Es ist die Bar im kubanischen Stil. Der Mann von der Bedienung erzählt mir, sie hätten auch noch alkoholfreie Mojitos, aber ich wähle den von der Karte. Blick auf das Smartphone, schon fast ein Uhr. Ab da könnte die Eingangstür des Hotels schon zu sein.
Auf dem Weg zurück, die Drag-Bar macht ihre Show noch immer, ich laufe daran vorbei. Die Treppen hoch, zur Straße. Den Weg wieder zurück zum Hotel – und die Tür ist immer noch offen, prüfend taste ich mich durch die nicht vorhandene Glastür.
[18.09.26 / 10:34]✎ Das Zimmer habe ich den Abend noch durchgelüftet, die Klimaanlage lief die ganze Nacht. Morgens mit Ohrstöpseln aufwachen, die Vorhänge in dem Schlafzimmer zur Straße hin und in dem Wohnzimmer zur Balkon- und Poolseite, sind so dunkel, ich weiß nicht, wie spät es ist. Frühstück gibt es bis 10:30 Uhr.
Im Urlaub ankommen, die große Glastür zum Balkon hin aufschieben, die Ruhe des Morgens auffangen, bevor das Geschirr klappert in dem überdachten Buffet hinter dem Pool und am Hang mit dem Blick auf die Golfanlagen von Maspalomas. Im Bad Beine rasieren, duschen, abtrocknen, ich bin fertig für das Frühstück. Den Tag trage ich noch einmal die Cargo-Hose und das T-Shirt vom Flug.
Das Frühstücksbuffet, eingestellt auf englische und deutsche Gäste. Für mich gibt es Brötchen, Croissant, diverse Marmelade, Obst und Naturjoghurt. Ein Café Americano, ein frisch gepresster Orangensaft aus dem Automaten, oben fallen die Orangen rein, unten kommt der Saft raus in das Glas. Wie die Orangen ausgepresst werden, ist durch eine Plexiglasscheibe sichtbar.
Frühstück mit Blick auf Maspalomas, Playa del Inglés
Mein Platz an dem Frühstückstisch mit Blick auf das Meer und die Dünen. Vor mir den Hang fahren schwere LKWs mit Steinen eine aufgeschüttete Straße entlang. Was die hier wohl bauen? Eine Straße, ein weiteres Hotel? Schade, ich habe das Hotel extra wegen der ruhigen Nachbarschaft des Golfplatzes gebucht, beste Lage, oben am Hang.
Weiter den Tag, ich will eine erste Erkundungstour machen, wie weit komme ich, wenn ich die Straße runter zu den Dünen laufe, komme ich überhaupt so weit, oder ist da alles mit Hotels verbaut? Zuerst die Aussichtsplattform gleich neben meinem Hotel um die Ecke. Ich war hier schon einmal 2004, auf dem Weg zurück vom Yumbo Centrum. Wenn ich wieder eine Reise hierher buche, dann nehme ich auch so ein Hotel in Hanglage! Eigentlich müsste ich gut den Sonnenuntergang hier sehen können.
Weiter die Straße runter zu den Dünen. Der Weg ist weit, ich habe es unterschätzt. Die Schweißperlen laufen in der Mittagssonne über mein Gesicht, die Sonnencreme mit Faktor 50+ hält das nicht lange aus.
Weiter unten angekommen, das Luxushotel bietet einen Durchgang, eine Promenade zum Aussichtspunkt für die Dünen. Erste Selfies … solange ich noch keinen Sonnenbrand habe.
Ich will auch den Strand sehen, die Wege durch die Dünen sind durch Seile vom Naturreservat abgetrennt. Unberührte Dünen bieten ein einmaliges Fotomotiv, das war vor über zwanzig Jahren noch anders.
Der Sand ist heiß, ich weiß das. Mit meinen Pantoletten-Flip-Flops stapfe ich durch den Sand. Irgendwo hier, muss doch eine Weggabelung runter zum Strand sein. Ich erklimme eine Höhe und sehe vor mir in weiter Ferne den Leuchtturm von Maspalomas. Das Wasser ist immer noch unendlich weit entfernt. Meine kleine Wasserflasche ist fast leer, der Schweiß hat die Sonnencreme weggewaschen, ich komme mir vor, wie verloren in der Wüste. Abbruch. Ich drehe um. Zurück zu der Promenade mit dem Luxushotel, ich habe dort ein Eis-Café gesehen. Und ein Supermarkt ist auch gleich die Kreuzung gegenüber, Wasser kaufen und noch eine Tube Sonnencreme 50+ … meine kleine Packung in Reisegröße wird nicht reichen.
Zurück im Hotel, früher Nachmittag, das wird ein Pool-Tag. In meinem schwarzen Bandeau-Bikini und dem schwarzen Negligee, bitte ich den Rettungsschwimmer / Bademeister, mir meine Liege und den Sonnenschirm zurecht zu rücken.
„I need protection“, ich deute auf meinen blassen Körper.
„Here, there?“, er schleppt den schweren Sonnenschirm von der einen Poolseite, dann wieder zurück auf die andere Seite.
„Has no effect“, ich deute an, der Schatten auf der Liege kommt nur von der Palme, nicht aber von dem Schirm. Wir finden eine passende Konstellation, gleich schräg unterhalb meines Balkons.
Erste Züge in dem Pool. Wieder zurück auf der Liege, ich creme meinen Körper umfassend mit der neuen Tube Sonnencreme ein. Die andere, viel teurere, kleine Packung ist nur für das Gesicht.
Den Nachmittag im Schatten herumliegen, penibel darauf achten, im Schatten zu bleiben. Mein Körper muss sich langsam an die intensive Sonneneinstrahlung gewöhnen. Wenn das klappt, schaffe ich das Ganze ohne Sonnenbrand. Hat 2004 auch funktioniert.
Den Abend, die Sonne geht hier später unter, dafür aber schnell. Im Bad eine Dusche nehmen, mich umziehen – die bunte Tunika mit dem Teppichmuster, Make-up, Kajal, alles an Silberschmuck, inklusive dem Fußkettchen und der eine Diamantohrring in Weißgold, extra mitgenommen. Ich gehe aus. Das Yumbo Centrum ist nur zwei Kreuzungen entfernt.
Ich erreiche es nicht zum Essen, auf dem Weg dorthin werde ich von einer trans Frau angesprochen. Mein Radar springt gleich an, ihrer wahrscheinlich auch. Sie verteilt Visitenkarten für das italienische Restaurant hinter ihr. Warum nicht gleich hier? Ich wollte sowieso Italienisch essen. Die junge Bedienung hat einige Mühe, meiner Unentschlossenheit zu folgen. Letztendlich entscheide ich mich für die vegetarische Lasagne.
„What is this?“ So ähnlich, wie das mir angebotene Panna Cotta, eine süße Creme– und Grießkombination, vielleicht Norditalien?
Trinkgeld dalassen. Weiter zum Yumbo Centrum. Es ist dunkel geworden. Alle Geschäfte in dem Gewirr von verschiedenen Ebenen, sind noch offen. Unter den unzähligen China-Kleiderläden gibt es noch ein paar versteckte Shops. Sex-Shops und Fetischkleidung, für das LGBTQ-Publikum.
Zu einer der Drag-Bars, die ich den letzten Abend schon gesehen habe. Ein freier Sitzplatz ganz hinten an der Mauer. Auf der großen Leinwand läuft noch eine Sendung „RuPaul's Drag Race“, ein alkoholfreier Cocktail – der einzige auf der Karte – und die Drag-Shows in echt beginnen irgendwann. Der Wind ist kalt und frisch, ich hätte doch mein schwarzes Strickjäckchen vom Hotelzimmer mitnehmen sollen. Es reicht noch für einen zweiten, alkoholfreien Cocktail. Kurz nach Mitternacht zurück ins Hotel.
[17.09.26 / 10:20]✎ Fast wäre es passiert … der Wecker klingelt nicht, wenn das Smartphone im Schlafmodus geschaltet ist? Den Wecker auf 5:30 Uhr gestellt, wenn ich mit dem frühestmöglichen und besten Zug (immer eine Alternative extra) den Mittwochmorgen zum Flughafen Hannover will. Ich musste ja auch die Nacht mein Blog vom letzten Party-Trip nach Berlin zu Ende schreiben. Vier Stunden Schlaf müssen ausreichen. Nach dem Party-Wochenende mit wenig Schlaf, noch ein Party-Urlaub mit wenig Schlaf. Zwanzig Minuten wache ich zu spät auf, das bekomme ich wieder rein. Mit dem Flugzeug nach Maspalomas, Gran Canaria.
„Da ist ein Blitz in den Bahnübergang eingeschlagen, wir können momentan nicht weiterfahren“, die Strecke, wie ich sie kenne, ich stand hier schon mehrere Male, zuletzt 2019 nach Ibiza, mit dem Flug, den ich gerade so noch bekommen habe. Das Gewitter den Morgen, habe ich vom Bahnhof aus schon gesehen.
Mit dabei: der größere Koffer mit dem Strand- und Badetuch, einer „kleinen“ Auswahl an bunten Sachen und meine Sporttasche, mit dem „Techi-Beutel“ (Elektronisches) und dem Flüssigkeiten-Beutel (schon ganz ramponiert). Die Sporttasche passt gerade noch so in die Handgepäckmaße.
Ich werde zum Bahnhof gefahren, der Zug hat nur fünf Minuten Verspätung. Umsteigen in Wolfsburg, ein Kaffee, zehn Minuten planmäßige Verspätung, alles moderat. Ankunft am Hannover Hauptbahnhof mit fünfundzwanzig Minuten Verspätung.
Wie soll ich denn das jetzt noch schaffen? Ich muss in anderthalb Stunden am Flughafen sein, mit „drei Stunden früher“?
Ich habe extrem entspannt geplant.
Die S-Bahn zum Flughafen fährt alle fünfzehn Minuten, der Bahnsteig ist voller, schwerer Koffer und Reisenden. Alle Verbindungen schaffe ich so, wie sie auf meinem Bahnticket stehen.
Den Schalter suchen, es dauert noch, bis ich meinen Koffer aufgeben kann. Dann die Bordkarte, das ist nicht der Sitzplatz, den ich gebucht habe. Warten, quer durch den Flughafen zum anderen Terminal, das andere Gate.
Durch die Sicherheitskontrolle, routiniert meine Beutel in die Box legen, meinen Nietengürtel ausziehen.
Zum Gate, über den Duty-Free-Shop, ich interessiere mich für eine Feuchtigkeitscreme in Reisegröße, die andere ist in dem aufgegebenen Gepäck. Weiter zum Gate … es wird immer mehr klarer, der Abflug verspätet sich um zwei Stunden? Noch etwas essen und noch weiter warten.
Mal sitze ich hier , mal laufe ich herum, mal fülle ich meine Flasche Wasser in den Waschräumen der Damentoilette auf. Irgendwann ist das Flugzeug da, ich beobachte am Fenster, wie alle Koffer aus- und wieder eingeladen werden. Juchhu, mein Koffer ist drinnen!
Jetzt erst erfahre ich, was die Verspätung verursacht hat: ein Ausfall des Buchungssystems, alle Sitzplätze der Passagiere wurden noch einmal neu gewürfelt.
Weiter im Flugzeug nach Gran Canaria, ich sitze jetzt in der Reihe mit dem besonderen Notausgang. Mein altes Küchenfenster in meiner alten Dachbodenwohnung in Leipzig war ganz ähnlich, mit grünem Notausgangssymbol und den starken Druckfedern … von meinem Ex-Freund versehentlich geöffnet, ich konnte das gerade noch so angeln und mit viel Kraft an mich heranziehen. Die Stewardess erwähnt noch einmal, das springt von alleine auf, das tut es.
Die fünf Stunden, mein Sitzplatz in der Dreiergruppe, die Zeit vergeht schnell, mein Smartphone mit all den alten SEGA-Klassikern und meiner Musiksammlung. Landeanflug auf die Insel kurz vor Afrika im Licht der untergehenden Sonne. Der Bustransfer zu den Hotels ist dann bereits schon im Dunkeln.
Playa del Inglés – mehrstöckige Betonburgen, zehn oder mehr Stockwerke, dicht gedrängt, es ist eher eine Großstadt – gibt es überhaupt so viele Touristen? Mein Hotel ist das am Hang, der Naturgrenze zwischen Maspalomas und Playa del Inglés, südlich davon die Dünen und das Meer.
Ich war hier schon einmal, 2004, da hatten wir das einzige Hotel ganz unten mit Strandlage. Bei einer kleinen Exkursion durch die Touristenstadt habe ich den Hang mit dem Blick auf die Grünanlagen und den Golfplatz gesehen – wenn ich wieder hierher reise, dann buche ich mir auch hier ein Hotel mit dem Blick ins Grüne und die Dünen und das Meer. Das Hotel mit der Junior-Suite war im Last-Minute-Angebot, ein Klick zwei Wochen zuvor.
Meine beiden Gepäckstücke in der Suite abstellen, Auspacken werde ich später, so wie ich bin, Cargo-Leggings und T-Shirt, ich gehe nach dem Check-in erst einmal rüber in das „Yumbo Centrum“, etwas zu essen suchen.
Bin gerade auf den Kanaren, Playa del Inglés
Überall Regenbogenfahnen, Horden an Männern, nicht unattraktiv, aber in die „Men only Bars“ komme ich als (trans) Frau nicht rein. Ich laufe das ganze Karree ab, erst unten, dann oben … wo ich 2004 war, finde ich nicht mehr. Es sind jetzt hauptsächlich nur noch Gay-Bars. Ein Fischrestaurant finde ich, ich frage nach der bunten Karte mit den Fotos, das da will ich, das sieht gut aus, gegrillter Fisch mit etwas Kartoffeln und Salat, für etwa zehn Euro – ich muss auf mein Reisebudget achten.
Wieder zurück, auf dem Weg ein Mini-Supermarkt … du schon wieder?
„Saßt du nicht im Flugzeug neben mir?“, der eine direkt neben der Notausgangstür.
„Alles trifft sich irgendwann in Maspalomas.“
Vielleicht sehe ich ihn wieder?
Zurück mit meinen beiden gekauften Wasserflaschen im Hotel. Endlich ein paar Stunden schlafen bis zum nächsten Frühstück den nächsten Morgen. Meinen Koffer mit dem hakeligen Verschluss habe ich endlich aufbekommen.
[15.09.26 / 03:52]✎ Zwei Brötchen, Croissant, drei Waffelbecher Nuss-Nougat-Creme, Himbeer- und Aprikosenmarmelade, eine Schale Obstsalat, ein naturnaher Joghurt, ein Glas Orangensaft und eine Tasse Café Americano oder Crema – das Frühstück unten im Hotel im Empfangsbereich gleich neben der Lobby. Es ist voll, es sind nur wenige Plätze, mir fällt ein Pärchen auf, die waren auch letzte Nacht bei dem Festival, sie haben dasselbe Bändchen am Handgelenk, wie ich.
Der Sonnabend zwischen den beiden Festivalnächten in Berlin, der Tag für Sightseeing. Die Berliner Mauer habe ich letztes Jahr schon abgelaufen, bessere Foto-Hot-Spots gibt es nicht. Dieses Jahr will ich gleich nach dem Frühstück und der anschließenden Dusche oben im Zimmer, den frühen Nachmittag vom Hotel aus mit der U-Bahn Richtung Charlottenburg, das Schloss und den Park dort besuchen. Ich weiß noch nicht, ob ich überhaupt Zeit dafür finde, das Innere des Schlosses zu besuchen, mir geht es hauptsächlich um das Mausoleum im Inneren des Parks, das Mausoleum mit der preußischen Königin, oder Prinzessin, die um Siebzehnhundertnochwas. Wir haben ein Gemälde von ihr zu Hause, das war damals modern, sich Gemälde von ihr in die Wohnung zu hängen.
Ich habe im Internet recherchiert, das Originalgemälde von ihr, wo sie steht, wie sie steht, es wurde oft kopiert, in einer Version steht sie genau da, wo jetzt das Mausoleum im Schlosspark ist, genau die Treppen und genau die Vase – da will ich jetzt hin. Um Selfies von mir zu machen, wo sie stand. Ich habe das kleine Gemälde bei uns zu Hause sehr lange angeschaut.
Mit der U-Bahn mit einem Umstieg und einer sehr langen Fahrt mit vielen Stationen in den weit entfernten Westteil der Stadt, hätte ich das vorher gewusst, ich hätte auch die S-Bahn nehmen können – und ein Tagesticket und nicht diese zwei Einzelfahrtickets, für Hin und Zurück.
Ich habe vergessen, wie der Platz heißt, an dem in der Nähe das Schloss ist. Ich navigiere mich durch Berlin über die Liniennetzpläne an den gefliesten Wänden in den U-Bahn-Stationen, den Tafeln mit den Stationen und Haltepunkten, den kleinen Tafeln in den Waggons der U-Bahn-Linien, einige sind modern, einige sind so alt, man muss Klinken drücken, um die Türen von innen zu öffnen … ich dachte, diese Waggons gibt es nur noch in Pjöngjang – ich steige an der Station Jungfernheide aus, da bin ich gestern schon mit dem Zug vorbeigefahren.
Irgendwo hier, soll es eine Fußgängerbrücke geben. Von der U- und S-Bahn-Station aus in Richtung des Parks, ich laufe auf der Straßenseite am Ufer der Spree vorbei und merke erst ganz zum Schluss, als ich schon fast das Schloss auf der anderen Seite mit dem Park über eine Auto- und Straßenbahnbrücke erreiche, dass hier keine Brücke mehr ist und ich hätte in die andere Richtung laufen sollen. Betrete ich den Park von dieser Seite.
Das Wetter ist schön, sonnig, trocken, ich trage nur meine Stretchjeans und mein schwarzes T-Shirt. Fotos machen, ich bin Tourist, ich bin im Urlaub. Der Barockgarten ist nur flach bepflanzt, das Schloss von außen imposant, es lässt sich für Hochzeiten buchen? Irgendwo ist gerade eine. Fotografen setzen Paare von Menschen in eleganten Roben in Szene, das Motiv mit dem Schloss und dem Park im Hintergrund ist beliebt. Ein Springbrunnen, ein Teich, ein kleiner See. Mich zieht es hinein in den Park mit den hohen, schattenspendenden Bäumen, kleine Steine mit dem Text „Mausoleum“ weisen mir die Richtung an jeder Weggabelung.
Mausoleum in Berlin Charlottenburg / September 2026 / Alter 44
Und ich sehe es vor mir, das Gebäude mit den Treppenstufen und den Säulen, die Vase daneben … diese war nie auf dem Gemälde, das wir haben, der Sockel mit der Vase steht nur auf anderen Variationen. Ich stelle meine Wasserflasche beiseite und fange an, Fotos zu machen, erst von der Szene alleine, wie ich sie in Erinnerung habe, dann die Selfies. Früher Nachmittag, die Sonne steht hier günstig.
„Na, und ist es etwas geworden?“, ein paar Besucher des Mausoleum fällt meine Foto-Session auf.
„Ich versuche das Gemälde zu kopieren. Sie stand genau hier!“
Das Gemälde wirft jetzt nur noch mehr Fragen auf … warum sollte sie neben ihrer eigenen, zukünftigen Begräbnisstätte stehen?
Wenn ich schon einmal hier bin, gehe ich auch hinein, drinnen sind vier Sarkophage aufgebahrt, das Mausoleum war ursprünglich nur für sie gedacht, später erweitert. Auf dem Boden stehen die Lebensdaten und die Namen der vier Adelspersonen, ich versuche logische Schlüsse zu ziehen: Wenn sie als preußische Königin schon um kurz nach Achtzehnhundert gestorben ist und die andere da, die nächste deutsche Kaiserin erst danach geboren ist, sind sie sich nie begegnet. Die Kaiserin, auch Regentin von Sachsen – es ergibt einen Sinn, meine Vorfahren sind als Küchenpersonal erst vom kaiserlichen Hof in Wien nach Dresden mitgezogen, von dort aus nach Preußen – hier kam dann das Gemälde als „Ehrengeschenk“ in unseren Bestand – das war damals in Mode, die Königin Luise in allen erdenklichen Posen auf unzähligen Bildern zu verewigen, auch wenn sie da schon ein halbes Jahrhundert tot war – jemand hat es mir mal erklärt, die Bilder waren nur dafür da, um zu zeigen, wie jemand früher ausgesehen hat, Fotos gab es da noch nicht, oder wurden gerade erst erfunden. Der Sarkophag aus Marmor in dem Mausoleum, er ist wirklich sehr schön herausgearbeitet, mir fällt das Wappen mit der Krone auf, das ziert auch in Blattgold unseren Gemälderahmen.
Weiter raus, ich bezahle noch mein Eintritt in das Mausoleum am Automaten, bevor ich mich dem Park zuwende. Zurück zum Schloss, zurück zum Barockgarten, wieder in den Park hinein, in der Nähe des Ufers entlang … das eine Haus da, wo der Präsident wohnt? Ich dachte, das wäre viel größer. Weiter über Brücken durch den Landschaftspark – ich suche die große Fußgängerbrücke wieder zurück.
Ich finde sie, ich hätte ein paar wenige Stunden zuvor nur wirklich in die andere Richtung gehen sollen – die Fußgängerbrücke ist die S-Bahn-Brücke, so ein kleiner, schmaler Streifen daneben. Mit der U-Bahn wieder zurück in das Zentrum von Berlin.
Ich steige am Alexanderplatz aus. Es ist kurz vor siebzehn Uhr und noch Zeit für Kaffee und Kuchen. Das eine Café da am Fernsehturm, nichts besonderes, nur eine Kette, aber ich war hier vor zwei Jahren, ich kenne nur das eine Café. Ein Tisch im Außenbereich und den Sockel des Fernsehturms anstarren.
Weiter in Richtung der Bistros an den Bahnanlagen südlich des Bahnhofs, die Ecke gleich in der Nähe der Weltzeituhr. Letztes Jahr habe ich hier irgendwo gegessen, viele Jahre zurück, ein Bistro oder ein Burger-Laden irgendwo dahinten – ich wähle das Burger-Restaurant auf der westlichen Seite der Bahntrasse, hier scheint noch die beginnend untergehende Sonne hin, wieder ein Tisch im Außenbereich im warmen Licht, ein vegetarischer Burger für mich mit extra Süßkartoffelpommes. Eigentlich ist das hier ein Restaurant und eine Bar, eigentlich hätten die noch andere Spezialitäten, ich aber nicht das Geld dafür – mit dem Bezahlen meiner nächsten Urlaubsreise und diesem kleinen Trip mit Hotel- und Zugkosten, bin ich offiziell wieder im Dispokredit, bis das nächste Gehalt kommt, bezahle ich alles auf Pump.
Zurück im Hotel, U-Bahn-Kurzstrecke, die Treppe runter in die Station mit dem großen „U“ war gleich neben meinem Bistro-Tisch, ich muss noch das Make-up vorbereiten, draußen vor dem Fenster in meinem kleinen Hotelzimmer wird es schon dunkel. Letztes Jahr habe ich es auch nicht geschafft, zwanzig Uhr für die erste Band ist viel zu früh. Nach der kurzen Dusche breite ich wieder mein Kosmetiksortiment neben dem Waschtisch aus. Der Lidschatten gelingt mir dieses Mal besser, ich male wirklich nur die Augenlider an, nicht die Bereiche darüber, nur die Lidfalte. Weniger Kajal, weniger Mascara – der ist nicht wasserfest, in der schwülen Hitze der Clubräume zerläuft der eh.
Meine Strumpfhose, mein Ledermini, die Tunika mit den weiten Ärmeln, der silberne Armreif, die 20-Loch-Schnürstiefel, meine Lederjacke und die kleine Handtasche – in der Dunkelheit des Abends und den hell beleuchteten U-Bahn-Stationen hinaus zu dem Festival irgendwo in Kreuzberg.
Den Einlass und die erste Band schaffe ich wider Erwarten, die erste Band startet wieder draußen auf dem „Paradies Floor“ neben dem Garten. Sie spielt schon ihren ersten Titel, sie singen auf deutsch, ein Schlagzeuger, ein Sänger, der Rest vom Band. Entgegen der Band von letzter Nacht, kann ich dieses Mal die Texte verstehen.
Kurz die erste Flasche Mate-Brause holen, weiter zu dem zweiten Auftritt auf dem Haupt-Floor im Inneren des Clubs … es wird voll, wer sind diese Menschen, wieso bin ich nicht mehr die Jüngste – das geht nicht – ich war die letzten fünfundzwanzig Jahre immer die Jüngste auf Gothic-Parties? Den Typ da oben auf der Bühne sehe ich nur, weil er so groß ist. Ziemlich gute Synthesizer-Musik – und queere Texte, genauso, wie die andere Band davor.
Wieder zurück auf dem Garten-Floor, ich kenne diese Band, ich habe sie in Leipzig gesehen, ich wusste gar nicht, dass sie auch aus Leipzig kommen – die Band mit dem Titel mit der Tasse Kaffee und der Katze. Der kleine Raum ist voll, vom Eingang hinten sehe ich nichts, vom Eingang vorne an der Bühne … ich stehe quasi im Türrahmen, habe aber den vollen Blick seitlich zur Bühne, es ist gar nicht so sehr beengt, hinter mir stehen keine Menschen und die Musik ist hier in der Ecke auch nicht so laut, die Lautsprecher schallen in den Saal, hier in der Ecke höre ich nur den Klang von der Bühne. Meine kleine „Loge“ ist gar nicht mal so schlecht. Ich mag die Band, ich kann sie immer wieder sehen. Sie bekommen kein OK für eine Zugabe, ich wende mich wieder um und laufe zum Haupt-Floor.
Es ist weiterhin voll, auch hier stehe ich zuerst an der Tür, doch die ist hinten. Viele Menschen, viel Nebel, er spielt seine ersten Titel, je näher ich der Bühne komme, je mehr erkenne ich ihn. Ich verfolge seine Musik schon fast zwanzig Jahre lang, ich habe alle Alben seines Hauptprojekts mit der einen Sängerin zusammen. Hier auf dem Festival spielt er mit seinem Solo-Projekt, wie immer, auf allen seinen Konzerten, er spielt das Set durch, alle Titel, ohne Pause. Einige Titel sind sehr tanzbar.
Er ist älter geworden, die Haare weniger, die Lesebrille, die er jetzt braucht, um die richtigen Knöpfe am Synthesizer zu drehen, ich trage meine Lesebrille auch, wenn ich vor meinen Synthesizern stehe. Eigentlich wollte ich rechtzeitig zum Abschluss-Act auf dem anderen Floor sein, die Auftritte überschneiden sich für ein paar Minuten, aber ich bin den zweiten Festivalabend nur wegen ihm hier, da muss ich eben auf den Anfang der Drag Shows auf dem anderen Floor verzichten.
Ich eile die schmalen Gänge entlang – Oh, falsche Richtung, hier geht es nicht weiter – die Drag Queens nutzen natürlich den Türbereich zur Bühne hin, meine Loge von vorhin, als Umkleideraum für ihre Auftritte. Ich muss mich von hinten vor zur Bühne kämpfen, immer einen kleinen Schritt weiter. Es sind dieses Jahr nur ein paar wenige Acts. Wie letztes Jahr, das Publikum will eigentlich mehr sehen.
Die Drag Queen, die durch die Show führt, eine zweite Drag Queen, aufwendige Outfits, eine Drag King Performance, er besteht darauf, das ist kein Act, das ist ein Lebensgefühl und eine zweite Drag King Performance … ohne Kostüm, jetzt sehe ich erst, wer hinter diesem aufwendigen Kostüm vom letzten Jahr stand … ich bin noch mehr fasziniert.
Am Ende betonen sie auf der Bühne noch einmal, wie wichtig es ist, die nächsten zwei Wochen für das Parlament in Berlin zur Wahl zu gehen und eine Mehrheit der Neofaschisten A#D zu verhindern, sie müssen verhindert werden, sie dürfen nicht gewinnen, denn dann wird alles furchtbar und das Leben trostlos, sie bekommen so viel Beifall aus dem Publikum – nur nicht von mir. Das wirkt alles so bizarr, ich bin die aus dem Publikum, die aus Sachsen-Anhalt, die aus dem Land, in dem die sich offen zum Nationalsozialismus bekennende Partei gewonnen hat und die nächste Landesregierung stellen will. Und ich habe nur noch zwei Optionen: Gehe ich in den Untergrund und in den bewaffneten Kampf oder in den Untergrund und bleibe unter dem Radar, beides beinhaltet das Wort „Untergrund“. Das geht so schnell, schneller als die Menschen rechts und links neben mir in dem Publikum es vielleicht wahr haben wollen … wenn sie dich wegfangen, zu Hause abholen kommen, du siehst es nicht, du wirst überrascht, du bist dann plötzlich eingesperrt und nicht mehr frei und hast keine Kontrolle oder Entscheidungsgewalt über dein Leben mehr … bis sie es dir wegnehmen. So düster das klingt, es passiert bereits in den USA, in anderen Ländern, unbequeme Menschen, LGBTQ, Immigranten, die nicht ins System passen … weggesperrt, unter Druck gesetzt, erschossen.
„Es ist zu spät!“, ich starre auf die Bühne, ihr könnt sie nicht mehr verhindern, ihr müsst jetzt anfangen, so zu handeln, als wären sie schon an der Macht. Ich wähle den Weg in den Untergrund.
Nach den Drag Queens, meine Stimmung ist im Keller, ich brauche noch eine Stunde, um mich wieder aufzumuntern. Ich sitze oben auf meinem Lieblingsplatz auf der Aussichtsplattform … düstere Klänge ertönen, die Menschen unten an der Feuerschale schauen in eine Richtung – sollte hier nicht noch so eine Performance kommen? Ich gehe die Stahltreppen wieder runter und schaue nach.
Ein halbnackter, bärtiger Mann, nur in einem roten Fetzen bekleidet, kriecht um die Feuerschale, drapiert mit Tierschädeln und betet mit einem Zweig mit Klingelglöckchen in der einen Hand und einem anderen Stock in der anderen, das Feuer an: eine okkulte Performance! Oh, darauf stehe ich! Ich bin fasziniert. Er macht die Performance nicht alleine, da ist noch eine zweite Gestalt, dunkel verhüllt, die Buchseiten in das Feuer wirft, danach verteilen sie Kerzen an das Publikum. Ich kann der Darbietung zwar nicht ganz folgen, aber es lenkt mich wenigstens erfolgreich ab. Weiter danach, noch ein bis zwei Stunden tanzen, mein Floor neben dem Garten, EBM und ähnliches.
Vier Uhr morgens, zurück den frühen Sonntag mit der U-Bahn zum Hotel. Ich habe meine Lederjacke vorne an der Garderobe abgeholt und mich mit einem Rundgang durch den Club vom Festival verabschiedet, ob es das nächstes Jahr wieder geben wird? Vielleicht … aber da waren schon ein paar richtig gute Underground-Festivals, die es nur zweimal gegeben hat. Die, die so etwas organisieren, hoffen im besten Fall, dass die Einnahmen die Kosten decken.
Wieder im Hotel, den Weg dahin, er ist mir nicht wieder über den Weg gelaufen, niemand hat mich angepöbelt oder abwertig angesehen, die U-Bahn scheint, wie letztes Jahr, von Sonnabend auf Sonntag weniger oft zu fahren, als von Freitag auf Sonnabend und es hat nicht angefangen, zu regnen. War eigentlich alles ganz OK. Wieder den Wecker stellen, fünf Stunden bis zum Frühstück. Wieder das üppige Buffet, sonntags mit Frühstücksei, die beiden vom letzten Frühstück sind auch wieder mit dabei. Wieder hoch, die Dusche nehmen, alles zusammenpacken, nichts im Zimmer liegen lassen, Check-out kurz vor zwölf.
Die U- und S-Bahn zurück über den Alexanderplatz zum Hauptbahnhof, anderthalb Stunden warten, bis der nach Stendal fährt. Die Waggons sind voll, niemand traut der Schienenersatzverkehr-Option auf der anderen, üblichen Strecke nach Magdeburg. Kurz vor Magdeburg, auch dieses Mal erreiche ich den Hauptbahnhof nicht und muss eine Station vorher mein Gegenzug abpassen. Zu Hause komme ich dann um siebzehn Uhr an. Die Tasche auspacken, alles bereit legen, ich werde sie in zwei Tagen wieder packen. Es ist den Sonntag noch nicht zu spät für Kaffee (Tee) und Kuchen. (Ende Teil 2/2)
[15.09.26 / 03:51]✎ Wieder das kleine Synth-Wave-Minimal Festival in Berlin? Ich habe mir mein Ticket schon einen Monat vorher gekauft. Das Wochenende Mitte September, der Hotelpreis für zwei Nächte sprengt mein Budget, es muss das Hotel sein, irgendwo in Kreuzberg, da war ich vor ganz vielen Jahren schon einmal, die U-Bahn-Station ist gleich daneben.
Was ziehe ich an? Die ewige Frage. Letztes Jahr das eine schwarze Kleid, dieses Jahr … ich versuche alle meine schwarzen Kleider mindestens einmal zu tragen, das letzte war gerade in der Wäsche, da ist noch diese eine Tunika im Schrank, die mit den weiten Ärmeln im Morticia-Addams-Style – die muss es sein! Die wollte ich schon immer einmal wieder tragen, zuletzt 2024 auf dem Gotik-Treffen in Leipzig? Sie hing zu lange im Schrank, ich werfe sie gleich mit in die schwarze Wäsche.
Das Outfit lässt hier keine Spielarten zu, entweder eine Leggings, meine schwarze Kunstlederleggings habe ich leider schon lange nicht mehr, oder ein sehr kurzer Rock: der Ledermini. Die Schuhe müssen hoch sein, alles andere sieht merkwürdig aus, also, wie letztes Jahr, die hohen 20-Loch-Schnürstiefel ohne Absatz. In Kombination mit … nehme ich die Netzstrumpfhose mit dem Rosenmuster oder doch lieber die mit Leopard? Ich mag meine neue Felljacke im Schneeleopardenmuster, leider ist sie nicht schwarz und daher etwas unpassend auf diesem sehr schwarzen Festival, daher entscheide ich mich für die Strumpfhose mit dem Leopardenmuster, es muss irgend etwas Animalisches sein.
Dazu die obligatorische Lederjacke, der genauso obligatorische Silberschmuck und für die An- und Abreise mit dem Zug, das Gothic Pogo Party T-Shirt vom Merchandise die letzten Pfingsten. Ich wähle den Zug, ich muss ihn wählen, ich fahre niemals mit dem Auto nach Berlin hinein. Zugfahrpläne heraussuchen … es fährt gar kein Zug von Magdeburg nach Berlin? Nur so ein merkwürdiger Schienenersatzverkehr – und dem traue ich nicht! So viele Busse können die gar nicht organisieren, um einen mehrteiligen Doppelstockzug zu ersetzen. Also den Freitag vor dem Festival noch früher aufstehen, damit ich das Ganze schaffe.
Ein Kollege auf Arbeit hat erwähnt, er braucht mindestens viereinhalb Stunden von Berlin bis hierher zur Arbeit mit dem Zug. Ich lasse mir den Freitagvormittag Zeit, Beine rasieren, Sachen zusammensuchen, meine Tunika vom Wäscheständer abnehmen, alles an Make-up-Utensilien in meine neue, kleine Schminktasche packen, sie gab es im Set mit dazu, zu meiner Schlafmaske. Ich packe alles ein, nicht nur Kajal und Mascara, auch den neuen Lipgloss, alle Pinsel und die Lidschattenpalette … hätte ich mich für die Felljacke entschieden, ich hätte auch noch ein Paillettenkleid und ultrahohe (und noch niemals getragene) Leo-Stiletto-Pumps! Ich bleibe bei meinem düsteren Gothic-Outfit.
Die Zeit läuft schneller ab, als erwartet. Das Mittagessen schaffe ich schon nicht mehr, mein Zug fährt gleich. Die schwere, olivgrüne Sporttasche ist vollgepackt mit dem Paar Stiefel, zwei, drei Teile Unterwäsche und die kleine Reisewaschtasche. Wenigstens werde ich wieder zum Zug gefahren, die paar wenigen Meter zum Bahnhof, und es ist voll, voller Menschen.
Ich drängele mich an die Tür, Sitzplätze frage ich nach, ich setze mich daneben. In Magdeburg muss ich in den Regionalexpress nach Stendal umsteigen, anders als sonst, bleibt keine Zeit für einen Aufenthalt am Hauptbahnhof, den entgegenkommenden Anschlusszug passe ich mit einem Halt an der Vorhaltestelle ab. Weiter nach Stendal, hier war ich zuletzt vor fünfundzwanzig Jahren, da fuhr hier noch ein Eurocity.
Mit einem kurzen Umstieg weiter nach Berlin. Es ist Nachmittag, als der Regionalexpress in den urbanen Raum einfährt. Hochhäuser und Monumente einer Metropole rauschen an den Fenstern an mir vorbei, es ist immer dieses Gefühl, endlich dieses Provinzkaff verlassen zu haben. Wäre ich auch auf Arbeit entlassen worden, hätte ich mir hier eine neue Arbeit gesucht? Über einen Umstieg in die S-Bahn, angekommen am Berliner Hauptbahnhof, in Richtung Alexanderplatz. Am Hauptbahnhof gibt es ein „Fish and Chips“ Bistro, das kenne ich noch nicht, mein Mittagessen hole ich hier nach. Die Nacht gibt es dann nichts mehr.
Am Bahnhof Alexanderplatz … wieso laufe ich hier gegen eine Wand? Wo ist meine U-Bahn-Station, runter zur U8 – schon wieder eine Baustelle. Weiter mit dem U-Bahn-Kurzstreckenticket vom Automaten mit der Linie zu meinem gebuchten Hotel am Moritzplatz.
„Ich habe reserviert, auf meinem Namen.“
„Wir hätten da ein Zimmer, das ist ganz oben in der sechsten Etage, aber das ist ein sehr kleines Zimmer, nur mit einem schmalen Bett, Ein-Meter-Zwanzig. Wir hätten da noch ein anderes, viel größeres Zimmer, gleich unten in der …“
„Nein, Danke. Ich nehme das winzig kleine Zimmer ganz oben.“
Ich habe es bewusst online gebucht.
In meinem Zimmer ganz oben, es ist wirklich sehr klein, mit nur einem Bett, und einem Bad, und sonst nichts – ich packe meine Sporttasche aus und lege die paar Sachen in das eine, schmale Regal und breite mein Kosmetiksortiment in dem ebenso winzigen Badezimmer aus. Es ist gegen achtzehn Uhr und in einer Stunde ist Einlass in dem Club, noch einmal Kurzstrecke und einem Umstieg, irgendwo in einem U-Bahnhof in Kreuzberg.
Meine Beine nachrasieren, eine Dusche nehmen. Die Strumpfhose ziehe ich schon an. Vor dem Kosmetikspiegel im Badezimmer tupfe ich meine Zwei-Farben-Lidschattenpalette auf, das silber-sandfarbene Puder am inneren Augenlid, das dunkle Puder in den zwei Drittel des äußeren Augenlids, alles von innen nach außen verblenden. Den schwarzen Kajal, ziehe ich über das Augenlid hinweg, das Mascara üppig aufgetragen, auch die unteren Wimpern, jeder Wimpernschlag hinterlässt gleich Klümpchen an den Augenrändern, dazu ist die Bürste da, um das etwas wieder zu entflechten. Danebengegangener Mascara, zu viel Kajal, alles mit dem zweiten Pinsel zu einem dunklen Schatten verblenden, ich hätte den größeren Pinsel noch mitnehmen sollen, dann wäre der Lidschatten noch weiter auslaufend hinten über die Lidfalte hinaus … ich ziehe meine schwarze Tunika über, so eine, wie sie in den Siebzigern und Sechzigern getragen wurde. Sie ist fast genauso lang, wie mein Minirock endet. In aller Ruhe schnüre ich meine 20-Loch-Stiefel zusammen.
Draußen, noch wenige Minuten bis zum Einlass, noch wenige Minuten, bis die erste Band anfängt, zu spielen. Den Reißverschluss meiner Lederjacke habe ich bis nach ganz oben geschlossen, ich möchte hier nicht zu sehr auffallen, eine Wolke an orientalischem Parfüm und Patchouli umgibt mich, meine kleine Lederhandtasche habe ich um meinen Oberkörper gehangen. Ich lese die Nachrichten, zu viele trans Frauen werden in Berlin die letzte Zeit angegriffen. Ich bin noch überzeugt, mich trifft das nicht, ich wirke anders.
Weiter über den Umstieg am Kottbusser Tor zu der anderen Linie und von dort aus über die Haltestelle am Ufer des Spreekanals entlang zu dem Club, derselbe Club, wie letztes Jahr. Ich schaffe es zum Einlass, noch bevor die erste Band spielt.
Meine Jacke gebe ich an der Garderobe am Eingang ab, die brauche ich nicht, ich weiß vom letzten Jahr, es wird richtig heiß im Club. Ein Getränk draußen holen, nur Kartenzahlung. Weiter in den zweiten Floor, ich bin immer wieder entzückt über die kleine Brücke in dem liebevoll gestalteten Garten im Außenbereich.
Die erste Band, es ist eigentlich nur sie, ich habe sie – sofern sie dieses Pronomen für sich verwendet – letztes Jahr auf dem Gotik-Treffen in Leipzig gesehen und im Anschluss gleich einen Song für meine nächste Musikveröffentlichung geschrieben … nicht wenig inspiriert von ihrer energiegeladenen Musik. Es gibt Probleme mit einem Kabel. Sie ist hier für einen Ersatz für einen ausgefallenen Act, das kurze Set verkürzt sich noch mehr auf ein paar wenige Titel. Sie macht das Beste daraus, ihr einziges Instrument ist ein Effektgerät für ihre Stimme … ohne Kabel braucht sie dieses auch nicht, alles andere kommt vom Band. Ihre stimme ist sehr dunkel und kräftig. Viel Beifall vom schon anwesenden Publikum.
Weiter zum Main Floor. Der Weg führt wieder am Merchandise vorbei, die Zeltwand mit der Regenplane ist dieses Jahr nicht aufgebaut worden, es bleibt trocken. Der Main Floor ist noch nicht voll, ich steuere genau auf „meinen“ Platz zu. Voller Freude positioniere ich meine kleine Handtasche auf dem schmalen Gitter an der Wand, stelle meine Flasche Mate-Brause daneben und erklimme den Podest mit dem besten Blick auf die Bühne schräg vor mir. Die nächste Band, die will ich sehen, aufgebaute Synthesizer-Tische auf der Bühne.
Das Licht wird gedimmt, der ganze Raum eingeräuchert mit Nebel, viele Menschen vor der Bühne, ich kann die beiden gar nicht richtig erkennen, vor all dem Nebel. Er singt auf Italienisch! Ich dachte, die beiden kommen aus Frankreich? Der Bandname ist deutsch. Ihre Musik trifft mich, sie entspricht so alldem, was ich die letzten zwanzig Jahre an Minimal geliebt habe. Sie unterhalten das Publikum, er wirft ihm in den Musikpausen ziemlich derbe, italienische Schimpfwörter entgegen. Ich weiß, was sie bedeuten, ich hatte auch einmal die Gelegenheit, mit einer Italienerin – zumindest für ein Wochenende – zusammen zu sein (auch wenn ich ihre Existenz leugne, sie aber immer wieder im Internet stalke und das umso mehr Fragen aufwirft – sie ist doch nicht die TERF, such dir einen anderen Lieblingsfilm, das ist mein Film mit den Drag Queens im australischen Outback). „Va fa en culo!“ Oder so ähnlich.
Die nächste Band, wieder draußen im „Paradies Floor“, ich kann nicht zu oft über diese kleine Brücke gehen. Noch so ein Typ an seinem Synthesizer, jedes Mal, wenn es mehr in den EBM geht, das ist mir nicht fremd, dazu kann ich tanzen.
Während den Pausen, zwischen den Bands, auch wenn wenig Zeit bleibt, eine weitere Flasche Mate-Brause und die Treppe hoch zu der Aussichtsplattform mit dem Blick nach unten in den kleinen Garten, den bunten Lichtern in den Bäumen, der Feuerschale und den vielen schwarzen Gestalten rundherum.
Der nächste Auftritt auf dem Main Floor, ich kann lange Zeit nur ihn sehen, mit seinen wasserstoffblonden Haaren. Nach und nach erklimme ich wieder meinen Stammplatz auf dem Podest, die Sängerin, sie sind zu zweit? Sie kommen aus Detroit, ich merke es, es gibt Elemente aus dem frühen Techno und Acid.
Wieder zurück auf dem zweiten Floor, ein Typ am Schlagzeug und eine Sängerin … ich verstehe die Sprache nicht, es könnte portugiesisch sein? Ich habe keine Ahnung, aber sie singt ihre Texte voller Energie und Wut – je weiter der Auftritt geht, desto mehr kippt ihr Gesang in diesen Kehlkopfbereich und nimmt „Deathcore-eske“ Züge an. Ich stehe nur zwei Personenreihen vor einem vor mir wie aus dem Nichts plötzlich auftauchenden Mosh-Pit, es könnte auch Punker-Pogo sein. Zurückschubsen, wenn es zu nahe kommt, das trifft nur den vor mir, ich mit meiner Tussi-Handtasche und der Mate-Brause habe gar keine Hände frei.
Nach den Bands, die DJs. Ich sitze noch eine ganze Zeit oben in der Aussichtsplattform, beziehungsweise ich „liege“ in einem ultraflachen Liegestuhl. Meine Tanzfläche ist dann die in dem Floor beim Garten, hier wird klassischer EBM gespielt und alles aus den frühen Achtzigern, ich kann Teile der Playlist mitschreiben, jedes Mal, wenn ich von der Tanzfläche runter will, kommt ein neuer Song, wie ich sie früher auf meinem Radiosender gespielt habe … „Coboloid Race“ und „New Girls Neutron“.
Ich bleibe bis um drei Uhr den Morgen, ich habe das Frühstück in dem Hotel gebucht, das gibt es bis elf. Wieder früh genug im Hotel sein, ein paar Stunden schlafen, aufwachen, zum Frühstück gehen, wieder hoch ins Zimmer, duschen. So weit der Plan. Sollte nicht etwas Unvorhergesehenes passieren, früher habe ich immer Männer kennengelernt, bin mit ihnen mitgegangen, habe Dinge passieren lassen, bin erst sehr spät nach Sonnenaufgang wieder alleine in meinen Hotels angekommen. Jetzt erwarte ich das nicht mehr, so etwas passiert mir nicht. Ich laufe den frühen Morgen wieder alleine von dem Club zurück zur nächsten U-Bahn-Station in Berlin.
„Hello, how are you?“, ich laufe genau auf ihn zu, er spricht mich an, ich falle ihm auf, „Nice to meet you, how is your name? I'm from Gambia, you know where that is?“
Ich glaube, das ist dieser Streifen Land da irgendwo im Senegal.
Er greift immer wieder nach meiner Hand, ich ziehe sie immer wieder weg.
„I live here, you want to spend some time with me? Let's have a good time. Where are you from?“
„Magdeburg, Sachsen-Anhalt“, das wird jetzt meine neue Masche, um ausländisch aussehende Verehrer abzuwimmeln, er muss das auch mitbekommen haben, was da die letzte Landtagswahl letztes Wochenende passiert ist – ganz Deutschland hat das mitbekommen, wie der erste Dominostein in Richtung totalitäres Faschismus-Regime fällt. Er bleibt unbeeindruckt.
Ich ziehe weiter meine Hand weg, er bleibt stehen, ich laufe weiter, ich drehe mich um, er unternimmt einen zweiten Versuch, ich weise ihn wieder ab. Ich wünschte, es wäre wieder so wie früher, natürlich wäre ich mit ihm mitgegangen. Ich habe Angst. Er kennt mich nicht, er weiß nicht, dass ich trans bin, er spricht es auch nicht an. Spätestens wenn die Männer das dann mitbekommen, das kann sehr gefährlich für mich werden. Die paar Meter, die er an meiner Seite läuft, ich fühle mich sicherer auf meinem einsamen Weg zur U-Bahn-Station, dann wirke ich normal. Die letzten Meter von der Ampelkreuzung rüber zum Eingang der U-Bahn-Station, muss ich alleine gehen. Ob ich ihn die nächste Nacht wieder sehe?
Oben am Gleis, ich bin nicht alleine, hier tauchen immer wieder ein paar einsame nächtliche Seelen auf.
Weiter zum Umstieg in der Mitte von Kreuzberg, ich lasse mich auf der Rolltreppe nach unten gleiten. Zurück im Club, ich bin nicht die einzige, ich habe schon andere trans Frauen gesehen. Jetzt vor mir auf der Rolltreppe, nur ein paar Stufen weiter unten, steht auch so eine. Auf der gegenüberliegenden Seite fahren eine paar arabisch aussehende junge Männer die Rolltreppe hoch, sie fällt ihnen auf, sie drehen ihre Köpfe, sprechen sich ab, schon wieder so eine. Ihr Blick geht wieder hoch, ich schaue sie an, sie sind irritiert, ich falle nicht in ihr Raster … oder etwa doch? Nichts weiter passiert.
Ein paar U-Bahn-Stationen weiter, Kurzstrecke, mein Hotel. Oben angekommen in meinem Zimmer, ins Bad, Make-up entfernen, die ganze schwarze Wimperntusche und der Lidschatten. Es ist vier Uhr den Morgen und ich kann mich in mein Bett legen. Die Vorhänge in dem winzigen Zimmer sind dunkel genug, mit Ohropax bekomme ich nichts mit, in wenigen Stunden um zehn Uhr klingelt der Wecker auf meinem Smartphone für das Frühstück bis elf. (Ende Teil 1/2)
das habe ich sehr gerne gemacht. Zum Einen interessiert mich das Thema und zum Anderen hast Du wirklich sehr lebendig und spannend geschrieben. Da wollte ich Alles lesen und wollte Dir schreiben, das mir Dein Blog besonders gut gefallen hat (Die eigentliche Arbeit hattest Du ja mit dem Verfassen des Blogs). Wenn Du magst können wir den Kontakt gerne per Mail halten. Viele Grüße Daniele
Morgana LaGoth: Mail-Adresse steht oben bei "kontakt" - bei weiteren Fragen, gerne.
vielen Dank für Deinen tollen Blog. Ich habe ihn in den letzten Wochen komplett gelesen. Meistens konnte ich gar nicht aufhören zu lesen. Fast wie bei einem sehr spannenden Roman. Ich habe dabei Deine genauen Beobachtungen und Beschreibungen sehr genossen. Deine vielen Ausflüge in die Clubs und zu den Festivals oder Deine Streifzüge d durch die Geschäfte beschreibst Du immer aus Deiner Sicht sehr anschaulich und spannend. Ich kann das sehr gut nachvollziehen, das alleine zu erleben, häufig auch mit einer gewissen Distanz. Ich kenne ich von mir sehr gut. Highlights sind Deine Reiseberichte. Deine Erlebnisse an den unterschiedlichsten Orten auf der Welt. Vielen Dank dafür. Vielen Dank auch das Du Deinen Weg zu Deinem waren Geschlecht mit uns Lesern teilst. Deinen Weg Deine Gefühle Deine zeitweisen Zweifel. Das ist sehr wertvoll auch für uns Andere, denn es ist authentisch und sehr selten. Du bist einem dadurch sehr vertraut geworden. Für mich ist eine gefühlte grosse Nähe dadurch entstanden. Umso mehr schmerzt es mich von Deinen Rückschlägen zu lesen. Von Deinem Kampf zu Deinem wahren Ich. Von Deinem Kampf umd Liebe, Zährlichkeit und Akzepzanz und Anerkenung. Von Deiem mitunter verzweifeltem Kampf nach Liebe und Anerkennung durch Deinen Exfreund. Leider vergeblich. Dein Kampf um wirtschaftliche Unabhängigkeit und Deine aktuell missliche Lage. Ich glaube dass Du nicht gescheitert bist. Du hast viel Mumm und Hardnäckigkeit bewiesen Deinen Gang zu Dir selbst zu gehen. Du hast auch einen guten Beruf der immer noch sehr gefragt ist. Vielleicht kann ja nach dieser Auszeit und etwas Abstand ein Neuanfang in einer anderen Firma, wo Du keine Vergangenheit als Mann hattest gelingen. Ich wünsche das Dir ein Neuanfang gelingt und drücke Dir ganz fest die Daumen. Daniele
Morgana LaGoth: Da liest sich tatsächlich jemand alles durch? Das ist mittlerweile schon ein kompletter Roman mit mehreren hundert Seiten! Danke dir, für deinen Kommentar (und die aufgebrachte Zeit).
vielen Dank für Deine offenen und kritischen Erlebnisberichte. Ich bin in 3 Monaten in Sanssouci zur FzF-OP. Ich denke auch, was kann schon schief gehen, status quo geht nicht und irgendwas besseres wird wohl resultieren. Wenn es Dich interessiert, halte ich Dich informiert. Drücke mir die Daumen.
Herzlich
Drea
Morgana LaGoth: Ich wünsche dir für deine Operation viel Glück. (Sollte der Koch nicht gewechselt haben, das Essen da in der Klinik ist richtig gut!)
[14.11.17 / 20:13]Morgana LaGoth: Nutzungsbedingungen für die Kommentarfunktion: Die Seitenbetreiberin behält sich das Recht vor, jeden Kommentar, dessen Inhalt rassistisch, sexistisch, homophob, transphob, ausländerfeindlich oder sonstwie gegen eine Minderheit beleidigend und diskriminierend ist, zu zensieren, zu kürzen, zu löschen oder gar nicht erst freizuschalten. Werbung und Spam (sofern die Seitenbetreiberin dafür nicht empfänglich ist) wird nicht toleriert. Personenbezogene Daten (Anschrift, Telefonnummer) werden vor der Veröffentlichung unkenntlich gemacht.
Kommentar:
[05.12.22 / 17:34] Daniele1992: Hallo Morgana
Mail ist heute rausgegangen
LG Daniele
[13.11.22 / 09:33] Daniele1992: Hallo Morgana
aktuell keine schöne Situation. Ich schreibe Dir noch eine Mail dazu.
LG Daniele
[13.05.22 / 09:15] Daniele1992: Hallo Morgana,
Tolle Reisebericht von Deiner neusten Reise nach Paris. Macht grosse Lust auch wieder dort hinzufahren um sich von der Stadt inspirieren zu lassen.
Tolle Neuigkeiten.NeuerJob. Klasse! Freue mich für Dich.
Liebe Grüße
Daniele
[24.12.21 / 20:55] Daniele1992: Hallo Morgana,
Ich denke an Dich und wünsche Dir frohe Weihnachten und ein schönes neues Jahr 2022.
Liebe Grüße
Daniele
[25.09.21 / 14:59] Daniele1992: Hallo,
eine Chance etwas Neues zu machen. Neue Perspektiven. Urlaubsträume, die bald real werden können. Nicht so schlecht. Freue mich für Dich. LG Daniele.
[11.11.20 / 09:12] Daniele1992: Hallo Morgana
Ich habe Dir eine Mail geschickt.
Lg
Daniele
[30.07.20 / 22:03] Daniele1992: Guten Abend
das habe ich sehr gerne gemacht. Zum Einen interessiert mich das Thema und zum Anderen hast Du wirklich sehr lebendig und spannend geschrieben. Da wollte ich Alles lesen und wollte Dir schreiben, das mir Dein Blog besonders gut gefallen hat (Die eigentliche Arbeit hattest Du ja mit dem Verfassen des Blogs). Wenn Du magst können wir den Kontakt gerne per Mail halten. Viele Grüße Daniele
[30.07.20 / 12:44] Daniele1992: Guten Morgen,
vielen Dank für Deinen tollen Blog. Ich habe ihn in den letzten Wochen komplett gelesen. Meistens konnte ich gar nicht aufhören zu lesen. Fast wie bei einem sehr spannenden Roman. Ich habe dabei Deine genauen Beobachtungen und Beschreibungen sehr genossen. Deine vielen Ausflüge in die Clubs und zu den Festivals oder Deine Streifzüge d durch die Geschäfte beschreibst Du immer aus Deiner Sicht sehr anschaulich und spannend. Ich kann das sehr gut nachvollziehen, das alleine zu erleben, häufig auch mit einer gewissen Distanz. Ich kenne ich von mir sehr gut. Highlights sind Deine Reiseberichte. Deine Erlebnisse an den unterschiedlichsten Orten auf der Welt. Vielen Dank dafür. Vielen Dank auch das Du Deinen Weg zu Deinem waren Geschlecht mit uns Lesern teilst. Deinen Weg Deine Gefühle Deine zeitweisen Zweifel. Das ist sehr wertvoll auch für uns Andere, denn es ist authentisch und sehr selten. Du bist einem dadurch sehr vertraut geworden. Für mich ist eine gefühlte grosse Nähe dadurch entstanden. Umso mehr schmerzt es mich von Deinen Rückschlägen zu lesen. Von Deinem Kampf zu Deinem wahren Ich. Von Deinem Kampf umd Liebe, Zährlichkeit und Akzepzanz und Anerkenung. Von Deiem mitunter verzweifeltem Kampf nach Liebe und Anerkennung durch Deinen Exfreund. Leider vergeblich. Dein Kampf um wirtschaftliche Unabhängigkeit und Deine aktuell missliche Lage. Ich glaube dass Du nicht gescheitert bist. Du hast viel Mumm und Hardnäckigkeit bewiesen Deinen Gang zu Dir selbst zu gehen. Du hast auch einen guten Beruf der immer noch sehr gefragt ist. Vielleicht kann ja nach dieser Auszeit und etwas Abstand ein Neuanfang in einer anderen Firma, wo Du keine Vergangenheit als Mann hattest gelingen. Ich wünsche das Dir ein Neuanfang gelingt und drücke Dir ganz fest die Daumen. Daniele
[05.10.19 / 17:11] Drea Doria: Meine liebe Morgana,
bin 5 T post all-in-one-FzF-OP. Deine guten Wünsche haben geholfen. Der Koch ist immernoch noch super. Alle hier sind herzlich und nehmen sich Zeit.
Herzlich
Drea
[14.06.19 / 12:57] Drea Doria: Meine liebe Morgana,
vielen Dank für Deine offenen und kritischen Erlebnisberichte. Ich bin in 3 Monaten in Sanssouci zur FzF-OP. Ich denke auch, was kann schon schief gehen, status quo geht nicht und irgendwas besseres wird wohl resultieren. Wenn es Dich interessiert, halte ich Dich informiert. Drücke mir die Daumen.
Herzlich
Drea
[14.11.17 / 20:13] Morgana LaGoth: Nutzungsbedingungen für die Kommentarfunktion: Die Seitenbetreiberin behält sich das Recht vor, jeden Kommentar, dessen Inhalt rassistisch, sexistisch, homophob, transphob, ausländerfeindlich oder sonstwie gegen eine Minderheit beleidigend und diskriminierend ist, zu zensieren, zu kürzen, zu löschen oder gar nicht erst freizuschalten. Werbung und Spam (sofern die Seitenbetreiberin dafür nicht empfänglich ist) wird nicht toleriert. Personenbezogene Daten (Anschrift, Telefonnummer) werden vor der Veröffentlichung unkenntlich gemacht.
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