Nummer Fünf der für mich ausgeplanten Party-Wochenenden in einer Reihe, hintereinanderweg … eines davon ist ja ausgefallen, aber seit drei Wochenenden bin ich auf Tour und nicht zu Hause.
[28.07.26 / 00:48]✎ Nummer Fünf der für mich ausgeplanten Party-Wochenenden in einer Reihe, hintereinanderweg … eines davon ist ja ausgefallen, aber seit drei Wochenenden bin ich auf Tour und nicht zu Hause. Dieses Wochenende wieder in Leipzig, das kleine Ein-Abend-Festival in Plagwitz, in dem Ort, den ich so mag, das Haus, die Graffiti, die Plakate mit den Terminen der letzten Punk-Konzerte, die letzten Jahre … Jahrzehnte – seit mehr als zwanzig Jahren bin ich da, immer wieder.
Was ziehe ich an? Mein Plan, alle schwarzen Kleider mindestens einmal im Jahr anzuziehen und meine Tabelle auf dem Computer, das eine schwarze Kleid, das ich noch nicht anhatte: ich will das schwarze Fish-Tail-Kleid in Spitze wieder anziehen, das mit den langen Ärmeln, kombiniert mit den Pikes vom letzten Wochenende – könnte ja kalt werden die Nacht – und die obligatorische Punkerkutte, die mit den Buttons, Nieten und den einen Band-Aufnäher. Ich verfolge den Wetterbericht schon seit Tagen, ursprünglich war dieses Wochenende auch als Motorradwochenende geplant, ich hätte ein Hotel am Stadtrand von Leipzig genommen – jetzt regnet es wahrscheinlich den Sonntag. Ich nehme den Zug, hin und zurück, ohne übernachten, nur ein Abend, eine Nacht.
Was letztes Wochenende noch funktioniert hat mit dem Umstieg in dem Kaff bei Magdeburg, fällt dieses Wochenende komplett weg, die Verbindung über Dessau, ich muss den anderen Zug nehmen, den über Halle. Die Verbindung ist beschissen, ich stehe mit meinem Kleid und schon für die Nacht ausgehbereit, mit Parfüm, Make-up und kleinem Handtäschchen den frühen Nachmittag an dem Gleis in Magdeburg und zusätzlich zu der einen Stunde Umstiegszeit kommen noch fünfundzwanzig Minuten Verspätung und ich habe gerade dreißig Kilometer Strecke geschafft.
Der Zug wird voll, drei Waggons, zwei Etagen, Doppelstock. Nach und nach folgen die wartenden Passagiere dem Herdentrieb und stellen sich raus auf den hintersten Abstellgleis vom Magdeburger Hauptbahnhof mitten in die glühende Sonne. Ich behalte die Nerven, ich bleibe im Schatten des Bahnhofsdach stehen. Erst als der Zug angekündigt wird, laufe ich an der ganzen wartenden Menschenmasse vorbei, drängele mich nach ganz vorn und stehe als „Zweite“ vor der Tür des jetzt einfahrenden und haltenden Regionalexpress. So geht das. Der Zug fährt mit Verspätung los. Noch etwa dreieinhalb Stunden bis zum Einlass in dem Club in Plagwitz.
Draußen ist es ziemlich heiß geworden, das langärmelige Kleid in Spitze war wahrscheinlich doch nicht die optimale Wahl? Aber es sieht äußerst elegant aus, ich bin ein Edel-Punk, mitsamt der superteuren, italienischen Handtasche. Der Zug hat eine funktionierende Klimaanlage.
Kurz vor Halle, ich krame mein Smartphone raus, schalte es aus, breche es auf, entnehme den Akku und die nicht verschlüsselte SD-Karte, dort habe ich während der Fahrt letztes Wochenende mein ganzes Backup aufgespielt, das landet irgendwo anders in der Handtasche. Schwarz gekleidete Menschen mit Sonnenbrille, die in einem Handgriff Handys und Smartphones auseinandernehmen, sieht man nicht mehr so oft in der Öffentlichkeit, ich bin ein Fossil, frühe Zweitausender.
Umstieg in Halle, meinen Gleis finden, gelbe Fahrpläne durchsuchen, mein Papierticket habe ich aus dem Automaten.
Ich erreiche den Leipziger Hauptbahnhof mit einer unbekannten Verspätung, es war eine gute Idee von mir, den Zug eine Stunde früher zu nehmen, sonst hätte ich hier keine Zeit mehr zum Aufenthalt gehabt. Ich gehe runter in die östliche Halle mit den EC-Automaten der Bank, weiter an die Ticketautomaten der Deutschen Bahn, nach oben zum Informationsschalter / Fundbüro – irgendjemand hat seine Kreditkarte im Automaten stecken gelassen und ich bin so nett. Ich drehe dem Fundbüro meinen Rücken zu, ohne irgendwelche Personalien zu hinterlassen. Wieder unten bei Aldi löse ich den Sicherheitsalarm aus, springe durch eine dieser Türen, die eigentlich nur in die Gegenrichtung passierbar sein sollen, auf der Suche nach einem Pfandautomat, um meine einzige Wasserflasche für einen Fünfundzwanzig-Cent-Bon in ein Brötchen aus der Selbstbedienungstheke zu tauschen, ich bin so schnell, die wissen gar nicht, was passiert, stehe Minuten später ganz normal an der Kasse und bin dann wieder draußen.
Mein Brötchen esse ich auf der anderen Seite, in dem angrenzenden Park gegenüber dem Hauptbahnhof.
Ich suche die Straßenbahnlinie nach Plagwitz … die zwei Gleise sind immer noch gesperrt, die Baustelle verengt die Hauptverkehrsader im Leipziger Zentrum, Autos stauen sich, Straßenbahnen fahren wie Perlen an einer Schnur nacheinander an mir vorbei. Ich schaue auf die rätselhaften, ausgehängten Pläne … kann es sein, dass überhaupt keine Straßenbahn zu meiner Zielhaltestelle fährt? Ich müsste eine andere Linie nehmen, die von irgendwo anders abfährt, nur nicht hier, um dort irgendwo im Westen von Leipzig umzusteigen, zwischen zwei Haltestellen zu Fuß laufen muss, um dann einen „Schienenersatzverkehr“ nehmen zu müssen? Zu viel für mich, ich blicke auf den Taxistand direkt vor mir vor dem Hauptbahnhof.
„Gießerstraße / Karl-Heine-Straße – die Haltestelle dort“, der Taxifahrer hätte gerne eine Hausnummer gehabt. Er muss dem Navi folgen, die Karl-Heine-Straße findet er noch, die Kreuzung mit der Gießerstraße? Bevor wir überhaupt aus dem Umfeld des Hauptbahnhofes herauskommen, dauert es eine Ewigkeit und wir stehen im Stau. Es ist schon Abend geworden und in weniger als dreißig Minuten ist Einlass in dem Club.
„Ich glaube, hier sind wir richtig, hier fahre ich auch selbst mit dem Auto vorbei“, noch mehr Umleitungen, noch mehr Sperrungen, ich ahne, warum hier keine Straßenbahn mehr fährt, ich leite den Taxifahrer zu meinem Zielort und wir halten an der verwaisten Straßenbahnhaltestelle, die ich wiedererkenne.
„Ich bräuchte dann auch wieder ein Taxi, um vier Uhr morgens“, er gibt mir seine Nummer, ich tippe sie ab, er korrigiert sie noch einmal, ich reiche mein Telefon durch die zwei Sitze zu ihm nach vorne. Dass ich den frühen Sonntagmorgen ein Taxi zurück nehmen muss, habe ich eingeplant, wenn ich zurück auch die Verbindung über Halle fahren muss, muss ich die S-Bahn eine halbe Stunde früher nehmen, die um halb fünf und das hätte ich mit dem Nachtbus nicht geschafft. Beim Bezahlen fallen mir noch alle Münzen herunter und er ist froh, dass er mich als Zeitdiebin endlich los hat, das geht alles auf seine Arbeitszeit.
Ich laufe zu dem Club, den Einlass um zwanzig Uhr habe ich um fünfundzwanzig Minuten verpasst. Ich laufe zu dem einen Fußgängerweg zwischen den ganzen alten Fabrikgebäuden – und stehe wieder vor einem Absperrzaun.
„Kann ich da durch? Ist das gefährlich?“
„Wissen wir nicht, nimm doch den Umweg“, ich frage das eine Pärchen, das neben dem Absperrzaun gegenüber einer Bar sitzt.
Die Leute von dem linksalternativen Club haben einen hübschen Plan an den Absperrzaun geklebt, mit aufgemalten „You are here“ und einem Pfeil, wie ich von der anderen Seite zum Eingang komme. Wie ich später erfahren werde, ist der Weg gesperrt wegen dem Gerüst und den Dacharbeiten, sie müssen das Dach von dem linksalternativen Veranstaltungszentrum reparieren lassen und suchen dafür noch Spender oder Kreditgeber. Ich sehe auf der anderen Seite schon schwarzgekleidete Leute vor dem Einlass stehen.
Den Weg um das Gebäude herum, den Weg mit der Skateboard-Rampe, die zwei Wege mit den vielen Graffiti an den Mauern. Am Einlass gebe ich meine zehn Euro und mir fällt der eine Papierzettel auf, die Headliner-Band für den Abend hat abgesagt.
„Oh, schade“, eine Post-Punk Band aus den USA, die hätte ich gerne gesehen.
Eine Mate-Brause an der Bar holen, die noch leere Tanzfläche vor der Bühne abschreiten. In Richtung dem Raum für das spätere Merchandise und dem Treppenaufgang zu der zweiten Tanzfläche fällt mir ein weiterer Zettel an einer Mauersäule auf: Auch die Performance-Künstlerin hat leider abgesagt! Dafür war ich doch hier. Shibari, japanisches Bondage, es wäre meine dritte oder vierte Show gewesen, es ist zu faszinierend, den beiden dabei zuzusehen, wie sie mit einem Ruck, kunstvoll verknüpft, an Seilen nach oben gezogen wird. Für sie gibt es diesen Abend keinen Ersatz. Eine andere Band, die ich noch nicht kenne, ersetzt die Headliner-Band.
Draußen schaue ich mir noch die übergroßen Graffiti an, drinnen finde ich meinen Lieblingsstuhl vom letzten Mal und blätter in den Flyer und ausgelegten Broschüren, ich muss ihn nicht mehr heiraten, damit er in Deutschland bleiben kann, er hat schon längst seinen Pass.
Ich habe ihm keine weitere Nachricht mehr geschrieben.
Die Musik fängt an, die erste Band spielt auf der Bühne, ein Pärchen, Mann, Frau, Synthesizer und Gesang, tanzbar. Der Bereich vor der Bühne füllt sich. Scheinwerfer und Nebel.
Wieder draußen zwischen den Konzerten: „Piekse-Blume!“, jedes Mal, wenn ich die von Jahr zu Jahr immer mehr überwucherte Treppe wieder zurück zur Eingangstür laufen muss, stoße ich mit einem meiner Stiefel gegen diese dornige Gestrüpp-Pflanze, ich trage unter meinem Spitzenkleid und den Stiefeln dieselbe (frischgewaschene) Nylon-Strumpfhose vom letzten Wochenende. Ich habe mit dieser Pflanze so einige Erfahrungen gemacht.
Die zweite Band, sie kommen aus Halle, sie sind sehr jung und haben doch schon ein paar Jahre Erfahrung. Wieder ein Pärchen, Mann, Frau. Sie wechseln sich ab mit Gesang, Synthesizer und Gitarre. Ihr Sound ist düster, manches sperrig, den zweiten Teil des Auftritts ist er am Mikro und seine Art, sein klagender Gesang, seine schlaksige Gestalt – ich bin fasziniert, er erinnert mich an die frühen Anfänge des Post Punk – den ich selbst nur aus dem Fernsehen oder Schwarz-Weiß-Kino kenne, weil ich da noch nicht am Leben war. Mir ist diese Band schon vor einiger Zeit aufgefallen, sie haben sich weiterentwickelt, sind noch besser geworden, die muss ich mir merken.
Zwischen den Bands … „Piekse-Pflanze!“, ich pendele zwischen draußen und drinnen, Bar und den zwei Tanzflächen, eine Band kommt noch. Ich war oben auf der zweiten Tanzfläche, versunken in dem Ledersofa, ich habe ihre ersten Titel verpasst. Sie spielen eine Mischung aus Funk, Jazz, Rock, Gothic-Style? Ich kann sie nirgendwo einordnen, aber bleibe bis zu ihren letzten Titeln.
Nach Mitternacht, jetzt spielen keine Bands mehr, nur noch DJs. Oben elektronisches Zeug, unten die ganzen Goth-Rock und Deathrock Kracher, manchmal mehr in den Punk. Ich tanze nur unten. Ich habe meine Punkerkutte übergezogen.
Draußen neben der Skateboard-Rampe bauen ein paar Leute ihre Lautsprecherboxen auf. Sie bringen ein paar Instrumente mit, Bass-Gitarre, Harmonika, aus den Boxen läuft knarzende Reggae-Musik in Endlosschleife. Leute sammeln sich davor um zu tanzen und zu improvisieren. Ich bin ganz angetan … ich mag den Beat, er geht durch meinen Körper. Ich bin anders.
Drinnen spricht mich niemand an, ich spreche niemanden an, ich bin hier nur für die Musik. Nur das Awareness-Team in ihren lila Westen fragt mich manchmal, ob es mir gut geht. Ich sitze neben dem schon wieder verlassenen Merchandise, trinke meinen Becher Wasser, blätter wieder in den linksalternativen Broschüren vor mir auf dem Tisch, ein Mann setzt sich zu mir, er scheint betrunken.
Ich verstehe ihn nicht, ich lächele nur und schaue fragend. Er will mir etwas zu trinken anbieten?
„Nein, danke. Ich hole mir selber mein Becher Wasser“, ich decke den Pappbecher mit einer Hand ab, ich möchte mir nicht von fremden Männern ein offenes Getränk ausgeben lassen, sie irgendwo an die Bar verschwinden gehen sehen und dann mit einem Getränk für mich zurückkommend. Etwas anderes wäre es mit verschließbaren Flaschen, die Mate-Brause hat einen Schraubverschluss.
Irgendwann geht er wieder weg, noch bevor er zurückkommen kann, bin ich schon weg. Weiter tanzen, weiter einen letzten Becher Wasser holen, draußen die Leute vor der Reggae-Box besuchen, wieder drinnen, die Toiletten und die zweite Tanzfläche oben, ich bleibe bei der Musik unten und warte am Rande der Tanzfläche auf meine Songs. Es gibt tatsächlich einen Song bei dem ich ziemlich textsicher Karaoke hätte singen können. Dieser Song aus den Sechzigern wurde selber nur von vielen Deathrock- und Punk-Bands in den Achtzigern gecovert.
Ich schaue irgendwann auf mein Smartphone … noch wenige Minuten bis drei Uhr die Nacht. Er hat gesagt, ich sollte ihn eine halbe Stunde vorher anrufen, wenn ich sein Taxi brauche. Wirklich die letzten Songs tanzen, auf die Toilette verschwinden, wieder mit Lederkutte angezogen, draußen den Club verlassen.
„Da kommt sie“, ich tanze auf dem schmalen Bordstein zu der Reggae-Musik in Endlosschleife um das Gebäude neben den aufgebauten Lautsprecherboxen herum, um auf die Rückseite der alten Fabrik zu kommen und die andere Gasse wieder in Richtung der Haltestellen zu nehmen. Der eine Mann da dreht die Musik leiser, so viele sind da nicht mehr, die tanzen.
Zurück an der Haltestelle, ich rufe die Nummer an, die ich mir auf dem Smartphone notiert habe.
„Fünf Minuten“, ich stehe auf der anderen Fahrbahnseite, als noch viele Stunden zuvor. Er muss sein Taxi drehen, wenn er hier vom Hauptbahnhof kommend, vorbeifährt.
Wenig später, es kommt tatsächlich ein Taxi aus der Richtung und wendet direkt vor mir.
„Ist das das Taxi, das ich angerufen habe?“
„Ja, ja“, es ist nicht der Fahrer, der mich hergebracht hat, „Zurück zum Hauptbahnhof?“
Die beiden müssen sich abgesprochen haben, damit der zweite Fahrer mich auch erkennt, die Blondine in dem schwarzen Kleid und der Lederjacke, nicht zu verfehlen mitten in der Nacht.
Wieder zurück zum Hautbahnhof, es ist vier Uhr den Sonntagmorgen und ich habe noch genug Zeitpuffer, bis die S-Bahn unten in den Stadttunnelgleisen gegen halb fünf Uhr Richtung Halle abfährt. Viele wartende Menschen sitzen da unten. Als die S-Bahn einfährt, sitzen noch viel mehr Menschen innen drinnen.
Die Fahrt nach Halle Hauptbahnhof ist kurz, ich bin müde, aber ich habe keine Minute zum Einschlafen.
Halle Hauptbahnhof, fünf Uhr morgens, der Bäcker in der großen Halle hat schon offen, ein vorgezogenes Nuss-Nougat-Croissant für mich und als Wechselgeld mindestens ein Euro für den Automaten an der Toilettenhalteschranke. Mir fällt das sichernde Personal von der Bundespolizei auf, zwei mehr und dunkler Schutzkleidung mit Maschinenpistole und Kevlar-Helm … die stehen hier sonst nur bei einer akuten Terrorbedrohung. Ich kann in dem Moment noch nicht weiter denken und esse mein Frühstückscroissant.
Umstieg in den Regionalexpress Richtung Magdeburger Hauptbahnhof. Wieder der Doppelstockwagen ganz oben.
Die Sitze sind unbequem, da ist der andere Zug viel besser, ich kann hier nicht wirklich schlafen.
Ich bekomme nicht alle Haltestellen mit, ich muss doch immer wieder ein paar Mal kurz einnicken. Magdeburg erreichen wir gegen sieben und voller Sonne da draußen. Kein zweites Croissant für mich, nur eine Flasche Wasser vom Aldi in der Vorhalle.
Der Zug fährt pünktlich, ich muss nicht lange warten. Auf meinem Sitzplatz die letzten dreißig Kilometer krame ich wieder mein Make-up Entfernungstuch aus meiner Handtasche und wische mir den schwarzen Mascara und Kajal aus den Augen. Ein immer wiederkehrendes Ritual.
In der Wärme des Sonntagmorgens die paar Schritte zurück zum Wohnhaus. Ich will die Treppe hochschleichen, den Hund nicht aufwecken – meine Eltern sind schon wach. Sie öffnen die Wohnungstür, sie haben sich Sorgen gemacht, sie wussten nicht, ob ich nach Leipzig oder doch eher zum CSD nach Berlin gefahren bin … was soll ich denn da? Ihr wisst doch, dass ich diese großen Massenveranstaltungen meide und nur so zu kleineren und alternativeren Veranstaltungen fahre? Jetzt ergibt es einen Sinn. Die Polizisten auf den Bahnhöfen. Es ist das passiert, auf das alle schon gewartet haben. Irgendwann wird ein Verrückter kommen und mit dem Auto …
Ich will es nicht wissen, ich schalte das Smartphone nicht an, ich lese die Nachrichten nicht. Ich reiße alle Fenster auf, um die Wohnung zu lüften, verschwinde ins Bad, wieder zurück in meinem Schlafzimmer, Fenster und Gardinen zu, Schlafmaske vor die Augen und noch mindestens vier Stunden bis zwölf Uhr mittags schlafen. Ich bin so müde, dass es funktioniert. Kleine Wolken am sonst sonnigen Morgenhimmel, ich bin fest davon überzeugt, dass den Sonntag noch ein Gewitter kommt.
[21.07.26 / 00:24]✎ Ich sitze wieder im Zug Richtung Leipzig. Mit dabei in meiner kleinen Sporttasche: das schwarz-goldene Kleid im Baby-Doll-Schnitt, das habe ich über Nacht schon draußen auslüften lassen, so ist das, wenn ich ein oder zwei Jahre ein neu gekauftes Kleid im Schrank hängen habe und ich nicht weiß, ob ich es jemals schon einmal angezogen habe – jetzt der CSD in Leipzig da will ich es endlich tragen.
Mit dem Regionalzug von Magdeburg aus Richtung Leipzig, früh am Morgen, kurz nach dem Frühstück bin ich schon von meinem Heimatkaff aus in den Verbindungszug gestiegen, in Magdeburg selbst finde ich den abfahrenden Express nicht, ich muss noch eine S-Bahn in das nächste winzige Provinzkaff nehmen … viele ratlose Gesichter auf dem Umsteigebahnhof. Leipzig erreiche ich erst spät gegen Mittag.
Wird es dieses Jahr voll werden? Je näher der Regionalzug Leipzig kommt, desto mehr Leute müssen in den Gängen stehen, noch mehr Leute bleiben auf den Bahnhöfen mit noch mehr ratlosen Gesichtern zurück. Viele sehe ich schon in ihren bunten Regenbogengewändern, einige sogar mit Trans-Flagge … ich habe mich nicht getraut, mein Trans-Pride-T-Shirt schon während der Fahrt quer durch Sachsen-Anhalt zu tragen, ich reise inkognito, unerkannt, zu meiner eigenen Sicherheit. Unter meiner schwarzen Baumwoll-Bikerjacke trage ich nur ein ärmelloses, schwarzes Top.
Angekommen am Bahnhof in Leipzig, die Schließfächer suchen, meine Sporttasche möchte ich nicht mit auf die Demo nehmen, da ist noch mein ganzer Übernachtungs-Kit drin, eine kleine Waschtasche, das genannte Kleid – und die Pikes-Stiefeletten. Für die Demo bleibe ich in meinen Sneakers und der anthrazit-grauen Stretchjeans. Mein T-Shirt und den Sonnenhut aus der Tasche kramen, die automatische Stimme am Schließfach warnt schon, bitte alles schnell in das Fach legen! Ein Countdown zählt runter. Ich werde schon wieder nervös vor aller beobachtender Gesichter. Die Tasche hoch wuchten, Bikerjacke mit rein, Tür zu, Abholbon aus dem Schlitz ziehen. Mein T-Shirt überziehen: Trans Lives Matter – das hatte ich auch schon länger nicht mehr an, es hing über Nacht auch neben meinem Kleid.
Zu Fuß mit Sonnenbrille und Sonnenhut über die große Straßenbahnhaltestelle – von denen die Hälfte der Gleise gesperrt ist, wegen einer Baustelle – weiter zum Augustusplatz, dem Versammlungsort für den diesjährigen CSD in Leipzig.
Ich nähere mich von der Straße aus mit den Restaurants über die Fußgängerzone, ich kann den Augustusplatz schon sehen … bin ich zu früh? Doch nicht so viele Menschen? Letztes Jahr war das hier noch viel, viel voller. Es verteilt sich, die Schattenplätze sind begehrt.
Die Demotrucks stehen dieses Jahr in drei Reihen parallel zueinander. Nach einer kurzen Runde über den Platz vor der Oper mit den vielen aufgebauten Ständen und der Bühne, finde ich nahe dem gegenüberliegenden Platz mein Demofahrzeug: zwischen den vielen Trucks mit den Parteien und diverser großen Firmen in Leipzig, fährt dieses Jahr wieder ein Wagen der Antifa ganz hinten mit! Noch hinter dem Wagen der Linken, die letztes Jahr der einzige letzte Wagen waren. So viele interessante Menschen versammeln sich hier, im Schatten der Arkaden creme ich mich mit dem letzten Rest meines SPF-50-Sonnenschutzes ein.
Geplant sollte die Demo dreizehn Uhr den Sonnabend losgehen, als die großen Trucks nacheinander losfahren, dauert es gefühlt eine Stunde, bis auch der letzte Wagen den Platz verlässt – und es ist doch voll geworden, zwanzigtausend wie letztes Jahr, bestimmt wieder.
In den Medien, die kleinen CSDs in den vielen Kleinstädten, die jetzt überall stattfinden, im Osten wie im Westen von Deutschland, es macht keinen Unterschied, sie werden überall angegriffen. Ich muss mir vorher schon überlegen, lohnt es sich noch zu einem CSD zu fahren? Wenigstens der in Leipzig, der ist groß genug? Die ersten paar hundert Meter, es geht stockend voran, eine Party-Stimmung kommt bei mir nicht auf, ich wechsele in meinen Soldatenmodus. Mein Gesicht ohne Mimik und der absuchende Blick unterscheidet sich nicht von den an den Seiten stationierten Gesichtern der Polizisten und Polizistinnen in dunkel-schwarz-blauer Kampfmontur. Mein Blick sucht rechte Störer am Straßenrand. Jede zu überquerende Kreuzung fallen mir die wartenden und sogar schon wendenden Fahrzeuge auf, die Polizei sperrt hier nicht mit ihren großen Wannen ab … zu einfach wäre es für Angreifer, die Gelegenheit zu nutzen, bis vorne an die Kreuzung zu fahren und dann auf das Gaspedal zu treten … wenn ein paar Verrückte das schon gemacht haben, und das überall in den Medien kam, dauert es nicht mehr lange, bis der nächste rechte Spinner sich für einen Helden hält und es genauso macht. Die Polizei kann nicht überall alle schützen. Es dauert noch ein paar Straßenzüge und Kreuzungen, bis ich mich langsam entspannen kann.
Die Demo zieht weiter durch die Innenstadt von Leipzig, laute Bässe, laute Musik, wirklich sehr viele interessante Menschen um mich herum, viele sind trans, wie ich … ist ja auch der Antifa-Wagen.
Ab und zu durch die Häuserschluchten ein Schatten, eine Baumallee, Schatten werfende Blätter, ich habe die schwarze Baumwollhandtasche dabei und mit zwei kleinen Wasserflaschen bestückt. Der Kommentar über meinen süßen Strohhut ist zwar ganz nett, aber den trage ich nicht aus modischen Gründen, der schützt mich vor der Sonne!
Ich blicke nach vorne und sehe den Anfang der Demo nicht, ich blicke nach hinten und sehe auch kein Ende … und das ist der letzte Wagen. Die CSD-Demo nimmt einen größeren Weg, damit alle Platz finden? Gegenden der Leipziger Innenstadt, in denen ich noch nie war. Sie nimmt nicht die Gasse zurück auf den Marktplatz, sie nimmt den Weg über das westliche Ende der Fußgängerzone! Ich freue mich, endlich die Fußgängerzone, endlich auf andere Menschen abseits der Demo treffen! Die Musik spielt laut, ich tanze durch die Demo, kein Gefühl der Angst und Unsicherheit mehr, wie zwei Stunden und zwei Wasserflaschen zurück … ich habe meine ganze militärische Ausbildung schon wieder vergessen, kein Lage, Auftrag, Nachbarn, Grenzen … CSD-Demo durch die Leipziger Innenstadt, vereinzelte rechte Störer zu erwarten, mich selbst schützen, andere Demoteilnehmer schützen, Straßenzüge aufmerksam beobachten, jederzeit Flucht- und Rückzugwege analysieren. Fast hätte ich meine alte, olivgrüne Feldjacke für den CSD herausgekramt.
Die Demo zieht in Ziehharmonikaform durch die Innenstadt, den Marktplatz von Leipzig, über die angrenzenden Straßen zur Baustelle der Straßenbahnhaltestellen und vorbei am Leipziger Hauptbahnhof, zurück über die Rückseite der Oper wieder auf den Augustusplatz. Jetzt habe ich mir ein Eis verdient! Bevor ich wieder zurück auf die andere Straßenseite zu meinem gebuchten Hotel gehe, bestelle ich mir noch an dem italienischen Eisstand am östlichen Ende der Fußgängerzone eine Kugel Malaga in der Waffel. Weiter zum Hotel.
Du kennst das Hotel schon … denke ich mir, als ich an meinem On-Off-Ex-Freund / langjährigen Liebhaber denke, mit dem ich zuletzt Oktober hier ein paar Stunden verbracht habe. Er hat eine Nachricht von mir bekommen, ich bin wieder in Leipzig. Eine größere Nachricht, mein Plan: Demo mitmachen, im Hotel einchecken, eine Dusche nehmen, den späten Nachmittag auf ihn warten und dann weiter den Abend und die Nacht zu der Abschlussparty vom CSD, weit draußen in Plagwitz. Ich bekomme das kleine Zimmer gleich unten in der zweiten Etage neben dem Aufzug, mit Blick auf die Straße, über einen Wandschalter winkele ich die schweren Außenrollos an. Das Zimmer ist klein, aber es hat ein Ein-Meter-Vierzig-Queensize-Bett, gewohnt genug Platz und es ist klimatisiert und still und ruhig … würdest du mir nur jetzt etwas schreiben, eine Nachricht? Ich nehme die Dusche, breite alle meine Sachen in dem Zimmer aus und schlafe, eingerollt in dem weißen Frottee-Handtuch, auf dem Bett ein. Kurz nach achtzehn Uhr wache ich wieder auf, keine Nachricht von ihm.
Ich mache mich für die Nacht ausgehbereit. Make-up: schwarzer Kajal, schwarzer Mascara, das Bad hat einen schwenkbaren Vergrößerungsspiegel. Das orientalische Parfüm, der Patchouli hinter den Ohren, mein schwarz-goldenes und sehr kurzes Kleid mit dem orientalisch anmutenden Muster, die Nylon-Strumpfhose ohne Muster und die spitz zulaufenden Pikes-Stiefeletten mit den kubanischen Absätzen. Silberschmuck, marokkanischer Armreif, der andere Armreif, ein Ring und die Silberkette mit dem silbernen Ganesha-Anhänger. Mit der riesigen Wolke Patchouli um mich herum, ich könnte auch direkt aus den Sechzigern oder Siebzigern entsprungen sein. Neunzehn Uhr und ich greife meine schwarze Baumwoll-Bikerjacke und schließe die Hotelzimmertür hinter mir, ich kann kaum etwas sehen, ich trage die neue „Ray Ban“ Sonnenbrille. Alles schreit nach: ich bin nicht von hier und auch nicht aus dieser Zeit.
Draußen mein Weg über den Opernplatz wieder zurück in die Innenstadt, es sind noch Leute auf dem Platz, vielleicht spielt noch eine Band auf der Bühne, die Stände der Vereine sind schon weg, Latino-Musik wird gespielt, Leute tanzen, ich tanze hindurch. Weiter zu der Straße mit den Restaurants.
Indisch? Italienisch? Eine größere Wahl will ich nicht und hatte ich auch nie. Meine Wahl fällt wieder auf Italienisch, ich möchte Pasta essen, nicht Pizza, das hatte ich Pfingsten schon. Das italienische Restaurant hat in dem Innenhof leider keinen Platz mehr frei, ich muss draußen auf der Straße inmitten der Fußgängerzone sitzen, weiter interessante Menschen beobachten.
Danach weiter über versteckte Gassen und Innenhöfe, über den Park hinter der Oper zurück auf die Ringstraße, irgendwo hier sollen jetzt die ganzen Straßenbahnen fahren, die sonst am Hauptbahnhof abfahren würden, wenn ich die Linie nach Plagwitz nehmen wollte. Mein Straßenbahnticket kaufe ich mir an dem Automaten, da bin ich schon wieder am Hotel – hier fährt eine „3“? Die richtige „3“? Ich muss die andere „3“ nehmen, die in die Gegenrichtung. Minuten der Verwirrung, aber ich finde mich zurecht.
Die Abschlussparty hat den Einlass auf frühe einundzwanzig Uhr angesetzt, als ich am Eingang stehe und mein Smartphone für das Ticket und den QR-Code aus meiner Baumwollhandtasche krame, ist es schon gegen zweiundzwanzig Uhr. Die Party-Location ist dieselbe, wie ich sie auch von Pfingsten schon kenne, ich war hier vor zwei Monaten schon einmal. Deswegen das Ticket und diese Venue, der große Innenhof, der Balkon, die große Tanzfläche in dem Saal, wo jetzt wohl die anderen Tanzflächen sind? Das, was bei dem Festival der Merchandise-Stand gewesen ist? Die Garderobe ist für diesen Abend geöffnet, aber ich will meine leichte Jacke in der Hand behalten, wenn ich den Abend und die Nacht die meiste Zeit draußen verbringen will.
Noch bevor ich meine erste Flasche Mate-Brause bestelle, die ersten Titel auf der großen Tanzfläche tanzen, gefühlt Achtziger-Jahre-Kram, ich muss meine Sonnenbrille aufsetzen, ich wollte das schon immer einmal tun. Nach wenigen Titeln, weiter an die Bar und nach oben.
Das obligatorische Selfie mit Blick auf die Dächer im Hintergrund auf Plagwitz, mit Sonnenbrille, ohne Sonnenbrille, alles ist verwackelt und verschwommen. Pfingsten auf dem Gothic-Treffen habe ich mich nicht getraut, hier oben am Geländer Selfies zu machen, dazu ist die Gothic-Szene zu elitär. Bei den LGBTQ-People hier, ist mir das egal, ich werde niemals angesprochen, oder beobachtet, bin in meiner Bubble, es ist ein „Safe Space“ für alle sonderbaren Gestalten.
Unten der Hof, mir fällt die Karaoke-Bar auf … traue ich mich? Ich würde gerne ein paar Songs von Billy Idol singen, bis auf die Refrains während dem Autofahren bin ich aber nicht textsicher. Ich werde mich die ganze Nacht nicht trauen.
Mir fallen die großen Sitz- und Liegekissen auf, arrangiert auf einem Holzpodest.
„Geht es dir gut?“, ein Gesicht beugt sich über mich, ich liege schon minutenlang auf so einem riesigen Kissen und starre den wolkenbehangenen Nachthimmel an.
„Das ist schön hier, wenn es jetzt noch Sterne geben würde … Da, ein Stern!“ Eine Wolke reißt eine Lücke.
Wieder drinnen, ich wechsele zwischen den beiden Tanzflächen. An der großen finde ich meinen „Bar-Tisch“, die Heizung an der Wand ganz hinten. Die zweite Tanzfläche ist tatsächlich der Raum, in dem vor ein paar Wochen die Merchandise-Tische aufgebaut waren. Draußen die dritte Tanzfläche, eine DJane legt chillige Musik auf, Ethno-Halal-House.
Mitternacht drinnen, es waren Drag-Queens angekündigt und es sind einige gekommen, die Namen sagen mir etwas, ich habe da noch einen Flyer aus Berlin. Der Saal ist voll, die Menge jubelt, ich warte darauf, dass die Drag-Queens einen schmalen Gang durch das Publikum öffnen, aber sie kommen nicht von ihrer Bühne herunter. Ich bewundere ihre Kostüme und wie viel Arbeit das wohl gemacht hat, alles selbst zu schneidern, kunstvolle Perücken. So groß ist der Saal nicht und ich kann auch von meinem Stammplatz unterhalb der Empore viel sehen. Ich wünschte, er wäre hier, ich bin den ganzen Abend alleine.
Er hat mir Nachrichten geschrieben, ich habe sie oben auf dem Balkon schon gelesen, als ich in einem der tief geklappten Liegestühle saß. Er schreibt, er wartet auf mich in dem Hotel, oben die Lounge-Bar im siebten oder achten Stock, er kennt die Bar. Ich soll nicht zu spät die Nacht zurückkommen. Ich schreibe ihm, ich weiß nicht, wann ich vielleicht zurückkomme, zwei oder drei Uhr die Nacht? Er schreibt, spätestens um zwei Uhr machen sie die Lounge-Bar zu und schmeißen alle raus. Ich bin hin und her gerissen … gehe ich hier? Aber die Party hat doch gerade erst angefangen? Es ist kurz nach Mitternacht?
Ein weiterer schüchterner Blick in die Karaoke-Bar … noch mehr Leute und ich traue mich nicht. Ich kann alle Refrains, von „Rebel Yell“, über „White Wedding“ und „Eyes without a face“, wahlweise mit der einseitig hochgezogenen Oberlippe, wie es nur Billy und ich tun können.
Mein Blick von oben runter auf den Innenhof fällt auf die kleine Bühne mit der DJane, sie legt jetzt richtig gute Stücke auf und es sind nur drei Leute, die da vor ihr in dem staubigen Kiesbett tanzen … ich geselle mich dazu. Die Musik wird so elektronisch, sie könnte auch auf jeder Crossover-Electro-Gothic-Party gespielt werden. Ich bin in Schwarz, mein Kleid, meine Pikes, meine Bikerjacke. Irgendwann schreibe ich ihm, es ist kurz vor zwei Uhr und ich bin immer noch nicht auf dem Rückweg.
Ich gehe, die Entscheidung ist getroffen … mit einem Gefühl, vielleicht sehe ich ihn, vielleicht auch nicht. Ich komme mir doof vor, dass ich Kondome mit eingepackt habe, die, deren Verfallsdatum schon abgelaufen ist, eine kleine Packung Gleitgel gab es mit dazu, von Partys, die schon Jahre zurück liegen, Kondome, die noch in meiner alten Wohnung in Leipzig herumlagen. Einerseits vermisse ich ihn, andererseits möchte ich ihm das immer nicht wieder antun, ihm schreiben, ich bin da – und dann wieder doch nicht. Den Nachmittag ein paar Stunden zuvor in dem Hotelzimmer, da habe ich auf ihn gewartet, jetzt fliehe ich vor ihm.
Ich tanze noch ein paar Songs, gebe meinen leeren Becher Wasser an der Bar zurück, suche die Toilette, stehe in der Schlange – so ist das, wenn ihr Männer mit den Frauen eine Unisex-Toilette teilen müsst – werde von einer jungen Frau angequatscht, die Musik ist so laut, ich verstehe sie gar nicht, lasse mich aber nicht aus der Ruhe bringen.
„Schön, dass du das Spiel mitspielst“, weiter näher an der Toilette wird die Musik leiser, sie hat mich herausgesucht und so getan, als würden wir uns kennen, um nicht länger weiter hinten in der Schlange warten zu müssen. Sie hätte nichts weiter tun müssen, wie ich jetzt weiß, kommen häufiger Menschen auf mich zu, die vorgeben, mit mir schon ewig lange befreundet zu sein … nur ich habe sie vergessen.
Nach der Toilette, einen letzten Song tanzen, tanzend durch die Menge nach draußen zum Ausgang. „Kein Wiedereintritt“ steht auf dem Schild, ich bin endgültig draußen.
Ich stehe an der Straße und warte auf ein Taxi. Taxis fahren vorbei, die Gegenrichtung, die andere Spur, fahren in Richtung der Event-Location, viele Leute haben ihre Smartphones in der Hand und tippen eine Nummer. Ein Nachtbus fährt an mir vorbei … laufe ich bis zu der Haltestelle? Ich habe kein Ticket. Wenig später ein Taxi, es hält vor mir.
„Habt ihr das Taxi gerufen, ist das euers?“, die zwei laufen von der gegenüberliegenden Fahrbahnseite auf das Taxi zu.
„Ja, das ist unseres.“
„Wo fahrt ihr denn hin? Ich muss zurück zum Augustusplatz.“
„Ja … das ist fünf Minuten von da, wo wir hin wollen – du kannst dich an dem Fahrpreis beteiligen.“
„Ich habe noch ein bisschen Bargeld dabei“, sie steigt vorne ein, ich mit ihrer Begleitung auf die Rücksitzbank vom Taxi. Durch die Nacht mit dem Taxi zurück zur Innenstadt von Leipzig, zum Ausgangspunkt des CSDs vom Nachmittag.
Sie steigen nicht weit entfernt davon am westlichen Ende der Fußgängerzone aus, der Taxifahrer bietet an, mich weiter zu fahren, aber das letzte Stück durch die Fußgängerzone gehe ich zu Fuß. Die eine, die das Taxi bestellt hat, bekommt einen Fünfer von mir.
Durch den Schein der Straßenlaternen durch die gar nicht so leere Innenstadt von Leipzig. Blaue Lichter der Polizeiautos, die eine Diskothek da, da gab es wieder Ärger. Junge Frauen laufen an mir vorbei, alleine, zu zweit, ich bin nicht die einzige, die mit ihren Absätzen laute Geräusche auf dem Kopfsteinpflaster hinterlässt. Junge Männer hier und da, arabisch aussehende Männer … ist er es? Nein, er sieht mittlerweile viel älter aus.
Ich zeige meine Schlüsselkarte in der dünnen Kartonage durch die Scheibe dem Hotelmitarbeiter hinten am Rezeptionsschalter, die Glastür öffnet sich. Wenige Schritte zum Aufzug, noch weniger Schritte zu meiner Tür gleich neben dem Aufzug … er hat weder unten an der Lobby, noch neben meiner Zimmertür auf mich gewartet, ich hatte ihm den Nachmittag schon die Zimmernummer geschrieben.
Ich betrete mein kleines Hotelzimmer nur für mich ganz allein, öffne die große Fenstertür und verschwinde ins Bad. Make-up entfernen, Zähne putzen, Haare kämmen, Aloe Vera auftragen, meine Schlafmaske und die Ohrstöpsel hervorholen. Wieder draußen aus dem Bad, ins Bett verschwinden. Glastür und Vorhänge wieder zu, den Wecker für das Frühstück um zehn Uhr den Sonntagmorgen stellen. Es ist drei Uhr fünfzehn und er hat keine Nachricht geschrieben. Den nächsten Tag werde ich ihm schreiben, dass das über eine Stunde gedauert hat, von der Party bis hier her ins Hotel zu kommen, deswegen ist das mit zwei Uhr nichts geworden. Ich schlafe gleich ein, ich werde auch nicht mehr auf das Smartphone schauen.
Sonntag zehn Uhr, aufstehen, Haare kämmen, Gesicht frisch machen, das Kleid von letzter Nacht und die Stretchjeans anziehen, mit dem Aufzug hoch auf die siebte Etage und das üppige Frühstücksbuffet einnehmen. Brötchen, Croissants, Joghurt mit Früchten, ein Ei und ein Glas Orangensaft und eine größere Tasse schwarzen Kaffee und der Blick auf die Dächer von Leipzig und die Straßenbahnlinien ganz weit unten, das Frühstück mit der Aussicht ist jeden Euro wert.
Check-out ist um zwölf, vorher duschen, zurück vom Frühstück, und alles zusammenpacken. Draußen betrete ich wieder die Straße und da ist er, der hinterher gerufene Kommentar: „Ich bin schwanger!“ – irgendjemand findet das urkomisch, Frauen in Baby-Dolls und Jeans zu sehen. Ja, ich weiß, normalerweise ziehe ich solche Kleider nicht an – aber das in dem Muster gab es nur in dieser Schnittform. Mir ist bewusst, dass ich darin wie eine schwangere Frau aussehe – und ich fühle mich in dem Moment auch so, ich bin bis oben dicht mit Hormonen und werde künstlich auf dauerschwanger gehalten. Meine ignorierende Abweisung lässt ihn bestimmt daran zweifeln, ob ich nicht wirklich eine „echte“ schwangere Frau gewesen bin … nicht zu viel darin hinein interpretieren, vielleicht hat er auch wirklich nichts an mir bemerkt.
Weiter zum Bahnhof, das letzte Restaurant in der Fußgängerzone wähle ich für mein Mittagessen, wieder Pasta … Gnocchi eigentlich. Während ich auf meine Bestellung warte, suche ich seine Nachrichten … mehrere entgangene Telefonanrufe. Er hat zwischen vier und fünf Uhr tatsächlich noch versucht, mich zu erreichen. Er schreibt, er musste nach um zwei Uhr die Hotel-Lounge verlassen. Er hat auf mich gewartet. Ich mag mich nicht. Ich habe ihn versetzt. Wir haben uns verpasst. Ich habe ihm bewusst nicht geschrieben, dass ich zurück im Hotel bin, wenn er mir nichts schreibt, erwarte ich auch nichts. Wie Pfingsten, ich will einfach nur in Ruhe in meinem Hotelzimmer schlafen. Mir geht das Bild nicht aus dem Kopf, wie er Pfingsten vor einem Jahr von der Security auf dem Festival von mir weggezerrt wurde … sie wollten mich nur beschützen.
Weiter zum Bahnhof hinein. Die offenen Geschäfte auf den zwei Ebenen ablaufen, die Zeit herumbekommen bis zur Abfahrt der S-Bahn unten auf den tieferen Gleisen, ich fahre die Strecke über Halle und erreiche Magdeburg vom Süden aus. Damit vermeide ich den Umstieg im Nordosten von Magdeburg.
Es wird spät den Nachmittag, als ich mein Heimatkaff erreiche, ich will das nächste Wochenende wieder nach Leipzig … da ist dann wieder so eine Party. Ob ich ein Hotel nehme, lasse ich wetterabhängig. Vielleicht nehme ich auch nur so den Zug, ohne Hotel und Übernachtung. Ich bin mir nicht sicher, ob ich ihm noch eine Nachricht schreibe … spätestens wenn ich sowieso kein Hotel mehr buche, macht das zwischen uns keinen Sinn mehr. Ich liebe ihn und wir haben uns auseinandergelebt.
[13.07.26 / 19:22]✎ Die zweite Band spielt schon, es ist dunkel geworden, die Kulisse der Burgruine wird durch Strahler angeleuchtet. Ein Glühwürmchen schwirrt vor mir herum, so eines habe ich schon seit dreißig Jahren nicht mehr gesehen … vielleicht war es nur ein Insekt, das angeleuchtet wurde, aber so nah an dem kleinen Fluss mit der naturnahen Bepflanzung? Es könnte auch eines gewesen sein.
Die Band spielt auch Cover-Songs, sie sind in der Besetzung zu fünft oder zu sechst, der Drummer ganz hinten. Zwei Sängerinnen, eine für den Background- und eine für den Lead-Gesang, alle Mitglieder das ältere Alter (vielleicht die Background-Sängerin nicht), ihre Songs sollten das Publikum des Bikertreffen gefallen, Sechziger-, Siebziger-, Achtziger-Rock und ein paar moderne Sachen für die junge Ü40-Generation. Sie heben auch noch einmal hervor, wie unglaublich schön diese Kulisse ist, die Burgruine. Ich sehe hinter der Bühne einen Teil, sie sehen hinter dem Publikum den anderen angeleuchteten Teil, rechts von mir, links von ihnen, der mittlere Teil und der hohe Bergfried dahinter.
Nach den beiden Bands, Musik vom Band … wie lange bleibe ich, wann gehe ich ins Zelt? Meinen Poncho habe ich mir vor den beiden Bands schon aus meinem Zelt geholt, der Motorradhelm ist vom Rückspiegel in die Rolltasche neben meinem Zelt verschwunden, das schwarze und stark verschwitzte Spaghettiträgertop ist wieder frei geworden, ich habe es wieder untergezogen, nächstes Mal zwei Unterhemden mit einpacken … nicht nur die Ersatzunterhose.
Ich wechsele zwischen Bar und Toilette gegenüber, quer über den Burghof, an der Grillstelle vorbei. Wieder auf dem Weg nach vorne zur Bar, werde ich von einem Mann angesprochen, sie sind zu zweit und unterhalten sich, ich werde von ihm mit ins Gespräch miteinbezogen, weiß aber so gar nicht, über was die sich da unterhalten, ich stehe einfach nur so daneben, wieder mit großen Fragezeichen in den Augen.
Sein Gegenüber verabschiedet sich und er widmet sich jetzt komplett mir.
„Wollen wir noch einmal an die Bar gehen, etwas zu trinken bestellen? Ich muss mir noch ein paar Getränke-Bons kaufen.“
„Klar …“, warum nicht? Ich halte meinen Plastebecher Wasser noch und habe genug Getränkebons.
„Was fährst du denn so, bist mit Motorrad hier?“
„… und mit Zelt!“, ich deute auf die kleine Mauer, dahinter der Fluss und irgendwo da, nicht sichtbar, mein Motorrad und mein Zelt.
„Ich bin auch mit Motorrad hier“, es ist nicht erkennbar, die Biker, die nicht in Lederkluft sind, ziehen sich vorher am Zelt oder Motorrad um, „Aber ich habe noch ein anderes, ein Gespann, mit Seitenwagen, willst du mal mitfahren?“
Wir sitzen am Tisch auf einer der Bänke, er wischt mit den Fingern auf seinem Smartphone schnell hin und her und zeigt mir ein Bild: „Die kenne ich!“, ich ziehe mit meinen beiden Fingern spontan das Bild größer.
Es stellt sich heraus, er ist der Besitzer des russischen Ural-Gespanns, das vor zwei Wochen an der Kantine geparkt hat und meinen interessierten Augen nicht entgangen ist, ich zeige ihm auch ein Foto von meiner Maschine, aber das ist schon in Schwarz-Weiß, wegen dem Nachtfilter auf dem Smartphone.
„Und was machst du da so in der Kantine?“
„Ich arbeite da in der Nähe“, bis jetzt, mehr ins Detail gehe ich nicht, „So Software programmieren, für Mess- und Prüfstände, für Batterien und Brennstoffzellen“, so viele Firmen gibt es hier eigentlich nicht.
„Soll ich dir mal meine alte Firma zeigen? Ich habe hier in der Nähe mal gearbeitet.“
„Klar, warum nicht?“, ich weiß auch nicht, warum ich so einfach zusage und mit ihm von dem beleuchteten Burghof mit den vielen Menschen verschwinde, „Ist das weit?“
„Nein, ganz in der Nähe.“
Die Musik von dem Burghof wird immer leiser, ich versuche mir den Weg durch die Kleinstadt einzuprägen, damit ich im Bedarfsfall schnell wieder zurückfinde. Manche Straßen sind beleuchtet, die Gassen um die Kirche nicht.
So groß ist die Stadt nicht, wir erreichen ein Gebäude, das er vorgibt, dort einmal gearbeitet zu haben. Er mag die Ruhe, endlich kann er sich mit mir unterhalten. Meine trainierte Stimme ist sehr leise.
Wieder zurück, den dunklen Weg an dem Kirchturm, bedauerlicherweise ist diese Bank schon besetzt, er muss sich hier auskennen, wir amüsieren uns beide über diese Situation, er tut mir ganz sicher nichts, so in den einsamen und dunklen Straßen, ich habe schon ganz andere Situationen erlebt und erinnere mich an die eine Szene, in der ich nackt auf dem Beifahrersitz eines Fremden saß und er mit mir in den düstersten Waldweg gefahren ist, den er finden konnte.
Je gefährlicher die Situation wird, desto interessanter wird er für mich.
Wir gehen wieder zurück, die Musik vom Burghof wird lauter, den Kirchturm hatte ich den Nachmittag schon von weitem fotografiert, ich hätte mich orientieren können, der Flusslauf hätte mich sicher zu meinem Zelt gebracht. Er hebt eines der Absperrgitter hoch und wir betreten wieder das Treffengelände.
Mittlerweile sind es weniger geworden, die an der Bar aushalten, die Musik ist gleich laut. Ich hätte schon längst ins Zelt verschwinden wollen.
„Und du bist mit welchem Motorrad hier?“
Er deutet auf seine geparkte GS, ein Schlachtross an Reiseenduro, mit Gepäckkasten und überdimensionierter, selbstgeschweißter Gepäckbrücke: „Willst du mal Probe sitzen?“
Ich weiß nicht … „Ich habe sehr kurze Beine.“
„Ich halte das Motorrad fest“, es steht noch auf dem stabilen Hauptständer, den er gleich zurück klappen wird.
Vorher den Abend, hatte er mich schon überredet, auf diesem Spaßmobil, mit dem alle mal hier den Burghof herumrudern, eine Runde zu drehen, jetzt stehe ich vor der überdimensionierten BMW. Ich weiß, wie ich aufsteige, über den ausgeklappten Seitenständer und die Fußraste als Brücke, oder so, wie auf meinem Motorrad mit dem Gepäck: ich schiebe das eine Bein auf die Sitzbank und hopse mit dem anderen so weit, bis ich aufsitze … wahrscheinlich eine sehr angesagte Variante bei kurzbeinigen Endurofahrerinnen.
Er klappt den Seitenständer hoch.
„Ich will wieder runter“, ich habe Angst, meine beiden Beine hängen in der Luft, „Ich bin mal Enduro gefahren, aber da konnte ich noch mit den Fußzehen den Boden berühren!“ Ich überspiele die Angst und erzähle ihm von meiner Anekdote, wie ich einmal mit der hundertfünfundzwanziger Enduro von einem Acker aus auf den Feldweg fahren wollte und dachte, ich könnte diesen bestimmt dreißig Zentimeter hohen Absatz einfach so überfahren und gebe Gas, die Enduro schafft das schon und klettert da hoch: „… hat gar nicht wehgetan“, mit einer ausufernden Geste schwenke ich mit meiner Hand einen Bogen über das kleine Windschild und den Lenker. Er lässt mich wieder runter von der Enduro.
„Und? Kriege ich deine Nummer?“ Er zeltet hier nicht, er fährt wieder nach Hause. Aus einen seiner beiden Gepäckkoffer holt er seine Motorradsachen.
„Die gebe ich nie heraus.“
„Lass dich noch einmal umarmen zum Abschied“, er drückt mich, „Vielleicht sehen wir uns noch einmal wieder, an der Kantine?“
„Bestimmt“, sollte ich da noch arbeiten.
„Umarmen?“
„OK“, ich stehe da so da und warte, dass er endlich auf sein Motorrad steigt und abfährt.
„Noch eine Umarmung?“
Das wiederholt sich ganze fünf Mal … noch eine Umarmung mehr und ich hätte ihm meine Nummer gegeben, es dauert exakt eine Minute, bis so viel Oxytocin in meinem Körper aufgebaut ist – exakt sechs Umarmungen für je zehn Sekunden und die Männer können alles mit mir machen, dieser hier hätte es fast geschafft. Wäre er der eine Mann des Jahres geworden? Ich möchte mich dieses Jahr wieder öffnen, nicht mehr so, wie vor der Pandemie, als ich noch im Durchschnitt alle zwei oder drei Monate mit einem neuen geschlafen habe … aber vielleicht so einer pro Jahr? Ich glaube, ich bin bereit. Er hat keine Ahnung, was ich bin.
Zurück in mein Zelt, die kleine Kosmetiktasche holen. Noch einmal zu den Toiletten an der kleinen Mehrzweckhalle quer über die Brücke über den kleinen Fluss und den angrenzenden Burghof, vor den beleuchteten Spiegeln am Waschbecken meine Zähne putzen, die Sonnencreme habe ich mir den Abend schon herunter gewaschen. Wieder zurück zu der inzwischen nassen Wiese zu meinem Zelt.
Mit dem Smartphone leuchte ich das Innere aus. Meine Sachen muss ich draußen ausziehen und deponiere alles im inneren in dem geräumigen Kopfteil des winzigen Biwakzeltes. Ich schlüpfe in meinen Schlafsack, ziehe die Reißverschlüsse des Zeltes zu und dann den Reißverschluss meines blauen Daunenschlafsack. Die Schlafmaske habe ich mitgenommen, Ohropax in den Ohren, ein Allergiespray wegen dem Gras und der Wiese. Ich schalte mit einem letzten Blick auf mein Smartphone die Lampe aus. Zwei Uhr, noch ein paar Stunden Schlaf.
Ein dröhnender Motor – ist es schon sechs Uhr, schmeißen die alle schon wieder ihre Harleys an? Ich klappe die Schlafmaske hoch, meine Ohrstöpsel haben keine Wirkung gegen den Klang eines Anderthalb-Liter-Motors, ich rieche die Dämpfe der Abgase. Blick auf das Smartphone: „3:55“.
„Ey, das ist noch nicht mal sechs“, es muss andere Biker auch aus ihren Schlaf reißen.
Irgendjemand startet immer wieder für ein paar Sekunden sein Motorrad und piepst mit der Alarmanlage, aus Gründen die ich nicht kenne, mitten in der Nacht. Es muss der Typ da neben mir sein, mit seiner schweren Harley, so eine mit Windschild, Radio und allen Drum und Dran, bestimmt Alarmanlage gleich Serienausstattung. Den Morgen werde ich ihn sehen, gleich das Zelt neben mir. Ich schlafe weiter … und es funktioniert.
Bestimmt, wenn die alle ihre Zelte wieder abbauen, bestimmt, wenn drüben auf dem Burghof die Musik wieder angeht, dann werde ich den Sonntagmorgen wach. Es wird warm in dem Zelt, die aufgehende Sonne heizt es auf der Wiese auf. Ich klappe meine Schlafmaske hoch und greife mein Smartphone: schon acht Uhr. Auf dem Bon mit dem Frühstück steht, die fangen schon um sieben Uhr damit an. Ich ziehe die Ohrstöpsel raus, die Schaumstoffteile, und öffne den seitlichen Eingang von meinem Zelt mit Blick auf die Bank und dem Ufer darunter … ja, dafür habe ich genau hier gezeltet.
Ich krabbele aus dem Ausstieg auf die nicht mehr ganz so nasse Wiese, ich sollte das Zelt noch etwas in der Sonne stehen lassen. Es war kalt die Nacht und ich dachte schon, mein leicht gefütterter Daunenschlafsack hält das nicht aus, aber es ging dann doch.
Ich ziehe mich wieder an, meine Jeans, mein T-Shirt, die Pantoletten-Flip-Flops. Zuerst zu den Toiletten, mich frisch machen, die kleine Packung Duschbad habe ich dabei, die Waschbecken vor den Spiegeln reichen für den Oberkörper. Das erste „Morgen“ für die eine, die da schon aus dem Bad kommt.
Weiter zum Frühstück an der überdachten Bar mit den Holzbänken und Holztischen. Alles verzögert sich, sie sind noch nicht so weit. Der Kaffee steht schon und wird rege genutzt. Ich pumpe mir noch einen halben Becher „Restkaffee“ in mein Pappbecher und verziehe mich auf meine Bank an mein Zelt, um dort in Ruhe zu warten, bis das Frühstück bereit ist.
Wenig später, wieder zurück, das Frühstücksbuffet: anderthalb Meter Wurstaufschnitt und drei Marmeladengläser und ein Glas Nuss-Nougat-Creme. Für mich drei Brötchen, ein weiterer Kaffee und ich bekomme in den Gesprächen mit, dass es noch Frühstücksei geben wird. Rührei mit Speck … das esse ich jetzt. Einmal im Jahr ist Schwein darunter.
Der Zeltabbau, was den Tag vorher noch eine Ewigkeit gedauert hat, fällt jetzt innerhalb kürzester Zeit.
Einem der Biker fällt das auch auf: „Na, der Abbau ging ja viel schneller als gestern?“
„Ja …“
„Und mit viel weniger fluchen?“
Die kennen mich hier schon …
Als nur noch der letzte Rest auf mein Zelt hinweist, bauen die anderen neben mir auch ab. Die Sonne scheint und es ist heiß, ich habe mich wieder umgezogen in Baumwollslip und Spaghettiträgerunterhemd. Die Männer neben mir fühlen sich dadurch animiert und bauen ihre Zelte auch ab in Unterhosen. Es ist einfach warm und wir sind da nicht so, echte Biker eben.
Mein Gepäck lege ich in den Schatten meines Motorrads, alles wieder nacheinander in den beiden Gepäckrollen verstaut. Meine Lederkombi liegt bewusst auch im Schatten.
„Gehört der dir?“ Ich hätte fast einen Zelthering vergessen. Ich hatte sechs gezählt, es hätten sieben sein sollen und ich dachte, den ersten habe ich schon mit eingepackt. Der kommt jetzt in die Reißverschlusstasche meiner kleinen Sporttasche. Mit allen Gummibändern und -leinen verzurre ich das Gepäck wieder so, wie gestern in der Garage. Mit meiner Lederkombi verziehe ich mich in den Schatten eines großen Baumes gegenüber auf der Wiese … hier stand gestern noch ein Wohnmobil, das von dem einen, den ich kenne. Ich weiß, dass ich bei der Sommerhitze meine enge Lederkombi einzig allein nur im kühlen Schatten anziehen kann … die Lederhose vielleicht auch nur, weil ich sie den Tag vor dem Bikertreffen geschmeidig eingefettet habe, so wie das die Motorradfahrer früher gemacht haben. Es existieren alte Familienfotos von teilgenommenen Motorradrennen …
Ich warte noch etwas im Schatten des Baumes, bis die Biker neben mir ihre Zelte abgebaut haben und ihre Motorräder wegfahren, damit ist der Weg für mich frei und ich kann aufsitzen, den Helm überziehen und den Motor starten. Wenn es vor dem Starten zu körperlich anstrengend war, Reifen aufpumpen, Klamotten anziehen, Zelt abbauen, werde ich zitterig und das ist doof beim Motorradfahren. Die anderen Biker wissen das vielleicht auch und warten noch etwas unter den Bäumen auf der kleinen Straße neben der Wiese, bevor sie dann alle über die eine, dafür gar nicht vorgesehene Brücke fahren. Ich mit einem Abstand von einer Minute hinterher. Das Kopfsteinpflaster zur Straße hin, ganz vorsichtig.
Ich muss noch tanken fahren, auf meinem Smartphone habe ich im Schatten des Baumes schon die nächste Tankstelle lokalisiert, sie ist gar nicht so weit weg. Volltanken für das Motorrad, eine Flasche Wasser für mich.
„Bikertreffen schon wieder zu Ende?“, ich bin bestimmt nicht die Erste, die hier tankt. Ich habe Kennzeichen gesehen, bis nach Österreich.
Die Landstraße zurück in mein Kaff. Ich fahre nicht dieselbe Route, ein anderer Weg ginge auch, das war nicht mein Plan, aber ich bin kurz vorher den Kreisverkehr gedankenlos einfach nur geradeaus gefahren, den Wegweisern folgend.
Die Strecke ist schön, und ruhig, kein Verkehr, ich ganz alleine den Sonntagvormittag. Mein Tempo, meine achtzig oder neunzig auf meinem Tacho … noch etwas mehr und ich mache mir Sorgen um mein Gepäck hinten drauf. In den Rückspiegeln sehe ich nur die schwarzen Ecken der Rolltasche.
Ich düse so durch die Landschaft … nicht vergessen, zwar die ganzen Eindrücke verarbeiten – aber konzentriere dich! Ankommen ist wichtig.
Ich erreiche mein Zuhause gegen Mittag, fahre auf die Einfahrt vor dem Tor. Jetzt mache ich ein Foto von meinem Reisemotorrad mit dem Gepäck. Es hat gehalten, nichts ist heruntergefallen oder verrutscht, meine Idee, das Gepäck auf zwei Taschen aufzuteilen und die Gepäckgummis sinnvoll anzuwenden und nicht alles irgendwie herumzuwickeln, hat funktioniert. Ich hätte wieder Angebote annehmen können … nach Thüringen und dann weiter bis in die Alpen, aber das nächste Wochenende habe ich schon etwas anderes vor.
Gepäck abnehmen, rein tragen und endlich eine Dusche nehmen. Später nach dem Mittagessen rangiere ich mein Motorrad wieder in die Garage, hänge meinen Schlafsack zum Lüften aus und rolle meine Zeltausrüstung zum Trocknen auf dem Dachboden aus … bis zum nächsten Treffen, oder einer viel längeren Motorradtour.
Nachtrag: Das mit der einen Frau, die mich angesprochen hat, geht mir nicht aus dem Kopf, kann ich mich wirklich an nichts mehr erinnern? Ich erinnere mich an das Bikertreffen, aber nicht an sie? Sie ist nicht irgendjemand, sie hat mit mir gesprochen, ich habe mit ihr gesprochen – wenn das ganze wirklich passiert ist, dann müsste sie in meinen Tagebuchaufzeichnungen vorkommen? Ich schaue nach … Ende Juni 2025, das Treffen ist immer so um die Sonnenwende … und da ist sie! Die Tage nachdem ich das vor einem Jahr aufgeschrieben habe, konnte ich mich noch an sie erinnern.
In dem Moment, in denen ich die Zeilen jetzt lese, kommt ein Bild hervor: wie sie auf der Festwiese im Eingangsbereich auf mich zukommt und ich gerade vom Zeltplatz und meinem Zelt und mein Motorrad komme und sie fragt mich, ob ich wirklich nicht schon immer eine Frau war. Sie existiert, sie war wirklich da, sie sah da etwas anders aus, andere Frisur andere Haarfarbe. Wenn ich ihr im nächsten Jahr wieder begegne und ich kann mich an nichts erinnern, ich muss das anders nehmen: Schön, dich wieder (erneut) kennenzulernen. (Ende Teil 2/2)
[13.07.26 / 19:21]✎ Endlich kann ich meine Idee umsetzen: ich will die beiden Taschen, die Gepäckrolle und die Sporttasche hintereinander auf dem Motorrad festzurren, nicht wie bei dem letzten Bikertreffen letztes Jahr, alles in die eine schwarze Gepäckrolle und die ganze Ausrüstung türmt sich nach oben. Das nächste Bikertreffen dieses Wochenende, nachdem die beiden letzten Treffen irgendwie wetterbedingt für mich ausgefallen sind. Das eine, da war es zu warm und das letztes Wochenende, das ist komplett im Nieselregen untergegangen (ich bin gar nicht erst hingefahren). Dieses Wochenende Anfang Juli ist perfekt: nicht zu warm, nicht zu heiß, kein Regen, nachts kühl, immer wieder Schatten werfende Wolken. Ich fahre wieder zelten.
Den Freitag vor dem Wochenende, wieder ein arbeitsfreier Tag, ich kann mich entspannt vorbereiten, meinen Körper pflegen, rasieren, meine Lederkombi pflegen, die Motorradhose komplett einfetten, sie braucht das jährliche Fett jetzt, nachdem sie das letzte Jahr in der Waschmaschine gelandet war. Alles zusammenpacken verschiebe ich auf morgen, mein Zelt auf dem Dachboden suchen, die ganze Ausrüstung, auch. Mein Motorrad parke ich in der Garage um, vor das Auto, ich habe meine Maschine den Vormittag zumindest versucht, sauber zu waschen, sie setzt jetzt „Patina“ an, noch fünf Jahre bis zum Oldtimer-Kennzeichen.
Der Sonnabend, wo ist mein Zelt, mein Schlafsack, die Isomatte und die selbstaufblasende Luftmatratze … irgendwo oben in der Dachkammer, Zeltgestänge, Heringe liegen verstreut in kleinen Taschen, die Picknickdecke für darunter für die Rasenfläche, finde ich auch noch. Das Bikertreffen, das ich dieses Wochenende anfahren will, da war ich noch nie. Auf dem Papierflyer – den ich Wochen zuvor in der Kantine eingesammelt habe – da steht irgendetwas von „Zeltmöglichkeiten“, auf dem Satellitenbild im Internet sehe ich tatsächlich eine kleine Wiese neben dem Fluss gegenüber der pittoresken Burgruine … ob die das als „Platz zum Zelten“ meinen? Ich schaue mir auch an, wie ich zu diesem Ort, eine kleinere Kleinstadt am Rande der Zone, fahren kann, die Landstraßen, die Kreisverkehre, der Zugang zur Burgruine. Ich lese mir auch den Wikipedia-Artikel durch zu der Burgruine, im Spätmittelalter erbaut, ab der modernen Neuzeit verwaist, kurz nach der vorletzten Jahrhundertwende abgebrannt … danach Ort für Veranstaltungen und beliebtes Fotomotiv für „gruftige“ Bilder. Das will ich auch.
Nach dem Mittagessen, ich schleppe meine beiden vollgepackten Taschen zu meinem Motorrad in die Garage. In der schwarzen Rolltasche befinden sich das Zelt, die Luftmatratze und die kleine Isomatte, in meiner anderen Tasche in Camouflage, der kleine Daunenschlafsack, Sachen zum Wechseln für den Tag und den Abend, ein kleines Handtuch, Schlaf- und Kosmetikutensilien – das kleine Übernachtungsgepäck – und mein Leopardkopfkissen, der schwarze Kaschmir-Poncho passt auch noch rein, den nehme ich mit, wenn es nach Sonnenuntergang kühl wird. In die praktischen Seitentaschen schiebe ich noch meine Pantoletten-Flip-Flops, die vom Wochenende vierzehn Tage zuvor, die mit denen ich schon „ganz Thailand …“.
Weiter unten in der Garage, ich habe die zwei Befestigungsgummis für die Rolltasche, mein Gepäcknetz und die zwei langen Gummileinen mit Karabinerhaken zum Festzurren des Gepäcks. Die Sporttasche klemme ich unter dem Gepäcknetz auf den kleinen Gepäckträger, die Rolltasche zurre ich auf dem noch viel kleineren Soziussitz fest, da ich sie nicht so vollgepackt habe, reichen die zwei Gummis auch für diese eine Tasche. Mit den langen Gummileinen gehe ich noch einmal von hinten nach vorne über Kreuz über mein ganzes Gepäck und nutze sie auch gleich, um die anderen beiden Gepäckgummis abzusichern.
„Passt! Hält.“ Die Gummis sitzen nicht zu eng, alles ist noch leicht elastisch, aber es fällt nichts herunter oder rutscht seitlich ab. Ich werde langsam fahren und auf jede Bodenwelle aufpassen.
Zurück nach oben in meine Wohnung und mit der Lederkombi wieder angezogen nach unten zur Garage. Motorrad rausschieben, Motor starten, Garagentor schließen, Helm aufsetzen und ich fahre den frühen Sonnabendvormittag zu meinem Bikertreffen des Jahres, mit Motorrad, mit Zelt!
Über die sonnigen Landstraßen, schön gemütlich, nicht schneller als achtzig oder neunzig, es ist kein Verkehr, ich halte niemanden auf. Zu dem Dorf mit dem einen Bikertreffen von vor zwei Wochen und dann noch ein paar Dörfer weiter. Werde ich Leute dort treffen? Vielleicht die, die mir letztes Jahr von dem Treffen erzählt haben? Zumindest der MC von dem einen Treffen hier gleich in der Nähe, die kommen bestimmt auch, die müssen kommen, die MCs hier kennen sich gegenseitig und sind, meines Wissens, nicht „verfeindet“, alles freundliche Menschen und ich fahre nur zu den Treffen, von denen ich die Patches auf ihren Kutten kenne. Kann ich nichts falsch machen.
Ich fahre diese kleine Kleinstadt hinein, diskrete Wegzeichen weisen mir die Route zu der Burgruine. Wenig später drehe ich auf den kleinen Burghof. Viele Motorräder sind schon da, ich bin später losgefahren, ich wollte nicht in die Ausfahrt der Biker geraten. Ich steige ab und schaue mich etwas um, bekannte Gesichter erkenne ich noch nicht. Erst einmal ein Becher Wasser an der Bar bestellen. Der Begrüßungsschnaps an der Verkaufsstelle für die Getränkebons wird mir den Tag und den Abend noch mehrmals angeboten, aber ich lehne ihn immer wieder ab, den in dem Glas mit dem Knoblauch und es ist nicht wegen dem Knoblauch, weswegen ich ihn nicht probiere … nur der Alkohol.
Ich schau mich weiter um, die Burgruine, eine „Brennplatte“ für Motorradreifen, es ist ein Streetfighter-Club? Eine aufgebaute, mobile Bühne auf einem Veranstaltungshänger – wie ich später erfahren werde, das kleine Ossi-Multicar ist nicht die Zugmaschine – und der Zeltplatz? Es ist wirklich die Wiese neben dem kleine Flüsschen! Pittoresk. Nur vom Burghof abgetrennt durch das Wasser und die kleine Brücke, die eigentlich nur für Fußgänger und Radfahrer gedacht ist. Wie sind die Motorräder zu den Zelten da rüber gekommen? Sie fahren über die Brücke … schmal genug, um zwischen die Begrenzungspfeiler durchzukommen. Die Wohnmobile müssen den Weg von der anderen Seite auf die Wiese finden.
Ich laufe die Wiese ab, die Schattenplätze unter den hohen Bäumen sind schon begehrt durch die paar angereisten Wohnmobile, eines davon kenne ich schon und der Besitzer versichert mir, nimm mit deinem Motorrad den Weg über die Fußgängerbrücke, das machen hier alle so. Viele Motorräder stehen noch nicht auf der Wiese, nur ein paar Zelte malerisch und dem Ufer des kleinen Flüsschens gelegen. Ich habe ein Platz für mich gefunden, ich will auch am Ufer des plätschernden Wassers zelten, gleich neben der kleinen Holzbank. Ich hole mein Motorrad von dem Burghof, vorsichtig über die Brücke, rauf auf die Wiese zu meinem Platz … wenn einer da rüberfährt, machen die anderen das auch, die Zeltbesitzer rechts und links neben mir werden im Laufe des Nachmittags auch ihre Motorräder dazu holen.
Ich schnalle mein Gepäck ab und schäle mich aus der Motorradkombi. In schwarzer Unterwäsche, ein Baumwollslip und das Spaghettiträgerunterhemd, breite ich meine blaue Plane als Unterlage aus, ich stelle das Zelt parallel zu dem Ufer, da kann ich dann später eine Seite aufmachen und habe den plätschernden Flusslauf vor mir. Viele Meter entfernt, ab da wird es zum Ufer hin abschüssig.
Ich rolle in der prallen Sonne mein Unterzelt aus. Wie habe ich das letztes Jahr nur zusammengebaut? Eine detaillierte Anleitung dazu gibt es nicht, nur drei Bilder in der Gepäcktasche: Fixiere es mit sieben Heringen. Der Aufbau zieht sich gefühlt zwei Stunden hin. Die beiden Zeltgestänge zu je einem Bogen, verknüpft mit dem Moskito-Unterzelt … hätte ich die Armeeplane, das Oberzelt, hier auch in die paar Ösen schieben müssen? Wozu sind die anderen fünf Heringe, wenn das schon mit den sieben aus dem Aufbaubild steht? Sah das letztes Jahr nicht irgendwie anders und besser aus? Hauptsache es steht und ich kann darin schlafen. Der andere Biker, bei dem ich letztes Jahr mein Zelt neben seinem Camper aufgebaut habe und der jetzt irgendwo dahinten unter einem der begehrten Bäume steht, meint auch, das sah letztes Jahr irgendwie besser aus. Ich spanne noch einen Hering und eine Leine um mein kleines Biwakzelt zu stabilisieren, zum Glück weht an dem Ufer kein starker Wind … höchstens oben auf der Burgruine mit dem flatternden Deutschlandfähnchen.
Ich richte mich ein: die ausgerollte Isomatte, die Luftmatratze, das Ventil geöffnet, sie wird sich allein aufblasen, mein dünner Kuschelschlafsack und meine Motorradkombi quetsche ich irgendwo ganz hinten ins Zelt am Fußende, da war letztes Jahr mal so etwas wie eine „Apsis“, dieses Jahr habe ich das irgendwie falsch gemacht und den Teil zum Hochrollen unter den stabilisierenden Zelthering geklemmt. Vorne am Kopfende, meine kleine Kosmetiktasche, der Wollponcho für später und mein Leopardkopfkissen, ohne das kann ich nicht schlafen, ich brauche es jede Nacht und jeden Abend bei mir auf der Couch vor dem Fernseher.
Ich ziehe mich um, die Stretchjeans und das schwarze T-Shirt mit den zwei Wölfen. Vorher die Sonnencreme, nachdem ich zwei Stunden hier herumgeturnt bin. Das durchgeschwitzte, schwarze Unterhemd – mein Motorradhelm hängt über dem Rückspiegel vom Motorrad, ich ziehe das schwarze Baumwollunterhemd darüber, um den neuen Carbon-Helm vor der Sonneneinstrahlung zu schützen … ich wollte eigentlich genau deswegen die kleine Tasche zum Helm-Aufbewahren dafür mitnehmen, mein Unterhemd bringt das auch und sieht auch gleich viel improvisierter und authentischer aus … echte Biker machen das so. Ich nehme meine schwarze Baumwollhandtasche aus dem Zelt und laufe zurück zu dem Treffen auf dem Burghof, während meines Zeltaufbaus habe ich schon so einiges verpasst: bester Umbau, weiteste Anreise, die Lautstärkemessung an den Motorrädern …
Auf dem Burghof, den einen MC habe ich auf der Wiese schon anreisen sehen, ich saß mit dem Rücken zugewandt auf meiner kleinen Uferbank neben meinem Zeltplatz. Die anderen Biker, die ich sonst auf den Treffen hier in der Gegend sehe, sind nicht da … diesen Abend werde ich wohl alle meine Getränke selbst zahlen müssen.
Es dauert noch, bis da auf der Bühne auf dem Hänger zwei Bands spielen werden, ich interessiere mich für die Burgruine … ich gehe hinein, ein Dach hat sie nicht mehr, nur die mehrgeschossigen Mauern mit den freien Fenstern. Direkt neben der Ruine haben die Veranstalter dieses Treffen die „Brennplatte“ aufgebaut, zum Vernichten von Hinterradreifen von ihren Motorrädern. Der Geruch von verbrannten Gummi erreicht meine Nase inmitten der Burgruine, Nebelschwaden dringen hinein, ich war gerade dabei, Fotos zu machen, „gruftige“ Fotos für eventuelle Platten-Cover … ich muss das fotografieren! Der Rauch ist auf den Fotos leider nicht mehr sichtbar, aber die ganze Stimmung und das Licht ändert sich. Ich weiß, es gab damals in den Achtzigerjahren, und vielleicht sogar schon in den Horrorfilmen in den Sechzigern, einen Trick, sie haben ihre ganzen Foto- und Filmsets mit Nebelmaschinen eingeräuchert, um genau diesen schummrigen Lichteffekt zu erreichen. Hoffentlich werden meine düsteren Fotos etwas, der Himmel auf den ersten Fotos war noch blau, diese hier nicht. Mit einem Grinsen verlasse ich die vernebelte Burgruine.
Ein weiteres Wasser, eine Portion Pommes, auf dem Grill liegt nur Schwein. Die erste Band auf der Anhängerbühne bezieht ihre Position, drei ältere Herren, die angeben, sie spielen nur die düsteren und traurigen Songs aus den Achtzigern. Wer hat die denn eingeladen? Sie sind sich bewusst, sie sind hier irgendwie nicht ganz richtig, die Biker hören doch sonst nur Hardrock, zwar auch aus den Achtzigern, aber irgendwie was anderes. Die drei Herren mit ihren grauen Haaren sehen so aus, als spielen sie die Cover-Songs schon seit vierzig Jahren. Links der eine Mann an der Gitarre, heute ist nicht sein Tag, ein paar Töne trifft er nicht mehr so ganz, später bei der Zugabe wird er noch aufblühen und ein paar stärkere Riffs spielen, ich stelle ihn mir als Gitarrist einer Punkband vor, damals, als er noch ganz jung war. Rechts daneben in der Mitte, der Sänger, vor ihm ein dreigeschossiges Rack an schweren Synthesizern, jeder Cover-Song perfekt inszeniert, alle Synthesizer-Effekte akribisch nachgestellt, man merkt, es ist „seine“ Band. Die Stimme ist gut, er lebt die Musik und ist in den Achtzigern hängengeblieben. Rechts der sitzende Schlagzeuger, er spielt, als hätte er nie etwas anderes gespielt, die Songs, der New Wave, der vereinzelte Reggae- und Funkbeat, die essenziellen Elemente, die den Wave auf seine Art und Weise so unvergesslich machen. Er spielt immer nur sein Tempo, die „Slow Songs“.
Vor der Bühne, das kleine Grüppchen, alle Biker sitzen hinten an der Bar, ich stehe etwas abseits. Sie kokettieren damit, dass sie hier nicht so angesagt sind, ich bin inkognito, ich hatte überlegt, gehe ich in Schwarz, mein Gothic-Outfit? Oder doch lieber das freundliche Grau. Sie dort oben auf der Bühne sind teilweise in Schwarz, ich warte darauf, dass sie endlich die Schwelle vom New-Romantic-Wave zum morbiden Goth-Wave überschreiten … sie hätten auf jedem Trad-Goth-Treffen mehr Publikum. Immerhin eine Zugabe. Stand vor Beginn noch die Sonne tief, mit Lichtstrahlen auf die Bühne, stehen sie jetzt im Schatten der dreiseitigen Burgruine … in so einer Kulisse haben sie noch nie gespielt.
Nach dem Konzert, endlich kann ich mal die Toiletten hier inspizieren. Die Veranstalter haben den Schlüssel zu der angrenzenden und neugebauten, kleinen Mehrzweckhalle mit Bühne und allem – und vor allem eine „richtige“ Toilette, nicht die Dixi-Klos, nicht die Baracke der Dorfsportmannschaft, richtig saubere Toiletten und sie geben sich Mühe die so sauber nach dem Treffen wieder zu hinterlassen, mit Klopapier-Service.
Zurück an der überdachten Bar, die Sitzmöglichkeiten, Bierbänke und Biertische. Ich trinke meinen Plastebecher Wasser.
„Hey, wieso hast du mich denn nicht begrüßt?“, eine Frau in Schwarz, mit Sonnenbrille und blondierten Haaren setzt sich zu mir, sie gehört zu dem befreundeten MC, die mir gegenüber auf der Wiese ihr Camper- und Zeltlager aufgebaut haben.
Ich brauche ein paar Momente: „Ähh, hallo?“, ich habe keine Ahnung, wer sie ist.
„Erkennst du mich denn nicht mehr? Wir haben letztes Jahr zusammen getanzt, ich habe dich angesprochen, du hast mir erzählt, dass du da unten operiert bist – ‚Alles ab‘.“
Große Fragezeichen … ich weiß, mein Langzeitgedächtnis funktioniert nicht mehr, ganze Jahre verschwinden in den Lücken, da sind so viele kaputte Stellen auf den MRT-Fotos – und wenn diese keine körperlichen Auswirkungen haben, was verursachen sie dann? Immer wieder werde ich auf Treffen und Festivals von Menschen begrüßt, die vorgeben mich zu kennen und ich habe keine Ahnung, wer die sind. „… Keine Ahnung“, ich zucke mit den Schultern.
„Das ist aber schade, du zeltest da und wir zelten da und du kommst nicht mal rüber? Sitzt einfach nur auf deiner Bank und träumst so vor dich hin?“
Die Bank an dem Ufer ist schön, genau deswegen zelte ich da. „Ähh, ja.“
„Komm lass dich mal umarmen“, ich werde nervös, „Was ist denn nur los mit dir, ich bin es!“
Hätte ich eine Erinnerung, sie kommt nicht zurück. Sie gehört zu dem MC, den ich kenne, die, die vor zwei Wochen das Treffen organisiert haben. Ich habe da das letzte Jahr gezeltet, ich erinnere mich an mein Zelt, mein Motorrad, die paar Leute, die ich da getroffen habe, vielleicht habe ich sogar mit einer geredet, da unter dem Partyzelt … aber das war nicht sie?
Wir unterhalten uns weiter, sie ist interessiert, will mehr Details wissen.
„Dreißigtausend Euro, eine Privatklinik in Potsdam“, auf ihre Frage, was die Operation bei mir gekostet hat.
„Und deine Haare, sind die echt? Und deine Brüste, hast du die auch machen lassen?“
Alles Natur, alles echt. „Hormone.“
„So schöne Haare, ich wünschte, ich hätte die auch. Und du kannst dich echt nicht an mich erinnern?“
Keine Chance.
Wir unterhalten uns weiter, wie das bei mir angefangen hat, frühste Kindheit, wie ich mein Coming-out vor meinen Eltern hatte, überraschend, aber sie haben es akzeptiert und sind immer noch meine Eltern. Was ich beruflich mache, was ich bin.
„Software programmieren.“
„Ein Nerd!“, jetzt ist alles klar.
„Jedenfalls momentan noch, die Firma schmeißt mich raus“, ich habe es mit Fassung genommen, dass sie fünfundzwanzig Prozent der Belegschaft kündigen, damit der Betrieb die Krise überlebt, die Kurzarbeit der letzten Monate hat anscheinend nicht viel gebracht.
„Nerds werden immer gebraucht.“
Mein Blick schweift über das Gelände, in Richtung der Bühne.
Sie verabschiedet sich von mir: „Und vergiss mich das nächste Mal nicht mehr“, sie entschuldigt sich, dass sie jetzt anders aussieht, andere Frisur, andere Haarfarbe, ich dagegen sehe immer gleich aus.
„… Immer gleich!“ Noch irritiert von dem Ganzen, setze ich meinen Abend fort. (Ende Teil 1/2)
[03.07.26 / 21:58]✎ Nadelbehandlung #2 (Haarentfernung #40) – eigentlich eine kombinierte Laser- und Nadelbehandlung. Der letzte Termin meiner Reihe an gebuchten Behandlungen in dem Haarentfernungsstudio, wir beginnen den Termin in dem Raum mit dem Lasergerät. Ein paar Schüsse, drei, vier, die Nasenwurzel, die Falte am Mundwinkel, ich spüre kaum noch etwas. Die Tage vorher habe ich mich fünf Tage lang nicht rasiert, es ist ein Kontrolltermin, ich muss den einen oder zwei Millimeter wachsen lassen. Die Zeiten sind schon seit vielen Jahren vorbei, wo ich hätte einen Bartschatten erkennen können. Ein weißes Haar fällt mir auf, unten am Kinn, das einzige Haar, das vielleicht zwei Millimeter erreichen könnte, ich habe es mir den Morgen schon und den Tag zuvor zurück zu Hause im Badezimmerspiegel angesehen. Wir wechseln den Raum.
Wieder die halbe Treppe nach unten, ich kenne mich aus in den Räumlichkeiten, der Behandlungsraum mit dem Nadelepiliergerät. Oben lag ich vielleicht nur eine Minute auf der weißen Liege, hier unten nimmt sie sich die komplette Zeit für den Dreißig-Minuten-Termin. Drei weiße Haare vielleicht? Ich zähle anfangs noch mit, es werden um die zehn oder mehr.
Jeden Stromimpuls spüre ich, sie geht mit der Nadel tief in die Poren am Kinn … es tut weh. Das Schmerzgefühl von ganz am Anfang, als ich 2012/2013 meine Behandlung begann. Es muss weh tun, damit es etwas bringt. Die Haare kommen bestimmt nie wieder! Sie tritt das kleine, auslösende Fußpedal unter der Liege und bleibt hartnäckig.
Wieder draußen, meine Karte am Bezahlterminal, eine regelmäßige Kundin weniger. Vielleicht hätte es noch viel mehr Entfernungssitzungen mit der Nadel gebraucht, um wirklich vollkommen frei zu sein, das Geld hätte ich dafür hingelegt, aber es waren eben nur diese paar Termine geplant, das meiste über den leichten Laser. Ich kann jederzeit wieder telefonisch durchrufen und einen weiteren Termin machen, wenn die weißen Haare vermehrt zurückkommen.
„Viele ältere Frauen sehen so aus, das ist ganz normal“, ich verabschiede mich nach dem Bezahlvorgang mit einem netten Satz.
Klar, buche ich wieder eine Terminserie … spätestens in vier bis fünf Jahren, das haben die Haare so an sich, dass die wieder dunkel nachwachsen, sich nach ein paar Jahren – auch wenn es nur ganz wenige Haare sind – sich in kleinen Inselgrüppchen erholen. Vielleicht bin ich dann älter, hätte ich als Mann gelebt, die müssten eigentlich schon grau geworden sein, so mit Mitte vierzig, oder zumindest grau-blond.
Das wird nichts mehr mit dem „Unix beard“, das eine weiße Haar unten am Kinn …
das habe ich sehr gerne gemacht. Zum Einen interessiert mich das Thema und zum Anderen hast Du wirklich sehr lebendig und spannend geschrieben. Da wollte ich Alles lesen und wollte Dir schreiben, das mir Dein Blog besonders gut gefallen hat (Die eigentliche Arbeit hattest Du ja mit dem Verfassen des Blogs). Wenn Du magst können wir den Kontakt gerne per Mail halten. Viele Grüße Daniele
Morgana LaGoth: Mail-Adresse steht oben bei "kontakt" - bei weiteren Fragen, gerne.
vielen Dank für Deinen tollen Blog. Ich habe ihn in den letzten Wochen komplett gelesen. Meistens konnte ich gar nicht aufhören zu lesen. Fast wie bei einem sehr spannenden Roman. Ich habe dabei Deine genauen Beobachtungen und Beschreibungen sehr genossen. Deine vielen Ausflüge in die Clubs und zu den Festivals oder Deine Streifzüge d durch die Geschäfte beschreibst Du immer aus Deiner Sicht sehr anschaulich und spannend. Ich kann das sehr gut nachvollziehen, das alleine zu erleben, häufig auch mit einer gewissen Distanz. Ich kenne ich von mir sehr gut. Highlights sind Deine Reiseberichte. Deine Erlebnisse an den unterschiedlichsten Orten auf der Welt. Vielen Dank dafür. Vielen Dank auch das Du Deinen Weg zu Deinem waren Geschlecht mit uns Lesern teilst. Deinen Weg Deine Gefühle Deine zeitweisen Zweifel. Das ist sehr wertvoll auch für uns Andere, denn es ist authentisch und sehr selten. Du bist einem dadurch sehr vertraut geworden. Für mich ist eine gefühlte grosse Nähe dadurch entstanden. Umso mehr schmerzt es mich von Deinen Rückschlägen zu lesen. Von Deinem Kampf zu Deinem wahren Ich. Von Deinem Kampf umd Liebe, Zährlichkeit und Akzepzanz und Anerkenung. Von Deiem mitunter verzweifeltem Kampf nach Liebe und Anerkennung durch Deinen Exfreund. Leider vergeblich. Dein Kampf um wirtschaftliche Unabhängigkeit und Deine aktuell missliche Lage. Ich glaube dass Du nicht gescheitert bist. Du hast viel Mumm und Hardnäckigkeit bewiesen Deinen Gang zu Dir selbst zu gehen. Du hast auch einen guten Beruf der immer noch sehr gefragt ist. Vielleicht kann ja nach dieser Auszeit und etwas Abstand ein Neuanfang in einer anderen Firma, wo Du keine Vergangenheit als Mann hattest gelingen. Ich wünsche das Dir ein Neuanfang gelingt und drücke Dir ganz fest die Daumen. Daniele
Morgana LaGoth: Da liest sich tatsächlich jemand alles durch? Das ist mittlerweile schon ein kompletter Roman mit mehreren hundert Seiten! Danke dir, für deinen Kommentar (und die aufgebrachte Zeit).
vielen Dank für Deine offenen und kritischen Erlebnisberichte. Ich bin in 3 Monaten in Sanssouci zur FzF-OP. Ich denke auch, was kann schon schief gehen, status quo geht nicht und irgendwas besseres wird wohl resultieren. Wenn es Dich interessiert, halte ich Dich informiert. Drücke mir die Daumen.
Herzlich
Drea
Morgana LaGoth: Ich wünsche dir für deine Operation viel Glück. (Sollte der Koch nicht gewechselt haben, das Essen da in der Klinik ist richtig gut!)
[14.11.17 / 20:13]Morgana LaGoth: Nutzungsbedingungen für die Kommentarfunktion: Die Seitenbetreiberin behält sich das Recht vor, jeden Kommentar, dessen Inhalt rassistisch, sexistisch, homophob, transphob, ausländerfeindlich oder sonstwie gegen eine Minderheit beleidigend und diskriminierend ist, zu zensieren, zu kürzen, zu löschen oder gar nicht erst freizuschalten. Werbung und Spam (sofern die Seitenbetreiberin dafür nicht empfänglich ist) wird nicht toleriert. Personenbezogene Daten (Anschrift, Telefonnummer) werden vor der Veröffentlichung unkenntlich gemacht.
Kommentar:
[05.12.22 / 17:34] Daniele1992: Hallo Morgana
Mail ist heute rausgegangen
LG Daniele
[13.11.22 / 09:33] Daniele1992: Hallo Morgana
aktuell keine schöne Situation. Ich schreibe Dir noch eine Mail dazu.
LG Daniele
[13.05.22 / 09:15] Daniele1992: Hallo Morgana,
Tolle Reisebericht von Deiner neusten Reise nach Paris. Macht grosse Lust auch wieder dort hinzufahren um sich von der Stadt inspirieren zu lassen.
Tolle Neuigkeiten.NeuerJob. Klasse! Freue mich für Dich.
Liebe Grüße
Daniele
[24.12.21 / 20:55] Daniele1992: Hallo Morgana,
Ich denke an Dich und wünsche Dir frohe Weihnachten und ein schönes neues Jahr 2022.
Liebe Grüße
Daniele
[25.09.21 / 14:59] Daniele1992: Hallo,
eine Chance etwas Neues zu machen. Neue Perspektiven. Urlaubsträume, die bald real werden können. Nicht so schlecht. Freue mich für Dich. LG Daniele.
[11.11.20 / 09:12] Daniele1992: Hallo Morgana
Ich habe Dir eine Mail geschickt.
Lg
Daniele
[30.07.20 / 22:03] Daniele1992: Guten Abend
das habe ich sehr gerne gemacht. Zum Einen interessiert mich das Thema und zum Anderen hast Du wirklich sehr lebendig und spannend geschrieben. Da wollte ich Alles lesen und wollte Dir schreiben, das mir Dein Blog besonders gut gefallen hat (Die eigentliche Arbeit hattest Du ja mit dem Verfassen des Blogs). Wenn Du magst können wir den Kontakt gerne per Mail halten. Viele Grüße Daniele
[30.07.20 / 12:44] Daniele1992: Guten Morgen,
vielen Dank für Deinen tollen Blog. Ich habe ihn in den letzten Wochen komplett gelesen. Meistens konnte ich gar nicht aufhören zu lesen. Fast wie bei einem sehr spannenden Roman. Ich habe dabei Deine genauen Beobachtungen und Beschreibungen sehr genossen. Deine vielen Ausflüge in die Clubs und zu den Festivals oder Deine Streifzüge d durch die Geschäfte beschreibst Du immer aus Deiner Sicht sehr anschaulich und spannend. Ich kann das sehr gut nachvollziehen, das alleine zu erleben, häufig auch mit einer gewissen Distanz. Ich kenne ich von mir sehr gut. Highlights sind Deine Reiseberichte. Deine Erlebnisse an den unterschiedlichsten Orten auf der Welt. Vielen Dank dafür. Vielen Dank auch das Du Deinen Weg zu Deinem waren Geschlecht mit uns Lesern teilst. Deinen Weg Deine Gefühle Deine zeitweisen Zweifel. Das ist sehr wertvoll auch für uns Andere, denn es ist authentisch und sehr selten. Du bist einem dadurch sehr vertraut geworden. Für mich ist eine gefühlte grosse Nähe dadurch entstanden. Umso mehr schmerzt es mich von Deinen Rückschlägen zu lesen. Von Deinem Kampf zu Deinem wahren Ich. Von Deinem Kampf umd Liebe, Zährlichkeit und Akzepzanz und Anerkenung. Von Deiem mitunter verzweifeltem Kampf nach Liebe und Anerkennung durch Deinen Exfreund. Leider vergeblich. Dein Kampf um wirtschaftliche Unabhängigkeit und Deine aktuell missliche Lage. Ich glaube dass Du nicht gescheitert bist. Du hast viel Mumm und Hardnäckigkeit bewiesen Deinen Gang zu Dir selbst zu gehen. Du hast auch einen guten Beruf der immer noch sehr gefragt ist. Vielleicht kann ja nach dieser Auszeit und etwas Abstand ein Neuanfang in einer anderen Firma, wo Du keine Vergangenheit als Mann hattest gelingen. Ich wünsche das Dir ein Neuanfang gelingt und drücke Dir ganz fest die Daumen. Daniele
[05.10.19 / 17:11] Drea Doria: Meine liebe Morgana,
bin 5 T post all-in-one-FzF-OP. Deine guten Wünsche haben geholfen. Der Koch ist immernoch noch super. Alle hier sind herzlich und nehmen sich Zeit.
Herzlich
Drea
[14.06.19 / 12:57] Drea Doria: Meine liebe Morgana,
vielen Dank für Deine offenen und kritischen Erlebnisberichte. Ich bin in 3 Monaten in Sanssouci zur FzF-OP. Ich denke auch, was kann schon schief gehen, status quo geht nicht und irgendwas besseres wird wohl resultieren. Wenn es Dich interessiert, halte ich Dich informiert. Drücke mir die Daumen.
Herzlich
Drea
[14.11.17 / 20:13] Morgana LaGoth: Nutzungsbedingungen für die Kommentarfunktion: Die Seitenbetreiberin behält sich das Recht vor, jeden Kommentar, dessen Inhalt rassistisch, sexistisch, homophob, transphob, ausländerfeindlich oder sonstwie gegen eine Minderheit beleidigend und diskriminierend ist, zu zensieren, zu kürzen, zu löschen oder gar nicht erst freizuschalten. Werbung und Spam (sofern die Seitenbetreiberin dafür nicht empfänglich ist) wird nicht toleriert. Personenbezogene Daten (Anschrift, Telefonnummer) werden vor der Veröffentlichung unkenntlich gemacht.
1